Gemein!

Ja, das Leben ist ungerecht. Just heute, nachdem Eric mir sein Leid geklagt hatte, in einem Tourinest mit überteuertem, europäisierten Essen gelandet zu sein, komme ich in Lampang an und es ist Nachtmarkt.

P1070648Die Fahrt von Pai hierher lief reibungslos, der Minibus bis Chiang Mai schlängelte sich über die nordthailändischen Berge immer der siamesischen Überholregel folgend: Was ich nicht sehen kann, kann mir egal sein. Deswegen wird bevorzugt vor Kurven und Kuppen überholt und ich bin erstaunt, wie viele Autos nebeneinander auf die schmalen Gebirgsstraßen passen. Dass das auch mal schief gehen kann, sehen wir auf der Strecke: ein Auto ist den Hang hinabgestürzt, ein größeres Aufgebot von Krankenwagen und Helfern rettet, was zu retten ist. Wir kommen nach drei Stunden aber wohlbehalten am Busbahnhof von Chiang Mai an. Der nächste Bus nach Lampang geht in anderthalb Stunden, ideale Zeit für ein leckeres Mittagessen im Restaurant gegenüber. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt kommen wir in Lampang an. Ich bin die einzige Westlerin, die hier aussteigt, guuut. Ich trete in Verhandlungen mit den Sammeltaxifahrern. Was sie denn für die Fahrt zu meinem Hotel wollen. „You want to go now?“ Ja, wann denn sonst. 120 Baht, etwa drei Euro. Das kommt mir jetzt sehr teuer für ein Sammeltaxi vor. So richtig viel Englisch sprechen sie nicht, aber nach und nach wird klar, dass sie mit „now“ jetzt sofort und ohne jede Verzögerung meinen, also ohne auf weitere Mitfahrer zu warten. Der normale Tarif, wenn das Auto voll ist, beträgt 20 Baht. Na, da warte ich doch. Nach etwa fünf Minuten sitzen wir zu siebt auf den beiden Rückbänken und die Fahrt geht los. Der Fahrer lässt mich direkt vor meinem Hotel aus dem Auto, ich gebe ihm den Zwanziger und er grinst.

Mein Zimmer ist ein Mädchentraum, fast wie persönlich von Laura Ashley eingerichtet. Weißes Bett, lila-weiß-geblümte Bettwäsche, viele Kissen, weiße Spitzengardine, Blumenbild überm Bett. Aber sehr nett, es gibt zudem kostenlose Fahrräder, einen schönen Garten und im Stadtzentrum bin ich auch. Heute sei Nachtmarkt, sagt mir die freundliche Dame an der P1070655Rezeption, nur ein paar Straßen weiter. Dann mal schauen. Nach einer ausgiebigen Dusche mache ich mich auf und entdecke ihn sehr schnell. Eigentlich ist die ganze Innenstadt ein einziger Markt. Ich habe richtig Hunger und gerate bald auf einen kleinen Platz mit P1070651Tischen, drumherum mehrere Essensstände und alles auf Thai. Ich schaue mir die Auslagen an, schnuppere hier und dort und lande dann bei einem Stand mit zwei riesigen Töpfen Suppe oder Soße. Jetzt wird einfach bestellt, vegetarisch hin oder her.

Der Zaubertrank
Der Zaubertrank

Ich bedeute dem freundlichen Thai, dass ich irgendwas hier essen will, indem ich eine ausladende Armbewegung mache, die sein komplettes Angebot umfasst. Er fragt „Fish?“ und ich nicke begeistert. Er nimmt eine vorbereitete Schüssel mit gekochten Reisnudeln, geht zu einem der großen Töpfe, gießt zwei Kellen – es ist wohl eher Soße – darüber und bedeutet mir, ich solle von dem vor ihm aufgebauten Gemüse noch dazu tun, was ich möchte. Ich wähle Kohlstreifen, Sojasprossen und irgendein Gekrümel, zahle 25 Baht (ca. 60 Cent) und setze mich an einen der Tische. Das Ganze ist so unfassbar lecker, ich P1070654genieße und grinse, der Verkäufer grinst zurück, am liebsten würde ich die Schüssel ausschlecken. Oh, was für ein Start. Ich bummele weiter über den Markt, es gibt alles mögliche, Kleidung, Antiquitäten, Schnick-Schnack, sogar noch Raubkopien (sind ja in Bangkok ausgestorben) und viel Essen. Ich probiere alles mögliche: Tintenfischspieße, die man sich roh aussucht und die dann frisch gegrillt werden, kleine Pfannkuchen mit grünem Tee und schwarzem Sesam, P1070657gefüllt mir junger Kokosnuss, Pandan-Saft, kleine knusprig gebratene Teilchen mit Meeresfrüchten. Oh, alles ist so gut. Ich sehe das ein oder andere europäische Gesicht, aber überwiegend Thai, die sehr freundlich sind. Ich glaube, hier kann man sich wohlfühlen. Mal schauen, wie morgen alles bei Tag aussieht. Und ob ich den Zauberer mit dem Fischcurry wiederfinde. Sorry, Eric…

Bye Pai

In Pai muss man aufpassen, dass man den Absprung nicht verpasst. Das Leben ist hier so einfach und stressfrei und wenn man dem Partyvolk aP1070635ngehört, kommt noch das abendliche Entertainment mit dazu. Aber irgendwie scheint die Karawane trotzdem weiterzuziehen, Laos ist der große Favorit. Erinnert mich sehr an unsere erste Thailandreise in den 90ern, alle folgten von Bangkok aus der gleichen Route und man traf in jedem Ort auf bekannte Gesichter.
Meine Tage bestehen aus Ausschlafen, Massagen, Essen, Lesen und über dem Nachtmarkt bummeln. That’s it. Wenigstens heute Abend wollte ich den Sonnenuntergang von der hoch über dem Tal gelegenen Buddhastatue P1070632betrachten, aber ich kam zu spät, weg war sie. Der Blick war trotzdem schön und die Stimmung ganz friedlich, auf dem Weg hoch waren mir schon mehrere Tourbusse mit Chinesen entgegen gekommen und jetzt waren nur noch kleinere Grüppchen von westlichen Touristen da.

