Reisen strengt an

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Wir sind nun ziemlich genau 11 Wochen, also 77 Tage unterwegs. Und wir waren fast immer auf Achse, schliefen in was weiß ich wie vielen Betten oder auf Matten. Und wir merken, dass wir ein wenig müder werden. Es strengt zurzeit zunehmend an, wenn wir jeden Tag damit verbringen, ca. 10 km auf Asphalt zu gehen.
20151019-Miyajima-Nikon-35Und so stehen wir momentan morgens eher später als früher auf und sind dann doch schon gegen acht oder spätestens halb neun am Abend im Zimmer. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Reisenden haben wir ja den Vorteil, dass wir einfach immer noch einen Tag dran hängen können, wenn wir noch was sehen oder uns entspannen wollen.
So ist es uns auch mit Hiroshima ergangen, wo wir eigentlich erst einmal für zwei Nächte gebucht hatten, gestern aber eine weitere Nacht dazu nahmen, um dann heute den Tagesausflug nach Miyajima zu unternehmen, was auch den Vorteil mit sich brachte, dass wir die an einem Sonntag zu erwartenden Besuchermassen umgingen.
Und so war es denn auch heute am Montag nicht sonderlich voll in diesem nächsten Weltkulturerbe, das auf der Insel Miyajima  unweit der Festlandküste liegt. Es handelt sich dabei um ein ganzes Areal, in der Hauptsache aber den Schrein von Itsukushima. Dazu gehört auch ein im Wasser vor der Insel stehendes großes Torii, also tatsächlich ein Tor, wie sie in Japan sehr häufig bei Schreinen oder Tempeln zu sehen sind. Dieses hier beeindruckt aber gerade dadurch, dass es vor dem Schrein inmitten des Wassers errichtet wurde und sich da nun leuchtend orange vom Blau des Meeres absetzt.20151019-Miyajima-Nikon-2620151018-Miyajima-Nikon-04

 

 

 

 

 

20151019-Miyajima-Nikon-38In diesem Schrein fand denn heute auch eine der traditionellen Hochzeiten statt, dieses mal aber eine zwischen einer Japanerin und einem Deutschen, so dass sich in der für alle einsehbaren Halle eine deutsche und eine japanische Familie gegenübersaß, alle mit sehr ernster Miene. An der Brüstung zur Halle versammelten sich immer mehr Touristen, vor allem chinesische, die nun nicht gerade mit Dezenz brillieren, so dass sich ein für eine europäische Trauung nicht vorstellbare Lärmkulisse aufbaute und die Festgesellschaft nun aber immerhin in so manchem Bildervortrag in aller Herren Welt auftauchen dürfte (so wie auch hier bei mir in dem Hochzeitsbild rechts ohne Hochzeitsgesellschaft). Ein nachhaltiges Erlebnis dürfte es für die Brautgesellschaft allemal gewesen sein.

20151019-Miyajima-Nikon-64Einen weiteren Tempel steuerten wir dann noch rein intuitiv an. Oder aber, er zog uns an, so wie er da auf halber Höhe des heiligen Berges Misen saß.20151019-Miyajima-Nikon-67
Und es hat sich gelohnt! Der Daisho-in ist eine Ansammlung verschiedenster Gebäude, die sich rechts und links eines Pfades, der sich den Hang entlang nach oben windet, versammeln. In ihnen und um sie herum stehen unglaublich viele Heiligenfiguren aber auch Dämonen, die alle unterschiedlichen Glaubensrichtungen zugehörig sind. Dominiert natürlich von verschiedenen Ausprägungen des Buddhismus, sei es tibetanisch, shintoistisch, thailändisch oder chinesisch. Man findet dort aber schon auch mal einen christlichen Engel.

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Hiroshima

Es gibt Orte, deren Namen einen erschauern lassen. So wie Guernica oder Auschwitz. Japan hat gleich zwei davon: Hiroshima und Nagasaki, rechnet man noch Fukushima dazu, sind es sogar drei. Und in Hiroshima sind wir jetzt seit20151017-Hiroshima-Nikon-40 zwei Tagen.  Und es ist eine sehr lebendige, lebenslustige und freundliche Stadt, von Flüssen durchzogen, mit breiten Einkaufsstraßen, einer Burg und dem schönen Friedenspark. Und nur dort und an einigen wenigen anderen Stellen wird man mit dem Grauen konfrontiert, das hier vor 70 Jahren stattgefunden hat.

