Er fiel uns schon in den USA auf. Besonders abends, wenn wir im Hotel angekommen waren, hatten wir fast das Gefühl, er würde vom Fernseher direkt in unsere Betten schauen. Aber wir maßen dem nicht allzu viel
Bedeutung bei. Am schlimmsten war es auf Hawaii, in Honolulu. Sein Geist schien durch die Straßen zu wabern, als wäre er beständig bei uns. In Japan waren wir befreit von diesem Gefühl, ganz selten einmal, dass wir an ihn dachten. Und auch auf den Philippinen hofften wir, ihn los zu sein. Dachten wir… So unauffällig er sich in den letzten Wochen gegeben hatte, mit so viel Macht rückte er plötzlich in unser Bewusstsein: in den allerletzten Tagen unseres Aufenthalts schaffte er es, sogar den Flugraum über Manila sperren zu lassen. APEC lautete sein Zauberwort. Aber uns kriegte er nicht, er hatte nicht damit gerechnet, dass wir die Philippinen über Cebu in Richtung Malaysia verlassen würden. Doch dann holte er zum finalen Schlag aus: ASEAN! Seit gestern ist er in Kuala Lumpur. Warum verfolgt er uns? Was will dieser Mann nur von uns?
Kuala Lumpur
Wir waren fast ein wenig wehmütig
als wir den Flughafen von Cebu auf der philippinischen Insel Maktan erreicht hatten. Die außergewöhnliche Freundlichkeit der Menschen begleitete uns bis zur Ausreise: die Grenzbeamtin wollte wissen, wie uns unser Aufenthalt gefallen hatte und als ich sagte, alles sei perfekt gewesen, freute sie sich und meinte „Hope to see you again.“ Nach dreieinhalb Stunden Flug kamen wir dann auf bekanntem Terrain an: Malaysia. Zum sechsten Mal sind wir jetzt hier und Kuala Lumpur zeigt
sich für uns von seiner besten Seite. Erst mal unser Hotel: von unserem Apartment im 20. Stock blicken wir direkt auf die Petronas Towers und genießen unsere fast nagelneue 81 qm mit Wohnzimmer, Küche, Schlaf- und Ankleidezimmer, Badezimmer und zweiter Toilette. Und das für einen Preis, der unser Budget nicht sprengt. Endlich mal wieder die Gelegenheit, unsere Sachen anständig zu waschen, gemütlich vor dem Fernseher zu hängen und entspannte Körperpflege zu betreiben.
Da wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt ganz gut kennen, stürzen wir uns heute ins nächste Shoppingcenter direkt unter den Petronas Towers. Heftige Gewitter sorgen dafür, dass wir auch kaum vor die Tür treten. Muss man auch nicht zwingend, denn eine der Hauptattraktionen Malaysias ist vielfältig in jeder Mall vertreten: das Essen! Oh, glückliches Malaysia, hier findet man das beste der malayischen, indischen und chinesischen Küche. Wir starten mit Laksa, der berühmten kokosnussigen Nudelsuppe – so gut! Sehr nett beschrieben in diesem Artikel.
Und so werden wir die nächsten vier Tage den Trubel der Megacity und ein wenig Luxus in unserer Residenz genießen, um uns dann ins wilde und einsame Westaustralien zu stürzen.
Philippinen
Nun waren wir ja zu diesem Reiseziel fast wie die Jungfrau zum Kind gekommen und sind mit einigen Vorurteilen auf die Philippinen gereist.
Philippinen, das bedeutet doch Naturkatastrophen in Form von Taifunen, Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Philippinen, das bedeutet auch Gewalt an allen Ecken und Enden.
Wir hatten uns schon früh darauf eingestellt, dass es nach der unbekümmerten Zeit in Japan dann ein Ende hat mit der unbeschwerten Reiserei und mit dem Sicherheitsgefühl. Ab jetzt, so war klar, muss man verschärft auf seine Sieben Sachen und sein eigenes Wohl aufpassen.
Und so kam denn auch unser erster Ausflug am Abend unserer Ankunft in Manila, eher einer Expedition aus dem sicheren Hafen Hotel gleich. Unsicher und in einen innerlichen Panzer gehüllt, allzeit zur Abwehr bereit, starteten wir zaghaft in die Dunkelheit der stinkenden Metropole. Und stinkend ist an dieser Stelle ein wahrer Euphemismus! Es waren nicht nur Abgasschwaden, die einem zu schaffen machten. Schlimmer noch waren die Passagen, an denen unser Weg vorbei an den Kloaken, die eigentlich Kanäle sind, führte. Unser Alarmzustand legte sich erst wieder, als wir glücklich zurück in unserer Burg waren.