Im Bungalow gegenüber von mir wohnen zwei Blumenkinder, mit den Altersangaben tu ich mich ja langsam schwer, aber ich denke, sie könnten die Hippiezeit in jungen Jahren miterlebt haben. Sie beginnen ihren Morgen mit so etwas wie Lachyoga, sitzen sich gegenüber und lachen laut mehrere Minuten lang. Sie passen hervorragend nach Pai. Als ich die Treppe hinauf zur Buddhastatue vorhin erklamm, schallte mir spiritueller Gesang, begleitet von einer Gitarre entgegen. Und da saßen sie, meine Hippies. Irgendwie nett.
Morgen breche ich meine Zelte hier ab und fahre zunächst zurück nach Chiang Mai und von dort nach Lampang. Eric hat es mir als netten Ort empfohlen und dann wollen wir doch mal schauen. Mein Fahrrad ist abgegeben, ich hab dann doch darauf verzichtet, morgen mit dem großen Rucksack hinunter zu radeln, die Bremsen sind nicht P1070625besser geworden. Ich habe meine letzte Massage genossen, diesmal auch zwei Stunden, was Eric kann, kann ich schon lange. Es war ein wirklich ernsthaftes Massageinstitut mit Schule, ich wurde von einem älteren Mann durchgeknetet und entweder bin ich langsam dran gewöhnt oder er hat Gnade walten lassen. Nur ab und an trieb es mir die Tränen in die Augen, er legte mehr Wert auf alle möglichen gymnastischen Figuren, die fast schon Richtung Yoga gingen. Und ich war erstaunt, welche Flexibilität in meinen 50 Jahre alten Knochen steckt, wenn man sie vorher nur gut durchknetet.
Nun lasse ich meinen letzten Abend in Pai gemütlich auf meiner Terrasse ausklingen. Auf dem Rückweg vom Buddha kaufte ich mir an einem Straßenstand ein Plastiktütchen mit Nudelsalat, „spicy“ warnte mich die Verkäuferin, ja, war er, vor allem als ich auf die kleine rote Chilischote biss, aber so gut! Was für eine Küche, davon habe ich noch lange nicht genug! Wie hier jemand Gelüste auf Döner entwickeln kann, ist mir ein Rätsel…

Auf dem Nachtmarkt von Pai: "Turkish & Germany Best Kebabs"
Auf dem Nachtmarkt von Pai: „Turkish & Germany Best Kebabs“

Sind so kleine Hände

Ich komme gerade aus einem SM-Studio.
Die Damen trugen zwar kein Lack und Leder und es wurden auch keine Peitschen geschwungen. Gemeine, hochhackige Stiefel -auch Fehlanzeige. Im Gegenteil: alle waren barfuß unterwegs.
Aber es kann nichts anderes als ein SM-Studio gewesen sein.
Zunächst wurde ich freundlich empfangen und sollte mich in einem kleinen Nebenraum in traditionelle und landestypische Kleidung hüllen. Fetischspiele?
Mir wurde alsdann eine bequeme Liegestätte in einem Séparée zugewiesen und ich setzte zur Entspannung mit geschlossenen Augen an.
Doch dann kam eine Frau und nahm sich meiner Füße an. Das war ja noch ok, auch wenn sie sie zwischendrin kräftig in alle Richtungen verdrehte.
Als sie dann aber zu meinen Waden überging, da kamen mir dann doch gewaltige Zweifel.
Wer erinnert sich an böse und vor allem stärkere Buben aus den Kindheitstagen, die, hatten sie einen aufs Kreuz gelegt, ihren Triumph noch genüsslich steigerten, indem sie Muskelreiten betrieben? Also mit der Last ihres Körpergewichts, die Bizeps des Opfers unter ihren Schienbeinen zermalmten?
In etwa so betrieb es die Dame mit meinem Schienbein. Knie und Ellbogen setzte sie dafür ein und irgendeine übermenschliche Kraft in ihren kleinen thailändischen Händen. Sie strich genüsslich die Sehnen auf und ab, derweil ich mich immer wieder daran erinnern musste, dass ich mich dieser Folter freiwillig unterziehe, dafür sogar bezahle. Wie soll ich das zwei Stunden aushalten??
Ich versuchte, mich gelassen in mein Schicksal zu ergeben und lenkte einen großen Teil meiner Energien darauf, meine Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen.
Immer ein leichtes Lächeln auf den Lippen, Eric!
Zeige den Schmerz nicht! Du wirst keine Namen preisgeben!
Nein!
Niemals!!
Plötzlich durchfährt mich ein noch größerer Schmerz im linken Fuß. Wie ein Blitz! Den kenn ich aber schon: es ist ein Krampf.
Was nun?
Irgendetwas zu ihr darüber sagen?
Kommt nicht in Frage!
Kein Schmerzeingeständnis!!
Also gehe ich einfach dazu über zu denken: Hey, der Krampf da in meinem linken Fuß -der geht Dich gar nichts an. Sie hat ihn da rein gemacht, sie soll ihn da auch wieder raus machen! Also lasse ich mich fallen und warte. Und werde bestätigt. Sie knetet und drückt den Krampf aus Wade und Fuß und setzt ihr Werk am rechten Bein fort.
Der Selbstbetrug hat funktioniert!
Sie drückt und reibt und knetet und kneift und verdreht meinen Körper total.
Sie setzt die Finger, die Knöchel, den Ellbogen und ihre Füße ein -kurz gesagt: sie gibt alles. Und mit der Zeit lasse ich mich darauf ein. Sie erkennt meine problematischen Stellen und, wie könnte es anders sein, setzt sie besonderem Druck aus.
Ich genieße.
Ich fühle mich betrogen! Wie? Warum schon Schluss?
Das waren niemals zwei Stunden!
Und doch: es waren sogar mehr als 120 Minuten süßer Qual.
Ich glaube, ich werde süchtig danach…