Am 6. August 1945 explodierte 600 m über 20151017-Hiroshima-Nikon-03der Stadt eine Atombombe und zerstörte 80% der Stadt. In der Kernstadt blieben nur einzelne Gebäude stehen, so das damalige Handelszentrum, das als „Atomic Bomb Dome“ erhalten wurde und heute Friedensdenkmal ist. Es ist der erste Gedenkort, den wir besuchen, eine Ruine an einem idyllischen Ort, am Ende einer Einkaufsstraße direkt am Fluss gelegen, mit Blick auf den Friedenspark. Erst die Informationstafeln nehmen einem den Atem: hier ist es passiert, die nahegelegene Brücke über den Fluss diente den Bombern als Orientierung.
Vor hiroshima4der Absperrung hat ein Mann seinen Stand aufgebaut, er trägt ein Schild mit der Aufschrift „Survivor“, er hat Berichte über den 6.8.1945 in allen möglichen Sprachen ausgelegt und will dem Grauen ein Gesicht geben.
Wir gehen weiter am Fluss entlang und überqueren ihn an der nächsten Brücke in Richtung Friedensmuseum. Eigentlich ist uns gerade nicht danach, zu eindrücklich war schon der A-Bomb Dome, aber dann gehen wir doch hinein. 50 Yen kostet der Eintritt, das sind etwa 30 Cent, dafür bekommt man auch noch eine Postkarte aus recyceltem Papier, das aus den vielen tausend Papierkranichen, die Hiroshima jedes Jahr erreichen, hergestellt wurde. Die Karte soll man mit seinen Eindrücken beschriften und verschicken, eine schöne Idee. Wen interessiert, was es mit den Papierkranichen auf sich hat, der sollte sich die Geschichte von Sadako Sasaki durchlesen.

Im Museum sind fast nur persönliche und Alltagsgegenstände ausgestellt: die Kleider von Opfern, eine zerschmolzene Taschenuhr, in die 20151017-Hiroshima-Nikon-24sich die Zeiger auf viertel nach acht eingebrannt haben, ein Klumpen ineinander verschmolzener Gläschen, die aus einem Keller geborgen wurden. Zu jedem Gegenstand wird eine kurze Geschichte erzählt, zum Beispiel, wem die Jacke gehörte, deren Fetzen man betrachten kann, wo ihn die Bombe antraf, dass er es danach noch nach Hause schaffte, dann aber dort starb. Die Ausstellungsweise des Museums ist wohl umstritten, aber sie lässt die einzelnen Menschen hinter der unglaublichen Opferzahl aufscheinen. Es sind sehr ergreifende Geschichten und mir fällt auf, dass die Japaner ihre teilweise sehr kleinen Kinder mit in die Ausstellung genommen haben und ihnen genau erklären, was in den Auslagen zu sehen ist. Friedenserziehung fängt hier sehr früh an.

20151017-Hiroshima-Nikon-17Nach dem Museumsbesuch gehen wir durch den Friedenspark, ein schön gestalteter Ort. Ein Rundbogen, durch den man die hiroshima6ewige Flamme und den Atomic Bomb Dome sehen kann, Grünflächen, das Denkmal für den Weltkinderfrieden. Die gesamte Anlage hat etwas sehr versöhnliches, getragen von dem unbedingten Willen, so etwas nie wieder passieren zu lassen.

Irgendwann wollen wir wieder ins Leben zurück. Die sprudelnde Lebendigkeit des neuen Hiroshima ist genau das Richtige. Wir stürzen uns in die Einkaufsstraßen, freuen uns noch mehr über die hinreißenden japanischen Kinder und finden zum Abschluss des Tages das beste Sushirestaurant (und wir hatten ja schon phantastische…).