Am nächsten Mittag nahmen wir die selbe Strecke erneut. Dieses Mal, bei Tageslicht, war schon einiges der Bedrohung nicht mehr existent. Der Gestank blieb uns gleichwohl erhalten.
Wir bemerkten sehr schnell, wie freundlich uns die Menschen begegneten, selbst in Manila, das nun in der Tat nicht eben auf das Besuchsprogramm muss.
Recht zügig verließen wir dann ja die Hauptstadt und machten uns auf in den Süden, zu den Inseln der Visayas. Und dort wurde unsere Vorstellung so richtig über den Haufen geworfen.
Natürlich gibt es die Naturkatastrophen und gerade diese Region war in den zurückliegenden zwei Jahren besonders betroffen. Zunächst durch ein sehr starkes Erdbeben vor zwei Jahren und dann, kurz darauf, durch einen der schwersten Tropenstürme überhaupt. Für uns blieb aber die Erde ruhig und das Wetter traumhaft.
Was uns jedoch am meisten beeindruckt hat, das ist die Herzlichkeit, mit der uns die Menschen entgegentraten. So viele freundlich lachende Gesichter sahen wir noch selten. Man wird allenthalben fröhlich begrüßt. Wie auch in vielen anderen Ländern wird man gefragt, woher man kommt, wohin man geht, wie man heißt und sonst so allerlei. Es ist jedoch nie aufdringlich und auch nie mit einer Absicht verbunden gewesen, zumindest sind unsere Erfahrungen in den zurückliegenden drei Wochen so gewesen. Auch in Sachen Ehrlichkeit haben wir nur positive Erfahrungen gemacht und nirgends den Eindruck gewonnen, man wolle uns nur abkassieren.
Wir konnten uns auf den besuchten Inseln problemlos zurechtfinden und wenn es mal komplizierter zu werden schien, dann war sofort Unterstützung parat. Dazu sind die Landschaften zum Teil traumhaft schön, was auf den Philippinen in erster Linie die Strände und jene Landschaften unter Wasser betrifft.
Aber auch unser Aufenthalt abseits der Strände in Lobok auf der Insel Bohol war ein Ereignis, sei es die Wahl der Little Miss Patrocinio in unserer Nachbarschaft, die Wanderung über die Felder und durch den Dschungel entlang des Lobok River, die Chocolate Mountains, der Besuch des Tarsier Sanctuary oder die Erfahrung, das erste Mal im Leben einen Motorroller und dann auch noch durch die Tropen gesteuert zu haben.
Die Philippinen waren für uns eine wunderbar positive Überraschung.

Kleine Kobolde und Schokoladenberge
Wir mussten endgültig Abschied nehmen von
unserer Insel. Unsere Gastgeber Junior und Misiang brachten uns persönlich mit dem Boot auf das Festland und hätten wir nicht gewusst, dass Junior einer der erfahrensten Seemänner Pamilacans ist, wir hätten uns angesichts der riesigen Wellen und des erheblichen Ächzens der Bambusausleger doch etwas gefürchtet. So wurden wir zwar pitschnass, hatten aber viel Spaß auf der Wellenachterbahn. Liebe Leute, wenn Ihr mal einen Hauch des Paradieses erahnen möchtet, nach einem schönen Strand mit bunter Unterwasserwelt und superherzlichen Menschen sucht, schaut doch mal hier vorbei. Aber nicht weitersagen 🙂
Angekommen auf dem Festland, das natürlich auch wieder eine Insel ist, wartete schon unser Taxi, das uns ins Inselinnere nach Loboc brachte, und hier verbringen wir jetzt schon einige Tage damit, die Insel zu erkunden. Bohol ist eine Inselprovinz mit immerhin über einer
Millionen Einwohner und einem Inland, das aus Hügeln, Reisfeldern und Dschungel besteht, durchflossen zum Beispiel vom Fluss Loboc, an dem unser Hotel liegt. Das Erdbeben von 2013 hat sichtbare Spuren hinterlassen, die alte spanische Kirche aus dem 18. Jahrhundert ist fast zerstört, und überall auf der Insel laufen Wiederaufbauprojekte. Die eigentliche Attraktion von Loboc ist der leichte Zugang zu den Sehenswürdigkeiten der Insel.
Also starten wir zunächst mit einem Spaziergang am Loboc River, immer am Ufer entlang flussaufwärts. Nach zehn Schritten ist erst mal Schluss, im kleinen Laden gegenüber, bei dem wir nur zwei Flaschen Wasser kaufen wollten, wohnt ein kleiner Hund und daran komme ich natürlich nicht so schnell vorbei.