Morgens in Pai

01. Februar

Guten Morgen, diesmal aus Pai noch weiter im Norden Thailands und recht nah an der burmesischen Grenze. Boker tov könnte ich auch wieder sagen, hinter mir hebräelts erneut heftig. Chiang Mai war nett, aber eindeutig zu voll. Ich lasse mich lieber nicht aus über die chinesischen Touristen, das würde zu böse werden und bestimmt auch nicht allen gerecht werden, aber meine Lust, jemals China zu besuchen, tendiert gen Null.P1070617

Pai ist aber auch ein touristisches Phänomen. Da haben sich irgendwann vor vielen Jahren einige Hippies hier niedergelassen, die Opiumkultur Nordthailands hat bestimmt dazu beigetragen, und jetzt ist mitten in den Reisfeldern eine Touriort entstanden, der ganz schön bezeichnend für die Backpackerkultur ist. Man kann sich noch lebhaft vorstellen, wie die Rucksackreisenden vor 30 Jahren in kleinen hölzernen Bungalows ohne Strom hier bei den Einheimischen unterkamen, das ein oder andere Pfeifchen mit den Dorfbewohnern zu sich nahmen und einfach rumhingen. Dann kamen immer mehr, Guesthouses und kleine Bungalowanlagen entstanden, nicht mehr nur Westeuropäer und Amerikaner reisten, sondern auch die Israelis, dann kamen die Japaner und die Osteuropäer dazu und jetzt eben die Chinesen, und jede Gruppe wollte ihre eigene Infrastruktur. So ist es mittlerweile vollkommen unproblematisch, Falafel oder Sushi zu bekommen, in manchen Straßen sieht man mehr hebräische Schriftzeichen als thailändische und die meisten Restaurants haben chinesische Speisekarten. DIe Traveller heute und hier in Pai fahren alle Motorrad, sie sind tätowiert oder geben hier den letzten Widerstand dagegen auf, P1070619Rastafrisuren aller Art sind wieder im Kommen, die noch so hässlichsten Pumphosen mit Batikmuster sind der Renner, alle sind aber modern vernetzt, ein Guesthouse ohne Wifi ist chancenlos, und dann sitzen sie abends mit ihren Macbooks und IPhones auf der Veranda, skypen und facetimen. Tja, mache ich es anders? Motorrad nein, ich will ein Fahrrad, irgendwie muss ich doch wieder fit werden, und in Chiang MAi machte es viel Spaß, durch die Straßen der Altstadt zu radeln. Tattoo? Never! Rasta sowieso nicht und Pumphosen maximal für Yoga, aber dann nur in weiß. Guesthouse ohne Wifi? Ne, das wär schwierig, Macbook und IPhone wollen ja ins Internet, damit ich facetimen kann. Also, ganz außen vor bin ich sicherlich nicht und mir macht es auch durchaus Spaß, in den netten Hippiecafes zu sitzen und wie jetzt köstlichen Mango-Maracuja-Kokosshake zu trinken. Ich bin wahrscheinlich eher das, was mittlerweile als Flashpacker bezeichnet wird, etwas mehr Komfort, etwas weniger abgewrackt, aber gerne immer mal wieder ein wenig Teil der Travellerszene. Wen’s interessiert, diesen Artikel fand ich da ganz nett. Nur: einen Trolley werde ich mir nicht zulegen, das geht über meine Backpackerehre.

Ich wohne etwas außerhalb von Pai in einem hölzernen Bungalow, allerdings mit Strom, einem harten, aber bequemen und riesigen Bett, einem kleinen Badezimmer und einer schönen Terrasse mit Blick auf Reisfelder. So wirklich idyllisch ruhig ist es nicht, der Ort beschallt das Tal, die Motorräder und eine Baustelle nicht weit entfernt tun ihr übriges, aber mittlerweile bin ich so entspannt, dass es mir wenig ausmacht. Nur dass es nachts ganz schön kalt wird, dass hätte ich nicht erwartet. So bleibe ich lange in meinem kuschligen Bett liegen, das gute Wifi beschert mir eine reichliche Hörbuchauswahl auf Spotify und ich hab ja tatsächlich gar nichts vor. Gegen halb 10 wage ich mich dann mal unter der warmen Decke hervor, auf meiner Veranda ist doch tatsächlich wärmer als im Zimmer. Die sehr nette Vermieterin zeigte mir gestern Abend eine kleine Gemeinschaftsküche, da finde ich heißes Wasser, Nescafe habe ich noch aus Australien und Milch vorsorglich gestern Abend besorgt. So kommt mein großer Becher, den wir in den USA fürs Campen gekauft haben, wieder zum Einsatz. Den leckeren Kaffee genieße ich in der Hängematte am Teich, beobachte die beiden jungen Hunde, die aus einem Papierkorb Plastiktüten klauen und ziemlich viel Spaß mit dem Geknister haben, und stelle beruhigt fest, dass die Temperatur von Minute zu Minute steigt. Zu essen kriege ich hier wohl nichts, also mache ich mich auf ins Dorf. Meine Vermieterin hatte mir eigentlich angeboten, mich mit dem Motorrad hinzufahren, aber ich will gucken, was so um mich rum ist und so laufe ich an der Straße entlang. Es geht hoch und runter, das wird lustig mit dem Fahrrad, aber ich bin dann doch schneller im Ort als gedacht. Und stürze mich ins erste Backpackercafe, Omelett mit Lachs, Tomatensalat und Vollkornbrot, auch nicht sehr Thai. Gleich werd ich mir die Fahrräder mal angucken und dann wird geradelt!

2. Februar
Da ist er mir zuvor gekommen, der Eric. Witzig, dass wir offenbar zu ähnlicher Zeit über Ähnliches sinnierten – und jetzt brauch ich ja tatsächlich nichts mehr über Chinesen zu sagen, steht alles bei ihm.

Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines roten Fahrrads, es scheppert etwas und eine echte P1070622Vollbremsung wird man damit nicht hinlegen können, aber es trägt mich hinunter in den Ort und dank einer Gangschaltung auch wieder hinauf. Ich schlafe lang in meinem Bungalow, heute trieb mich noch nicht mal der Hunger aus dem Bett. Erst gegen elf brach ich auf, entschied mich dann aber doch zunächst für eine Thaimassage am Ortseingang. Ich bekomme eine weite Hose und lege mich auf eine Matratze auf dem Boden. Eine ältere Dame fängt an, an meinen Füßen herumzukneten, also, das könnte ruhig ein bisschen fester sein, denke ich und überlege, ob ich ihr das sagen soll, aber sie spricht kein Englisch. Zum Glück. Denn irgendwann entdeckt sie meine Oberschenkel. Die hielt ich für gar nicht so verspannt bisher – sie wohl schon. Es gibt sehr viele, äußerst schmerzhafte Möglichkeiten, die Oberschenkelmuskeln zu drücken, quetschen, ziehen – und sie kennt sie alle. An der Vorder- und Rückseite. Was habe ich beim Yoga gelernt? In den Schmerz atmen – ich versuch’s… Zum Glück hat sie sich schon reichlich verausgabt als sie später dann meine P1070620Schultern erreicht. Sie stöhnt leise, als sie die verhärteten Muskeln dort entdeckt und entscheidet wohl, dass dafür keine Zeit mehr ist. Ich erinnere mich an die Masseurin im letzten Thailand-Urlaub auf Koh Mak, die laut klagte „Oh Madame – Computer!“ als sie versuchte, die Verspannungen zu lösen. So schmerzhaft die Session heute war – ich fühle mich wirklich gut, morgen wieder!

Es ist schon nach eins als ich die erste Mahlzeit des Tages zu mir nehme – Reis in rotem Curry und Papayasalat. MIr war jetzt nach gutem Thaiessen und da muss man doch ein wenig abseits der Touri-Meile suchen. Und ich wurde fündig: in einem Bretterverschlag mit dem obligatorischen großen Fernseher und so was ähnlichem wie Thailand sucht den Suoerstar. Wie schaffen sie es nur, in ein so simples Reisgericht mit ein bisschen Gemüse und Tintenfisch eine solche Geschmacksexplosion P1070623hineinzuzaubern? Dazu ein doch recht schweißtreibend scharfer Papayasalat – was für ein Frühstück. Danach noch ein wenig Shopping, jetzt hab ich auch ein Hippieoberteil :-), und dann wieder rauf aufs Radel zurück in meinen Bungalow. Und um dem süßen Nichtstun heute noch die Krone aufzusetzen, koche ich mir einen leckeren Nescafe, schnappe mein Laptop, strecke mich wohlig in der Hängematte aus und genehmige mir auf Youtube einen äußerst amüsanten Münsteraner Tatort. Das Leben kann so schön sein…

Bangkok in Gelb

20160128-Bangkok-Nikon-0920160128-Bangkok-Nikon-04

20160130-Bangkok-Nikon-45Fünf Nächte sind erst einmal genug.
Ich blieb in dieser großen Stadt am Chao Phraya doch recht lange und ging letztlich auf mir bekannten Pfaden. Das bedeutet, ich besuchte wieder den Königspalast und den prachtvollen Tempel Wat Pho, wandelte durch die vor Leben brodelnden Straßen Chinatowns und fuhr mit dem Fährboot den Fluss auf und ab.
Es wird nicht langweilig. Aber es verändert sich. Die Stadt verändert sich und auch die Touristen.
Da ist zum Beispiel die Khaosan Road. War sie bei unserem ersten Besuch in Thailand vor etwa 23 Jahren Anlaufstelle für die Travelerszene und vorrangig ein Ort, an dem man sehr günstig recht gut übernachten und essen konnte, so ist sie heute eher eine Art Rummelplatz, die selber zur Attraktion geworden ist. Junge Reisende, die heute so alt sind, wie ich damals, schlafen lieber etwas luxuriöser…
20160131-Bangkok-Nikon-73Da sind aber auch die Touristenströme, die sich durch die Sehenswürdigkeiten drängen. Sie werden breiter und breiter. Und sie werden gelber und gelber, also immer mehr Chinesen. Und (habe ich es schon erwähnt?) -I don’t like Chinese.
Also zumindest nicht in diesen Massen, denn, wie ich es schon bei meiner Chinareise feststellen musste, ist der Chinese ein schlimmer Rüpel. Ich pflege jetzt mal bewusst das Vorurteil, weil ich in der Tat leider nun schon öfter die Erfahrung machte, dass es bei der Begegnung mit einzelnen Chinesen zwar durchaus sehr freundliche und sehr sympathische Bekanntschaften gab. Im Alltag scheint es mir aber so, als wäre es für das Individuum überlebensnotwendig, rücksichtslos und ignorant zu sein. Vielleicht kann in einer solch großen Masse nichts anderes helfen als so zu tun, als wäre man alleine auf der 20160131-Bangkok-Nikon-79Welt um nicht unterzugehen. Und so rempelt man sich durch die Welt und gegen die Menge und, da bin ich mir sicher, denkt sich noch nicht einmal etwas dabei, meint es nicht böse.
In dieses Muster gehört auch, dass man sich angesichts der Gruppen fragt, warum sie eigentlich in all diese Länder reisen. Denn besonderen Respekt scheinen sie den anderen Kulturen nicht eben entgegenzubringen. Das kann man freilich auch auf die eine oder andere Gruppe aus Deutschland oder sonst wo her übertragen.
20160131-Bangkok-Nikon-54Auch Gespräche unter den Volksrepublikanern sind bemerkenswert, denn es scheint durchaus normal zu sein, sich bei jeder Gelegenheit anzuschreien. Ein Rendezvous stelle ich mir da lustig vor…
Klar ist das alles arg pauschalisiert. Aber es ist eben auch nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Und wie gesagt ist die Stadt natürlich trotzdem eine Reise wert.

