Fotoalben

Heureka!
Die Fotoalben sind nun Tatsächlich alle gesammelt auf der Seite „GloboPics“ zu finden.

Viel Spaß

Wir kämpfen ja seit einiger Zeit damit, Fotoalben vernünftig in unsere WEB-Seite einzubinden. Und da es uns leider bisher nicht gelungen ist, dies ganz normal unter einem eigenen Reiter zu tun, hier nun eine Gebrauchsanweisung, um unsere Fotos zu finden:

Blättert einfach auf irgendeiner der Seiten bis ans Ende und betrachtet dort die Fußzeile. Dort findet Ihr in der rechten Spalte unterhalb von „Meta“ die „Foto Alben“, die Ihr dann einfach anklicken könnt. Das sieht dann in etwa so aus:

Alben

 

どうも有難う

20151005-Tokyo-Nikon-80Vier Tage Japan, genauer gesagt Tokyo, liegen nun hinter uns und im Moment sitzen wir in einem der „langsameren“ Shinkansen auf dem Weg nach Kyoto. Für die 513 km wird er zwei Stunden und vierzig Minuten brauchen.
Der Zug fährt zunächst in normalem Tempo durch die Großstadt, beschleunigt aber bald und donnert dann durch hügelige bis bergige Landschaften, bald am Meer entlang, rechts den in Wolken liegenden Fuji passierend.
Von Tokyo nach Kyoto fährt alle zehn Minuten ein anderer Zug und die sind superpünktlich. Dank unseres Japan Railway Passes nehmen wir von unserem Hotel einfach zu irgendeinem Zeitpunkt ein Taxi nach Tokyo Station, betreten den Schalterraum und lassen uns sagen, 20151007-Tokyo-Lumix-10wann der nächste für uns zugelassene Zug fährt. In 25 Minuten, wird uns mitgeteilt und sofort erhalten wir eine Sitzplatzreservierung. Wir hätten aber auch einfach so zum Bahnsteig gehen und einsteigen können, Plätze gibt es genug.
Der Zug steht schon bereit, doch die Türen sind noch verschlossen. Geduldig warten die Reisenden darauf, dass sich die Türen öffnen, doch im Moment ist noch das Reinigungsteam zugange. Erst vier, fünf Minuten vor der Abfahrt werden die Türen geöffnet. Pünktlich auf die Minute starten wir.

Unsere ersten Eindrücke und Erfahrungen in Tokyo sind sehr positiv. 20151003-Tokyo-Lumix-01Wir fühlen uns hier wohl und sind sehr angenehm überrascht, dass es sich hier deutlich günstiger leben lässt als in den USA. Die durch die 80er und 90er Jahre geprägte Vorstellung, man könne sich Japan nicht leisten, hat sich offenbar schon seit langem überlebt.
Es gibt hier aber noch einige andere Vorteile gegenüber den USA. Am besten finde ich, dass der Unfug mit der „Tiperei“ endlich ein Ende hat. Welch ein Quatsch, der dort mittlerweile bis ins Absurde betrieben wird. Hatte man früher ja immer die Richtschnur von 10% für die Serviceleistung gezogen, ist es heute so, dass einem oft bereits auf der Rechnung oder beim 20151006-Tokyo-Lumix-06elektronischen Bezahlen ein Trinkgeld in Höhe von 15, 20 oder 25 Prozent nahegelegt wird. Und nicht nur das lässt einen die wahren Kosten, zum Beispiel eines Restaurantbesuches nur erahnen, sind doch die ausgezeichneten Preise immer exklusive Steuern, die noch dazu von Staat zu Staat variieren. So wird dann für ein Netto-Essen um die 40 Dollar, mit Tip und Steuern am Ende schnell einmal ein Betrag von 53 bis 55 Dollar fällig. Was spricht dagegen, dass die Wirte die Servicekräfte gleich anständig bezahlen und was dagegen, die Steuern auszuweisen? Nix! Und genau darum gibt es dieses Problem in Japan überhauptgargarnicht: Hier wird exakt das bezahlt, was auf der Speisekarte angekündigt wurde und sonst nichts –auch kein Trinkgeld. Ebenso funktioniert das Taxifahren oder was auch immer: Transparent und ehrlich.

20151005-Tokyo-Lumix-05Und überhaupt Essen: das ist natürlich eine Offenbarung. Klar ist das nicht jedermanns Sache, uns aber schmeckte bisher alles was wir hatten wunderbar. Julia wird dazu noch ihre fachkundige Feder schwingen. Aber ich muss gestehen: Ich wurde schwach! Als ich in der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses in Tokyo eine echte Laugenbrezel sah (bei einem offenbar schwäbischen Bäcker), da musste ich zugreifen 🙂

P1060763Wir haben in den Tagen viele Kilometer zurückgelegt und haben vieles gesehen und natürlich reichte die Zeit dennoch nicht, um mehr als einen Eindruck von Tokyo zu bekommen. Zum Glück hat uns unser (halb-)virtueller Reiseleiter Günter doch viele hilfreiche Tipps über das Internet zukommen lassen, zuletzt sogar per Videotelefonie. Vielen Dank!!
Wir sind gespannt auf Kyoto, wo wir nun in wenigen Augenblicken ankommen werden.