Am nächsten Tag lassen wir es langsam angehen, wir schlafen lange, frühstücken gemütlich und bummeln dann durch die Straßen. Gegen Spätnachmittag machen wir uns auf zur Burg von Hiroshima. Hiroshima2Ein klassisch japanischer Bau, dem man nicht ansieht, dass er erst Mitte des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Und dann werden wir wieder darauf gestoßen, dass dies kein normaler Ort ist, auch wenn alles so normal scheint: die Informationstafel beschreibt nüchtern, dass es sich um den Wiederaufbau des Schlosses aus dem 16. Jahrhundert handelt, das bei der Atombombenexplosion zerstört wurde. Es gibt Orte, die es nicht zulassen, dass man dem Schauern entkommt.hiroshima3

Bahntastisch

20151013-Kagoshima-Lumix-02Heute habe ich einen Fensterplatz, der bei jeder Station genau bei dem Mann zum Stehen kommt, der auf dem Bahnsteig ein Pult mit Monitoren und Schaltern stehen und von dort aus alles unter Kontrolle hat.
Es läuft an jedem Bahnhof immer gleich und ritualisiert ab: Wie ein Dirigent vor seinem Orchester gibt er über seine Hände Signale in alle Himmelsrichtungen, dreht sich um die eigene Achse, wirft Blicke auf die Monitore, blickt schnell auf die Uhr, spricht kurz in sein Walky-Talky, dreht sich wieder um, gibt erneut Zeichen in Richtung der beiden Zugenden und dann legen wir ab, während er noch einmal auf die Uhr blickt.
Eine einstudierte Choreographie.

Immer wieder bin ich fasziniert von der Pünktlichkeit und dem kurzen Takt mit dem die Züge hier fahren. Schlimm eigentlich, dass einem dies, aus Deutschland kommend, hier als positiv auffällt. Grüßle an die Deutsche Bahn…
Übrigens: Die Bahn in Japan ist privatisiert und in verschiedene Regionen mit diversen Betreibern unterteilt. Und dennoch greift scheinbar ein Rädchen ins andere.

Satt und sauber

Nur eine Stunde braucht der Shinkansen für die fast 180 Kilometer von Kagoshima nach Kumamoto. Vier Stopps auf der Route, aber die werden in Windeseile abgewickelt, die Anzeige im Zug macht das auch deutlich: This train will soon make a brief stop. Kurzer Stopp, klar? Rein, raus, weiter!

Der Bahnhof von Kumamoto liegt abseits der Innenstadt 20151016-Kumamoto-Nikon-67und so kommen wir in den Genuss einer Straßenbahnfahrt. Wir fragen den Schaffner, ob der Wagen in die Innenstadt fährt, ja, sagt er, und drückt uns eine Broschüre in die Hand, mit allen wichtigen Informationen  über das Straßenbahnfahren. Zum Beispiel, dass man beim Aussteigen zahlt und zwar unabhängig von der Strecke 150 Yen (etwa 1,10 Euro). Die Haltestelle im Stadtzentrum wird sogar auf englisch angesagt und so stehen wir eine Viertelstunde später genau da, wo wir hin wollten. Das Hotel ist schnell gefunden, einchecken geht ja nirgendwo vor nachmittags, aber das Gepäck können wir dort lassen. Also auf, Kumamoto zu erkunden.

Wir sind wegen der 20151015-Kumamoto-Nikon-06Burg hier und
die ist 20151016-Kumamoto-Nikon-17schnell gefunden. Eine sehr ordentlich befestigte Anlage mit Wallgraben und massiven Steinmauern, eben eine20151015-Kumamoto-Nikon-14 echte 20151016-Kumamoto-Nikon-29Burg. Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut, 20151015-Kumamoto-Nikon-04Ende des 19. Jahrhunderts teilweise
zerstört und in den sechziger Jahren restauriert. Und das haben si20151016-Kumamoto-Nikon-37e ganz schön hingekriegt, von außen ein echtes japanisches Idyll, im Inneren des Palastbereichs wunderbare Wandgemälde.

Und gut unterhalten werden wir auch noch, 20151016-Kumamoto-Nikon-42eine kleine Tanzaufführung von modernen Samurai, die uns am Ende ihrer Show auf englisch grüßen, kostümierte Figuren
aller Art, denen man ein Gesicht geben kann 20151016-Kumamoto-Nikon-18und viele freundliche Japaner.
Das alles reicht für einen äußerst vergnüglichen
Nachmittag, der dann aber wegen akuten Hungers einen 20151016-Kumamoto-Nikon-62Ortswechsel notwendig macht. Zum Glück ist die Burg ja mittendrin in der Stadt und so ist es nicht weit zur Fußgängerzone. Diesmal muss es aber ein Restaurant mit englischem Menü sein, Spezialität in Kumamoto ist Pferdefleisch und das möchten wir dann doch vermeiden. So landen wir in einem Restaurant, das ein ganz ansprechendes Menü ausgehängt hatte und stehen als erstes vor zwei Automaten, 20151016-Kumamoto-Nikon-68die die Speisekarte in mehreren Sprachen anzeigen. Wir hatten das in Tokio mal von außen in einem Nudelrestaurant beobachtet, auswählen und zahlen am Automaten und dann im Restaurant essen. Wir schieben 1000 Yen in den Automaten, wählen aus, bekommen kleine Tickets und das Wechselgeld ausgespuckt. Jetzt sind wir doch ein bisschen skeptisch, ob das lecker sein wird, wirkt ja schon sehr wie ein seelenloses Schnellrestaurant. Am Tisch nimmt uns die freundliche Bedienung die Tickets ab und nach kurzer Zeit haben wir jeder ein Tablett mit sehr feinen Dingen vor uns, die äußerst lecker schmecken. 20151016-Kumamoto-Nikon-69Klasse!

