Don’t take the good weather with you…

… ermahnt uns der irische Gentleman als wir vor unserem Hotel in Dublin die Rucksäcke ins Taxi laden. Doch! Aber wir lassen es wenigstens in Irland. Es geht erst zum Flughafen und dort mit unserem lilafarbenen Flitzer Richtung Westen, zu den Cliffs of Moher. Eric fährt mittlerweile souverän links, aber die Straßen werden enger – und enger – und ganz eng. Da wird uns klar, warum die Autos hier alle an den Seiten so verkratzt sind. Ab in die Botanik, sobald Gegenverkehr sichtbar wird. Aber irgendwann erreichen wir unbeschadet Lisdoonvarna und beziehen das Hydro Hotel, ein Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert, und es wäre alles wie ein perfekter irischer Landsitz, wenn nicht so viele Deutsche da wären und wir schon an der Rezeption auf bayrisch begrüßt würden.

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Am nächsten Morgen starten wir für unsere Verhältnisse recht früh Richtung Küste und parken das Auto in Doolin. Von dort geht’s erst mal nach Norden, vorbei am Pier, an dem die Schiffe zu den Aran Inseln ablegen.

Das Wetter ist natürlich wunderbar – haben wir ja auch mitgebracht – wenn auch ein bisschen windig. Das tiefblaue Meer produziert beeindruckende Wellen, die an die Steilküste donnern. Grüne Wiesen, Schafe und Kühe, Meer und Cliffs – Irland-Klischee pur. Aber so ist es wirklich! Schaut selber:

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Ein sehr schöner Tag!

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Is das n Bier, oder was?

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Guinness?

Das braune Zeug, auf das die Frauen so steh’n, weil es so smoooooooth ist?
OK, der Schaum hat ja was. Aber es ist doch irgendwie vom Prickelerlebnis her wie das Wasser, das beim Fensterputzen den Abzieher herunterläuft.
Na gut. Dann gehen wir halt in diese Brauerei.

Aber zuvor wird erst einmal durch die Gegend gelaufen. Einfach mal drauf los. Unser Hotel Irland-36befindet sich ja relativ weit im Süden der Stadt und so bietet sich genügend Gelegenheit, auf die von meinem neuen, mir von den Ex-Kollegen geschenkten elektronischen Schrittzähler vorgegebene Anzahl an Steps zu kommen. „12.600 Schritte sollst Du tun, Eric“, sagt sie mir. Zurzeit ist das Erreichen dieser Vorgaben ein Kinderspiel! Als ich noch im Büro saß, da war es schon problematisch, auf die damaligen 8.000 zu kommen. Heute sind es locker zwischen 20.000 und 30.000 Schritte.
Die Methode, ungeplant loszuspazieren, sie ist doch immer wieder erstaunlich effizient. Irgendwie schaffen wir es doch, die wichtigen Dinge rein intuitiv aufzuspüren.
Als allererstes rangiert hier natürlich das Geburtshaus von George Bernhard:

Das ist das Haus vom...
Das ist das Haus vom…
nicht Nikolaus, sondern von Shaw.
nicht Nikolaus, sondern von Shaw.

Da erinnere ich mich doch sofort an eine Anekdote aus meinem langen Leben.
Als ich etwa 14 oder so war, da nahm mich meine Mutter mit auf eine Schmuckmesse nach München. Wir blieben dort zwei Nächte. Irgendwie war ich schon damals geprägt von antimünchner Ressentiments, die nicht zuletzt durch eben meine Mutter gepflegt wurden. Denn schließlich „haben diese undankbaren Münchner ihre schön aufgebaute Stadt ja nur den finanziellen Großzügigkeiten der armen Schwaben zu verdanken.“ Sic est!
Na ja, jedenfalls holten wir uns zurück, was unser war, auch wenn wir dafür schon wieder bezahlen mussten: Wir gingen ins Schauspiel.
Und gegeben wurde: Pygmalion! Und als wäre dies nicht genug, waren die Hauptrollen besetzt von, Ihr glaubt es nicht, Eric Ode und –USCHI GLAS!!!
Ich fand’s toll 🙂 -OK, ich war sehr jung.