Tokio!

Ha! Sie haben uns reingelassen! Und sie tun sowieso nur Dinge, die uns gut tun. Diese Japaner sind schon sehr erstaunlich.

Bye-bye Hawaii
Bye-bye Hawaii

Zuerst gab es einen angenehmen Flug über den Pazifik, bei dem wir auch die Datumsgrenze überquerten. Seither habe ich keine Ahnung mehr, wie spät an welchem Tag es in Deutschland ist. Mit meiner neuen Handykarte kann ich wieder so schön whatsappen, weiß aber nie, wie hoch die Chancen auf eine baldige Antwort sind.

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In Tokio angekommen, klappte alles wunderbar, die Metro 20151006-Tokyo-Lumix-09trug uns in die Nähe unseres Hotels, ein Taxi brachte uns die letzten zwei Kilometer (die Taxifahrer tragen in ihren funkelnden, blitz-sauberen Wagen Anzug und Krawatte), der Portier begrüßte uns freundlich und das Zimmer erfüllte alle Erwartungen: ein kleiner Eingangsbereich, in dem man die Schuhe abstellt, ein Vorräumchen mit Holzfußboden, von dem Bad, Toilette und das eigentliche Zimmer abgehen. Dieses ist mit Tatamimatten ausgelegt, darauf ein Futon mit blütenweiß bezogener Decke und zwei recht harten Kissen, die Bettwäsche wird täglich gewechselt.

Geduscht habe ich in unserem Miniapartment noch nicht, denn direkt über uns, im sechsten Stock des Hotels, befindet sich der klassische japanische Badebereich, ein großer gekachelter Raum, an einer Wand der „Säuberungsbereich“ mit Duschen, kleinen Plastikschemeln und Spendern mit duftender Seife, Shampoo und Conditioner (von Shiseido, hmmm). Auf der anderen Seite eine gemauerte Wanne randvoll mit heißem Wasser, in das man nach der Reinigung genüsslich eintauchen kann. Oh, es ist herrlich! Wobei das Ganze wohl eher für abends gedacht ist, das Bad ist die ganze Nacht über geöffnet und morgens war ich bisher immer die Einzige dort.

Über den Dächern von Tokio
Über den Dächern von Tokio

Und die Stadt. Wie groß sie eigentlich ist, haben wir gestern Abend erfasst, als wir in den obersten Stock des Rathauses fuhren und einen Wahnsinnsrundumblick auf das abendliche Tokio hatten. Die Stadt dehnt sich in alle Richtungen bis zum Horizont aus, futuristische Architektur und dichte Wohnbebauung, aber auch viele Tempel und Schreine. Jeder Stadtteil hat seinen ganz eigenen Charakter. Wir wohnen in einer total ruhigen Gegend, die doch sehr zentral und gut angebunden ist, um uns rum vier Metrostationen, die uns in alle Himmelsrichtungen bringen.

20151005-Tokyo-Lumix-04Aber alles geht seltsam ruhig und entspannt für so viele Menschen vonstatten. Wir kamen an einem Sonntag an und dachten, dass sei die beschauliche Wochenendruhe, aber auch gestern und heute war es kaum anders. Die Autos fahren fast lautlos, gehupt wird gar nicht, die Menschen laufen zielstrebig, aber nicht hektisch, die Metro funktioniert perfekt und transportiert Millionen Menschen täglich. Die Stadt dehnt sich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal aus, nach oben durch endlose Stockwerke, aber auch nach unten. Gerade in den den Bürovierteln gibt es mindestens zwei unterirdische Stockwerke, in denen sich kilometerlang Geschäfte und Restaurants aneinanderreihen. Eine zweite Stadt unter der Stadt mit allem, was man so braucht. Einen Friseur zum Beispiel, den Eric gestern freudig testete. Ein ganz eigenes System: Man betritt durch eine Glasschiebetür einen kleinen Container, zahlt an einem Automaten 1065 Yen (etwa acht Euro), erhält dafür ein Ticket, setzt sich auf ein Bänklein, auf dem schon andere Herren einer Behandlung durch einen der drei Figaros harren, die an drei identisch ausgestatteten Frisierplätzen im Akkord Haare schneiden. Wird einer der Plätze frei, 20151004-Tokyo-Nikon-74leert sich die Bank, man gibt dem Meister das Ticket, stellt seine Tasche in ein Schränkchen, nimmt Platz und schildert kurz sein Anliegen. Der Friseur schneidet, rasiert und kämmt stumm, vollendet dann sein Werk und saugt den Kopf des Beschnittenen mit einer Art Staubsauger ab. Der Aufsatz, der den Kopf berührt hat, kommt dann sofort in eine Desinfektionsanlage, der Anzug wird noch abgebürstet, der Schrank geöffnet, damit der Kunde seine Tasche wieder rausnehmen kann, eine kurze Verabschiedung (Trinkgeld kennt man hier nicht), dann wird kurz gefegt, die abgeschnittenen Haare in eine Sauganlage gekehrt, das letzte verirrte Haar mit einem Staubwedel aufgespürt, die Instrumente geordnet und dann der Nächste bitte. Immer und immer wieder das selbe Ritual. Im Zweifel ein Leben lang. Schon anders hier.

