Stuttgart!

Und dann ist es passiert. Ein Stück Heimat leuchtet uns in der Hitze Arkansas‘ entgegen. 28 Meilen nach Stuttgart! Es wäre ja fast eine Sünde, den kleinen Umweg nicht zu machen.

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Also hin da. Zwischendrin ein bisschen was gelesen über diesen Schwabenableger, Rice and Duck Capital of the world, ja Wahnsinn.

Was uns dann erwartet, ist ziemlich leer:Stuttgart-3

Trotzdem gut für ein paar Schnappschüsse:

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Aber noch nicht mal ein gescheites Restaurant haben sie, also vertilgen wir zwei Burger und verlassen das Stuttgärtle wieder.

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Mississippi burning

Blues

Clarksdale-34Hatte ich geschrieben, wir seien keine Fans des Blues?
Gut, das war zu vorschnell.
Nach wie vor würde ich wohl normalerweise den Sender wechseln, wenn zwei Stücke in Folge gespielt würden.

Er hat den Blues
Er hat den Blues

Aber jetzt hier, in Clarksdale, Mississippi, so auf dem Land und in unserer auf vergammelt gestalteten Unterkunft (Shack Up Inn Google Maps), also hier, wo dann im Restaurant jeden Abend ein fertiger Typ nach dem anderen an seiner Gitarre zupft, da passt es doch wunderbar. Vielleicht trägt auch die Hitze bei, die wir hier endlich erleben. Jetzt haben auch wir beinahe 100 Grad, also tatsächlich so etwa 38 in Celcius.
Wir wohnen hier in einem Getreidespeicher aus silbern leuchtendem Wellblech, also eigentlich in der Tonne. Clarksdale-22Das Häuschen hat von lädierten Steckdosen, über Spinnweben, bis hin zu Urinflecken in der Toilette – alles, was man so von zuhause kennt 😁, nur selbstverständlich alles unecht 😃. Bei der Spüle musste ich tatsächlich mal an den gelblichen Stellen kratzen um zu sehen, ob sie nicht doch echt sind.
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Den guten Teil des heutigen Tages haben wir damit zugebracht zu versuchen, irgendwie an den nahebei fließenden Mississippi heran zu gelangen. Unser Einsatz war erheblich und auch Julias Entschlossenheit. Mit einer Karte auf meinem Handy, versuchten wir uns abseits der größeren Straßen heranzutasten und landeten dabei regelmäßig auf Schotter- oder Lehmpisten, wovon letztere wohl eher für Traktoren gedacht sind. Wir fuhren meilenweise an Baumwollfelder entlang und auch durch sie hindurch, und zum Schluss blieb der Mississippi doch unerreichbar.
Als wir dann endlich wieder festen, wenn auch flimmernden Asphalt unter den Reifen hatten, nahmen wir einen neuen Anlauf. Auf der Karte gab es einen Fleck am Ufer des großen Stroms, der wie ein kleiner Ort aussah. Und als sogar unser Navi einen Weg nach Friars Point ausspuckte, da wagten wir es doch noch einmal und wurden nicht enttäuscht.

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Nachdem wir durch den Ort, der wie verlassen und teilweise wie die Kulisse eines 50er Jahre Kleinstadtfilms wirkte, stellten wir unseren Jetta ab und gingen über einen kleinen Damm hin zum Wasser. Breit isser ja, der Mississippi. Viel war zwar nicht zu sehen, aber wir haben es geschafft. Julia streckte sogar eine Zehe hinein.Clarksdate-7 Clarksdate-8
Dann ging es zurück nach Clarksdale, wo wir uns erst einmal stärken mussten. Beim Gang durch die Stadt fallen die vielen verlassenen Geschäftshäuser auf. In einem Souvenirladen spreche ich den sehr redseligen, deutschstämmigen Eigentümer darauf an und er erklärt uns, dass bereits in den siebziger und achtziger Jahren viele jüdische Ladenbetreiber feststellen mussten, dass ihre Kinder, denen sie eine gute Ausbildung an fernen Unis Clarksdate-17ermöglicht hatten, gar nicht daran dachten zurückzukehren, um das elterliche Geschäft zu übernehmen, sondern 180 Grad anders dachten und handelten, nämlich die Läden schlossen und die alten Eltern zu sich holten.
Den Rest erledigte dann Wall Mart, der irgendwo außerhalb seine Pforten öffnete.
So ist die Stadt an einem Samstag Nachmittag wie ausgestorben und erwacht nur am Abend, wenn einige Bluesbars und Clubs ihre Tore öffnen.