STOP
Genau der richtige Zeitpunkt für eine kleine Frage:
Wer war Pygmalion?
Ein kleinwüchsiger Mann?
Nein! Ein griechischer Künstler (für Janni: Πυγμαλίων), der, so sagt es uns Wiki, frustriert war von den Propoetiden (schaut selber nach 🙂 ) und sich dann von der Frauenwelt abwendete.
Er, ganz Grieche und Künstler, schuf sich seine perfekte Frau dann einfach selber. Dumm nur, dass sie aus Stein war… Aber wozu gibt es Götter? Einmal ordentlich gefleht, und zack, da steht die Braut nicht mehr nur kalt in der Ecke herum, sondern ist plötzlich aus Fleisch und Blut.
Toller Trick irgendwie.
-Wer hätte es gewusst? Hm??


Als wir uns endlich loseisen konnten, ging es weiter, vorbei an bunten Türen und bunten Bäumen (???),
Irland-47Irland-42und, schwupp, standen wir vor der St Patricks Kathedrale. Der Patrick, der  für alle Iren einmal im Jahr für das Tragen riesiger grüner Zylinder und ein ordentliches Besäufnis herhalten muss.
Feiern, das können die hier irgendwie schon. Seltsam eigentlich, nachdem das Schicksal, oder eher die Engländer, es mit den Iren in der Vergangenheit eher weniger gut gemeint hat. So viele verhungerten und die Engländer schauten nicht nur zu, sondern hatten wohl eher nichts dagegen…

Das sind keine Wolken! Nur Lichtreflexe!
Das sind keine Wolken! Nur Lichtreflexe!

Dann kam der schwierigste Part der heute zu erledigenden Aufgaben.
L U N C H ! !
Waren wir gestern daran kläglich gescheitert, so durfte das heute nicht wieder geschehen. Aber das Schicksal war gnädig mit uns! Nicht nur, dass den ganzen, wirklich den ganzen Tag kein Wölkchen am Himmel zu sehen war (Ja Petra, es gibt ihn -den blauen Himmel über Irland!!), stießen wir doch kurz vor Guinness auf einen netten Pub, der uns sowohl seitens der Belegschaft, als auch von den Besuchern her, sehr, sehr jung erscheinen ließ.
Aber nun mal ganz ohne Ironie: Es war da lecker!
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Und nun ging es also endlich weiter zu

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Um es vorwegzunehmen: Man kann nicht wirklich in die Brauerei gehen und es ist schweineteuer. Der Eintritt beträgt vor Ort 18 Euro pro Kopf und was man zu sehen bekommt, das gleicht dann doch eher einem Disneybild dessen, wie es in einer Brauerei ausschaut. Es gab jede Menge Animation, so zum Beispiel, wie Gerste gemahlen wird. Das hätte man ja vielleicht auch live vorführen können.

Scheint wichtig: Wasser.
Scheint wichtig: Wasser
Probiererle
Probiererle
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Ab in die Bar

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Aber wir beide sind nicht ganz abgeneigt gegen Disney und die Show, also war es ganz nett und wir verbrachten dort bestimmt zweieinhalb Stunden.
Wenigstens war im Eintritt dann ein Pint des Gebräus inklusive. Das durfte man dann über den Irland-66Dächern Dublins in einer 360°-Bar zu sich nehmen und hatte dabei einen schönen Blick. Und ich muss gestehen: Interessanter als beim deutschen Bier, wenn es schon nicht besser schmeckt, ist es zuzusehen, wie ein Guinness gezapft wird. Es ist wie eine Explosion im Glas!

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In Dublin’s fair city…

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Der erste Eindruck bestätigt sich: Dublin ist eine tolle Stadt! Wir wohnen etwas außerhalb, ein netter Spaziergang in die Stadt, vorbei an vielen kleinen Geschäften und Restaurants. Das Hotel ist klasse – allerdings erst, seit Eric uns vom vorgesehenen Kellerzimmer in den ersten Stock umbuchen konnte – zum Glück stank es im ersten Raum nach Rauch, so dass wir einen nachvollziehbaren Grund für eine freundliche Beschwerde hatten und den tristen Ausblick auf eine Gartenmauer gegen einen Blick über die Dächer der Nachbarschaft tauschen konnten. Nach einem Pub-Abend mit ersten Guinness zogen wir gestern recht früh los, um die Stadt zu erkunden. Zehn Stunden streiften wir durch die historischen und modernen Viertel, sahen