Aber die Menschen sind sehr angenehm, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Leider fällt die Verständigung nicht leicht, Englisch können die wenigsten, aber irgendwie kommt man durch und mit nicken und lächeln versteht man sich dann schon.

Traditionelles findet sich nur noch selten, aber immer mal wieder sieht man eine Frau im Kimono, seltener auch mal einen Mann in entsprechender Robe.

Kaffee bei Starbucks20151003-Tokyo-Nikon-01

Das echte Japan-Feeling bekommt man in den wunderschönen Tempeln. Gleich am ersten Tag hatten wir das Glück, in eine Hochzeitszeremonie zu geraten, der Tempel ist nach vorne offen und es scheint ganz normal zu sein, die Trauung von außen zu beobachten. Eric hat viele schöne Bilder gemacht, aber die müssen wir nachreichen, er kämpft mit der Internetverbindung.

Vieles vieles gäbe es noch zu berichten, aber wir haben ja noch viele Tage vor uns. Morgen beginnt unser Japan-Interrail-Abenteuer, für drei Wochen können wir kreuz und quer mit der Bahn durchs Land fahren. Unser nächstes Ziel ist Kyoto. Von dort aus mehr!

Absoluter Last Minute Flug

Freitag, 02. Oktober, Tag der Abreise aus den USA.
Alles ist schon lange geplant, den Flug von Honolulu haben wir bereits vor mehr als sechs Wochen noch in Irland gebucht, weil die Amerikaner einen ohne Ausreiseticket ja gar nicht erst einreisen lasen.
Auch das Ticket für den Shuttleservice zum Flughafen haben wir bereits in der Tasche. Um 10:50 sollen wir am Hotel abgeholt werden, um 14:00 Uhr geht der Flieger.
Bis der Chauffeur dann tatsächlich auftaucht, vergehen dann aber doch bereits 20 Minuten, aber es ist ja genug Zeit und um kurz nach 12:00 Uhr stehen wir in der Check-In-Schlange. Es geht eigentlich ganz gut voran.
Dann sind wir an der Reihe und der freundliche Mann von China Airlines gibt unsere Daten ein. Alles ist gut und soweit geklärt. -Bis er wissen möchte, wann und wohin unser Flug denn dann später weg von Japan gehen wird, wir hätten bislang ja nur ein einfaches Ticket nach Japan gebucht.
Wir erklären ihm, dass wir etwa dreieinhalb Wochen bleiben wollen und es dann vielleicht, nur damit er was zum festhalten hat, auf die Philippinen gehen soll.
Sie haben noch kein Ticket für die Weiterreise?, meint er.
Nö, haben wir nicht. Wir sind auf einer Weltreise und die Seiten des Auswärtigen Amtes haben dies, im Gegensatz zu den Reiseinformationen zu den USA, nicht als nötig aufgeführt.
Der freundliche Mann schaut noch einmal in seinen Systemen nach, kommt aber zu der selben Erkenntnis wie zuvor. Er zitiert uns die entsprechenden Passagen und wir fragen ihn, was wir denn da nun tun können…
Tja, da gibt es genau eine Möglichkeit und die lautet: Innerhalb der nächsten 30 bis 40 Minuten ein Ticket raus aus Japan buchen.
Ähm -wie?
Also: Wie denn?
Zum Glück ist der freundliche Mann sehr freundlich und sagt ganz lässig, dass sie ja ein Internet-Office hätten und wir ihm folgen sollen.
Er geht los, wir hinterher, auch als er in den Bereich geht, der eigentlich China Airlines Mitarbeiter vorbehalten ist. Wir landen im Büro der Airline hinter den Kulissen und bekommen einen Platz an deren Arbeitsrechnern zugewiesen. Hier dürfen wir nun kurzfristig den Fortgang unserer Reise planen…
Hey, genau das, dachten wir, würden wir mit dem Verlassen der USA, auch hinter uns lassen und endlich noch spontaner entscheiden dürfen, wo wir wie lange bleiben wollen.
Aber nein, immer mehr Staaten führen diese schwachsinnige Reisebeschränkungen ein! Als ob irgend jemand, der unbedingt in ein Land einreisen möchte, nicht auch notfalls ein billiges Weiterflugticket opfern würde.
Also dann, auf die Plätze, fertig, los!
Wir starten die Suche nach Möglichkeiten. Lediglich als morgendliche Bemerkung Julias: „Oh, die Philippinen sind ja gar nicht weit von Japan entfernt“, war der Inselstaat in unsere Köpfe gekommen. Jetzt musste er plötzlich als potentielles Reiseziel herhalten.