Dann aber geht’s los. Zunächst noch an Häusern vorbei, aus denen wir unglaublich freundlich
gegrüßt werden, beginnen bald die Reisfelder, die immer noch mit Wasserbüffeln bewirtschaftet werden. Irgendwann merken wir, dass wir wohl auf der falschen Seite des Flusses laufen, eigentlich wollten wir in einem kleinen Hotel Mittag essen, aber das grüßt uns am anderen Ufer und Brücken gibt es hier nicht mehr. Aber egal, dann drehen wir eben wieder um und laufen zurück. Eine Gruppe von Kindern freut sich, uns ihre Sprungkünste vorführen zu können.
Der Nachmittag liegt noch vor uns, so
beschließen wir, ein Jeepney zu nehmen und zum „Tarsier-Schutzgebiet“ zu fahren. Der Tarsier oder Koboldmaki ist ein kleines knuddeliges Etwas mit riesigen Augen, das sich an einem Ast festklammert, und das Wahrzeichen von Bohol ist. Und wir haben Glück, wir sehen drei und bestaunen die Kleinen flüsternd und mit dem Gefühl, dass sie in dem Schutzgebiet sehr gut aufgehoben sind. Der Rückweg wird dann nicht ganz so leicht, wir stellen uns an die Straße und warten, dass ein Jeepney auftaucht. Hier auf, einer Nebenroute, fahren sie nur alle Stunde, aber wir haben was zu lesen dabei und dann warten wir halt. Und warten. Und warten.
Ein Bauarbeitertrupp ist dabei, den Straßenrand zu beklopfen, so richtig verstehen wir nicht, was sie machen, sie wahrscheinlich auch nicht, denn die ersten leichten Regentropfen nehmen sie als Anlass für eine lange fröhliche Pause. Ein Jeepney nähert sich, wir springen auf, nein, bedeuten uns die Bauarbeiter und der Fahrer, das ist nicht das richtige. Warum eigentlich, die wissen doch gar nicht wo wir hin wollen. Das passiert dann noch zwei mal, die Bauarbeiter bereiten sich langsam auf ihren Feierabend vor, eine Stunde ist schon lange vorbei und jetzt fangen wir langsam an uns zu fragen, wie wir eigentlich die 12 km bis Loboc zurück kommen. Egal, das nächste halten wir an, ob es uns mitnehmen will oder nicht. Oder wir trampen. Oder laufen… Da kommt der letzte Bauarbeiter auf seinem Moped angefahren und beruhigt uns: noch 15 Minuten. Sprach’s und fährt weg. Sollen wir uns darauf verlassen? Ok, wenn bis in 20 Minuten nichts da ist, werfen wir uns vor ein Auto und lassen uns wenigstens bis z
um nächsten Ort bringen. Aber dann, oh Wunder, kommt das Jeepney, wir finden ein gemütliches Plätzchen hinten und los geht’s. Die Plätze sind jetzt fast alle besetzt, da biegt das Auto um die Kurve und eine Gruppe von etwa 25 Schülern stürmt auf uns zu. Die ersten springen hinein, sichern sich die allerletzten Sitzplätze, Pech gehabt für die restlichen 20 draußen, denken wir, aber wir haben ja vergessen, dass Fahrgäste nicht nur im Auto Platz finden können. Also, 10 in den Gang gequetscht, vier hängen hinten am Auto und der Rest halt auf’s Dach. Hui. aber alles geht gut, die Schüler werden ordnungsgemäß in ihren Dörfern abgeliefert und wir in der Nähe unseres Hotels.
Jetzt wollen wir uns unabhängig machen
und so trauen wir uns am nächsten Tag, das im Hotel angebotene Moped zu mieten. Eric dreht eine Proberunde, befindet, dass es fast wie Radfahren nur schneller sei und so düsen wir dann bald über eine der wenigen Inselhauptstraßen Richtung Norden, zu den Chocolate Hills, hunderten von
kegelförmigen grasbewachsenen Hügeln, die im Herbst braun werd
en und so ihren Namen
bekommen haben. Sehr hübsch anzusehen und man fragt sich, wie sie wohl entstanden seien. Die Version, dass sie die Tränen eines Riesen wären, gefällt mir am besten. Mit schmerzendem Steiß kehren wir ins Hotel zurück und lassen den Tag mit einem kühlen „San Miguel“ Bier ausklingen.
Cockfight
Nicht nur hier auf der Insel Pamilacan gibt es sie. Überall auf den Philippinen sieht man prächtige Hähne, die zwar an einem Bein mittels einem Meter Schnur an einem Stecken am Davonrennen gehindert werden, die aber nichtsdestotrotz stolz diesen Radius abschreiten.