Hello Chicago!

Tja, wir sind ja schon fast wieder weg aus dieser wirklich schönen Stadt.
Und weil wir noch mit der Zeitumstellung zu kämpfen hatten, die Differenz zu Deutschland beträgt übrigens sieben Stunden, und sowieso den ganzen Tag über immer draußen unterwegs waren -gestern und heute jeweils 15 Kilometer- sind wir tatsächlich so sehr geschafft am Abend, dass wir nicht mehr zu viel kommen.

Wir sind beide sehr positiv von Chicago überrascht. Die Stadt liegt am Michigansee, der annähernd doppelt so groß ist wie Belgien oder aber mehr als die 115 fache Fläche des Bodensees einnimmt.
Natürlich haben die hier eine Hochhausskyline die es in sich hat. Besonders hat uns aber der Chicago River beeindruckt, der mit seiner tiefdunklen, blau-grünen Farbe durch die Stadt fließt.

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Günstig ist es in den USA zurzeit ja nicht unbedingt, wenn man aus Euroland kommt. Auch wenn der Börsencrash der vergangenen Tage den Wechselkurs ein klein wenig für uns korrigierte, so sind manche Preise doch etwas überraschend.
Hier ein paar wenige Beispiele:
-Eintritt in das Art Institute für zwei Personen: $ 50,-
-Besuch einer Hochhausplattform für zwei Personen: so um die $ 46,-
-Eine Sightseeing-Tour mit dem Boot für zwei Personen: zwischen $ 44,- und $ 64,-
Es gibt dann zwar einen Pass. der drei Attraktionen im Paket zu reduzierten Preisen bietet, doch dafür waren wir dann doch zu kurz hier.

Aber hier ein paar Gratisfotos für Euch

Good bye Europe

So, das war’s.

Wir haben Irland verlassen und es hat unseren Abschied beweint.
Tatsächlich regnete es und wir wurden sogar von einigen Tropfen getroffen als wir auf den Shuttel-Bus warteten, der uns von der Mietwagenstation zum Terminal 2 bringen sollte.

Am Morgen hatten wir unser B&B im Ort Swords in der Nähe des Flughafens verlassen, nicht ohne noch ein letztes Mal ein reichhaltiges Frühstück zu uns genommen zu haben. Sharon, unsere Wirtin, war bei der Zubereitung doch kurz in Stress geraten und flutsch, geriet die zuvor so sehr freundliche Fassade durcheinander und ihre Genervtheit blitzte durch…

B&B in Swords
B&B in Swords

Exakt zwei Stunden vor Abflug standen wir dann an der Schlange für die Schalter von Aer Lingus an und schoben uns langsam, sozusagen rückwärts durch deren Verdauungstrakt, bis wir endlich am Kopf angelangt waren.

Bis wir dann endlich unsere Boardingpässe erhielten, dauerte es dann noch einmal etwa zehn Minuten. Man muss sogar eine Adresse in den USA angeben, unter der man gedenkt zu wohnen. Dann bekamen wir noch eine Zollerklärung für die Einreise in die USA in die Hand gedrückt und wurden losgeschickt.

Nächste Schlange, nun vor der Gepäckkontrolle. Mal wieder alles mögliche ablegen, Notebook, Handy und E-Reader separieren und dann werde ich „zufällig“ für eine Spezial-Sprengstoffuntersuchung ausgewählt. Also Hände vorstrecken, einmal mit Rücken nach oben und einmal mit Rücken nach unten, dann erst rechten Fuß auf einen Schemel stellen, dann linken Fuß und immer mit einem elektronischen Schnüffelgerät abscannen. Dabei war ich doch eben breitbeinig und mit erhobenen Armen in einem Ganzkörperscanner gestanden…

Hoffnungsvoll nach der ersten Schlange...
Hoffnungsvoll nach der ersten Schlange…

Ich bin clean und darf meine Sachen wieder einlesen, das heiß, kurz warten mussten wir dann doch noch. Unser als Handgepäck mitgeschlepptes Zelt erregte Aufmerksamkeit und wurde doppelt untersucht. „Where Do you guys come from?“, werden wir gefragt.
„Germany“.
Komisch -sofort erhalten wir das Zelt und können weiter gehen. Reisen Deutsche immer mit Zelt?