Ungeübt in solchen Nöten, steckten wir zunächst viel Zeit in die Suche nach erstattungsfähigen Flügen, so dass wir zwar den Japanern etwas vorzuweisen, uns die Freiheit aber mittels Storno des Flugs zurückgeholt hätten. Bei Kosten von über 1.000,- € pro Ticket und ohne echte Infos zum Verfahren, erschien uns dies aber zu risikoreich. Aber: In diesem Metier müssen wir uns wohl notgedrungen noch schlau machen…
Der freundliche Mann tauchte das erste mal wieder auf und fragte nach dem Fortschritt. Wir vertrösteten ihn. Er verließ uns wieder.
Oh, oh! Was tun??
Und wie so oft in den USA, so ist auch dieses Netzwerk furchtbar langsam, die Antwortzeiten der Seiten ewig.
Was ist mit Taiwan? Aber wollen wir dort hin?
Dann doch die Philippinen. Julia wollte da eigentlich lieber niemals hin. So viele Naturkatastrophen, so viel Gewalt.
Aber jetzt ist alles anders und die Not diktiert den Takt. So wird unser nächstes Ziel nach Japan geboren: per günstiges Ticket aus Japan heraus.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Wir wählen ein Reiseunternehmen aus München, bei dem ich schon vor fast 30 Jahren einen meiner ersten Flüge buchte.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Wir geben die abgefragten Informationen ein. Namen, Geburtstage, Adresse, u.s.w.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Dann, endlich, die Möglichkeit zu bezahlen.
Aber, was ist das für’n Quatsch??
Drei Zahlungsweisen und keine davon mit der Kreditkarte??
Julia wählt die Option, die ohne Zusatzkosten und mit „Online Banking“ beschrieben ist.
Schnell die Bankleitzahl eingegeben und auf „Weiter“ geklickt.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Dann: Neiiiiin! Die wollen eine TAN-Nummer! Wo ist der TAN-Generator? Bei uns? In den zurückgelassenen Rucksäcken?
Puh! Julia findet ihn.
Auf dem Bildschirm flackern wie wild Barcodestriche. Man wird aufgefordert, den Generator auf den Bildschirm zu richten.
Der freundliche Mann kommt wieder.
Wir haben’s gleich! Nur noch bezahlen!!!
Er staunt und schaut gebannt dem Flimmern auf dem Monitor zu. Das habe er ja noch nie gesehen -tolle Technik! Wir auch nicht.
Doofe Technik, denn nichts tut sich! Die Seite ist wie tot.
Wieder warten.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Dann, endlich, eine neue Möglichkeit. Dieses mal ganz konventionell mit Eingabe einer TAN aus dem Generator.
Geschafft!!!
Nur noch an meinem E-Mail-Konto anmelden und die Buchung ausdrucken.
Ewig dauern die Aufrufe der Seiten.
Da ist es! Ausgedruckt! (Hoffentlich wird sich keiner daran stören, dass da -auf deutsch- steht, dass unsere Buchungsanfrage innerhalb der kommenden 72 Stunden überprüft wird -das ist noch gar keine bestätigte Buchung…).
Schnell zurück in die Schalterhalle. Keine Warteschlangen mehr weit und breit. Nur, einsam, unsere beiden Rucksäcke.
Wir werden umgehend eingecheckt und bekommen sogar einen Stempel „Golden Line“ aufs Ticket gedrückt, der uns erlaubt an der Schlange vor der Sicherheitskontrolle vorbei zu gehen, damit wir noch pünktlich zum Gate kommen.
Wir eilen und sind pünktlich am Flieger.
Und gespannt, was die Japaner zu unserem „Weiterflugticket“ sagen werden.
In wenigen Stunden sind wir schlauer 🙂

Waikiki

Es gibt drei Orte auf unserer bisherigen Reise, an denen ich früher schon mal war und Honolulu gehört dazu (Las Vegas und Los Angeles sind die anderen beiden). Ich war dreizehn, als ich mit meinem Vater am Strand von Waikiki war und in meiner Erinnerung war er sehr groß. Wahrscheinlich hat ein Sturm den Sand davon getragen, an meinem blendenden Gedächtnis kann’s natürlich nicht liegen 🙂 20150930-Hawaii-Lumix-226Also, der Strand ist lang, aber nicht sonderlich breit, dafür hat das Wasser eine wunderbar türkise Farbe und Tag und Nacht lauern die Surfer auf Wellen. Die Wogen sind nicht so spektakulär wie zum Beispiel an der Atlantikküste, aber lange auslaufend, so dass die Wellenreiter ein beachtliches Stück zurücklegen können. Der Strand ist voll, das Wasser auch, aber die Stimmung ist relaxed und es macht wirklich Spaß, in den Wellen zu dümpeln. Die Sonne brennt und wir schwäbischen Schlaumeier haben keine Sonnencreme dabei und kaufen uns für zwei Tage auch keine (eh alles teuer hier), also sind unsere Strandzeiten begrenzt. Aber mir reicht es sowieso, im Pazifik zu planschen.