Als ich mich dann endlich entschieden hatte, was das nächste Ziel meiner Reise sein sollte, nämlich eine alte Khmeranlage in Phimai etwa 250 km im Nordosten Bangkoks, da lief dann alles wie am Schnürchen. Ohne Vorabreservierung oder auch nur zu wissen, wann der nächste Bus starten würde, fuhr ich am Vormittag zum entsprechenden Busbahnhof, suchte unter hunderten Schaltern den heraus, der mir ein Ticket nach Khorat verkaufen würde und hatte dann noch 15 Minuten Zeit, bevor es pünktlich losging. Die Fahrt verlief sehr gemächlich und als eine der ersten Aktionen wurden Wasser und ein mit Bohnenmus gefülltes Hefebrötchen gereicht. Dazu gab es noch eine Decke, für die, die die Aircondition als zu kalt empfinden. Zwischendurch wurde ein Film gezeigt. Und nach vier Stunden hatte ich die erste Etappe erreicht. Ich gestehe -ich leistete mir dann für die nächsten siebzig Kilometer ein Taxi und kam so recht entspannt in meiner Unterkunft am Fluss an.
20160202-Phimai-Nikon-46Der Ort hat außer der Anlage der Khmer aus dem 11. Jahrhundert nicht viel zu bieten, doch findet jeden Abend ein kleiner Markt in seinem Zentrum statt. Die Menschen lächeln einen sehr freundlich an und wenn ich frage, ob ich ein Foto von ihnen und ihrem Stand machen darf, dann lachen sie um so freundlicher. Obst, Gemüse, Fleisch, Fische und andere Meerestiere werden hier entweder bereits zubereitet oder aber zum sofortigen Verzehr verkauft. Ein Stand reiht sich an den anderen und jeder bringt seine kleine, grelle Glühbirne mit, die das Treiben in ein ganz besonderes Licht hüllt.
Hier schnell eine Mango und dort eine Ananas verdrückt -das ist schon genial. Alles wird einem mundgerecht zubereitet und schmeckt sagenhaft. So würde ich auch zuhause zum größeren Obstfan werden…

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Boker tov Chiang Mai

… was Guten Morgen Chiang Mai heißt. Auf hebräisch. Mehr dazu später.

20160128-Bangkok-Nikon-11Jedenfalls kam ich heute morgen superpünktlich um viertel nach sieben am Bahnhof von Chiang Mai im Norden Thailands an. 13 Stunden brauchte der Zug von Bangkok, aber es waren äußerst komfortable Stunden im Schlafwagen, 2. Klasse, Ladys Car. Als ich einstieg war es noch ein normaler Großraumwagen, links und rechts des Mittelgangs jeweils zwei Sitze gegenüber. Als wir nach etwa einer dreiviertel Stunde Bangkok verlassen hatten, kam die Schaffnerin und baute uns einen großen Schlafwagen. die Sitze wurden zu einem Bett ausgezogen, darauf eine Matratze, ein blütenweißes Laken, Kissen und Decke, darüber wurde ein weiteres Bett heruntergeklappt, das über eine Leiter zu erreichen war. Tja, wer zu spät bucht kriegt die schlechten Plätze, ich hatte schon vor Wochen mein Ticket im Internet bestellt und kam in den Genuss des unteren Luxusbetts, fast so breit wie ein Doppelbett, Ablagen über dem Kopf- und Fußende, hoch genug, um sich gemütlich hinzusetzen und vor allem mit Fenster. Und einem Vorhang, so dass P1070611es wirklich kuschelig war. Anfangs fürchtete ich noch den Kälteschock, aber zum Glück stellten sie die Klimaanlage über Nacht ab. Und so streckte ich mich wohlig aus, las noch ein wenig und ließ mich in den Schlaf schaukeln. Gut, so richtig durchschlafen war schwierig, auch Damen schnarchen, aber ich wachte gegen fünf dann doch erstaunlich ausgeschlafen auf. Um halb sechs schritt die Schaffnerin durch den Gang, wünschte uns auf Thai und Englisch einen guten Morgen und verwandelte alles diesmal in einen Speisewagen. Die Betten wurden weggeklappt und stattdessen eP1070612in Klapptisch hervorgezogen, auf dem mit kurz darauf das am Abend bestellte Frühstück serviert wurde: Kekse, eine Banane, Orangensaft und Kaffee. Und kaum war dieses verzehrt fuhren wir auch schon in Chiang Mai ein. Eilig hatte ich es nicht, aus dem Bahnhof herauszukommen. Sicherlich würden Unmengen von aufdringlichen Taxifahrern und Hotelschleppern auf uns warten, so hatte ich es von unserem letzten Aufenthalt in Chiang Mai vor etwa 25 Jahren in Erinnerung. Aber, es hat sich viel getan. Zwar der ein oder andere mit einem Hotelschild oder der Taxi-Frage, aber alles recht entspannt und so kam ich unproblematisch auf den Bahnhofsvorplatz zu den Sammeltaxis, die einen für 50 Baht, etwas mehr als ein Euro, zum Hotel bringen. Klappte alles hervorragend, nur einchecken konnte ich zu der frühen Stunde noch nicht. Aber das war egal, ich wollte vor allem einen weitern Kaffee. So ließ ich das Gepäck im Hotel und spazierte durch die noch leeren Straßen der Altstadt, fand ein nettes Café mit gutem Cappuccino und dann ein Yogastudio. Deswegen bin ich ja her gekommen, ich muss dringendst was für meine Fitness tun. Auf einer Tafel stand, dass sie um 10:30 Uhr eine Yogastunde anbieten. Perfekt, das ließ genügend Zeit für einen weiteren Kaffee. Kurz vor halb elf war ich dann wieder dort und genoss nicht ganz unanstrengende anderthalb Stunden bei Tomer, einem Israeli. Wo wir wieder bei Boker Tov wären. Irgendwie wurde ich ganz heftig daran erinnert, dass ich mir vor dreißig Jahren ja schon mal einen langjährigen Traum erfüllt habe und nach dem Abi nach Israel gegangen bin. In Vor-Internet-Zeiten ein echtes Wagnis damals, ich kam mir so viel weiter von Zuhause weg vor, ein Brief dauerte drei Wochen, Telefonieren konnte sich niemand leisten und zu meinem Geburtstag bekam ich ein Telegramm… Es war ein unglaublich tolle Zeit damals und das hebräisch gefärbte Englisch des Yoga-Instruktors versetzte mich kurz zurück in meine Kibbutz-Zeit. Und da fiel mir ein, dass ich beim Ausmisten in Vorbereitung unserer Weltreise einen Text gefunden hatte, den ich vor dreißig Jahren Jahren über meinen Job im Kuhstall im Kibbuz Hefzi-Bah geschrieben habe. Und den könnt Ihr lesen, wenn es Euch interessiert, hat ja auch was mit der großen weiten Welt zu tun:

Der Wecker kommt gar nicht erst zum Klingeln. Ein kurzes Klicken bevor das Summen einsetzt und ich habe ihn bereits wieder abgestellt. Ich setze mich in meinem Bett auf, es ist dunkel. Vorsichtig taste ich mich zur Tür hinter der sich ein kleiner Verschlag befindet, betätige den Lichtschalter, ein kurzer Blick zu Katja – sie schläft, hat noch vier Stunden Zeit. Fast geräuschlos öffne ich die Tür, Licht dringt in unser Zimmer, ich blinzele, ein leises Klopfen ist zu hören. Kakerlaken, ich habe mich an sie gewöhnt. Wasser ins Gesicht, kurzes Zähneputzen, pass auf, dass du auf der Toilette nicht wieder einschläfst. Nur mit einem Slip bekleidet komme ich ins Zimmer zurück, gehe zu der anderen Tür und betrete den Vorraum. Im Schrank wühle ich nach einem sauberen Hemd, die kurze Hose vom Vortag liegt noch in der Ecke. Der BH strömt einen warmen Tiergeruch aus. Barfuß gehe ich auf den kühlen Steinfliesen ins Zimmer zurück. Das Haarband, die Zigaretten, verdammt, wo ist der Schlüssel? Nach kurzer Zeit finde ich ihn, befestige ihn mit einer Schnur an meiner Hose, wieder in den Vorraum, leise öffne ich die Tür nach draußen, sie knarrt, Tür ist fast zu viel gesagt – aneinander gehämmerte Holzlatten mit Vorhängeschloss. Auf der Treppe stehen meine Gummistiefel. Ich fahre mit der Hand hinein, darauf gefasst, eine verirrte Kakerlake zu finden. Nur ein bisschen Dreck, ich ziehe sie an, sie sind warm. Die drei Stufen hinunter, keine hat die gleiche Höhe wie die andere, drei Schritte durch … Vorgarten ist wirklich zu viel gesagt. Es raschelt – Chico. Der kleine schwarze Hund begleitet mich über das abgetretene Gras zu der kleinen Straße. Das Tor ist halb geschlossen. Der Mann in dem kleinen Häuschen nickt mir zu, Boker tov, ich stehe auf der breiten Straße. Der Kibbutz hinter mir schläft. Über die Straße gelange ich auf einen breiten Weg, unbefestigt, kleine Schlaglöcher, staubig. Chico läuft vor mir her, immer darauf bedacht, sich den dampfenden massigen Tieren nicht zu sehr zu nähern. Ich erreiche den flachen weißen Bau am Ende des Weges, schiebe die große Tür auf und betrete den Gang. Licht an, über mir ist das aufgeregte Trippeln der Ratten zu hören. Links der große Tank. Die Stufen hinauf, den Gang entlang, ein paar Stufen hinunter, alles ist still. Links das Armaturenbrett, Knöpfe und hebräische Schriftzeichen. Ich weiß, welche Schalter ich zu betätigen habe. Das Stampfen der Wasseranlage beginnt. Durch den Melkstand, ein paar Stufen hinauf gelange ich zur Waschanlage. Die Tore sind geschlossen. Ein Tor öffnen, ein anderes schließen. Die Betonrampe mit ihrer Auflage aus getrockneten Tierexkrementen hinunter. Ein überwältigender Blick: im Vordergrund die Ställe, dahinter das Land. Die Stelle, an der die 1931221_1091047956042_681_nSonne in einer Stunde aufgehen wird, lässt sich erahnen. Es ist bereits warm oder angenehm kühl im Vergleich zur Hitze des Tages, der folgen wird. Es ist still. Ich liebe diesen Moment. Später werde ich in einem französischen Film etwas über die blaue Stunde hören – so stelle ich sie mir vor. Ich öffne das Gatter, betrete die Koppel, versinke bis zu den Knöcheln in dem, was noch nicht getrocknet ist. Die Tiere liegen dicht zusammen gedrängt, einige stehen gemächlich auf. Sie dampfen. Ein liebgewordener Geruch steigt mir in die Nase. Ich stakse durch den Morast bis ans Ende der Koppel. Meine Stimme durchbricht die Ruhe des Morgens. Yalla, Heia. Ich rede mit ihnen, klopfe ihnen auf die Flanken, sie sind feucht und warm, ein paar Haare bleiben an meinen Händen kleben. Ich will freundlich sein zu ihnen, ich werde nie die großen Augen des Tieres vergessen, das in der Waschanlage zusammenbrach und starb. Es war nass und kalt gewesen, ich hatte es am Morgen getreten, ungehalten darüber, dass es mich um meinen Kaffee brachte. Das letzte, was es fühlen sollte, waren meine Tritte und die Enge der Waschanlage. Der verdrehte Kopf lag den ganzen Morgen lang auf einem Sprinkler, die offenen Augen waren von seinen Artgenossen zugeschissen worden. Es war nicht meine Schuld, aber ich fühlte mich verantwortlich. Ein Traktor kam gegen Mittag und zerrte es an den Hinterbeinen fort. Es endete als Dünger auf den Feldern. 