Nachtisch gibt’s dann immer beim SevenEleven, wir bleiben klassisch bei Schokolade und können süßen Rote-Bohnen-Pasten und buntem Glibber – den traditionellen asiatischen Desserts – nicht viel abgewinnen. Rundum satt steuern wir auf unser Hotel zu, in dem hilfreiche Geister unser Gepäck schon auf’s Zimmer gebracht haben. Aber hier halten wir uns nicht lange auf – im 13. Stock gibt es ein Onsen, ein traditionelles Bad. Also rein in den bereitgestellten Hausanzug 20151016-Kumamoto-Lumix-01und die Schlappen und ab ins Wellnessparadies. So guuuut! Erst eine aufwändige Reinigungszeremonie mit wohlduftenden Essenzen, dann ab ins warme Bad, kurz eingetaucht ins kalte, hinein in die Sauna , wieder kalt und dann noch mal lange warm. im Außenbecken Das Ganze in stimmungsvollem Halbdunkel, mit dezenter traditioneller Musik, herrlich. Schade nur, dass ich die angebotenen duftenden Lotionen wieder mal ausschlagen muss – in Asien mischt man gerne „Whitening“ in die Creme und meine schöne Hawaiibräune will ich mir erhalten. Satt, sauber und zufrieden lasse ich mich in’s Bett fallen. Vielleicht träume ich ja vom Burgfräulein von Kumamoto.

Kagoshima

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Kagoshima liegt am südlichen Ende der Insel Kyushu, also direkt ‚unterhalb‘ von Südkorea. Die Stadt hat zwar keine umwerfenden Tempelanlagen zu bieten, aber das muss sie für uns auch gar nicht. Davon ist in unseren bisherigen Stationen ja nun kein Mangel gewesen.

Es ist eine sehr unaufgeregte Stadt am Meer, die uns dadurch die perfekte Gelegenheit bietet, selbst einmal etwas Tempo herauszunehmen.20151015-Kagoshima-Lumix-98
An der Hafenpromenade kann man einfach sitzen und dabei, wie Julia es gerade macht, ein Fußbad in warmen Wasser nehmen und gleichzeitig den Blick auf die gegenüberliegende Vulkaninsel (na ja -es gibt eine minimale Verbindung zum Festland) Sakurajima genießen.
20151014-Kagoshima-Nikon-13Der Vulkan ist durchaus aktiv und rülpst offenbar immer wieder Ascheregen in die Region. Den schwarzen Sand kann man hier dann auch tatsächlich häufig auf den Wegen sehen. Der „Beipackzettel“ zu Stadt und Insel klärt einen denn auch beruhigenderweise auf, mann müsse in solch einem Falle nicht in Panik verfallen -alles ganz normal…
Bei unserem Besuch auf der Insel gestern, sahen wir denn auch Schulkinder auf dem Nachhauseweg. Zur Schuluniform gehört dort offenbar standardmäßig ein Bauarbeiterhelm. Sehr beruhigend 😉
20151014-Kagoshima-Lumix-54Die Überfahrt mit der Fähre dauert keine zwanzig Minuten und ist sehr beschaulich. Angekommen, entschlossen wir uns einen Busservice zu nutzen, der einem eine einstündige kleine Rundfahrt ermöglicht. Erstmals in unserem Leben sind wir Bestandteil einer japanischen Reisegruppe und außer uns sind keine westlichen Touristen an Bord.
Tatsächlich ist alles sehr genau durchgetaktet: Es sind drei Stopps vorgesehen und der erste dauert fünf, der zweite sieben und der dritte 13 Minuten. Immer blättert der Chauffeur ein Schildchen um, auf dem die Uhrzeit für die Weiterfahrt präzise vermerkt ist: 16:21 zum Beispiel. Alle Fahrgäste sitzen selbstverständlich lange vor der Zeit wieder im Bus und selbst wenn noch Minuten bis zur angekündigten Abfahrt bleiben, werden die letzten Meter im Eilschritt zurückgelegt.
Leider ist der Feuerspeier nicht bereit ein Rauchzeichen von sich zu geben. Aber ein schöner Anblick ist er allemal.