Aber mein Schrittzähler braucht erst gar nicht anzuspringen, denn schon kommt die nächste Schlange.
Am Dubliner Flughafen ist es offenbar so, dass man bereits hier die sonst immer erst bei der Landung in den USA stattfindende Einreiseüberprüfung samt Fingerabdrücke nehmen und Stempel in den Reisepass Drücken  durchläuft.
Hätte ja immerhin den Vorteil, dass man sich bei einer Zurückweisung durch die Beamten 16 Stunden überflüssige Flugzeit sparen würde.
Hat aber im Moment den Nachteil, dass die Schlange sich kaum bewegt und wir eigentlich in 45 Minuten abheben sollen.
Sowieso lassen es sich die Amerikaner nicht nehmen, die Gründlichkeit der Iren noch einmal auf die Probe zu stellen und eine eigene Gepäckkontrolle durchzuführen. Also erneut alle Bildschirmgeräte hervorholen, Gürtel und Schuhe ablegen, Geldbeutel verstauen und die Uhr abnehmen.

Weiter geht’s.
Die nächste Schlange: Die eigentliche Einreisekontrolle.
Erneut vergehen zehn Minuten und  als es dann doch knapp zu werden beginnt, kommt ein US-Boy und sucht die Passagiere nach Chicago heraus. Wir dürfen an der Schlange vorbei zum nächsten freien Schalter. Man muss nur knapp genug dran sein…
Also her mit den Fingerchen, Foto schießen für die Akten, zwei Fragen beantwortet, unser Gepäck  auf Monitoren identifiziert und siehe da -wir haben die Stempel im Pass.

Schnell noch einmal auf die Toilette. Dann Boardingpässe am Gate vorzeigen und:
„Jean, Sie wurden über Zufallsgenerator für eine Spezialbefragung ausgewählt.“
Wie bitte? Julia hat recht -ich sollte heute Lotto spielen!
Also kurz in die Ecke zu einem weiteren US-Boy, der mir eine Frage stellt, die ich nur halb verstehe. Ich stelle mein heutiges Glück auf die Probe und wähle die 50:50 Chance. Ich sage einfach: „Yes“. Er bricht die Spezialbefragung abrupt ab und winkt mich durch. Was war das denn?

Schließlich kommen wir als zwei der letzten Passagiere an Bord. Und das gänzlich ohne dass wir irgendwo getrödelt hätten, ehrlich!

Also, liebe Leser: Solltet Ihr je einen Flug von Dublin in die USA vor Euch haben -zwei Stunden Vorlaufzeit sind verdammt knapp! Und nicht vergessen: Der elektronische Einreiseantrag für die USA muss nichtsdestotrotz allerspätestens 72 Stunden vor Reiseantritt im Internet ausgefüllt werden.

Müssen das die Amerikaner, die Europa besuchen wollen eigentlich auch alles so durchlaufen?
OK, die Frage ist rhetorischer Natur.
Also Amiland, strenge Dich an und beweise uns, dass Du es wert bist!

Irisches Landleben

Eine WochIrland-196e haben wir sie genossen, die irische Einöde, und von den Einöden, die ich so kenne, war es eine besonders hübsche. Unserem Cottage fehlte zwar – gendertechnisch vollkommen unkorrekt – ein wenig die weibliche Hand, aber mit etwas Putzarbeit und leichtem Umstellen der Möbel war es dann doch sehr wohnlich.

 

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Die nächtliche Ruhe störte maximal der schwarze Esel mit den weichen Ohren, die er täglich von mir gekrault bekam. Beim Verfüttern unserer restlichen Möhren am letzten Tag war es dann leider aus mit der großen Eselliebe, ich war wohl an den elektrischen Zaun gekommen, ihn traf der Schlag in die Schnauze, mich in den Arm und wir sprangen beide erschrocken ein großes Stück zurück – danach war er nicht mehr für Schmuseeinheiten zu haben.

Die Tage begannen relativ spät und erst nach einem gemütlichen Kaffee im Bett. Danach ein Frühstück ohne Einsatz von Öl und Pfanne – Haferflocken mit Obst ist einfach viel besser. Und jeden Tag ein schöner Ausflug ins Umland, mal nach Carrick-on-Shannon, das Provinzhauptstädtchen mit dem schnellen Internet und einem Friseur für Eric, mal ins Laugh Rynn Castle für einen schönen Spaziergang und sonnigen Lesenachmittag im wunderbaren „walled garden“ oder in den Norden nach Sligo an der Atlantikküste, einem Surferparadies mit breitem Sandstrand und rauher See.