Natürlich hat auch unser Gastgeber Junior einen Hahn. Und er erklärte uns letzte Woche, dass sich am Sonntag die Männer der nördlichen Inselhälfte in der Nähe des Basketballfeldes auf dem Hügel treffen würden. Dort gäbe es eine kleine Arena, um den Hähnen beim Kampf zuzusehen.
Hahnenkämpfe sind in der Region jahrhundertalte Tradition, die es in unserer Gesellschaft erfreulicher Weise nicht braucht. Hier aber wirkt es sehr selbstverständlich und der Hahnbesitzer hegt und pflegt, streichelt und liebkost geradezu sein Federvieh. Im Gegensatz zu den nur wenigen Monaten alten Gockeln, die hier für den Grill bestimmt sind, dürfen die Prachtstücke zwei bis drei Jahre leben, ehe es in den Ring geht.
Auch wenn ich die Faszination eines solchen Kampfes nicht nachvollziehen kann, so wollte ich es mir dennoch ansehen. Nicht zuletzt darum, da Haider, unser friedliebender Vater, uns in der Kindheit immer wieder einmal davon berichtete, dass er, als er in unserem Alter war, zuhause in Kabul auch zwei Kampfhähne gehabt habe.
Und so ging es dann am Sonntag gegen 15:00 Uhr hinauf zur Kampfstätte. Als wir eintrafen, da hatten sich bereits etliche Männer versammelt und saßen, so sie einen potentiellen Kämpfer dabei hatten oder sich zu dessen engeren Anhängern zählten, auf einem der vier im Rechteck als Sitzbalken abgelegten Palmenstämme. Im weiteren Radius darum saßen auf der Wiese alle die zwar ohne Tier, aber mit Interesse am Spektakel da waren.
Als würde ein verborgenes und sich uns nicht erschließendes Ritual abgehalten, wechselte man im inneren Rechteck die Hähne immer wieder von einer zur anderen Hand. Sachverständige Alte haben hier das Sagen. Sie tragen oft ein Bäuchlein vor sich her und ziehen sich gerne das T-Shirt bis an die obere Kante des Bauches nach oben, um so für genügend Ventilation zu sorgen.
Das Prozedere war offenbar ein Auswahlprozess, bei dem die Hähne dem kritischen Blick der Fachmänner standhalten mussten, um überhaupt erst die Ringfreigabe zu erhalten.
Dann, plötzlich, werden zwei der Tiere aus der Mitte entfernt und an weit auseinander liegende Enden des Platzes gebracht. Hier wartet dann je einer der älteren Männer, sowie ein Sekundant im Teenageralter, der ein schwarzes Kunstlederköfferchen mit sich trägt.
Der Junge öffnet das Behältnis und der Ältere greift hinein, um Schnur, Klebeband und eine gekrümmte Dolchklinge in Miniaturausgabe herauszuholen. Der Krummdolch wird dem Hahn an dem Dorn auf der Rückseite einer seiner
Klauen festgezurrt, so dass seine Schläge tödliche Wunden hinterlassen können.
Dann strömt die mittlerweile auf vielleicht 50 bis 70 Personen angewachsene Menge zu der kleinen Arena, die vielmehr ein Verschlag aus Draht und Holz ist. Es fällt auf, dass sich darunter nur sehr wenige Frauen, dafür aber doch einige Kinder befinden.
Als die Kontrahenten von ihren Eigentümern in die Arena gebracht werden, sind die Plätze um den Schauplatz alle belegt. Bevor es losgeht, werden noch einige Wetten angenommen.
Das ohnehin durch den natürlichen Trieb vorhandene Aggressionspotential der Hähne wird noch verstärkt, indem man die Köpfe der Tiere, die sich noch im festen Griff der Züchter befinden, jeweils abwechselnd zum anderen heranführt und sie sich gegenseitig mit dem Schnabel aufeinander einhacken lässt.
Dann werden die Schäfte von den Klingen entfernt und die Tiere auf dem Boden so postiert, dass sie sich gegenüberstehen.
Ring frei.
Wie die sprichwörtlichen Streithähne gehen die Kombattanten mit Imponiergehabe aufeinander los. Der Kamm ist geschwollen, das Gesicht dunkelrot, die Federn am Kopfansatz kreisrund weit abgestellt.