Unser Hotel ist um die Ecke vom Strand, P1060738von unserem Balkon haben wir tatsächlich Meerblick und dafür war es fast ein Schnäppchen. Nach den tropisch-feuchten Unterkünften auf Big Island tut so ein gediegenes Hotelzimmer richtig gut, die Klamotten sind wieder trocken und heute Abend wird uns der DVD-Spieler den zweiten Teil des „Best Exotic Marigold Hotel“ zeigen, in der Lobby kann man sich alle möglichen DVD’s ausleihen. Das Haus ist voll in koreanischer Hand und die Touristen in Waikiki sind sowieso überwiegend Japaner, das wird den Kulturschock in Tokio vielleicht etwas dämpfen.

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Als ich heute im blauen Pazifik dümpelte und etwas weiter nach links abgetrieben wurde, sah ich auf einmal das Hotel, in dem wir vor über 35 Jahren gewohnt haben. Prächtig renoviert ist es heute die „Grand Old Lady“ unter den Herbergen in Waikiki. Jetzt wäre eine Zeitmaschine toll, um der Teenie-Julia zuzurufen: Hey Kleine, don’t worry, wird alles zwar nicht ganz leicht, aber Du wirst es hinkriegen, Dir Deinen großen Traum zu erfüllen (von dem Du jetzt noch nicht weißt, dass Du ihn haben wirst). Ich denke mal ganz fest daran und vielleicht hat sie es gehört…

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Big Island

Unser Cottage im Dschungel
Unser Cottage im Dschungel

Nach den vielen Wüsten, die wir auf unserer bisherigen USA-Reise durchquerten, bekommen wir auf Hawaii nun einen kräftigen Kontrast dazu geboten.
Anders als ich es mir vorstellte, ist es nicht so, dass wir hier jeden Tag bei 40 Grad am Strand liegen. Dass es nicht so ist, das hat zum Teil mit unserer Wahl zu tun, uns für sechs Tage ein Cottage an der Ostküste von Big Island zu nehmen, etwa 20 Kilometer südlich von Hilo gelegen. Tja, und Hilo, so haben wir nun gelernt, gehört zu den regenreichsten Städten der Welt… Zudem kamen in den letzten beiden Tagen auch noch Warnmeldungen vor den Ausläufern eines tropischen Sturms im Radio, der vor der Küste Hawaiis tobte -es sei mit starkem Regen und Wind zu rechnen, man möge auf weitere Meldungen lauschen.
Sehr starke Regenfälle gab es denn auch tatsächlich. Es prasselte heftig auf das Dach unseres Hozhäuschen, was uns auf unserer riesigen Veranda aber gerade mal gar nicht juckte.

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Irgendwoher muss der tropische Garten mit den Avocado, Limetten, Guaven und Orchideen um uns herum ja schließlich kommen 😉20150922-Hawaii-Lumix-61

Das ist dann auch schon der zweite Grund, warum das Strandleben bislang noch nicht stattfand: Unser Häuschen liegt nicht am Strand. Es liegt im Dschungel!
Fährt man vom Highway auf die Orchidroad ab, so ist es fast noch ein Kilometer auf unbefestigter und unbenamter Straße zu fahren, im Schneckentempo durch wassergefüllte Schlaglochkaskaden.
Es war ein idealer Ort, um von den vielen zurückgelegten Kilometern zu entspannen und einfach mal fast nichts zu tun, außer ab und an einen der wunderschönen 20150921-Hawaii-Lumix-24Goldstaubtag-Geckos zu beobachten oder in der Dunkelheit den Fröschen zuzuhören, die hier wie Vögel singen können.
Wer sich das mal ansehen mag, der kann die Homepage der beiden sehr netten Betreiber besuchen: Cottage-Homepage
Ab und an haben wir aber durchaus etwas unternommen. So fuhren wir zu einem Abendmarkt nahe dem Meer. Eigentlich war es so etwas wie ein Hippietreffen auf dem Lande. Menschen allen Alters liefen dort in Hawaiihemden oder Batikklamotten herum. Ca. 60 Prozent waren teils heftig tätowiert und alle lachten einen freundlich an -ok, ab und an lag auch ein süßlicher Geruch in der Luft…
Neben Essen wurde dort vor allem selbstgebastelter Schmuck feilgeboten, aber auch waffenfähige Bumerangs. Auf einer Bühne spielte eine Band hawaiianischer Wonnebrocken 20150924-Hawaii-Lumix-96Hula-Musik und immer wieder kamen einzelne Gäste hinzu, die sich grazil im sanften Rhythmus der Musik bewegten. Es herrschte eine sehr gute Stimmung.
An einem anderen Tag besuchten wir den Vulkan Nationalpark. Big Island ist, wie der Name schon sagt, die größte der hawaiianischen Inseln und sie wächst stetig weiter. Dies kommt von den vulkanischen Aktivitäten, deren Spuren man allenthalben beobachten kann: Immer wieder gibt es die natürlich länger schon abgekühlten Lavaströme zu sehen, die alles niederwalzten, was ihnen im Wege stand. Steht man in solch einem Lavastrom, dann sieht es eigentlich aus, als hätte ein gigantischer Pflug einen Acker mehrere Meter tief komplett auf den Kopf gestellt. 20150924-Hawaii-Lumix-133Aber das, was wie Erde ausschaut, das ist dann doch Gestein, wenn auch sehr poröses. Nach und nach setzt sich die Pflanzenwelt auch dort wieder durch und aus dem teils tiefschwarzen Grund, stechen grün leuchtende Blätter hervor.
Wir durchwanderten einen ausgekühlten Krater, der zuletzt 1959 ausgebrochen war und aus dem auch noch heute immer wieder Rauchschwaden aufsteigen. Am Abend dann, konnte man von einem Aussichtspunkt aus einen Blick auf einen noch immer aktiven Krater erhaschen.20150924-Hawaii-Nikon-58 In der Dunkelheit wurde er von der tief unten wabernden, glühenden Lava tief rot erleuchtet.
Aber wir haben auch ein wenig vom Leben in einer kleinen hawaiianischen Stadt mitbekommen, denn an unserem letzten Abend gab es in Hilo eine lange (tatsächlich für alle alkoholfreie) Nacht mit diversen Bands auf verschiedenen Bühnen. Es wurde teilweise heftig wild getanzt und man konnte so manch interessante Type beobachten, die bei uns vermutlich gleich nach Berlin entschwinden würde. Hier tut es Hilo 🙂
Hilo hat was, nicht nur Regen!

