Tokio!

Ha! Sie haben uns reingelassen! Und sie tun sowieso nur Dinge, die uns gut tun. Diese Japaner sind schon sehr erstaunlich.

Bye-bye Hawaii
Bye-bye Hawaii

Zuerst gab es einen angenehmen Flug über den Pazifik, bei dem wir auch die Datumsgrenze überquerten. Seither habe ich keine Ahnung mehr, wie spät an welchem Tag es in Deutschland ist. Mit meiner neuen Handykarte kann ich wieder so schön whatsappen, weiß aber nie, wie hoch die Chancen auf eine baldige Antwort sind.

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In Tokio angekommen, klappte alles wunderbar, die Metro 20151006-Tokyo-Lumix-09trug uns in die Nähe unseres Hotels, ein Taxi brachte uns die letzten zwei Kilometer (die Taxifahrer tragen in ihren funkelnden, blitz-sauberen Wagen Anzug und Krawatte), der Portier begrüßte uns freundlich und das Zimmer erfüllte alle Erwartungen: ein kleiner Eingangsbereich, in dem man die Schuhe abstellt, ein Vorräumchen mit Holzfußboden, von dem Bad, Toilette und das eigentliche Zimmer abgehen. Dieses ist mit Tatamimatten ausgelegt, darauf ein Futon mit blütenweiß bezogener Decke und zwei recht harten Kissen, die Bettwäsche wird täglich gewechselt.

Geduscht habe ich in unserem Miniapartment noch nicht, denn direkt über uns, im sechsten Stock des Hotels, befindet sich der klassische japanische Badebereich, ein großer gekachelter Raum, an einer Wand der „Säuberungsbereich“ mit Duschen, kleinen Plastikschemeln und Spendern mit duftender Seife, Shampoo und Conditioner (von Shiseido, hmmm). Auf der anderen Seite eine gemauerte Wanne randvoll mit heißem Wasser, in das man nach der Reinigung genüsslich eintauchen kann. Oh, es ist herrlich! Wobei das Ganze wohl eher für abends gedacht ist, das Bad ist die ganze Nacht über geöffnet und morgens war ich bisher immer die Einzige dort.

Über den Dächern von Tokio
Über den Dächern von Tokio

Und die Stadt. Wie groß sie eigentlich ist, haben wir gestern Abend erfasst, als wir in den obersten Stock des Rathauses fuhren und einen Wahnsinnsrundumblick auf das abendliche Tokio hatten. Die Stadt dehnt sich in alle Richtungen bis zum Horizont aus, futuristische Architektur und dichte Wohnbebauung, aber auch viele Tempel und Schreine. Jeder Stadtteil hat seinen ganz eigenen Charakter. Wir wohnen in einer total ruhigen Gegend, die doch sehr zentral und gut angebunden ist, um uns rum vier Metrostationen, die uns in alle Himmelsrichtungen bringen.