So erinnern sie in der Tat an Männer, die in ihrer Wut und Hohlköpfigkeit aufeinander losgehen. Ich denke dabei zum Beispiel an Skinheads und Hooligans. Warum nimmt man eigentlich nicht diese Typen für diese Art der Volksbelustigung? Die tun das wenigstens freiwillig…
Ich bin mir nicht sicher, ob die Kämpfe immer ähnlich verlaufen. Ich beobachtete zwei davon. Aber ich war erstaunt darüber, wie schnell sie zu Ende sind und wie gezielt tödlich der offenbar alles entscheidende Stoß erfolgt, denn der unterlegene Hahn war jeweils recht plötzlich aus dem Leben geschieden.
Während der Überlebende wieder in die Obhut seines Besitzers übergeben wird, entbindet man das Opfer von seiner Waffe und trägt ihn aus dem Ring bis weit an den Rand des Versammlungsplatzes. Dort nehmen sich dann die fünf bis sieben jährigen Kinder seiner an und untersuchen ihn spielerisch aber nachgerade wissenschaftlich auf seine Wunden.
Ach ja: Der Verlierer landet dann offenbar später tatsächlich im Kochtopf. Das Fleisch sei aber aufgrund des hohen Alters der Tiere doch sehr zäh, so sagt man uns. Zudem kann es auch belastet sein, da man offenbar durchaus zu Dopingmitteln greift…
Tage am Meer

Auf unserer Insel gibt es eigentlich nichts anderes außer zwei kleinen Dörfern mit Hähnen, Ziegen und freundlichen Menschen, einen weißen Strand am türkisfarbenen Meer mit Korallengärten zum Schnorcheln und Fischerboote. Und natürlich unsere Hütte, die direkt am
Strand und neben dem Open-Air-Restaurant liegt. Die Hütte (unten links neben dem Baum) ist aus Bambus gebaut, hat eine kleine Veranda, einen Schlafraum mit zwei Betten, einem Regal und Wäscheleinen und ein
Badezimmer, das aus einer Toilettenschüssel und je einem großen Bottich Salz- (für die Toilette) und Süßwasser (zum Übergießen als Duschersatz) besteht. Strom gibt es ab 17:00 Uhr für ein paar Stunden, aber wer braucht den schon? Der Wind, der durch die Fenster unserer Hütte streicht, ersetzt den Ventilator, in der Küche wird über offenem Feuer gekocht und einen Kühlschrank braucht es nicht, weil der Fisch jeden morgen frisch aus dem Meer kommt.
Die Tage beginnen früh auf unserer Insel. Um halb sechs dringt das Morgenlicht durch die offenen Fenster und die Ritzen im Dach unserer Hütte, die Hähne krähen, die Kinder nutzen die Gelegenheit, vor der Schule noch am Strand zu spielen. Also fiel es uns in den letzten beiden Tagen auch gar nicht schwer, um kurz vor sechs am Tisch zu sitzen, sehr süßen Nescafe zu trinken und auf unser Boot zu warten, denn morgens ist die allerbeste Gelegenheit, Delfine zu sehen. Und wir hatten Riesenglück – klar, meine letzte Prophezeiung in einem japanische Tempel sicherte mir auch „Excellent Luck“ zu.
Zum Glück haben wir Jean-Jacques kennengelernt, einen Schweizer mit einer wagemutigen Idee: er will auf der Nachbarinsel ein Altersheim bauen, Schweizer Qualität gepaart mit philippinischer Freundlichkeit unter warmer Sonne. Er kam am Abend der Vertragsunterzeichnung für den Grundstückskauf auf unsere Insel, um am nächsten Morgen Delfine zu sehen. Nach einem äußerst vergnüglichen gemeinsamen Abendessen fuhren wir am nächsten Morgen mit ihm hinaus aufs Meer. Der Bootsmann hielt so lange auf die Nachbarinsel zu, dass Eric schon befürchtete, wir hätten irrtümlich die Fähre genommen. Aber dann waren sie aufeinmal da: bestimmt 50 Spinner-
Dolphins (deutsch: ostpazifischer Delphin), überall um uns herum, direkt am Boot, an dessen Spitze ich, die Beine im Wasser baumelnd, sitzen durfte. Sie schwammen lange neben und vor uns her und selbst der Bootsmann jubelte „so close!“. Immer wollte ich das mal, Delfine in freier Wildbahn, und dann so nah, im herrlich blauen Meer. Wir waren so begeistert, dass der Bootsmann vorschlug, am nächsten Morgen noch mal rauszufahren und diesmal die Schnorchelausrüstung mitzunehmen. Aber klar doch! Also saßen wir auch heute morgen um kurz nach sechs im Boot, schlugen die gleiche Richtung ein und sahen nach gar nicht allzu langer Fahrt wieder die charakteristischen Flossen im Meer. Diesmal waren es dann allerdings Risso’s Dolphins (deutsch: Rundkopfdelfine), die langsamer schwimmen als die Spinner und sich daher gut zum
Schnorcheln eignen. WIr sprangen also ins Wasser hielten uns an einer Leine am Boot fest und ließen uns von diesem etwas näher an die Delfine herantragen. Irgendwo unter mir im blauen Meer entdeckte ich einen, zu weit, um jetzt wirklich das Gefühl zu haben, mit Delfinen geschwommen zu sein, aber egal. Es war ein tolles Erlebnis, die Delfine reckten ihre Schwanzflossen in die Höhe, wagten kleine Sprünge und hatten ansonsten eben keine Lust, ganz nah zu kommen. Müssen sie auch nicht, ist ja kein Delfinarium.