Trinity College Irland-8,

Dublin Castle

Dublin Castle

und die Docklands

Irland-25den großen Stadtpark und natürlich die Fußgängerzonen mit (lauten!) Straßenmusikern an jeder Ecke Irland-33und Ausflügen in die irische Küche. Vor und nach der kleinen Stärkung…

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Abgelegt

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Punkt 13:50 Uhr verlässt die Fähre den Hafen von Holyhead im nordwestlichen Zipfel von Wales.
Es ist ein großes Schiff, das uns da über die Irische See nach Dublin transportiert. Da wir unseren Mietwagen im Hafen abgegeben haben, sind wir als Passagiere zu Fuß auf diesem Kahn und fuhren nach dem Check-In, der beinahe wie auf einem Flughafen erfolgte, mit einem Bus zur Ablegestelle. Anders als ich es gedacht hätte, entließ uns der Bus dann aber nicht vor dem Schiff, sondern fuhr in dessen leeren Bauch hinein. Selbst der Bus wirkte darin verloren.

Irland hinter uns
Irland hinter uns

Wir waren fast die ersten, die an Bord gingen und so konnten wir uns einen Platz direkt am Fenster im Restaurantbereich aussuchen.
Und nun gleiten wir über das modrig-grün wabernde Meer hinweg. Julia ist an Deck, da sie die Action miterleben möchte. Ich habe dazu keine Lust und setze mich lieber dem Gekreische der Süßen Kleinen aus. Das heißt, ganz ertragen kann ich das nicht und so habe ich Ohrstöpsel, die mir Musik über den Klangteppich legen.

Heute Morgen waren wir lange vor dem Wecker wach geworden. Es ist ja doch schon immer eine gewisse Aufregung mit dabei, wenn es am nächsten Tag weiter gehen soll, zumal wenn wir das Land wechseln. So richtig entspannt sind wir noch nicht, aber das ist ja auch kein Wunder –wir sind gerade einmal eine Woche unterwegs und vermutlich noch immer eher in einem Modus, der uns so verhalten lässt, als wäre dies ein gewöhnlicher Urlaub von drei Wochen. Und da heißt es ja, immer weiter und planen, planen, planen. Aber eigentlich wollen wir ja genau das reduzieren und uns treiben lassen. Wir werden das schon noch lernen.

Nach einem Kaffee im Bett packten wir unsere Rucksäcke und gingen dann zum Frühstücken nach unten. Die Wirtin hatte uns wieder das doch sehr umfangreiche Frühstück mit Rühreiern, Pilzen, Tomaten und Unmengen Speck zubereitet. Tags zuvor hatte ich aus ihrer Verwunderung gelernt, dass die Briten offenbar noch vor diesem deftigen Gang ihr Cerealienfrühstück zu sich nahmen. Sie war amüsiert, dass ich dies erst nach dem Speck zu mir nehmen wollte. Aber, sie hat dazu gelernt und so beachtete sie diese Reihenfolge heute von ganz alleine.
Eigentlich ist das am Morgen alles viel zu viel, zumal daneben auch noch Toast und Marmelade gereicht werden. Aber andererseits führt es dazu, dass wir für den Rest des Tages tatsächlich fast nichts anderes mehr brauchen. Auch ganz gut im teuren Britannien. Gesättigt beluden wir das Auto, bezahlten die 120,00 Pfund in bar und fuhren los.
Die Fahrt zum Fährhafen sollte ungefähr zwei Stunden dauern und führte uns noch tiefer in den Nationalpark des Snowdon hinein. Auch wenn die Landschaft dort nicht wirklich hoch liegt, so ist es doch erstaunlich, wie mit einem Male plötzlich das Wetter wechselt und es stürmisch aus dem wolkenverhangenen Himmel, der sich in greifbarer Nähe befindet, der Regen durch den Wind angepeitscht auf den kargen Boden prasselt.

am Snowdon stürmt es
am Snowdon stürmt es

Es ist in der Tat so, als ob man sich auf dreitausend Meter Höhe befände. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass hier weit und breit kein Baum steht, was aber vielleicht ja doch eher dadurch kommt, dass auch hier überall die Schafe weiden und alles wegfressen, was sich gerade einmal einen Zentimeter aus der Erde wagt.
So plötzlich wie die Gegend unwirtlich wurde, so schnell wird sie wieder freundlich nach nur wenigen Kilometern Fahrt und schon ist man wieder im immergrünen Wales angelangt.