I’m afraid of Americans

Das ist der Titel eines David Bowie Songs und um es vorwegzuschicken: Nein, ich habe die Phalanx der Ami-Skeptiker nicht verlassen. Denn wie vorbildlich kann eine Nation schon sein, bei der am Eingang zu öffentlichen Bibliotheken ein Schild prangen muss, auf dem eine Pistole mit durchgezogenem roten Diagonalbalken zu sehen ist?
Oder noch schlimmer: Die den deutschen Erfindergeist unterschätzt und uns nicht die eine oder andere Dreistigkeit bei der Vermarktung unserer Produkte und der Einhaltung ihrer läppischen Abgasnormen zutraut ;-)?
Ob jetzt Fracking, NSA-Spionage, Guantamo oder VW-Beschiss -wen von den Entscheidungsträgern kümmert es denn wirklich? Und was die können, das können wir schon lange -also, böse Buben sein.
Aber um zum Positiven überzugehen, möchte ich doch auf meine Läuterung in zumindest einem Punkt hinweisen.
Hatte ich schon in der Schule gelernt, dass der Ami oberflächlich sei und nichts anderes als Smalltalk pflege, was selbstredend als minderwertig zu betrachten wäre, so durfte ich auf unserer Reise erfahren, wie gut diese Art doch sein kann.
Allenthalben wird man freundlich angesprochen, wird einem das Interesse am Anderen signalisiert. Man wird zu einem Gespräch eingeladen und kann dies annehmen, ohne die Befürchtung im Hinterkopf zu haben: Oh ne, was quatscht der mich an? Ich will mich jetzt nicht die nächsten sechs Stunden im Flieger mit dem unterhalten.
Denn das Gespräch ist zunächst einmal eine Freundlichkeit, bei der auch jederzeit klar ist, dass man nach ein paar Minuten wieder seiner Wege gehen kann. Die zwanghafte Verbindlichkeit, diese digitale 0 oder 1 Option der Beziehungspflege bei uns zuhause, die ist hier tatsächlich ausgehebelt. Man tritt sich hier mit einer oft auch erfrischenden Unverbindlichkeit gegenüber und hat so im Laufe eines Tages immer wieder erfreuliche Kurzkontakte, die bei uns gar nicht erst zugelassen werden.
Ist das nicht eigentlich schade?

Neun Gerüchte über Hawaii, die wir widerlegen

Nummer 1: Es gibt kein Bier auf Hawaii

Ha, gibt es doch! Sie haben ihr eigenes und – falls das nicht reicht – auch noch unseres!
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Nummer 2: Hawaii ist Tag und Nacht von tropischer Wärme geküsst

Das dachte sich auch Eric, als er meinen Rat in den Wind schlug und keine Jacke mitnahm zum abendlichen Vulkangucken. Total durchgefroren setzten wir uns danach ins Auto und fuhren mit voll aufgedrehter Autoheizung durch den tropischen Urwald zurück.

Nummer 3: Hula lebt maximal noch als Hula Hoop Reifen

Unseren Vermietern sei Dank konnten wir Original Hula in Uncle Robert’s Kava Bar erleben. Wahnsinn! So möchte ich auch tanzen können…

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Nummer 4: Rohen Fisch mit Reis gibt’s nur als Sushi und Sashimi
Poke!!!! Ich könnte mich reinlegen! Und den frischesten, wahrscheinlich auch besten gibt es im Suisan Fish Market, bestimmt 10 verschiedene Sorten, zwei davon angerichtet auf warmem Reis – genial!
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Nummer 5: Hawaii glänzt durch steten Sonnenschein

Tja, stimmt wohl für den größten Teil. Aber nicht für Hilo, eine der regenreichsten Städte der Welt. Unser Haus liegt im Bezirk Hilo… Gerade trommelt wieder ein heftiger Guss auf das Dach unserer Veranda. Die Frösche freut’s, sie quaken noch lauter. Aber egal, wir sind nicht zum Braunwerden hier.