Beseelt kehrten wir zurück auf unsere Insel, genossen ein herzhaftes Frühstück am Strand und dann stürzte ich mich ins heute etwas aufgewühlte Meer zum Schnorcheln. Die Korallen (wenn man den Streifen Seegras heil überquert hat, in dem eine Seeschlange wohnt) sind bunt
und die Fische um so mehr. Heute ist die Sicht nicht ganz so gut, Eric ist gar nicht erst mit, weil er bei diesem Wind schon geahnt hat, dass das Wasser trübe ist. Ein Fehler… Ich schnorchele hinaus, vorbei an vielen Nemos, mit denen man so herrlich spielen kann, heute sind einige größere Fische unterwegs und dahinten ein ganz großer, oder? Nein, es ist eine Wasserschildkröte! Sie bemerkt mich zunächst nicht, also hefte ich mich an ihre Fersen und schwimme hinterher. Sie ist nur etwa 50 cm groß, aber sehr hübsch gemasert und leider entdeckt sie mich nach einiger Zeit und verschwindet Richtung Riffkante, an der der Korallengarten ins tiefe Blau abfällt. Da trau ich mich heute nicht hin, die Strömung hat es schon in sich. Aber: Delfine und Schildkröte, das ist eine perfekte Tagesausbeute!
I
ch schwimme zurück an den Strand und beziehe meinen Lieblingsplatz: die Hängematte aus Bambus, die am Baum vor unserer Hütte baumelt. Hier lässt es sich aushalten. Auf das Mittagessen wollten wir heute eigentlich verzichten, setzen uns nur für einen Kaffee an die Tische oberhalb des Strandes, aber da steht schon ein Teller „Sticky rice with coconut“ vor uns.
Wir unterhalten uns mit Jack, einem 53jährigen Polen, mit dem Eric gestern bis halb 1 getrunken hat. Der ist zum zweiten Mal hier, mit Frau und befreundetem Paar, und wollte den Kindern der Insel etwas Schönes mitbringen. Daraus wurde eine Facebookaktion, mit der er Geld gesammelt hat, um für die 253 Grundschüler kleine Päckchen mit Überraschungen zusammen zu stellen. Ich hatte mich vor zwei Tagen gewundert, als die polnischen Paare ankamen, jeder mit mittelgroßen Rucksäcken, aber zwei riesigen Koffern ausgestattet. Je
tzt stellte sich heraus, dass die Koffer voll mit Stiften, Schnorchelbrillen, Drachen, Bällen, Knete und anderem waren. Er verbrachte fast zwei Tage in seiner Hütte, um daraus „gerechte“ Päckchen zu schnüren, damit kein Kind benachteiligt wird, und heute haben sie die Geschenke in der Schule übergeben. Es muss ein sehr schöner Moment gewesen sein, er war immer noch ganz ergriffen. Tolle Aktion!
Am Nachmittag kommen die Frauen
des Ortes vorbei, die Massagen anbieten. Seit der Walfang auf den Philippinen verboten ist, haben sich die die Menschen auf der Insel alternative Verdienste erschlossen. Die Männer bieten Schnorchel-, Tauch- und Delfintouren an, die Frauen eben Massagen. Hinter unserem Restaurant, quasi auf dem Kirchplatz, werden die Massageliegen aufgebaut und bei lauem Wind werden wir durchgeknetet.
Die Kirche steht direkt hinter unserem Haus, anders als in Deutschland bimmelt
sie aber nur zu wichtigen Gelegenheiten, wie zum Beispiel heute für eine Beerdigung. Aber der Platz davor ist ein kleines Kommunikationszentrum und der Dorfladen, in dem wir auch bereits bestens bekannt sind. Eric hat uns dort Internet gekauft, nach langer Beratung nahm er eine Handykarte, als die nicht passte, organisierte die Ladenbesitzerin eine andere vom Festland, die nach anderthalb Tagen von einer Nichte mitgebracht wurde und jetzt sind wir hier doch tatsächlich online.
