Samarkand!

Nachdem sowohl der Reiseführer als auch freundliche Mitreisende vor allem von Chiwa und Buchara geschwärmt hatten, fragten wir uns, ob Samarkand da überhaupt noch Steigerungsmöglichkeiten bereithält. Tut es. Ganz eindeutig.

Zunächst einmal donnern wir mit 220 Sachen durch die Wüste. Afrosyob heißt unser schnelles Gefährt und es ist ein Hochgeschwindigkeitszug, den man hier jetzt wirklich nicht vermuten würde. Innen wirkt er wie ein Flugzeug und einmal gemütlich zurückgelehnt sind wir auch fast schon da, gerade mal anderthalb Stunden braucht er für die gut 250 Kilometer von Buchara nach Samarkand. 

Unser Guesthouse ist äußerst gemütlich, zwei nette Innenhöfe und überall lauschige Ecken, in denen man sich in die orientalischen Kissen fallen lassen kann. Mitten im Wohngebiet, aber keine 10 Minuten Fußweg vom zentralen Platz Registan entfernt. Und da gehen wir am frühen Abend natürlich noch hin. 

Vielleicht ist es ja so, dass ich im Alter sentimentaler werde. Oder aber, ich entdecke erst jetzt die besonders schönen Orte. Oder der Gewöhnungseffekt beim Reisen tritt bei mir nicht ein. Ich hoffe natürlich letzteres. Jedenfalls ist der erste Blick auf den Registan ein so überwältigender, dass mir die Tränen in die Augen schießen. Auf die Pracht der prunkvoll dekorierten Monumente war ich noch einigermaßen gefasst, was den Registan in Samarkand aber so einzigartig macht, ist die Größe der drei wunderschönen Medresen. So sehr erhaben stehen sie da, das Abendlicht taucht sie in warme Farben, ein architektonisches Meisterwerk. Man will den Blick gar nicht lassen von diesem Platz und ich schüttele immer wieder ungläubig den Kopf. Oh Mann, Samarkand.

Wir kühlen unsere Gemüter mit einem köstlichen Eis, irgendwie das Nationalvergnügen der Usbeken. Es ist immer Softeis, in diversen Geschmacksrichtungen und allen Größen, getoppt mit Soßen und Nüssen, die besten Stände immer umlagert. In der Ferne leuchtet eine weitere riesige Medrese, das scheint gar nicht aufzuhören in dieser Stadt. Der Park neben dem Registan ist zudem ein riesiges Sommervergnügen für Familien, abends werden Fahrräder und Roller an die Kinder verliehen, die über die Wege kurven, die Erwachsenen gehen spazieren. Als wir auf der breiten Treppe vor dem Registan Platz nehmen, setzen sich sofort zwei Mädchen mit ihrem kleinen Bruder zu uns, die plaudern möchten. Ein sehr entspannter Abend.

   

Am nächsten Tag sehen wir uns die Medresen am Registan von innen an. Und damit wir mit dem Staunen nicht aufhören, hält die Tilla Kari Medrese in einem Innenraum einen weiteren Gänsehautmoment bereit: die märchenhaft blau und golden dekorierte Moschee. Samarkand, mir gehen jetzt wirklich die Worte aus.

 

Und Samarkand, geht da noch was? Klar! Die Nekropole Shohizinda. In der Gasse der Mausoleen verliert man sich in den blau-türkisfarbenen Wanddekorationen, innen wie außen ist einfach alles wunderbar. 1200 gemachte Photos zählt Erics Kamera mittlerweile und sie hat noch Energie, die Pracht zu dokumentieren. Ok Samarkand, du hast uns sprachlos gemacht.

 

 

 

Wir hätten nicht gedacht, dass diese Stadt solche Höhepunkte für uns bereit hält. Chiwa hatte uns bereits begeistert, Buchara war toll und jetzt das. Was für ein Land! 

Aber jetzt machen wir uns auf, die touristischen Pfade etwas zu verlassen. Neun Stunden Bahnfahrt stehen uns bevor, um in das ganz im Osten gelegene Fergana-Tal zu gelangen. Es wird ein bisschen anstrengender werden und ein Abschied von der beeindruckenden Architektur. Aber, so viel sei schon jetzt verraten, auch hier erwarten uns unvergessliche Erlebnisse. 

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