Reisen in Zeiten des Krieges

Wir hatten ihn nötig, den Urlaub. Corona beeinflusst die Reisemöglichkeiten immer noch. Nach zwei faszinierenden Polen-Reisen sollte es im kühlen März weiter südlich ins hoffentlich frühlingshafte Sizilien gehen. Aber noch nicht raus aus Europa, in Pandemie-Zeiten wollten wir auf Nummer sicher gehen. Und dann gab es Krieg in Europa.

Muss das sein, Reisen in Corona-Zeiten, diese Frage hatten wir 2020 vor unserer ersten Fahrt nach Polen für uns bejaht. Und jetzt, wo der Krieg ausgebrochen ist, Menschen vertrieben werden, ihre Heimat zerstört wird, Menschen mitten in Europa in einem Krieg sterben? Wir haben uns auch diese Frage mit ja beantwortet. Es hilft ja niemandem, wenn wir das Reisen lassen. Aber unsere Gedanken wandern immer wieder in den Osten Europas.

Im letzten Jahr sind wir hunderte Kilometer entlang der ukrainischen Grenze gefahren, im Osten Polens, von den Waldkarpaten bis nach Lublin. Und hätten uns die Coronaregeln nicht gestoppt, wir wären so gern hingefahren, nach Lemberg. Wie nah die Ukraine ist, haben wir im letzten Jahr gespürt.

In der grandiosen Natur der Beskiden im Dreiländereck Polen, Slowakei und Ukraine verbrachten wir herrliche Tage in der abgeschiedenen Pension Gutkowa Koliba. Jacek und Marysia beherbergen heute Flüchtlinge und wir sind froh, dass wir in Kontakt geblieben sind und ihre Gastfreundschaft ein wenig unterstützen können.

Przemyśl überraschte uns mit habsburgischer Eleganz und köstlichem Essen im Cuda Wianki. Heute berichtet die Weltpresse aus der Stadt nahe der ukrainischen Grenze, weil sie zu einem Drehkreuz für Flüchtlinge geworden ist.

Auch das grandiose Zamość, in dem wir uns für ein paar Tage wie venezianische Kaufleute fühlen konnten, beherbergt heute mehr Flüchtlinge als Touristen.

Den furchtbaren Bildern aus Charkiw und Mariupol kann man auch in Italien nicht entkommen, auch hier gilt unser erster Gedanke morgens den nächtlichen Geschehnissen in der Ukraine, auch hier fühlen wir uns ohnmächtig angesichts des brutalen Machtmissbrauchs. Aber auch hier bewundern wir die Stärke der Menschen in der Ukraine und ihrer Repräsentanten.

Italien zeigt sich ebenso solidarisch wie der Rest Europas. Am Flughafen werden ukrainische Passagiere willkommen geheißen, blau-gelbe Fahnen an den historischen Gebäuden, selbst der Supermarkt positioniert sich mit einer eindeutigen Botschaft für den Frieden.

Der Schönheit Siziliens musste ich dies voranstellen. Einfach so über eine Reise in den Frühling Italiens zu berichten, schien mir nicht angemessen. Aber Syrakus, Noto und Modica, Agrigent, Cefalù und das grandiose Palermo müssen in den nächsten Tagen natürlich dokumentiert werden!

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