Why I love Romania!

Vor zwei Wochen habe ich Rumänien „La revedere“ gesagt. Eine kleine Rundfahrt zum Abbau meiner Vorurteile hatte ich geplant, fünf Wochen sind es geworden und ich habe längst nicht alles gesehen, was mich interessiert hätte. Eine Riesenüberraschung, dieses Rumänien und ein toller Abschluss meiner Alleinreise um die Welt.

Und weil es dazu ein Land ist, das so gut von Deutschland aus zu erreichen ist, fasse ich doch mal zusammen und mache hoffentlich dem einen oder der anderen ein wenig Lust auf ein faszinierendes Urlaubsziel ganz in unserer Nähe.

Vorneweg – Rumänien, das Land der Diebe und Betrüger? Nein, ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil – ich habe mich immer, überall und zu jeder Tageszeit absolut sicher gefühlt, bin nicht beschissen worden und an meinem letzten Tag mit dem ehrlichsten Taxifahrer der gesamten Reise zum Flughafen gefahren. In jahrelang antrainierter Misstrauenshaltung fragte ich ihn, wie viel er für die Fahrt aus der Innenstadt zum Flughafen berechnen würde. Er schaute mich vollkommen verständnislos an, zeigte auf den Taxameter und am Flughafen angekommen zahlte ich genau den günstigen Preis, den das Gerät anzeigte, ohne ominösen Zuschlag für besonders dichten Verkehr oder was auch immer.
Wenn Gefahren drohen, dann eher im Straßenverkehr. Aber hat man sich erst mal an die Überholerei gewöhnt und seinen Blick für Schlaglöcher geschärft, kommt man gut durch.
Also – insgesamt alles sicherlich nicht problematischer als Italien oder die Theo in Stuttgart Samstag nachts 🙂

Um also zum ausschließlich Positiven zurückzukehren: Hier meine Top-Gründe für einen Abstecher nach Rumänien

1. Eine Reise durch die Zeit
Kurz einen Trip ins Spätmittelalter? Mal ganz nah ran an ein Gemälde von Albrecht Dürer? Wer Geschichte zum Anfassen erleben möchte, ist in kaum einem Land so gut aufgehoben wie in Rumänien. Die Museen verzichten auf aufwändige Sicherungstechnik und erlauben einen sehr direkten Eindruck der Kunstwerke. Historische Bauwerke kann man fast ungestört erkunden und sich wie im 13. Jahrhundert fühlen. Besonders faszinierend ist es, einen Einblick in eine uralte deutsche Kultur zu bekommen, leider dem Untergang geweiht, aber an vielen Stellen noch sehr sichtbar.Von den Kirchenburgen habe ich schon mehrfach geschwärmt und kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen, diese phantastischen Orte einmal zu besuchen. Mich haben Biertan nördlich von Hermannstadt und nördlich von Kronstadt Tartlau und Honigstadt am meisten begeistert. Man kann hier viele Stunden verbringen, bei mir waren es teilweise sogar Tage, in jedem Fall sollte man ausreichend Zeit mitbringen, die Bauwerke auf sich wirken zu lassen und ganz tief einzutauchen in diese phantastisch erhaltenen Bauwerke.

2. Die große Land-Idylle
Kurz mal von der Hauptstraße abgebogen und schon ist man mittendrin in der wunderbaren Landidylle rumänischer Dörfer, Wiesen und Wälder. Heuwagen, die von rotgeschmückten Pferden gezogen werden, Ziegenherden auf der Straße, Eben noch im touristisch überlaufenen Bran beginnt ein paar Kilometer weiter die Bergbauernidylle. Ein paar Kilometer von Biertan entfernt in einen Feldweg abgebogen und man ist mittendrin in einer duftigen Sommerwiese, neugierig beäugt von einem großen Grashüpfer.
Das Leben ist sicherlich nicht ganz einfach für die Menschen auf dem Land und die Bewirtschaftung der Felder sicherlich harte Arbeit, aber für den Großstadtmenschen (und nicht nur für den mitteleuropäischen, wie mir das freundliche Pärchen aus Bukarest bestätigte) ist es das Paradies. Wenn sich einem dann noch ein paar schnurrende Katzenkinder auf den Schoß legen, ist das Idyll perfekt.