Nun steuern wir allerdings schon kräftig auf Irland zu und werden demnächst in Dublin landen. Während es auf der Überfahrt eigentlich fast die ganze Zeit über nur leicht bewölkten Himmel hatte, begrüßt uns die irische Küste so, wie sie mich vor ziemlich genau 30 Jahren verabschiedet hat, nämlich so:
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Llanuwchllyn

Gestern, am 09.08.2015, waren wir nach einem gemütlichen Morgen zu einer Wanderung aufgebrochen. Das Farmhaus in dem wir untergebracht waren, lag etwas abgelegen nahe der Ortschaft Llanuwchllyn am südlichen Ende des Sees von Bala.

Der See von Bala
Der See von Bala

Die meisten der walisischen Ortsnamen erscheinen in der Tat unaussprechbar und sind vor allem eine Abfolge von Konsonanten.
Im Pub von Llanuwchllyn hatten wir am Abend zuvor ein Ale und einen Cider getrunken und waren dabei mit einem 58 jährigen Mann aus London ins Gespräch gekommen. Dies geschieht hier wirklich sehr zwanglos und mit großer Zuverlässigkeit ohne großes eigenes Zutun.
Er war hier in diese Gegend gefahren, um sich über Campingplätze zu informieren. Er sei Landschaftsgärtner und müsse sich für seinen bevorstehenden Ruhestand (?) nach einer weiteren Betätigung umsehen. So kam er darauf, einen Platz für Mobile Homes zu kaufen, den er dann sieben Monate im Jahr bewirtschaften würde und den Rest der Zeit für sein Skifahrhobby nutzen könne. Er ist nebenbei auch noch Skilehrer in Österreich und der Schweiz.
Es war ein sehr nettes Gespräch, in dem er auch noch seine USA-Tipps mit uns teilte. Die waren dann allerdings doch sehr geprägt von dem ihm eher unangenehm offenen Schwulenleben in San Francisco. Ich kann mir vorstellen, dass er da mit Kurzhaarschnitt und Schnauzer öfter mal als Gleichgesinnter angesprochen wurde…

Als Ziel für die heutige Tour hatten wir Cwm Cynllwyd auserkoren, einen von unserer Wirtin empfohlen Hügel in der Nachbarschaft. Wir mussten nur ein Stückchen auf der ohnehin nur wenig befahrenen Straße zurücklegen und konnten dann an der alten Steinbrücke links auf einen Feldweg einbiegen.

der Größte
der Größte

Hierzu muss man immer entweder Gatter öffnen (und natürlich wieder schließen) oder mit Hilfe von Holzleitern die Zäune übersteigen. Der Anfangs noch geteerte Weg war voll von Schafskot, denn rechts, links, hinter und vor uns waren überall Schafe, die hier ein doch sehr glückliches Leben leben können.

Auf der grünen Wiese! Hurz!
Auf der grünen Wiese! Hurrrrrz!

 

 

 

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Gleich gab es den ersten Anstieg, der uns auf die erste Kuppe des Hügels führte. Hier kam dann ein erster kleiner Regen auf uns herunter, doch waren wir sehr schnell wieder trocken.
Weiter ging es stetig bergauf über von Schafen kahl gefressenes Heideland. Leider mussten wir dann sehr bald feststellen, dass unser Schuhwerk, das sich noch am Coastal Walk so hervorragend bewährt hatte, hier doch sehr versagte. Denn sehr schnell gerieten wir auf feuchten Untergrund, der von Moos bewachsen war. Die leichten Nike Air unternahmen noch nicht einmal den Versuch hier irgendwie wasserabweisend zu wirken. Tänzelten wir anfangs noch umher, um einen möglichst trockenen Pfad zu finden, so gaben wir das doch sehr schnell auf und schritten nach dem Motto „Jetzt ist es grad egal!“ voran. In kürzester Zeit gab es den so typischen Quietschlaut eines mit Wasser vollgesogenen Schuhs mit jedem Schritt.
Dann, je höher wir kamen, zog es plötzlich komplett zu und wir hatten Mühe den Weg zu erkennen, den wir gekommen waren.