Eigentlich wollen wir hier nicht mehr weg. Wir fühlen uns im Dorf schon fast heimisch, unsere Wirtin Misiang und ihr Mann Junior behandeln uns wie Familienmitglieder, zum Meer sind es zwanzig Schritte, zum Strand fünf, das Essen ist hervorragend, das Bier lecker. Aber wir werden es übermorgen packen. Irgendwann muss das Idyll ja mal sein Ende haben. Auf Bohol, der großen Nachbarinsel, gibt es noch einiges zu entdecken und dann geht es ja irgendwann weiter nach Malaysia…
Unser Riff
Ein paar Bilder
Inselleben
Pamilacan ist eine Insel, die etwa 1,5 km lang und 1,0 km breit ist und hat an der Nordküste zwei Siedlungen. Die eine hier an der Westküste hat einen schönen weißen Sandstrand und etwa 50 m vorgelagert eine traumhafte Korallenlandschaft mit vielen kleinen bunten Fischen. Dieser Ort ist denn auch Anlaufstelle der Touristen, die aber noch in sehr geringer Zahl vorhanden sind. Es gibt bislang keine Ressorthotels, bzw. die, die ansatzweise versucht hatten hier etwas entsprechendes, aufzubauen, die scheiterten bis jetzt. Also sind es in erster Linie sehr einfache Hütten, die hier zur Verfügung stehen. Ein Grund mit dafür, dass Chinesen hierher auch nur als Tagestouristen finden, da sie wohl eher auf Ressortatmosphäre stehen -hoffentlich noch lange 😁.
Die Bewohner sind sehr freundlich und die Stimmung sehr friedlich. Schnell wird man angesprochen und da fast alle englisch sprechen, bekommt man auch so manches mit.
Das andere Dorf ist nur als das Fishing Village bekannt. Gestern unternahmen wir einen kleinen Ausflug dort hin und passierten dabei auch die Schule. Wie wir von unserer Gastgeberin erfuhren und auch einfach sehen können, ist der Anteil der Kinder an der Inselbevölkerung sehr hoch. Eine Grundschule hatte die Insel wohl schon länger, doch seit nicht ganz so langer Zeit gibt es nun durch ein Entwicklungshilfeprojekt auch eine weiterführende Schule, so dass nicht mehr nur Kinder wohlhabender Eltern eine Grundbildung bekommen können. Die war zuvor nämlich nur auf der nächstgrößeren Insel im Internat möglich.
Unsere Wirtin Misyoung berichtet voller Erstaunen von einer Familie mit 14 Kindern, während sie selbst fünf Kinder hat. Sie stammt ursprünglich aus dem Fischerdorf und ihr Vater jagte bis zum Verbot durch die Regierung Wale, was auf der Insel ein Haupterwerbszweig war. Sie heiratete Junior von dieser Seite der Insel und lebt seitdem hier. Zunächst hatte sie ein paar wenige Tiere, wie eine Kuh und eine Ziege. Doch als der Onkel ihres Mannes sein Stück Land verkaufen wollte, überredete sie ihren Mann, den Streifen am Strand zu kaufen. Dafür verkaufte sie ihre Tiere und begann damit, Taucher und andere Fremde, die am Tag auf die Insel übersetzten, zu bewirten.
Langsam erweiterte sie ihre Unternehmungen und so baute sie eine erste Hütte für Menschen, die auch mal die Nacht über bleiben wollten. Nach und nach schaffte sie es so zu drei oder vier Hütten und einem gewissen Wohlstand. Sie ist sehr aufgeschlossen und weiß noch viel mehr zu berichten.
So auch, dass vor drei Generationen die Menschen auf Pamilacan noch fast unberührt von der Zivilisation waren. Zu Zeiten ihres Großvaters hätten die Menschen noch keine Kleidung getragen und so sei es eines Tages gekommen, dass ein Filipino von einer Nachbarinsel hier auftauchte. Er war bereits verwestlicht und natürlich auch in Kleidung. Er bot den interessierten Inselbewohnern einen Tausch an, nämlich Kleidungsstücke gegen Land, wodurch er es für ein paar wenige Klamotten zum Großgrundbesitzer gebracht habe.
Und so dringen viele Geschichten an unser Ohr, wie auch das Verbot von Hausgeburten durch die Regierung. Es hatte wohl eigentlich keine besonders hohen Sterberaten bei Geburten
gegeben. Aber nun muss jede Schwangere noch rechtzeitig vor der Geburt zum Krankenhaus übersetzen und dort dann für sich und ihre Begleitpersonen ein erhöhtes Budget einrechnen. Eine Folge daraus sei denn auch schon eine Geburt auf See gewesen, da die kostenbewusste Mutter dann eben doch zu spät aufgebrochen war. Außerdem ist der Beruf der Kinderfrau, also der Hebamme, dann auch mit der letzten ihrer Art auf der Insel ausgestorben.