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Permanent schlechtes Wetter hatten wir zum Glück nicht, meist wechselten sich Nieselregen, graue Suppe und Sonnenschein fast im Stundentakt ab und den Regen gab es eigentlich immer nur dann, wenn wir im Auto oder im Café saßen. Aber so wirklich über 20 Grad hatte es nie, und die kurze Hose durfte nur einmal raus, aber ich verzeih es dem wunderschönen Land mit den saftig grünen Wiesen.

Und dann war ich am letzten Abend tatsächlich zum ersten Mal seit Wochen wieder laufen. Vielleicht gerade so vier, fünf Kilometer und die waren beschwerlich, aber ein Anfang ist gemacht. Und zwei Tage zuvor tatsächlich eine halbe Stunde Yoga. Jetzt hoffe ich doch sehr, dass ich die ganzen guten Vorsätze wenigstens ein bisschen umsetzen kann.

Wir haben uns fast ein wenig heimisch gefühlt, in unserem Cottage und mit wenig Touristen um uns herum. Am ersten Abend hatte unser Vermieter Ray uns mit seinem Auto mit in den nächsten Ort, Mohill, genommen, wo bei 15 Grad das Sommerfest gefeiert wurde. Ein verlassener Rummel mit ein paar Karussels, ein Festzelt, in dem eine Abba-Revival-Band spielte, aber niemand zuhörte, denn die Action ging in einer Seitenstraße ab: Tauziehen!

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Verwegene starke Männer, manche wohl eher wegen der Bierbäuche als Gegengewicht ausgesucht, manche mit sehr beeindruckenden tätowierten Oberarmen, andere eher schmächtig, traten in Fünfergruppen gegeneinander an. Nach dem ersten Durchgang wurden die Seiten getauscht, gleiche Bedingungen für alle, und wer nach dem zweIrland-164iten oder weiteren Durchgang die meisten Siege verzeichnen konnte, kam eine Runde weiter. Manche Teams brachten Trainer mit, eine energische Hausfrau, ein rotgesichtiger Experte, die während des Matches Anweisungen wie „tow!“ oder „hold!“ brüllten. Wenn man sie hören konnte, denn drumherum standen die Dorfbewohner, und wir natürlich auch, und feuerten die Jungs an, mit allem, was die Kehle hergab. Und mancher nutzte das Getümmel, um einem der Zieher unauffällig einen Fuß als weitere Abstoßmöglichkeit hinzustellen.
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Die Schiedsrichter, natürlich in Anzügen mit Krawatten, versuchten, alles genau zu beobachten und den Sieg einer Mannschaft erst dann zu verkünden, wenn alle wichtigen Personen ihre Zustimmung gegeben hatten. Sehr sehr irisch, das Ganze, und wir waren weit und breit die einzigen Ausländer. So haben wir jetzt zwar den Ring of Kerry, Limerick und Cork nicht besucht, dafür aber einen ganz kleinen Einblick ins Everyday Life bekommen.

Und jetzt liegt die Insel schon weit hinter uns und in zwei Stunden landen wir in Chicago. Aer Lingus gibt uns noch ein letztes kleines Irland-Feeling, aber bald erobern wir Amerika!

Of pies and men…

Unser größtes Hobby ist das Reisen, aber gleich danach kommt Essen. Eigentlich versuchen wir immer, möglichst beides zu verbinden. Jetzt, da die Tage auf den britischen und irischen Inseln gezählt sind, soll es auch mal um die Gaumengenüsse gehen. Zumal sie sich kulinarisch gar nicht so voneinander unterscheiden, die Briten und die Iren.

Wir essen gerne in Pubs. Erstmal landen wir sowieso abends dort, denn ein Pint pro Tag muss sein. Dann sind die Essen dort vergleichsweise günstig. Und wir wollen ja landestypisch essen. Die raffinierte Küche gibt es und sie ist sicherlich klasse, Jamie Oliver, mein großer Favorit Gordon Ramsay und die Speisekarten vieler ambitionierter Restaurants lassen es ja vermuten. Aber wir wollen es bodenständig, wir sind einfach nicht lange genug hier, um von der Hausmannskost genug zu kriegen.