(Fast-)Gipfelbild
(Fast-)Gipfelbild

Kurz vor dem Gipfel ließen wir Vernunft walten und begannen mit dem Abstieg. Nass wurden wir nun auch von oben. Als wir dann aber endlich aus den Wolken heraus waren, legten wir eine kleine Pause ein und nahmen ein verdientes Vesper zu uns.
Am Ende waren wir zwar nur acht Kilometer gegangen, doch die hatten es durch die Umstände tatsächlich in sich.
Arg viel mehr konnten wir dann an diesem Abend auch gar nicht mehr unternehmen, da wir einfach müde waren. Es reichte gerade noch, um gegen neun nach Bala zu fahren und dort das Geld abzuheben, mit dem wir die Übernachtungen bezahlen würden. Ein kleiner Abstecher noch in den Supermarkt, in dem ich mir zwei Tütensuppen und je eine Flasche Cider für uns mitnahm. So endete der Tag mit Cider und Nudelsuppe im Bett.

North Wales – don’t worry

Um halb sechs ist die Nacht zu Ende – weil ich gestern Abend nach der Wanderung viel zu müde war, um mich noch um eine Unterkunft in Irland zu kümmern und mich in alter Julia-Manier verpflichtet fühle, dass schnellstmöglich nachzuholen. Also greife ich nach dem Laptop und durchforste entsprechende Seiten, leider nicht sonderlich erfolgreich, und ärgere mich über mich selber. Ausgeschlafen fühle ich mich nämlich nicht. Als Eric nach etwa zwei Stunden dann aufwacht, zeigt er mir einen Vogel – Recht hat er…

Wir verlassen Cardigan heute und fahren in den Norden von Wales, in den Nationalpark Snowdonia. Unterwegs gibt es weitere wunderbare Blicke auf die spektakuläre Küste. Aber auch Zeit, sich mal darüber zu unterhalten, dass ich mir ständig Sorgen um irgendwas mache. Weil alles nicht nur gut, sondern perfekt sein soll. Natürlich auch diese Reise. Und einfach alles auf sich zukommen zu lassen, das muss ich noch lernen. Was soll zum Beispiel passieren, wenn ich es nicht finde, das perfekte kleine Cottage an einer Traumküste? Dann haben wir ein Auto, das uns zum nächsten Bed and Breakfast bringt und sogar ein Zelt, das wir an eben jener Traumküste aufbauen können. Also – ist doch alles Blödsinn, Schluss mit den Sorgen.

Dass das so nicht funktioniert, habe ich in den letzten Monat gelernt. Vollkommen kontraproduktiv, sich selber für dumm zu erklären, weil man sich so oder so verhält. Also sage ich mir schulbuchmäßig: toll, wie Du Dich immer um alles kümmerst. Aber so viel Kümmern braucht es gar nicht, der Reiz an dieser Reise ist doch, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen. Now is the answer an now is the way…. Ob ich das dann aber wirklich glauben kann, bezweifele ich, wahrscheinlich muss der Mittelweg her. Fürs erste nehme ich mir vor, mich immer mal wieder zu ertappen bei der großen Planerei. Das wäre ja schon mal ein Schritt.

Die Landschaft gen Norden wird immer hügliger, eigentlich sind es fast schon Berge (wie war das mit dem Englishman, der den Hügel hochstieg und einen Berg hinabkam? Oder war’s rauf ein Berg und runter nur noch ein Hügel?). Viel Grün mit lauter weißen Tupfern, Schafe überall. Und dann gelangen wir an den See von Bala, tiefblau funkelt er in der Sonne. Unser B+B liegt oberhalb von LLanuwchllyn (na Coco, kannste das auch aussprechen?) mit Blick über See und Berge, sehr hübsch.

Der Himmel über Llanuwchllyn
Der Himmel über Llanuwchllyn

Das Zimmer ist ganz reizend und quite british, mit einem sehr gemütlichen Bett und alten Holzmöbeln. Wir laufen ins Dorf runter, vorbei an Kuh- und Schafweiden, und genehmigen uns im einzigen Pub ein Cider und ein Ale. Alle Tische sind belegt, also setzen wir uns zu einem alleinspeisenden Herren, mit dem sofort ein witziges Gespräch beginnt – über Campingplätze, die Europäische Gemeinschaft und Schwule in Amerika. Nach einer äußerst vergnüglichen Stunde verabschieden wir uns, laufen die Meile zum B+B zurück und genießen – nach dem Autobahnfeeling der vergangenen Nächte – die Stille auf unserer Felindre Farm.