3. Die tollen Unterkünfte und Kneipen mit fairen Preisen
Erschwingliche Übernachtungen in uralten Gemäuern, toll restauriert und mit allen Annehmlichkeiten? Was in Deutschland ein riesiges Loch in die Reisekasse reißen würde, findet man in Rumänien in großer Zahl. Ich hatte Glück und konnte kurzfristig ein paar dieser Juwele ergattern, so wie das Casa Veche in Kronstadt oder Siebenbürgische Klassik in Hermannstadt. Mit eine bisschen mehr Vorplanung stehen einem Anwesen wie die des Grafen Kalnoky oder ähnliche zur Verfügung. Aber auch die ganz normalen Unterkünfte sind immer blitzsauber und häufig ganz besonders: ganz besonders freundlich wie das Complex Turistic Potocina, ganz besonders gelegen oder mit einem ganz besonderen Preis-Leistungsverhältnis. Manchmal auch mit allem gleichzeitig.
Und dann die Kneipen und Cafés. Aus vielen Ländern und auch aus Deutschland kennt man es ja: je besser die Lage, desto unverschämter die Preise in Restaurants. Nicht so hier. Das Bier kostet in Premiumlage auf den schönen Plätzen in Hermannstadt genauso viel wie in der Spelunke um die Ecke, mit 1,50 € ist man dabei. Und es ist überhaupt kein Problem, in einem Restaurant mit traumhaftem Blick nur ein Bier und nichts zu Essen zu bestellen. Viele Kneipen bieten sogar nur Getränke an und man kann unbehelligt Stunden sitzen bleiben und die Aussicht genießen.

Leider leider leider gibt es in Rumänien aber auch einen Wermutstropfen. Kulinarisch ist es nach meiner Erfahrung keine große Offenbarung. Ich habe immer mal wieder sehr gut gegessen. Aber meistens ist das Essen fettig und nicht sonderlich raffiniert gewürzt. Pizza und Pasta bekommt man überall, aber die Nudeln sind häufig in Sahne ertränkt und die Pizzen recht geschmacksneutral. Immer wieder wird man bei der Pizzabestellung gefragt, ob man noch irgendeine Soße dazu bestellen möchte, hm. Bestellt wird nach dem Baukastenprinzip, man wählt eine Hauptzutat und dazu dann Beilagen und Soßen. Die Knoblauchsoße hat es in sich und würde jeden Vampir vertreiben, wenn es denn welche gäbe hier. Polenta ist ein Klassiker, aber das mag ich schon in Italien nicht so richtig und hier ist sie häufig mit Sahne und Käse verfettet und eben schlecht gewürzt. Was wirklich lecker ist, sind die Würste. Ich wollte kein Fleisch mehr essen, aber nach einer Menge laschen Nudeln wollte ich endlich mal etwas mit Geschmack. Und siehe da, die waren wirklich gut. Geräuchert und gegrillt, durchaus fein. Besser sind die Süßspeisen. Die kleine Bäckerei gegenüber meiner Unterkunft in Hermannstadt verkauft Cremsnit – eine siebenbürgische Spezialität. Eine sicherlich nicht fettfreie Creme aus Milch, Eiern und ich fürchte viel Butter auf einem Blätterteigboden, eine Cremeschnitte halt. Doch, die ist gut.
Hervorragend sind die Rohzutaten. Der Markt in Hermannstadt quillt über vor Obst und Gemüse, die Aprikosen sind phantastisch, die Kirschen superlecker und die Tomaten erst! Am Honigstand teste ich mich durch die verschiedenen Sorten und entschied mich dann für einen Tannenhonig. Der ist jetzt wirklich außergewöhnlich. Aber, liebe Rumänen, nur wegen des Essens würde ich leider nicht her kommen.

In Rumänien scheinen sich die Kulturen zu vermischen. Römer und Russen, Deutsche und Ungarn – viele haben ihre Spuren hinterlassen. Deswegen hier meine TOP 4 der Dinge, die mir als typisch rumänisch aufgefallen sind:

1. Immer gut angezogen
Die meisten Rumänen sehen selbst auf dem Weg zum Bäcker wie aus dem Ei gepellt aus. Ich habe mich mit meiner sehr begrenzten Reisegarderobe immer etwas schäbig gefühlt.