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Der Vegetarierin wird es hier wie dort schwer gemacht, aber ich habe mich auch schnell
geschlagen gegeben. Besonders dann, wenn Bangers and Mash auf der Karte steht und das tut es eigentlich in jedem guten Pub. Würstchen – und die meistens von einem besonders guten Metzger aus dem jeweiligen Ort – und Kartoffelbrei, dazu eine dunkle Soße, hmmm…

 

Auch bei Steak and Ale Pie (in Irland entsprechend mit Guinness zubereitet), einem Rinderragout in dunklem Bier unter einer Blätterteighaube geschmort, werde ich schwach. Und dann natürlich Cottage Pie, Hackfleischsoße mit Kartoffelbrei überbacken, da werden Kinderträume lebendig. Die irische Version besteht manchmal aus Lammhack, noch besser. Wie wär’s mal mit dem Rezept von Gordon Ramsay?

Dazu in England meist Erbsen (nicht die ekligen kleinen grauen aus dem Glas, sondern die leckeren großen knallgrünen aus der Tiefkühltruhe), in Irland eher nicht, dafür aber bei beiden fast immer noch mit Chips, dick geschnittenen Pommes, die sie sich nur dann sparen, wenn sowieso schon Kartoffelbrei auf dem Teller liegt. Nicht mal Lasagne verschonen sie, Chips müssen einfach dabei sein, und können gerne auch mit „Sauce“ übergossen werden, Ketchup, Mayo, Malt Vinegar und Brown Sauce (Essig, pürierte Datteln und weiteres, wir haben uns darauf beschränkt, lediglich die Zutatenliste zu studieren) stehen auf jedem Tisch bereit. Ach, und Fish and Chips nicht zu vergessen, meist megalecker. In Irland wird noch Irish Stew angeboten, ein weiteres würziges Ragout, und Cabbage and Bacon, nö, so bodenständig war ich dann doch nicht. Auffällig ist, wie sehr die Briten, aber besonders die Iren auf die Regionalität ihrer Produkte setzen. Stolz wird bei jedem Burger betont, dass er aus 100% Irish Beef besteht. Aber, die Vegetarier sind doch auf dem Vormarsch, selbst in Pubs kann man ab und an zwischen Lasagne mit und ohne Fleisch wählen und in Doolie an der westirischen Küste bekam ich ein hervorragendes vegetarisches Chili mit leichter Koriandernote.

Was mich sehr für die irische Küche einnimmt, ist das Soda Bread. Ein fluffiges Brot, meist aus Vollkornmehl, Natron und Buttermilch. Für mich als Gegnerin von weißem Brot und Brötchen ist das ziemlich nah dran an unserem Vollkornbrot und doch so speziell, dass ich unbedingt später mal zuhause probieren will, ob ich es hinbekomme. Sollte jemand Lust haben, es zu versuchen, dieses Rezept könnte ich mir gut vorstellen.

Die Nachtische haben wir diesmal eher außen vorgelassen, meist waren wir nach den Kartoffelorgien viiiel zu satt und haben es bei ein paar McVities (unsere Lieblingskekse) am späteren Abend belassen. So sind uns sicherlich ein paar köstliche Crumbles entgangen. Jetzt, wo wir unser kleines Ferienhaus haben und abends selber kochen, ist noch ein wenig Platz in der Nachtischfalte und diese lässt sich wunderbar mit „West Cork Toffee and Caramel Yoghurt“ füllen. Eine cremige Kreuzung aus Joghurt und Quark mit himmlischem Karamell-Geschmack und winzigen Toffee-Stückchen, die innen flüssig sind. Oooooh…..

Vielleicht noch ein paar Worte zum englischen bzw. irischen Frühstück. Das Dinge serviert werden, die bei uns noch nicht mal auf dem Brunchbuffet landen würden, ist ja bekannt. Aber man wird immer freundlich gefragt, ob ein „cooked breakfast“ gewünscht wird und da darf man gerne auf die Sausages oder den Bacon verzichten, ohne unangenehm aufzufallen. Nur bei den Eiern machen vor allem die Iren keine Kompromisse: groß müssen sie sein, die Portionen. In der Hoffnung auf eine übersichtliche Menge bestellte ich in Lisdoonvarna „Scrambled Eggs on Toast“. Was Minuten später kam, war ein Rühreiberg, der eine Toastscheibe unter sich verschlungen hatte. Auch mit Erics Hilfe ließ sich das Ganze kaum zur Hälfte bewältigen. Der indische Restaurantchef, der von Tisch zu Tisch schritt, um gute Laune zu verbreiten (und der uns sehr an den Hotelbesitzer des „Best Exotic Marigold Hotel“ erinnerte) antwortete auf meine Frage, wie viele Eier da drin seien, mit „Plenty“. Ich hatte „Twenty“ verstanden und war nicht sonderlich überrascht.