Nummer 6: Milch wird ja wohl billiger sein als Benzin

Pah, hier kriegt man locker zwei Gallonen Benzin für eine Gallone Milch. Die kommt nämlich gekühlt vom Festland und das ist 6000 km weg. Also gehen wir sparsam mit dem weißen Gold um genauso wie mit Brot, eine Packung Toast für fünf Dollar… Dafür gab’s zwei frische Papaya vorhin auf dem Markt für einen Dollar, gleicht sich also wieder aus.

Nummer 7: Die weißen Traumstrände Hawaiis warten eine Ewigkeit auf Dich
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Eine ganze Menge sind auch schwarz und darüber freuen sich vor allem die Schildkröten, die sich im warmen Sand gerne mal von ihrer Schwimmerei ausruhen. Wenn die Vulkane spucken, kann ein Strand aber schnell auch von Lava überrollt werden und wo heute noch Meer ist, kann bald schon ein neuer Strand gewachsen sein.

 

Nummer 8: Geckos ernähren sich nur von Insekten

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Der da nicht! Die anderen hier sind aber auch so schön grün, obwohl sie keine Marmelade kriegen…

 

 

Nummer 9: Eric hat auf Hawaii die Weißfleckenkrankheit ereilt!

Nein, er lief nur zu wenig barfuß und viel zu lange mit seinen Sandalen rum… 20150921-Hawaii-Lumix-39

22 Stunden L.A.

Ein kurzer Abstecher nach Los Angeles vor unserem Weiterflug nach Hawaii, das war der Plan. Vielleicht ein gemütliches Abendessen mit Michael und seiner Freundin Tara, früh ins Bett und nach einem opulenten Frühstück auf zum Flughafen. Hatten wir gedacht…

Michael ist der Bruder von Erics Freund Johannes, und lebt seit über 20 Jahren in Los Angeles. Von ihm kam ein paar Tage vorher die Ankündigung, in die Hollywood Bowl zu einer Abba-Show gehen zu wollen. Wir können uns um halb 8 vor der dem Einlass treffen. Ja, warum nicht? Wir hatten zeitlich großzügig geplant, sogar noch einen kurzen Abstecher ins Outlet-Center eingeschoben und es sah alles entspannt aus, doch dann kamen wir ins Verkehrschaos von LA. 60 km vor der Hollywood Bowl fing das Schritttempo an und so kamen
wir erst kurz vor halb 8 an. Um von Michael sofort je ein Schild „20150919-Los-Angeles-Lumix-03We need 1-5 tix“ in die Hand gedrückt zu bekommen. Eine halbe Stunde später hatten wir 11 Gratis-Tickets und einem schönen Abend mit Abba stand nichts mehr im Wege. Die Plätze waren klasse, die Temperaturen sehr mild, das letzte Bier aus unserem Kofferraum schmeckte auch lauwarm, die Leute um uns rum waren gut drauf. Zunächst trat – quasi als Vorgruppe – der Schwulenchor von Los Angeles an und präsentierte die größten Elton-John-Hits – sehr witzig!

Und dann kam Abba, 20150919-Los-Angeles-Lumix-18nicht ganz die echten, aber wenigstens aus Schweden und dem Original sowohl stimmlich als auch äußerlich verblüffend ähnlich. Die Stimmung stieg, alles tanzte und sang mit.

Als Elfjährige hatte ich in Hamburg leider viel zu spät erfahren, dass Abba ein Konzert geben, daraufhin meine Eltern angefleht, sie mögen etwas tun, damit ich an Karten für die längst ausverkaufte Show komme. Daraufhin gaben sie tatsächlich ein Inserat im Hamburger Abendblatt auf „Bieten Höchstpreise für Abba-Karten“, aber diejenigen, die sich dann meldeten, hatten so unverschämt Preisvorstellungen, dass ich nie an Tickets kam. Aber jetzt, in der legendären 20150919-Los-Angeles-Lumix-07
Hollywood Bowl, in der schon die anderen Idole 20150919-Los-Angeles-Lumix-15meiner Jugend, die Beatles, aufgetreten waren, da konnte ich endlich Dancing Queen und Thank you für the music mitsingen, fast textsicherer als alle native singer um mich drum rum.

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Berauscht von einem knallbunten und fröhlichen Abend liefen wir durch die Straßen zu unseren Autos. Michael wollte uns noch einen kurzen Eindruck von der Stadt geben, ließ am Rande unseres Spaziergangs kurz durchblicken, dass er sich zu seinem 50. einen Porsche20150920-Los-Angeles-Lumix-37 gekauft hätte und bot mir an, ich könne mit ihm fahren. Und so fand ich mich in einem offenen Porsche-Cabriolet wieder und donnerte zu den dröhnenden Bässen von U2 durch die kalifornische Nacht, erntete neidische Blicke, als wir den Hollywood Boulevard vorbei an den Nachtclubs und mondänen Hotels  brausten. Jetzt bin ich ja eigentlich nicht leicht zu kriegen mit diesen flotten Flitzern, aber das war schon – sorry – geil!