Vor unserer Fahrt zum Vulkan hatten wir uns am Mittag an der Uferpromenade aufgehalten und stießen dabei auf ein Kanalsystem, in dem verschiedene Fische schwammen. Wir beobachteten große, schimmernde Goldmakrelen und liefen dann weiter an der Dolphin Bay, als wir tatsächlich und vollkommen überraschend größere Flossen aus dem Wasser ragen sahen.20151014-Kagoshima-Lumix-33
Delfine!

Zwei dieser richtig großen Tiere zogen elegant ihre Bahnen in einem Abschnitt des Kanals und wir beobachteten sie gebannt.
Erst etwas verzögert registrierten wir, dass just an jener Stelle Kagoshimas Meerwasseraquarium steht. Die Tiere gehören zum Aquarium, schwimmen aber im „Freien“ umher. Mehr oder weniger frei, denn ins Meer zurück können sie nicht.
Jedenfalls konnten wir sie aus nächster Nähe beobachten und ihre Synchronschwimmkünste bewundern. Es standen nur noch drei, vier weitere Personen um den Kanal, die das selbe taten wie wir, also gebannt schauen.20151014-Kagoshima-Lumix-37
Und dann, um halb eins, kam ein Mitarbeiter des Aquariums und stieg auf einen Ponton, der dort in dem Kanal liegt. Er fütterte die Tiere, nicht ohne sie dabei das eine oder andere Kunststück vollführen zu lassen. Das geschah einfach so. Sozusagen am Straßenrand und ohne viel Getöse.
Klar sind solche Bedingungen für die Tiere fragwürdig, aber die beiden Delfine zu erleben war dennoch sehr faszinierend und besser als in einem europäischen Delfinarium ist es allemal.
Darauf erst einmal ein paar Sushi! Und davon gibt es hier an der Promenade auch sehr leckere.

Sushi

20151014-Kagoshima-Lumix-75Abends gestaltete sich die Suche nach Essen dann aber etwas aufwändiger. Nicht, dass es nicht an jeder Ecke Restaurants geben würde.  Aber in unseren Köpfen hatten sich Nudeln manifestiert und wenn man mal welche braucht, dann findet man sie nicht. Alles mögliche wurde angeboten und oft wiederholten sich die Plastiknachbildungen der Speisen in den Auslagen der Restaurants. Aber Nudeln kamen nicht vor.
Wir durchkämmten das Amüsierviertel und ließen uns, als sich gerade die Automatiktüren einer der Spielhöhlen öffnete, vom Höllenlärm der aus dem Gebäude drang, aufsaugen und wurden hineingezogen in diese eigenartige Welt, die kaum etwas mit den Spielkasinos in Las Vegas gemein hat. Doch! Auch hier wird geraucht. Und auch hier sitzen die Menschen, bevorzugt Ältere, vor Automaten und füttern diese mit Geld. Das waren dann aber die Gemeinsamkeiten.
20151014-Kagoshima-Lumix-94Diese Automaten hier produzieren eine Kakophonie, die wir gerade mal zwei Minuten ertragen. Auf den Monitoren in den Geräten sind irgendwelche Zeichentrickfiguren zu sehen. Hektisch wird auf Knöpfe gedrückt, den Arm auf einer fest installierten Lehne abgelegt. Massenhaft strömen aus den Apparaten Goldkügelchen, deren Bedeutung sich uns so überhaupt nicht erschließt, denn immer wieder rollern Angestellte kleine Container mit tausenden davon durch die Gänge und, wir wissen es nicht, versorgen die Spieler entweder damit oder befreien sie womöglich davon.
Wir fliehen. Und werden endlich fündig -Nudeln, wenn auch mal wieder kalte, werden uns ausgesprochen freundlich und ohne jede Englischkenntnisse empfohlen und serviert. Sie sind in fast allen Variationen lecker. Gerettet!