Alle Tier der ersten Gruppe haben die Koppel verlassen und bewegen sich träge auf das weiße Gebäude zu. Sie machen nie Probleme, anders als die aus der dritten, die ständig beweisen müssen, dass Amnons ausbruchsichere Kuhgitter für sie kein Hindernis darstellen. Die Waschanlage ist erreicht, ich schließe das Gatter hinter dem letzten Tier, öffne das andere und gehe zurück in den Melkstand. Die Wasseranlage läuft noch. Ich betätige einen Schalter ein auf Rollen laufendes Gatter drängt die Tiere zusammen, ich stelle die Sprinkler an.

Die Küche ist genauso neu wie das restliche Gebäude. Ein ungemütlicher Raum mit einem großen Tisch, Herd, Kühlschrank, ein paar Arbeitsplatten, eine Spüle. Bilder an den Wänden, doch der Raum wirkt kahl. Ich setze Wasser für Kaffee auf, suche im Schrank nach Keksen. Einen gehäuften Löffel türkischer Kaffee pro Tasse, kochendes Wasser darüber, ich stelle die beiden Tassen auf den Tisch. Schritte sind zu hören, auf einmal steht Ed in der Tür, groß, massig, wilder Bart. Boker tov Julia, schallt es durch den Raum. Er setzt sich, zieht eine Packung Time aus der Brusttasche, zündet sich eine Zigarette an und schlürft geräuschvoll den starken heißen Kaffee. Auch ich nehme einen Schluck, zünde mir eine Zigarette an, es dreht mir fast den Magen um, aber nach ein paar Züge genieße ich es. Wir reden wenig. Das Rauschen der Wasseranlage hat aufgehört. Ed erhebt sich, wir spülen die Tassen und gehen den Gang hinunter zum Melkstand.

 

Wir machen Urlaub

20160128-Bangkok-Nikon-06Wir machen Urlaub voneinander.
Liebe Freunde und andere Leser unseres Blogs.
Wir sind nun nach Thailand gereist, wo wir beide uns mal für ein paar Tage verselbständigen werden, auch weil das hier so wunderbar geht.
Julia sucht nach einem Kurs, in dem sie endlich mal wieder dem Yoga Raum einräumen kann.
Und Eric wird sich ein ruhiges Plätzchen finden, an dem er mal länger dem Nichtstun frönen kann -bis es ihn wieder weiter treibt.
Mal sehen, was wir beide erleben.
So werden wir denn auch jeweils eine Doppelrolle einnehmen und neben Autoren, auch zu neugierigen Lesern unseres Blogs werden.
Lassen wir uns überraschen!

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Die Drei von der Post

Wir sind ja nur kurz in Bali, aber der Stopover war eine gute Idee. Erstmal der recht kurze Flug und dann sind sie schon ziemlich Wellness-Weltmeisterinnen, die Balinesinnen. So verbringen wir unsere fünf Tage mit Ausschlafen, Massagen, Friseurbesuchen und einem Besuch bei der indonesischen Post.20160125-Ubud-Nikon-30

Die Massagen sind unglaublich. Zwar durchaus schmerzhaft, aber himmlisch. In schönstem Ambiente gibt es erst ein kühles Getränk mit kurzem Fußbad, dann anderthalb Stunden Durchkneten und Einölen, bis auch wirklich alle Gelenke und Muskeln frisch geschmiert sind. Nicht aufhören, wollen wir Ihnen zurufen. Nach einer kurzen Dusche noch ein Ingwertee und eine große Wohlichkeit breitet sich in uns aus. Ich finde zum Glück eine echte Friseurin und die mittlerweile doch recht lang gewachsene Mähne wird gekürzt und aufgelockert, nach einer Viertelstunde bin ich fertig und sehe keinen Unterschied zu meinem Hairstylisten zuhause.

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Das ist die geplante Kulisse

Aber wir wollen uns ja auch kulturell bilden und so kaufen wir zwei Tickets für eine Openair-Tanzaufführung um halb acht abends. Um sechs fängt es an zu regnen, nix kurzer Wolkenbruch, ein schöner gleichmäßiger und sehr ausdauernder Landregen. Die Veranstaltung wird nach drinnen verlegt, was der Schönheit des Tanzes keinen Abbruch tut, aber die Atmosphäre leidet doch etwas.

 

20160125-Ubud-Nikon-35Und dann schleppen wir ja immer noch viel zu viel Gepäck mit uns rum. Wir konnten uns einfach nicht von unserem neuseeländischen Zelt und der sehr bequemen Luftmatratze trennen, dazu noch zwei Navis (Karten neu kaufen ist teurer als ein komplett neues Navi…) und eine ganze Menge Reiseführer. In Neuseeland hatten wir mal bei der Post angefragt, was sie für ein Paket verlangen, dafür hätten wir uns alles in Deutschland neu kaufen können. Auf Bali kostet es für indonesische Verhältnisse zwar ein kleines Vermögen, aber für uns ist es noch erträglich. Zudem es mit einem optimalen Servicepaket verbunden ist.

Wir betreten das Post Office, Filiale Monkey Forest, das aus einem etwa 15 qm großen Raum besteht mit einem Schreibtisch, einer Vitrine mit verstaubten Postkarten und drei Stühlen. Drei Männer begrüßen uns freundlich und fragen uns, wie sie uns helfen können. We would like to send a parcel to Germany. Ah, Deutschland, sagt daraufhin einer und berichtet, dass er dort vor etwa zwanzig Jahren eine neunmonatige Ausbildung gemacht habe, mit Deutschkurs und Praktika in Bremen, Mönchengladbach und Radolfzell. Was wir denn verschicken möchten. Wir haben alles dabei und wissen, dass es in der Post 20160125-Ubud-Nikon-43verpackt wird. Also suchen die drei einen Karton, der wird noch zugeschnitten, sorgfältig verklebt und in eine Hülle gepackt. Beim Wiegen sind wir doch erstaunt: fast fünf Kilo mehr als gedacht, das wird etwas teurer als geplant, da müssen wir noch mal Geld holen. Ich sage, ich würde kurz gehen, während Eric die Zollerklärung ausfüllt. Nix da, ich bin noch dabei, mir die Schuhe anzuziehen, da kommt einer der drei Herren nach draußen, hält mir einen Helm hin und besteht darauf, mich mit dem Motorrad zum Geldautomaten zu fahren. Kaum fünf Minuten später sind wir wieder zurück, das Paket ist fertig und erweckt jetzt durchaus den Eindruck, einer langen Seereise standzuhalten. Wir zahlen und kriegen eine Quittung mit Tracking Code, um das Schicksal unserer Campingausrüstung bei ihrem Trip um die halbe Welt live mitverfolgen zu können. Mit Handschlag werden wir verabschiedet, die drei scheinen mit uns fast genauso viel Spaß gehabt zu haben wie wir mit ihnen. Mit dem Service sollten sie nach Deutschland kommen und ein Postamt eröffnen, sagen wir noch, und sie erwidern, in Deutschland sei doch alles viel besser. Na, wenn die wüssten…