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Wandern am Atlantik

Panorama
Coastal Walk

Das Bed & Breakfast in Cardigan ist so la la. Einerseits ist es sehr sauber und das Frühstück gut. Auch der Gastgeber ist zwar freundlich, aber nicht penetrant.
Andererseits ist das Zimmer doch eher klein und, viel nerviger, es liegt direkt an der Zufahrtsstraße zum Ort. Entsprechend ist es, als würden einem die Autos durchs Bett hindurch fahren. Und so konnte man nur bei geschlossenem Fenster Schlaf finden. Es ist dabei doch hilfreich, dass wir am Abend dann immer sehr ko sind…


Nach dem Frühstück ging es zunächst in den Ort und zur sehr freundlichen Dame in der Touristeninformation. Wir wollten einen Coastal Walk zum 10 km entfernten Strand Mwnt gehen und benötigten eine Karte. Diese und noch andere wichtige Informationen erhielten wir auch von ihr.

Unter anderem erklärte sie uns, dass es sein könne, dass etwa auf halber Strecke eines der Gatter, die den öffentlichen Zugang zu ansonsten privaten Feldern ermöglichen, einfach zugenagelt sein könne. Der spezielle Bauer sei nicht einverstanden mit dem Pfad für die Öffentlichkeit und versuche so die Wanderer von seinem Grundstück fernzuhalten. Wir sollten dann einfach über das Gatter steigen…
Und was geschah? Den halben Weg über geisterte uns durch den Kopf, dass wir unausweichlich auf eine Konfrontation mit einem sturen, walisischen Bauern zusteuerten.
Was tun?
Wie reagieren?
Sind wir eigentlich auch gegen Erschießen 🔫 versichert?
Auch ich sammelte Munition, legte mir Sätze in der fremden Sprache zurecht, mit denen ich ihn unter Beschuss nehmen würde.
Und dann?
Wir kamen an die besagte Stelle und nichts außergewöhnliches geschah. Das Gatter war offen wie alle anderen auch, kein böser Bauer weit und breit.
Stellt sich die Frage, ob man alle eventuellen Befürchtungen anderen gegenüber äußern muss und so riskiert, dass das schiere Bewusstsein über deren mögliches Eintreten schon das unbeschwerte Leben beeinträchtigt.
Oder ist es nicht doch besser, selbst wenn die Eventualität besteht, sie für sich zu behalten und es den „Abenteurern“ selbst zu überlassen, sich erst beim tatsächlichen Eintreffen der Problemsituation, damit auseinander zu setzen?
Was steht am Stuttgarter Hbf? „Dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist…“

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Wir jedenfalls hatten dennoch eine wunderschöne Wanderung entlang der steilen und schroffen walisischen Atlantikküste und konnten sogar drei Seehunde beobachten, die sich hier im Meer tummeln.

glaubt's, es ist einer :-)
glaubt’s, es ist einer 🙂
und das auch
und das auch


Halt!
Und eben zog noch ein Delphin seine Bahn an uns vorüber, immer wieder seine Rückenflosse aus dem Wasser streckend.


Eagle Inn
Eagle Inn

Heute Abend ist Quiznight im Pub!

Nachtrag: Zu müde nach dem 18 km Marsch durch die Sonne. Die Steak and Ale Pie musste noch vor dem Quiz verspeist werden. Jetzt nur noch ins Bett.

Wales -ein paar Bilder

Auch wenn es mal nach Stuttgart, mal nach Orient ausschaut -dies ist Wales:

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Die walisische Flagge
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Cardiffs Burg
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Wer kann’s verstehn?
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verschlossen -oder Eintritt nicht gezahlt?
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historische Passage
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Frühstückssalon
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Stuttgart-Garten
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Shopping Queen
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Hindutempel
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Hochzeit…
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…auf…
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…Bangladeschi…
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…Art!

 

Cardiff im Herbst

Eigentlich wollte ich die nächsten Monate nicht mehr aus meinen kurzen Hosen raus – und jetzt sind wir im walisischen Herbst gelandet. Hätten wir uns eigentlich denken können, aber egal. 18 Grad und eine steife Brise… Von unserem plüschigen B+B, dem Penrhys Hotel, machen wir uns auf und bummeln durch die Stadt, deren Reize sich uns wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick erschließen werden. Aber wir sind auch müde, die letzten Tage stecken uns noch ziemlich in den Knochen. Irgendwann landen wir dann in einem wunderbaren Pub, ich hole Cider und ein local beer an der Theke, werde dort schon in nette Gespräche verwickelt, bestelle Fish and Chips und wir genießen die Atmosphäre. Jung und alt, Businessmen und Handwerker, alles da wie in einem großen Wohnzimmer. Jetzt fängt Cardiff an uns sehr zu gefallen!