20151005-Tokyo-Lumix-04Aber alles geht seltsam ruhig und entspannt für so viele Menschen vonstatten. Wir kamen an einem Sonntag an und dachten, dass sei die beschauliche Wochenendruhe, aber auch gestern und heute war es kaum anders. Die Autos fahren fast lautlos, gehupt wird gar nicht, die Menschen laufen zielstrebig, aber nicht hektisch, die Metro funktioniert perfekt und transportiert Millionen Menschen täglich. Die Stadt dehnt sich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal aus, nach oben durch endlose Stockwerke, aber auch nach unten. Gerade in den den Bürovierteln gibt es mindestens zwei unterirdische Stockwerke, in denen sich kilometerlang Geschäfte und Restaurants aneinanderreihen. Eine zweite Stadt unter der Stadt mit allem, was man so braucht. Einen Friseur zum Beispiel, den Eric gestern freudig testete. Ein ganz eigenes System: Man betritt durch eine Glasschiebetür einen kleinen Container, zahlt an einem Automaten 1065 Yen (etwa acht Euro), erhält dafür ein Ticket, setzt sich auf ein Bänklein, auf dem schon andere Herren einer Behandlung durch einen der drei Figaros harren, die an drei identisch ausgestatteten Frisierplätzen im Akkord Haare schneiden. Wird einer der Plätze frei, 20151004-Tokyo-Nikon-74leert sich die Bank, man gibt dem Meister das Ticket, stellt seine Tasche in ein Schränkchen, nimmt Platz und schildert kurz sein Anliegen. Der Friseur schneidet, rasiert und kämmt stumm, vollendet dann sein Werk und saugt den Kopf des Beschnittenen mit einer Art Staubsauger ab. Der Aufsatz, der den Kopf berührt hat, kommt dann sofort in eine Desinfektionsanlage, der Anzug wird noch abgebürstet, der Schrank geöffnet, damit der Kunde seine Tasche wieder rausnehmen kann, eine kurze Verabschiedung (Trinkgeld kennt man hier nicht), dann wird kurz gefegt, die abgeschnittenen Haare in eine Sauganlage gekehrt, das letzte verirrte Haar mit einem Staubwedel aufgespürt, die Instrumente geordnet und dann der Nächste bitte. Immer und immer wieder das selbe Ritual. Im Zweifel ein Leben lang. Schon anders hier.

Aber die Menschen sind sehr angenehm, sehr freundlich und sehr hilfsbereit. Leider fällt die Verständigung nicht leicht, Englisch können die wenigsten, aber irgendwie kommt man durch und mit nicken und lächeln versteht man sich dann schon.

Traditionelles findet sich nur noch selten, aber immer mal wieder sieht man eine Frau im Kimono, seltener auch mal einen Mann in entsprechender Robe.

Kaffee bei Starbucks20151003-Tokyo-Nikon-01

Das echte Japan-Feeling bekommt man in den wunderschönen Tempeln. Gleich am ersten Tag hatten wir das Glück, in eine Hochzeitszeremonie zu geraten, der Tempel ist nach vorne offen und es scheint ganz normal zu sein, die Trauung von außen zu beobachten. Eric hat viele schöne Bilder gemacht, aber die müssen wir nachreichen, er kämpft mit der Internetverbindung.

Vieles vieles gäbe es noch zu berichten, aber wir haben ja noch viele Tage vor uns. Morgen beginnt unser Japan-Interrail-Abenteuer, für drei Wochen können wir kreuz und quer mit der Bahn durchs Land fahren. Unser nächstes Ziel ist Kyoto. Von dort aus mehr!

4 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben,
    an dieser Stelle und zu dieser Gelegenheit einen ganz lieben Gruß nach Tokio aus Landau in der P..rovinz.
    Spaß und tolle Erlebnisse zu Eurer weiteren Reise brauchen wir nicht zu wünschen, das habt Ihr offensichtlich in Hülle und Fülle.
    Also weiterhin Gesundheit und Glück!

    1. Hallo Ihr lieben Adams!
      Schön, von Euch zu lesen. Wir freuen uns darüber sehr und wie ich es eben bei Johannes schrieb, sind wir auch froh darüber, dass wir offensichtlich doch nicht nur für uns schreiben, sondern dass Ihr ab und an unsere Reise verfolgt.
      Wir hoffen, Euch geht es gut und grüßen Euch mit einer kurzen japanischen Verbeugung!

  2. Heute hatte ich mir viel Zeit genommen um ein paar Tage ab L.A. zu lesen. Das liest sich so richtig gut als „Bettlektüre“- hat mir richtig Spaß gemacht zu lesen. Dann wünsche ich Euch eine gute Zeit in Japan mit vielen tollen Erlebnissen.

    1. Hallo Johannes,
      das freut uns, dass es Dir gefällt, von unseren Erlebnissen zu lesen und wir Dir damit zu hoffentlich schönen Träumen verhelfen 🙂
      Und wir freuen uns sehr, immer wieder mal Rückmeldung zu erhalten, so dass wir wissen: Ihr seid ein wenig mit dabei.
      Liebe Grüße nach Hause!

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