2. Immer was zu Trinken in der Nähe
In Rumänien sitzt man nie auf dem Trockenen. Viele Lebensmittelläden, besonders die auf dem Land, haben Tische und Stühle vor ihren Geschäften. Drinnen für wenig Geld etwas zu trinken zu kaufen und draußen dann in Ruhe zu genießen, kein Problem. Und dann die Kaffeeautomaten. An jeder Ecke kann man sich einen Kaffee zapfen, qualitativ gar nicht schlecht, man ist immer versorgt. An vielen Orten wären Cafés echte Goldgruben – nahe großer Kirchenburgen oder in der Saline von Turda. Aber – man stellt einen Kaffeeautomaten auf, häufig noch eine Sitzgelegenheit daneben und der Tourist ist dann für 30 Cent versorgt und glücklich.

3. Einkaufen immer leicht gemacht
Was für Öffnungszeiten! Sieben Tage die Woche, keine Mittagspausen und manchmal sogar rund um die Uhr. Und dazu Restaurants, die erst dann schließen, wenn der letzte Gast das Glas geleert hat. Versorgungsengpässe muss man nicht befürchten in Rumänien.
Und dann ein Einkaufssystem, auf das man neidisch sein kann. Viele Waren kann man lose kaufen. In den großen Supermärkten gibt es lange Reihen mit Nudel-, Getreide- und Süßgkeitenspendern. Also kein Problem, nur 75 Gramm Fusilli zu kaufen, In großen Gefriertruhen gibt es kleine Mengen tiefgefrorenen Gemüses oder Obst kaufen, sehr praktisch. Die Supermärkte sind überwiegend in deutscher Hand, Lidli und Kaufland, ab und an auch Penny oder Carrefour dominieren den Markt. Aber zumindest Carrefour zieht mit beim bedarfsgerechten Einzeleinkauf.
Gar kein Problem ist Internet. Wifi gibt es überall, schnell und solide. Für 5 Euro kriegt man in den Handyläden in Windeseile so viele monatliche Gigabyte, dass man sie kaum verbrauchen kann. Die Netzabdeckung ist gut, ich hatte selten Probleme.
Und trotzdem scheint Deutschland für Rumänen das Produkt-Paradies zu sein. Viele Läden werben damit, deutsche Produkte anzubieten, Möbelläden scheinen nur dann überlebensfähig zu sein, wenn sie „German Quality“ anbieten. Ob IKEA hier eine Chance hat?

4. Immerfröhliche Kinder
Ein Abend auf dem Großen Ring in Hermannstadt macht vor allem deswegen so viel Spaß, weil die Kinder so unfassbaren Spaß an dem Wasserspiel dort zu haben, Aus zehn Löchern im Boden schießen in unregelmäßigen Abständen Wasserfontänen nach oben und ich habe noch nie so ein Gejauchze erlebt. Ich beobachte einen etwa dreijährigen Jungen, pitschnass tobt er durch’s Wasser, lacht jedesmal aufs Neue los, wenn die Fontänen starten, wenn Pause ist, legt er sich auf den Boden, planscht auf dem nassen Platz und kann einfach nicht genug kriegen. Richtig warm ist es eigentlich nicht mehr und das Wasser bestimmt auch eher kühl, aber er liebt es. Die Rumänen selber gehen sehr locker mit ihren Kindern um, abends um 11 haben alle noch die Youngsters dabei, sehr südländisch halt, und keine besorgten Eltern verbieten ihrem nassen Nachwuchs den Spaß. Überall sieht man große und liebevoll gestaltete Spielplätze und eigentlich jedes Hotel hat eine Spielecke für Kinder. Die meisten Kinder erlebe ich als sehr angenehm, offen und eben sehr fröhlich.
Touristisch gesehen ist Rumänien ein ideales Reiseziel für Familien mit Kindern. Wenn ich mich hier schon in Ritterburgenphantasien verliere, wie muss das erst auf Kinder wirken. Also, liebe Freunde mit Kindern, wie wärs mal mit Rumänien als Reiseziel?

Vieles würde mir noch einfallen, vieles habe ich sicherlich vergessen, ist ja jetzt auch schon ein bisschen her. Aber alles in allem: Rumänien war ein Highlight meiner Reise. So viel oh und ah, so viele besondere Momente, so viel Einzigartiges. Hin da, kann ich nur sagen!!!

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