Europa

Das Vergnügen in Abu Dhabi war kurz, 20160315-Abu-Dhabi-12aber ergiebig. Nach über sieben Monaten unterschiedlichster Waschverfahren hatten sich Löcher, unentfernbare Flecken und andere Unansehnlichkeiten in unseren Klamotten festgesetzt. Als uns dann auf einmal in einem Einkaufszentrum ein Tchibo-Schild entgegenleuchtete waren wir erst amüsiert und dann hoch erfreut: lauter Restposten aus Deutschland mit deutschen Größen! Kein Rätseln mehr, wie lang mein Fuß in Zentimetern ist (Strumpfmaß in Neuseeland), nein, da stand einfach „39-42“ und ich schlug zu. Und auch die Trauer um meine verlorene Lese-Sonnenbrille war vorbei, sie hatten doch tatsächlich Ersatz für mich. Und nicht nur der Tchibo-Besuch war fruchtbar, so dass mein Rucksack schon wieder hart an der 20kg-Grenze kratzt.

Der letzte Eindruck von Abu Dhabi war leider ein chaotischer, ganz untypisch für das reiche und gut organisierte Emirat. Der Flughafen ist leider eine mittlere Katastrophe und mit Abstand der schlechteste, den wir bisher erlebt haben. Am Check-In standen wir fast eine Stunde, bei der Ausreise noch mal und unsere Nervosität hielt sich nur in Grenzen, weil alle um uns herum ebenfalls nur noch maximal eine halbe Stunde bis zum Abflug hatten. Die vollkommen überforderten Flughafenmitarbeiter blafften herum, man solle halt drei Stunden vor Abflug da sein. Nach absolvierten Formalitäten legten wir einen gestreckten Sprint hin und kamen fast als letzte am Gate an. Man warte nur noch auf zwei Passagiere, hieß es, gut, dann kann ich ja noch einen kleinen Toilettenabstecher machen. Im Bereich der langen Warteschlangen, wo genügend Zeit gewesen wäre und wir fleißig unsere Wasserflaschen leerten, gab es leider weit und breit keine Toiletten. Nix da, bedeutet mir der Mann am Gate, rein in den Bus. Na gut, wahrscheinlich fährt er ja sofort ab. Nach fünf Minuten im wartenden Bus habe ich genug und steige wieder aus. Böse Blicke des Gate-Bewachers, aber er wird mich nicht aufhalten. Nach zwei Minuten bin ich zurück, werfe dem Cerberus ein triumphierendes „See!“ zu und teile ihm noch mit, dass das der allerschlechteste Flughafen meines Lebens sei (das juckt ihn nicht, ich weiß, wirkt für mich aber ähnlich befreiend wie der Toilettenbesuch).

P1080127Das Flugzeug ist halb leer, wer will schon von Abu Dhabi nach Zypern. Wir fliegen über Wüsten und bewässerte Felder, die wie grüne Kornkreise in die Einöde getupft wirken. Doch all die Exotik vor unserem Fenster kann uns nicht davon ablenken, dass wir uns Europa nähern. Und da kommt bei uns die Frage auf, was jetzt wäre, wenn wir aussteigen und wieder zuhause sind. Und wir denken beide, dass es sich anfühlen würde, als wären wir halt in einem langen Urlaub gewesen. P1080136Und wir vielleicht wie viele Male zuvor zunächst etwas fremdeln würden mit der Heimat, uns schnell aber wieder daran gewöhnen und in den alten Trott zurück fallen könnten. Wir sind beide fast erschrocken von dieser Vorstellung und nehmen uns fest vor, während der nächsten Monate auch verstärkt auf eine innere Reise zu gehen.

20160319-Zypern-Larnakos-15Nach viereinhalb Stunden setzen wir zur Landung in Lanarca an. Ein frühlingshaftes Zypern erwartet uns, überhaupt nicht zu kalt, wie wir es erwartet haben, mit blauem Himmel, einer sanften Meeresbrise und der besten Luft seit vielen Wochen. Die Stadt ist überschaubar und wir haben ein kleines Apartment mittendrin. Die ersten Kontakte mit den Zyprioten sind sehr freundlich, im Lebensmittelladen bleiben wir lange hängen, weil wir mit dem Besitzer ins Gespräch kommen. Wir kaufen Wein und Käse, 20160319-Zypern-Larnakos-03lange nicht mehr gehabt. Der 20 Euro-Schein, den er uns rausgibt, kommt uns wie Falschgeld vor, den kannten wir noch nicht. Er fragt uns, wie es in Deutschland denn so mit den Flüchtlingen ist und wir müssen passen. Da merken wir doch, wie lange wir schon weg 20160319-Zypern-Larnakos-14sind und dass zumindest die Phase des Fremdelns länger dauern wird als sonst. Wir bummeln durch Lanarca und grasen die Sehenswürdigkeiten ab. Keine spektakuläre Stadt, aber jetzt in der Vorsaison entspannt und trotz durchaus vorhandener Touristen ziemlich original. Wir essen in kleinen Lokalen, trinken Wein auf unserem Balkon und schauen mal, wie es weitergeht. Wahrscheinlich mieten wir ab Montag ein Auto und erkunden die Insel. Auch hier wird links gefahren, darin sind wir ja mittlerweile Profis (in Abu Dhabi kam es uns fast schon falsch vor, dass der Taxifahrer auf der linken Seite saß). Und wohin es nach Zypern geht, das steht noch in den Sternen. Aber, und das ist auch das tolle daran, wieder in Europa zu sein, niemand wollte am Flughafen ein Weiterflugticket sehen, wir sind ganz frei in der Planung. Afrika? Südamerika? Oder vielleicht noch ein Stopp in Italien, Spanien oder der Türkei? Schaumermal…

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