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Erst ging es hinauf auf einen der vielen Hügel, um einen phantastischen Blick über die nächtliche Stadt zu ergattern, beschallt von der Dachterrasse eines sicherlich millionenschweren Häuschens hinter uns, auf der offensichtlich eine Poolparty mit Topblick über LA stattfand. Dann weiter durch die Stadt. Meine anfänglich vielleicht sogar etwas mitleidige Feststellung „Den kannst Du doch hier gar nicht richtig ausfahren“ erwies sich als Trugschluss – man kann… In schneller Folge gab es den Hollywood Boulevard, den Walk of Fame, das Chinese Theatre, die Location der Oscar-Verleihung, die Tophotels Hollywoods („Los, lauft da mal durch“. Haben wir natürlich gemacht), den Sunset Strip, den Rodeo Drive. Michael und ich im Porsche voran, Eric mit unserem treuen Jetta immer hinterher.

Es war schon nach 3 als wir im Büro von Michael ankamen, Airbnb-bedingt war sein Gästezimmer belegt, aber die ziemlich coole Kreativwerkstatt war ein sehr guter Ersatz. Airbed aufgepumpt und nur noch ins Bett fallen.

Um neun wachte ich auf, einigermaßen gerädert und nach dem Blick auf die Uhr mit der Überzeugung, dass es wohl zu spät sei für den Gospelgottesdienst, den Michael uns wärmstens empfohlen hatte. Schade… Da klingelt das Telefon, Anziehen, er ist in 5 Minuten mit Frühstück da und hat ein Auto für uns aufgetrieben, damit wir unseren Mietwagen rechtzeitig abgeben und trotzdem für den Rest des Tages mobil sein können. Also doch Gospelkirche! Kurz nach 10 kommen wir an, werden superfreundlich begrüßt, recht weit vorne in eine der Bankreihen gewunken, der Chor beginnt, dann Kirchen-TV über die beiden großen Monitore, der Pfarrer verkündet Neuigkeiten aus der Geme20150920-Los-Angeles-Lumix-47inde und bittet alle, die zum ersten Mal da sind, aufzustehen. Tun wir natürlich, zusammen mit einigen anderen, und die Gemeinde begrüßt uns – gesanglich und körperlich, meine Nachbarin umarmt mich, von allen Seiten werden uns Hände entgegen-gestreckt. Und dann ist es fast wie bei Sister Act, der Chor legt eine Meisterleistung nach der anderen hin, die Kirchenältesten, die vor dem Altar sitzen, hält es nicht mehr auf ihren Stühlen, ein alter Mann tanzt wie in Trance, verzückte bis entrückte Blicke der anderen, der Pfarrer swingt mit, Bauch und Herz sind berührt. Der Pfarrer stellt eine Polizistin vor, die als erste schwarze Frau eine Führungsposition in der Polizei von Los Angeles bekleidet, sie findet sehr versöhnliche Worte zu den Übergriffen auf Schwarze durch Polizeibeamte, bezeichnet diese als Chance für einen notwendigen Wandel. 20150920-Los-Angeles-Lumix-48
Und dann die Hauptpredigt, der Pfarrer wird immer lauter, redet sich in Rage und wird zum verzückten Rapper, begleitet von Beifallskundgebungen der Gemeinde und des Chors. Zum Ende nehmen sich alle bei der Hand und swingen gemeinsam zum letzten Song des Chors. Eine Umarmung zum Abschied – please com again – und dann ist es vorbei. Ein tolles Erlebnis!
Aber wir müssen weiter, denn Michael hat den nächsten Zeitmarker gesetzt – spätestens um 10 nach 12 bei ihm um das Auto abzugeben. Knapp vorher kommen wir bei ihm an, ich schon in leichter Panik wegen des knappen Zeitfensters und der Aussicht, mit einem fremden Auto allein hinter Eric her Richtung Flughafen fahren zu müssen. Wahrscheinlich habe ich zu viele Nervositätswellen ausgesendet, als wir bei Michael ankommen, hat er den Plan geändert: er fährt mit Eric zum Flughafen, ich darf duschen, im schönen Garten sitzen bleiben und die Beine hochlegen. Ja! Ich beobachte einen Kolibri, der von Blüte zu Blüte fliegt, ein Hörnchen, das über die Stromleitung läuft und genieße eine Stunde Ruhe. Aber dann geht’s zügig weiter, Eric und Michael haben noch eingekauft, wir machen schnell einen Salat und dann fix zurück in unsere Schlafunterkunft, 20 Minuten Packen, dann zurück zu Michael, der wartet schon mit fertigem Cappuccino, dann ab ins Auto Richtung Flughafen. Dort fix eingecheckt, Richtung Gate und schon geht’s los. Puh, LA in 22 Stunden, wir haben mehr gesehen und erlebt als manch Tourist in einer Woche. Danke Michael!

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