Übrigens: Bei Euch zuhause gibt es ja offenbar den ersten Wintereinbruch. Hier macht sich zwar auch der Herbst bemerkbar, doch können wir nicht klagen -mit bis zu 25 Grad ist es am Tag sehr angenehm -zumindest hier unten im Süden Japans.
Wir legen ein paar Gedenksekunden ein…

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Vulkanbeipackzettel

Jazz und andere Eigenarten

Irgendwie scheinen die Japaner die größten Jazzfreunde überhaupt zu sein.
Egal, in welch einem Restaurant oder Imbiss man sitzt, aber auch im Supermarkt -im Hintergrund spielt mehr oder weniger leise Jazzmusik. Auch wenn man eine Musikhandlung betritt, so findet man recht große Jazzbereiche.
Ich bin ja schon seit Jahren ein großer Fan von Haruki Murakami und auch in seinen Büchern spielt Jazz irgendwie immer eine erwähnenswerte Rolle –er hatte übrigens selbst einmal eine Bar, in der –man ahnt es schon- Jazz gespielt wurde.

20151011-Nara-Nikon-23Es gibt hier so einiges, das einem als Besucher auffällt.
So auch zum Beispiel die Angewohnheit, bei Regen die Schirme beim Betreten eines Geschäftes nicht in einen Schirmständer zu stellen, sondern in eigens dafür bereitgestellte Plastikkondome zu schieben und diese dann bei sich zu tragen. Heute kam uns allerdings dann eine Alternative dazu unter, nämlich doch ein Schirmständer.
Aber der ist, nicht wie bei uns, irgend ein Eimer, sondern ein Gestell mit lauter individuell abschließbaren Abteilen, so dass klar ist: Meinen Schirm, den nimmt keiner mit, außer mir.
Also selbstverständlich nur dazu, um eventuelle Verwechslungen zu vermeiden! Wir fühlen uns hier sicher wie selten wo.

Das nächste ist die in Asien ja nicht so seltene Gewohnheit, in den Wohnhäusern nicht mit Schuhen herumzulaufen. Jeder zieht sie vor Betreten des Hauses aus und läuft strümpfig oder barfuß umher.
GH6Und weil das vor allem in Unterkünften mit gemeinsam genutzter Toilette nicht ganz so hygienisch wäre, stehen in den zumeist sehr eng gestalteten WCs dann immer ein Paar Schlappen bereit, die man eigens dort, und nur dort trägt.
Betritt man das Stille Örtchen, wird man des Öfteren von einem automatisch in die Höhe schnellenden Toilettendeckel und einer schön beheizten Klobrille begrüßt. Und wenn man sich traut, und ich trau mich, dann kann man diverse Knöpfchen drücken und sich der Wasserspiele erfreuen.

Hygiene ist sowieso etwas, das hier einen sehr hohen Stellenwert hat. Eigentlich ist immer alles sauber und gepflegt. Und auch, wenn man vom Boden essen könnte, so ist es den Japanern offenbar nicht vorstellbar, dass man seine Tasche oder den kleinen Tagesrucksack im Café oder im Restaurant auf dem Boden abstellt. Wozu auch? Es gibt an jedem Tisch einen oder mehrere kleine Körbe, in die das Gepäck verstaut wird und dann verschwindet es unter dem Stuhl oder dem Tisch.

20151004-Tokyo-Nikon-64Dann ist noch das hohe Automatenaufkommen zu erwähnen. Praktisch an jeder Häuserecke stehen mehrere Automaten in Reihe bereit und versorgen die Menschen gegen Bares mit allerlei Getränken, Essen aber auch mit Smartphones oder Überraschungseiern für Erwachsene.
Automaten dienen auch als Kassen, an denen man im Voraus, wie ja schon beschrieben, den Frisör oder aber auch in manchem Restaurant das gewünschte Essen bezahlen und damit zugleich auch bestellen kann.