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Entspannung

Nur langsam kommen wir von unserer Anspannung herunter.
Gestern flogen wir um 17:20 Uhr am Stuttgarter Flughafen ab.

Zuvor war immer noch viel zu erledigen.
Zunächst dem Finanzamt die noch ausstehenden Unterlagen zukommen lassen.
Dann auf zum VVS, mein Jahresabo kündigen. Denkt der naive VVS-Kunde, das geht direkt vor Ort an einem Schalter an dem auch VVS-Dokumente liegen. Doch weit gefehlt… SSB ist zwar VVS und ich darf auch mit deren Zügen und Bussen fahren. Aber: „Also leider können wir Sie in unserem System nicht finden. Ihr Jobticket müssen Sie bei der Deutschen Bahn kündigen.“
Hä? Wie war das? VVS und dann doch nicht gemeinsam? Also die Abokarte als solche, die kann ich mir auch bei der SSB ausstellen lassen, aber die Wertmarke, die erhalte ich von der Bahn? Dafür stand ich eine halbe Stunde an.
Ok, dann halt auf zum Hbf.
Wieder anstehen, aber dieses Mal nur 10 Minuten.
„Hallo, ich möchte mein Jahresabo zum schnellst möglichen Zeitpunkt kündigen.“
„Ja, das müssen Sie 30 Tage zum Monatsende schriftlich machen.“
„Ok, das mit den 30 Tagen, das ist ja mein Versäumnis, das geht in Ordnung. Dann würde ich das jetzt gerne kündigen.“
„Ha nein! Das geht nur postalisch. Hier haben Sie die Anschrift.“
„Wie bitte?“
Haben die einen Knall? Das kommt mir vor wie bei einer Drückerkolonne. Oder halt! Eher wie bei der Telekom: Abschließen ist jederzeit und in jeder noch so kleinen Spelunke möglich, aber kündigen, das ist möglichst aufwendig. Wo kämen wir denn sonst auch hin, wenn jeder einfach kündigen könnte?

Nach dem Schock erst einmal zum Einwohnermeldeamt und gemütlich auf der langen Bank sitzen. Wir ziehen eine Nummer -167-. Aufgerufen wird gerade die -137-.
Nach insgesamt einer Stunde sind wir wieder draußen. Aber die Mitarbeiter waren ausgesprochen freundlich und man bekommt unmittelbar was man will.

Und so ging es gerade weiter, wohin auch immer wir kamen und so hetzten wir am Ende über den Wilhelmsplatz zur S-Bahnhaltestelle Stadtmitte, um den Zug zum Flughafen zu nehmen.
Als wir dort am Schalter der Germanwings ankamen, wurden wir auch umgehend an der nächsten langen Schlange vorbei gelotst, denn man rief bereits die Passagiere nach Heathrow gesondert auf. Auch gut: Keine Minute verschwendet 😉
Und dann die nächste lange Schlange: Die Sicherheitskontrollen. Aber das schockte nicht mehr. Und dennoch habe ich den Eindruck gewonnen, dass mit der Temperaturerwärmung, Deutschland auch immer mehr zum Terrarium wird: Schlangen, wohin man sich auch wendet.

Dann endlich das Boarding und und der Start.
Kaum in der Luft, began auch schon wieder der Sinkflug direkt über dem Ärmelkanal. Unter uns die armen Teufel, die verzweifelt versuchen, ihn zu überwinden und hier in GB das Glück zu suchen.

Nach der Landung dann schnell der Transfer zur Mietwagenfirma, wo wir einen kleinen weißen Polo bereitgestellt bekamen. Das Gepäck konnten wir gerade so darin verstauen. Aber davon, mussten wir beim Check In feststellen, haben wir sowieso viel zu viel. Unsere Rucksäcke wiegen um die 20 Kilogramm. Das kann nicht so bleiben!

Falsch herum zu fahren und dann auch noch mit links zu schalten, nicht ganz einfach, hat aber funktioniert. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kamen wir am ersten Ziel, in Hungerford an. Es reichte noch für Essen, Bier und Cider im Pub, doch dann war endgültig Schluss und das Bett musste her.

Endlich Entspannung!

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