Auf dem Weg in das Fischerdorf fallen auch immer wieder erhöhte Plattform auf, auf denen Sitzbänke installiert sind, die von einem Dach beschattet werden. Wir erfahren, dass die Insel in sieben Bezirke unterteilt ist und dass dies die Orte für die Zusammenkünfte der jeweiligen Verantwortlichen und der Bewohner sind.
Überall herrscht am Mittag eine irgendwie schläfrige Stimmung. Ziegen, Hennen mit ihren Küken und Kühe bewegen sich langsam durch Sand und Gras, Hunde und Schweine liegen an schattigen Plätzen, so wie auch viele Menschen. Kinder spielen aber überall voll Energie und grüßen uns allenthalben.
Im Fischerdorf schließlich, herrscht eine andere Atmosphäre als „drüben bei uns“.
Es gibt zwar auch hier einen Strand, aber der steht komplett voll mit Booten. Das Meer bleibt hier sehr lange seicht und Korallen sind zumindest vom Ufer aus nicht auszumachen.
Es ist eindeutig der Ort, in dem einer körperlichen Arbeit nachgegangen wird.
Später erfahren wir noch, dass die Menschen in „unserem“ Ort zwar auch Schweine halten, dass man sie aber auf die andere Seite, hin zu den Fischern verbannt hat -sie stinken zu sehr…
Selbst das Paradies, selbst Pamilacan hat eine Sonnen- und eine Schattenseite.
Ritt übers Meer
Nachdem wir beschlossen hatten, dass Alona Beach auf der Insel Panglau nicht das ist, wonach wir suchten, hatten wir uns in einer Nachbarinsel mit dem Namen Pamilacan eingebucht.
Diese Insel ist sehr klein und es gibt keinen Fährdienst dort hin, so dass wir bei der neuen Unterkunft anfragten, ob sie uns auflesen könnten. Tatsächlich haben sie ein Boot und für 1500 Pesos würde es uns abholen. Wir sollten einfach am Tag darauf an Alona Beach stehen und nach einem gelben Boot Ausschau halten.
Wir ließen uns also mit unseren viel zu schweren Rucksäcken am nächsten Mittag von zwei Trishaws an den Strand fahren und da wartete dann auch schon das gelbe Boot und als wir auf es zuhielten, da kam einer der beiden Männer auf uns zu, ein Schild mit „Julia“ darauf vor sich hertragend.
Flink wurden unsere Rucksäcke zunächst auf, dann unter Bord verstaut -for safety reasons.
Uns wurden noch die richtigen Plätze zugewiesen und bevor es los ging, bekamen wir noch sehr solide Regenponchos in die Hand gedrückt. Ich frage „Is it going to be wet?“ Und bekomme ein klares „Yes“ zurück. Also dann doch lieber meinen Tagesrucksack mit der teuren Elektronik statt mich selbst einwickeln.
Und das war auch besser so, denn zumindest ich habe bislang noch keine Bootsfahrt mit einem solchen Schüttelfaktor erlebt. Es war der reinste Rodeoritt oder wie eine Dauerkarte für die Schiffsschaukel auf dem Volksfest. Auf und nieder, immer wieder,…
Die Boote sind hier so konstruiert, dass sie fast keinen Tiefgang besitzen. Zudem sind sie doch eher schmal gebaut. Unseres war ca. 8 m lang und war an den beiden Stirnseiten etwa 60 cm breit, während es in der Mitte knapp einen Meter maß.
Um den fehlenden Tiefgang auszugleichen, ist quer über den eigentlichen Rumpf ein ebenso langes Auslegergerüst aus Holzbalken und Bambusrohren in Manier eines Katamarans gebaut.
Es war faszinierend zu beobachten, mit welch sicherem Gefühl der Kapitän sein Handwerk beherrscht und immer im richtigen Moment den Motor drosselte oder aber beschleunigte, um Wellen- und Rumpflänge in Harmonie zu bringen und damit sowohl hartes Aufprallen, als auch ein Eintauchen der Spitze in die Fluten zu vermeiden.
Die Überfahrt dauerte 100 Minuten für ca. 4 bis 5 Kilometer.
Natürlich gelangen die Manöver nicht immer, können sie auch nicht. Julia und ich waren danach jedenfalls frisch von Meerwasser geduscht, hatten aber unseren Spaß.