Die großen Portionen haben aber auch ihr gutes: bis nachmittags sind wir satt. Just zur besten Kuchenzeit melden sich unsere Mägen. Und es gibt viele kleine Kuchenparadiese links und rechts der irischen See. Leichten Biskuitteig mit Früchten und Joghurtcreme kennt man hier nicht – Mürbeteig mit extra viel guter irischer Butter, darauf Karamell, Nüsse, Schokolade und wenn Früchte, d nn mit Butter und Zucker eingekocht, müssen es sein. Caramel Shortbread, Rocky Road (Schokolade-Schnitten mit Keksstücken und Marshmellows), Apple Tart, Blätterteig-Teilchen mit Pecannüssen und Sirup – hmmmmm.

 

Und heute haben wir uns dann endlich einen High Tea gegönnt, stilvoll in der Bibliothek von Lough Rynn Castle,Afternoon Tee-1

mit Gurkensandwiches, Scones und vielen anderen kleinen Schweinereien. Wunderbar!

Afternoon Tee-2In Amerika gibts dann nur noch Äpfel. Die sind ja eh für ihre gesunde Küche bekannt…

Outernet

Ja, es stimmt -wir wussten, dass das Cottage in einer abgelegenen Gegend liegt.
Und wir wollen die Abgeschiedenheit ja auch dazu nutzen, einmal die Pausetaste zu drücken und endlich wieder zu erleben, was Langeweile ist.
Zugegeben: eine Woche ist für dieses Unterfangen etwas knapp kalkuliert.
Aber ich muss gestehen, ich bin süchtig und fühle mich wie auf Entzug!
Dachte ich bisher immer, es wäre die Shisha, die mir meinen Willen nimmt, so darf ich diesbezüglich Entwarnung melden. Seit 18 Tagen hänge ich nun nicht mehr am Schlauch und, Ihr werdet es kaum glauben, vermisse es auch nicht. Es war gar kein Problem davon loszukommen. Ein Erfolg auf ganzer Linie!!

Aber zurück zum Cottage.
Es liegt im Nichts.
Zumindest hat es keine Adresse. Den Weg dahin haben wir nur dank modernster Technik gefunden und auch das nur aufgrund der Tatsache, dass Ray, unser Vermieter, in der Bestätigungsmail die Koordinaten für sein Domizil angegeben hatte:
Sat Nav Co-ordinates
N 53.87786
W 7.86741
Es liegt in einer Seenlandschaft in der der Untergrund oft moorig ist. Torf wird abgebaut. Es gibt eigentlich vor allem Weiden und auf denen stehen in erster Linie ein paar Esel herum. So auch bei unserem Ferienhäuschen. Es gibt hier Ray, um die 30 und Junggeselle, einen Hund, der nicht aus seinem Zwinger soll, eine wild gewordene Kuh, die dafür zum Metzger muss, und einen Esel, der jeden Morgen von Julia mit Streicheleinheiten begrüßt wird.
Das war’s.
Ach ja -und dann sollte es Internet geben…
Gibt es aber nicht.
Es gibt hier nur Outernet!!!
Mann ist hier nie wirklich drin im weltweiten Netz, sondern eigentlich eher draußen und so laufe ich nicht nur wie ein Wünschelrutengänger durch das Cottage, um im letzten Winkel der Küche etwas WLAN-Empfang zu erHASCHen. Nein, meine Sucht wird auch dann noch bestraft, wenn ich zwar im Funknetz bin, aber keine Seite unter einer Wartezeit von gefühlt fünf Stunden geöffnet wird. Wenn überhaupt…

Wo ist das Netz???
Wo ist das Netz???

Gestern brachte mich Julia in die Notaufnahme und gönnte mir einen Schuss SPEED -wir fuhren 15 Kilometer in eine größere Ortschaft, Carrick on Shannon, und setzten uns in ein Café mit freiem Internetzugang…
Aaaaaah! Tat das gut!
😉