Balinese Birthday

23.01.2016: Der liebe Eric ist heute 51 P1070605geworden, aber weil für ihn Geburtstage keinen besonderen Stellenwert haben und hier weder eine Torte aufzutreiben war noch uns der Sinn nach Sekt stand, verbrachten wir unseren ersten Tag in Ubud ganz unspektakulär. Bali und mittlerweile P1070597leider auch Ubud ist zwar touristenüberlaufen und erstickt im Verkehr, aber nur einige Meter neben der Straße ist es noch da: Bali mit seinem ganzen Charme, seiner wunderbaren Architektur, den Reisfeldern und P1070598Tempeln. Der Taxifahrer setzte uns gestern Abend  an einer belebten Straße vor einem engen Durchgang ab, der zwischen den Häusern nach hinten führte. Mit jedem Schritt wurde der Straßenlärm leiser und plötzlich standen wir in fast so etwas wie einem balinesischen Dorf. Kleine Häuschen, jedes mit einer Terrasse, überall Steinfiguren, Blumentröge, Sitzgelegenheiten – das schien unser Hotel zu sein, das Teja Home Stay. Ein bisschen was einfacheres, dachten wir bei der Buchung, für 26 Euro die Nacht kann man ja auch nicht allzu viel verlangen. Was wir jetzt haben, ist fast eine kleine Villa, großes Zimmer P1070601und Badezimmer und die Terrasse als Wohnzimmer mit Tisch und großem Sofa, eingerahmt von zwei Käfig-Beos, von denen uns einer mit „Good morning, how are you?“ begrüßt. P1070594Ein kleines Paradies im Herzen von Ubud. Nach dem Frühstück auf unserer Terrasse machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Viele Autos, viele Menschen, aber auch viele schöne Läden, tolle Restaurants. Und so streifen wir durch die Läden, fläzen uns auf Bastmatten in geschmackvollen Cafés und schlürfen köstliche Fruchtsäfte.P1070587

P107057224.01.2016: Den restlichen Tag gestern hat ja Eric schon beschrieben, der mir gestern mit seinem Blogeintrag zuvor kam. Also sag ich nix zum Friseurbesuch, sie wachsen ja wieder 🙂 Jedenfalls ein herrlich träger Tag in einer trotz des Verkehrschaos schönen Stadt. Mit immer noch freundlichen Menschen, von denen zwar fast jeder „Taxi?“ anbietet, aber sich auch zufrieden gibt, wenn man lächelnd mit „No, thank you.“ antwortet. Nur das Massageerlebnis fehlt noch, das kommt heute dran!

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Geburtstag in Ubud

20160124-Ubud-Nikon-23Heute habe ich Geburtstag. Und ich habe ihn in Ubud auf Bali verbracht
Die Null bin ich los und auf eine weitere Eins  vorgerückt und wie immer hat’s nicht weh getan.
Das Wetter war der Ansicht, dass es zum heulen ist und hat mir mittags einen zweistündigen Tropenguss spendiert.
Vielleicht hat es aber auch nur um meine Haare geweint, denn er setzte just in dem Moment ein, als ich nach fünf Minuten Rasur von der Frisörin (war sie eine?) vom Stuhl entlassen worden war. Ich hatte ihr als Maß für die gewünschte Länge meine Daumenbreite gezeigt. Eigentlich würde ich sie auf wenig mehr als einen Zentimeter schätzen. 20160123-Ubud-Nikon-09Sie setzte die Maschine an und begann von der Stirn nach hinten zu scheren und damit war es auch schon zu spät für eine Intervention irgendeiner Art…
Ich ergab mich also in mein Schicksal.
Das Ergebnis ist kürzer als mein Dreitagebart und misst etwa zwei Millimeter.
Ein Gefühl von Glatze, an das ich mich aber schnell gewöhnte.
Gut, vielleicht hätte ich nicht so sehr betonen sollen, dass ich es sehr kurz haben möchte. Und vielleicht waren die 3,30 Euro dann doch zu günstig?
Der Regen führte dazu, dass wir uns von Restaurant zu Restaurant hangelten und so viele der Köstlichkeiten der Insel genießen konnten, allen voran dem frischen Obst und den Säften aus selbigem.
20160124-Ubud-Nikon-20Der Tag blieb wolkenverhangen und stand damit im starken Kontrast zu den langen hellen Tagen des weiten, blauen australischen Himmels. So hatte er etwas bedrückendes, von dem ich mich weigere, es auf die Besonderheit des Tages zu schieben.
Abends gingen wir dann noch einmal schön Essen.
Und nun mache ich mir ein eigenes Geburtstagsgeschenk und sitze in einer Shishabar. Drinnen spielt eine Band gute Musik, die zu mir nach draußen schallt und ich rauche nach gut 175 Tagen meine zweite Pfeife. Dummerweise ist das auch noch gemütlich und mir geht es, einen Ananassaft schlürfend, recht gut.

Ich danke Euch für die ganzen Glückwünsche und freute mich besonders über einen wunderschönen Videoclip mit meinem vor gerade einmal zwei Wochen geborenen Neffen Aaron Moarefi als einzigem Darsteller, dessen Mimik herzerweichend ist.

Viel Glück in dieser Welt kleiner Aaron!

Schluempfe