Kleine Kobolde und Schokoladenberge

Wir mussten endgültig Abschied nehmen von 20151112-Pamilacan-Lumix-133unserer Insel. Unsere Gastgeber Junior und Misiang brachten uns persönlich mit dem Boot auf das Festland und hätten wir nicht gewusst, dass Junior einer der erfahrensten Seemänner Pamilacans ist, wir hätten uns angesichts der riesigen Wellen und des erheblichen Ächzens der Bambusausleger doch etwas gefürchtet. So wurden wir zwar pitschnass, hatten aber viel Spaß auf der Wellenachterbahn. Liebe Leute, wenn Ihr mal einen Hauch des Paradieses erahnen möchtet, nach einem schönen Strand mit bunter Unterwasserwelt und superherzlichen Menschen sucht, schaut doch mal hier vorbei. Aber nicht weitersagen 🙂

Angekommen auf dem Festland, das natürlich auch wieder eine Insel ist, wartete schon unser Taxi, das uns ins Inselinnere nach Loboc brachte, und hier verbringen wir jetzt schon einige Tage damit, die Insel zu erkunden. Bohol ist eine Inselprovinz mit immerhin über einer 20151112-Loboc-Lumix-08Millionen Einwohner und einem Inland, das aus Hügeln, Reisfeldern und Dschungel besteht, durchflossen zum Beispiel vom Fluss Loboc, an dem unser Hotel liegt. Das Erdbeben von 2013 hat sichtbare Spuren hinterlassen, die alte spanische Kirche aus dem 18. Jahrhundert ist fast zerstört, und überall auf der Insel laufen Wiederaufbauprojekte. Die eigentliche Attraktion von Loboc ist der leichte Zugang zu den Sehenswürdigkeiten der Insel.

20151112-Loboc-Lumix-12Also starten wir zunächst mit einem Spaziergang am Loboc River, immer am Ufer entlang flussaufwärts. Nach zehn Schritten ist erst mal Schluss, im kleinen Laden gegenüber, bei dem wir nur zwei Flaschen Wasser kaufen wollten, wohnt ein kleiner Hund und daran komme ich natürlich nicht so schnell vorbei.

Dann aber geht’s los. Zunächst noch an Häusern vorbei, aus denen wir unglaublich freundlich 20151113-Bohol-Lumix-04gegrüßt werden, beginnen bald die Reisfelder, die immer noch mit Wasserbüffeln bewirtschaftet werden. Irgendwann merken wir, dass wir wohl auf der falschen Seite des Flusses laufen, eigentlich wollten wir in einem kleinen Hotel Mittag essen, aber das grüßt uns am anderen Ufer und Brücken gibt es hier nicht mehr. Aber egal, dann drehen wir eben wieder um und laufen zurück. Eine Gruppe von Kindern freut sich, uns ihre Sprungkünste vorführen zu können.

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Der Nachmittag liegt noch vor uns, so 20151113-Tarsier-Lumix-Julia-16beschließen wir, ein Jeepney zu nehmen und zum „Tarsier-Schutzgebiet“ zu fahren. Der Tarsier oder Koboldmaki ist ein kleines knuddeliges Etwas mit riesigen Augen, das sich an einem Ast festklammert, und das Wahrzeichen von Bohol ist. Und wir haben Glück, wir sehen drei und bestaunen die Kleinen flüsternd und mit dem Gefühl, dass sie in dem Schutzgebiet sehr gut aufgehoben sind. Der Rückweg wird dann nicht ganz so leicht, wir stellen uns an die Straße und warten, dass ein Jeepney auftaucht. Hier auf, einer Nebenroute, fahren sie nur alle Stunde, aber wir haben was zu lesen dabei und dann warten wir halt. Und warten. Und warten.
20151113-Tarsier-Lumix-Julia-06Ein Bauarbeitertrupp ist dabei, den Straßenrand zu beklopfen, so richtig verstehen wir nicht, was sie machen, sie wahrscheinlich auch nicht, denn die ersten leichten Regentropfen nehmen sie als Anlass für eine lange fröhliche Pause. Ein Jeepney nähert sich, wir springen auf, nein, bedeuten uns die Bauarbeiter und der Fahrer, das ist nicht das richtige. Warum eigentlich, die wissen doch gar nicht wo wir hin wollen. Das passiert dann noch zwei mal, die Bauarbeiter bereiten sich langsam auf ihren Feierabend vor, eine Stunde ist schon lange vorbei und jetzt fangen wir langsam an uns zu fragen, wie wir eigentlich die 12 km bis Loboc zurück kommen. Egal, das nächste halten wir an, ob es uns mitnehmen will oder nicht. Oder wir trampen. Oder laufen… Da kommt der letzte Bauarbeiter auf seinem Moped angefahren und beruhigt uns: noch 15 Minuten. Sprach’s und fährt weg. Sollen wir uns darauf verlassen? Ok, wenn bis in 20 Minuten nichts da ist, werfen wir uns vor ein Auto und lassen uns wenigstens bis z20151113-Tarsier-Lumix-Julia-20um nächsten Ort bringen. Aber dann, oh Wunder, kommt das Jeepney, wir finden ein gemütliches Plätzchen hinten und los geht’s. Die Plätze sind jetzt fast alle besetzt, da biegt das Auto um die Kurve und eine Gruppe von etwa 25 Schülern stürmt auf uns zu. Die ersten springen hinein, sichern sich die allerletzten Sitzplätze, Pech gehabt für die restlichen 20 draußen, denken wir, aber wir haben ja vergessen, dass Fahrgäste nicht nur im Auto Platz finden können. Also, 10 in den Gang gequetscht, vier hängen hinten am Auto und der Rest halt auf’s Dach. Hui. aber alles geht gut, die Schüler werden ordnungsgemäß in ihren Dörfern abgeliefert und wir in der Nähe unseres Hotels.

Jetzt wollen wir uns unabhängig machen 20151114-Bohol-Lumix-67und so trauen wir uns am nächsten Tag, das im Hotel angebotene Moped zu mieten. Eric dreht eine Proberunde, befindet, dass es fast wie Radfahren nur schneller sei und so düsen wir dann bald über eine der wenigen Inselhauptstraßen Richtung Norden, zu den Chocolate Hills, hunderten von
kegelförmigen grasbewachsenen Hügeln, die im Herbst braun werd20151114-Bohol-Lumix-39en und so ihren Namen
bekommen haben. Sehr hübsch anzusehen und man fragt sich, wie sie wohl entstanden seien. Die Version, dass sie die Tränen eines Riesen wären, gefällt mir am besten. Mit schmerzendem Steiß kehren wir ins Hotel zurück und lassen den Tag mit einem kühlen „San Miguel“ Bier ausklingen.

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