Von wilden Tieren und wilden Tänzern

Jetzt wurden es doch noch anderthalb Wochen in Phnom Penh und obwohl es der Ort nicht in die Liste meiner Traumstädte schaffen wird, gab es viele schöne Erlebnisse. Der Hauptdank dafür geht an das wunderbare „The Penh“ Guesthouse, ein extrem stilvoll renoviertes 50er-Jahre Gebäude in einer ruhigen Seitenstraße. Ich hatte meinen eigenen privaten Wintergarten mit Blick hinüber in die Residenz des britischen Botschafters und es hätte kaum einen besseren Ort geben können, um sich ein paar Tage auszukurieren. Und ein weiterer Dank geht an Aram von Betelnut Tours, mit dem ich das phantastische Phnom Tamao Wildlife Rescue Center kennenlernen durfte. Auf einer riesigen Fläche Wildnis, etwa eine Stunde von Phnom Penh entfernt wird verletzten, ausgesetzten oder sonst irgendwie geretteten Tieren eine neue Heimat geboten. Vom blinden Gibbon über den Elefant mit Beinprothese bis zum Affen mit Angststörungen – hier scheint es Lösungen für alle zu geben. Viele Tiere wurden ursprünglich als Haustiere gehalten – und dann fingen die Besitzer an sich zu wundern, dass die Wildkatze ihnen die Wohnung vollpinkelt, der Gibbon nicht nur schmusen wollte oder das süße Tigerbaby erwachsen wurde. Ziel des Zentrums ist die Auswilderung – bei den Haustieren gelingt es meistens nicht, aber sie bleiben so zutraulich, dass es für die Besucher ein echtes Erlebnis ist.

Nimm den Affen von mir runter!

Der kleine Elefant, der mit großem Spaß an mir herumrüsselte (gut, er kriegte auch ein paar Bananen), der Gibbon, der energisch verlangte, am Rücken gekrault zu werden (da ist er bei mir an der richtigen Adresse) – das war schon toll. Im Park befindet sich auch ein Ableger von Free the Bears, die Bären teilweise vor dem Kochtopf bewahren, denn deren Tatzen wird in der chinesischen Medizin wohl eine besondere Wirkung zugeschrieben. So furchtbar die Geschichten sind, die Aram erzählte – es ist ein durch und durch positiver Ort, der auch viele Kambodschaner an ihre Tierwelt heranführt und so Bewusstsein schafft.

   

Phnom Penh selber hatte dann nicht mehr so viel zu bieten. Der Königspalast war leider überlaufen und fast alles abgesperrt. Die Wandgemälde bröckeln und insgesamt erscheint mir die Renovierung nicht sonderlich gelungen – für 10 Dollar Eintritt lohnt es sich aus meiner Sicht nicht. Schön ist ein Spaziergang an der Mekong-Promenade, wobei ich mich bis zuletzt auch hier nicht wirklich sicher gefühlt habe. Vielleicht habe ich auch einfach nur die falschen Reiseführer gelesen, meine Begegnungen mit den Menschen waren immer freundlich, aber eine Restangst blieb. Sehr schön war es, abends über den großen Platz zu schlendern, der sich direkt hinter dem Königspalast und damit auch in direkter Nähe zu meinem Hotel befand. Die Bewegungsfreude der Kambodschaner ist schon sehr besonders, am frühen Morgen und nach Sonnenuntergang geht’s ab: Badminton, Fußball mit kleinen Korbbällen, eine Art Indiaka, das mit den Füßen gespielt wird und natürlich Joggen, das häufig mit ganz persönlicher Gymnastik angereichert wird: hier ein Ausfallschritt, da eine Armdrehung oder auch mal rückwärts. Am allerbesten ist aber das Gemeinschaftsaerobic, das jeden Abend mitten auf dem Platz stattfindet. Eine Musikanlage, ein oder zwei Vortänzer und ein Mädel, dass die Beiträge einsammelt. Und dann geht’s los, zu dröhnender Musik gibt es wirklich komplizierte Bewegungsabfolgen, jedes Lied hat seine eigene Choreographie, kaum etwas wiederholt sich. Die Teilnehmer im Sportdress sind eher schon im mittleren Alter und sehr ernsthaft bei der Sache. Im Laufe des Abends beträgt die Gruppengröße dann auch locker mal 50 Personen, die sich kein bisschen darum scheren, dass sich ebenso viele Zuschauer um sie gruppieren. Gen später gehört der Platz dann den jungen Kambodschanern und man kann den Massentanz nicht mehr Aerobic nennen. Mir kam es eher wie eine Kombination aus Bollywood und Michael Jacksons Thriller vor, ultrakomplexe, teilweise sehr lustige Schrittfolgen, die aber alle zu beherrschen scheinen. Der Spaß ist groß und Alkohol habe ich nirgendwo gesehen.

Am Rande des Platzes werden abends kleine Straßenrestaurants aufgebaut, Motorräder rauschen heran, die in einem Anhänger eine komplette Küche und diverse kleine Plastikstühle und -tische an Bord haben. Meist wird Gegrilltes angeboten, das zwar interessant aussieht, mich kulinarisch aber nicht so überzeugt hat. Die eigentlichen Hochgenüsse warten in den kleinen Nudelrestaurants, in denen man eine Schale mit würziger Suppe und frischen Nudeln bestellt und mit dieser einen großen Teller frischer Kräuter und Blüten bekommt, mit den man die Suppe anreichert. So lecker und so nett zu essen.

Das war also jetzt Phnom Penh. Und damit ist Asien für mich fast vorbei. Heute Morgen bin ich nach Kuala Lumpur geflogen und sitze jetzt in einem Flughafenhotel, denn morgen geht es schon weiter. Nach über vier Monaten heißt es dann good-bye Asia und …. welcome Africa!

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