Inselleben

20151105-Pamliacan-Lumix-22Pamilacan ist eine Insel, die etwa 1,5 km lang und 1,0 km breit ist und hat an der Nordküste zwei Siedlungen. Die eine hier an der Westküste hat einen schönen weißen Sandstrand und etwa 50 m vorgelagert eine traumhafte Korallenlandschaft mit vielen kleinen bunten Fischen. Dieser Ort ist denn auch Anlaufstelle der Touristen, die aber noch in sehr geringer Zahl vorhanden sind. Es gibt bislang keine Ressorthotels, bzw. die, die ansatzweise versucht hatten hier etwas entsprechendes, aufzubauen, die scheiterten bis jetzt. Also sind es in erster Linie sehr einfache Hütten, die hier zur Verfügung stehen. Ein Grund mit dafür, dass Chinesen hierher auch nur als Tagestouristen finden, da sie wohl eher auf Ressortatmosphäre stehen -hoffentlich noch lange 😁.20151106-Pamliacan-Lumix-54
Die Bewohner sind sehr freundlich und die Stimmung sehr friedlich. Schnell wird man angesprochen und da fast alle englisch sprechen, bekommt man auch so manches mit.
Das andere Dorf ist nur als das Fishing Village bekannt. Gestern unternahmen wir einen kleinen Ausflug dort hin und passierten dabei auch die Schule. Wie wir von unserer Gastgeberin erfuhren und auch einfach sehen können, ist der Anteil der Kinder an der Inselbevölkerung sehr hoch. Eine Grundschule hatte die Insel wohl schon länger, doch seit nicht ganz so langer Zeit gibt es nun durch ein Entwicklungshilfeprojekt auch eine weiterführende Schule, so dass nicht mehr nur Kinder wohlhabender Eltern eine Grundbildung bekommen können. Die war zuvor nämlich nur auf der nächstgrößeren Insel im Internat möglich.
20151104-Pamliacan-Lumix-02Unsere Wirtin Misyoung berichtet voller Erstaunen von einer Familie mit 14 Kindern, während sie selbst fünf Kinder hat. Sie stammt ursprünglich aus dem Fischerdorf und ihr Vater jagte bis zum Verbot durch die Regierung Wale, was auf der Insel ein Haupterwerbszweig war. Sie heiratete Junior von dieser Seite der Insel und lebt seitdem hier. Zunächst hatte sie ein paar wenige Tiere, wie eine Kuh und eine Ziege. Doch als der Onkel ihres Mannes sein Stück Land verkaufen wollte, überredete sie ihren Mann, den Streifen am Strand zu kaufen. Dafür verkaufte sie ihre Tiere und begann damit, Taucher und andere Fremde, die am Tag auf die Insel übersetzten, zu bewirten.
Langsam erweiterte sie ihre Unternehmungen und so baute sie eine erste Hütte für Menschen, die auch mal die Nacht über bleiben wollten. Nach und nach schaffte sie es so zu drei oder vier Hütten und einem gewissen Wohlstand. Sie ist sehr aufgeschlossen und weiß noch viel mehr zu berichten.20151106-Pamliacan-Lumix-50
So auch, dass vor drei Generationen die Menschen auf Pamilacan noch fast unberührt von der Zivilisation waren. Zu Zeiten ihres Großvaters hätten die Menschen noch keine Kleidung getragen und so sei es eines Tages gekommen, dass ein Filipino von einer Nachbarinsel hier auftauchte. Er war bereits verwestlicht und natürlich auch in Kleidung. Er bot den interessierten Inselbewohnern einen Tausch an, nämlich Kleidungsstücke gegen Land, wodurch er es für ein paar wenige Klamotten zum Großgrundbesitzer gebracht habe.
Und so dringen viele Geschichten an unser Ohr, wie auch das Verbot von Hausgeburten durch die Regierung. Es hatte wohl eigentlich keine besonders hohen Sterberaten bei Geburten 20151106-Pamliacan-Lumix-64gegeben. Aber nun muss jede Schwangere noch rechtzeitig vor der Geburt zum Krankenhaus übersetzen und dort dann für sich und ihre Begleitpersonen ein erhöhtes Budget einrechnen. Eine Folge daraus sei denn auch schon eine Geburt auf See gewesen, da die kostenbewusste Mutter dann eben doch zu spät aufgebrochen war. Außerdem ist der Beruf der Kinderfrau, also der Hebamme, dann auch mit der letzten ihrer Art auf der Insel ausgestorben.
20151106-Pamliacan-Lumix-55Auf dem Weg in das Fischerdorf fallen auch immer wieder erhöhte Plattform auf, auf denen  Sitzbänke installiert sind, die von einem Dach beschattet werden. Wir erfahren, dass die Insel in sieben Bezirke unterteilt ist und dass dies die Orte für die Zusammenkünfte der jeweiligen Verantwortlichen und der Bewohner sind.
Überall herrscht am Mittag eine irgendwie schläfrige Stimmung. Ziegen, Hennen mit ihren Küken und Kühe bewegen sich langsam durch Sand und Gras, Hunde und Schweine liegen an schattigen Plätzen, so wie auch viele Menschen. Kinder spielen aber überall voll Energie und grüßen uns allenthalben.
20151106-Pamliacan-Lumix-61Im Fischerdorf schließlich, herrscht eine andere Atmosphäre als „drüben bei uns“.
Es gibt zwar auch hier einen Strand, aber der steht komplett voll mit Booten. Das Meer bleibt hier sehr lange seicht und Korallen sind zumindest vom Ufer aus nicht auszumachen.
Es ist eindeutig der Ort, in dem einer körperlichen Arbeit nachgegangen wird.
Später erfahren wir noch, dass die Menschen in „unserem“ Ort zwar auch Schweine halten, dass man sie aber auf die andere Seite, hin zu den Fischern verbannt hat -sie stinken zu sehr…
Selbst das Paradies, selbst Pamilacan hat eine Sonnen- und eine Schattenseite.

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