20151005-Tokyo-Nikon-119Japan ist ja doch recht dicht bevölkert und das gilt natürlich vor allem für die Städte, so dass Platz knapp ist. Nun haben die Japaner aber nicht wie etwa in China üblich, alle kleinen Häuschen abgerissen und nur noch ein Hochhaus am nächsten aufgestellt, sondern es wird dort offenbar auf genau der Grundfläche, auf der eventuell mal ein traditionelles, einstöckiges Häuschen stand, nun ein Haus gebaut, das vielleicht drei, vier, fünf Etagen hat oder auch ein paar mehr. Die sehen dann meist sehr schmal aus, da das Grundstück eben klein, aber ehemals ausreichend geschnitten ist.
Tankstelle

Der Platzmangel und wohl auch die hohen Grundstückpreise, führen dann zu teils ungewöhnlichen Lösungen. So haben wir viele Tankstellen gesehen, auf denen keine einzige Zapfsäule steht, sondern nur zwei, drei Stellplätze für die Autos zu sehen sind. Tanken kann man da aber dennoch –die Zapfsäulen schweben nämlich weit über den Autos und sind am Dach des Überbaus befestigt. Von dort lässt der Tankwart den Tankschlauch herab und füllt das Benzin in den Wagen.

Wir sind schon auf die nächsten Eigenarten gespannt, denen wir hier noch begegnen und werden weiter berichten.

Der Buddha von Nara

Eine kurze Bahnfahrt von Kyoto entfernt liegt Nara, im siebten Jahrhundert errichtet, Japans erste auf Dauer angelegte Hauptstadt und mit acht Unesco Welterbestätten ein touristisches Highlight. Dazu aber recht übersichtlich und mit einer gemütlichen Altstadt, ein perfekter Ort für einen weiteren Stop. Wir wohnen in einem sehr günstigen Guesthouse, diesmal ist es mehr ein Hostel, im Zentrum der Stadt. Als wir mittags hier ankamen, war unser Zimmer noch nicht frei, also ließen wir das Gepäck da und machten uns gleich auf, die Stadt und die Tempel zu erkunden.
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Wir fanden viele großartige Tempelanlagen 20151011-Nara-Nikon-26und Schreine, aber der absolut beeindruckendste ist der Todai-ji mit einem der größten Bronze-buddhas der Welt im größten Holzgebäude der Welt. Aber diese Superlative braucht es eigentlich gar nicht, der Ort ist auch so magisch. Im Inneren einer wunderbaren Pagode sitzt ein großer Buddha, erhaben, geheimnisvoll lächelnd, ein Ruhepol im Strom der Massen, die ihn täglich 20151011-Nara-Nikon-74besuchen. Um ihn herum ist ziemlich was los, kleine Verkaufsstände, weitere, deutlich kleinere Figuren, alle unglaublich filigran gearbeitet, und den größten Wirbel verursacht eine Holzsäule, die unten ein Loch aufweist. Eines, das angeblich so groß ist wie ein Nasenloch der Buddhafigur und wer sich da hindurchwinden kann, auf den wartet die Erleuchtung. Das ist vor allem ein Riesenspaß für Kinder, die locker durchrobben und am Ende für einen Schnappschuss ihrer Eltern posieren. 20151011-Nara-Nikon-70Aber auch der ein oder andere Erwachsene probiert es, nicht einfach, aber sie schaffen es. Mit unseren Maßen würden wir das Loch für alle Zeit verstopfen…

An einer etwas ruhigeren Seite der Buddhastatue ist ein kaum frequentierter Stand aufgebaut, dahinter ein paar Dachziegel und auf japanisch und englisch die Erklärung: für 1000 Yen kann man einen Ziegel mit seinem Namen und einem Wunsch beschriften, der Ziegel wird dann bei der nächsten Renovierung ins Dach über dem Buddha eingebaut und für die Wunscherfüllung sorgen. Was für eine schöne Vorstellung, an diesem ergreifenden Ort etwas zurückzulassen, das weiter besteht. Aber was soll ich mir wünschen? Gesundheit, Zufriedenheit, Weltfrieden oder so? Ich drehe eine weitere Runde um den Buddha und dann ist mir klar, dass es gerade keine Zeit für Wünsche ist, sondern vielmehr für etwas ganz anderes. Also gehe ich zurück zu dem Stand, überreiche meine 1000 Yen, der Mann legt mir einen Ziegel hin, reicht mir einen Pinsel und Tinte und ich schreiben in etwas wackligen Buchstaben „Danke“.

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Morgens halb 10 im Guesthouse

In Kyoto wohnen wir im Shirakawa Guesthouse, bestens gelegen zwischen Tempeln, Einkaufsstraßen, Altstadt und U-Bahn in einem idyllischen Gassengewirr. Nicht ganz günstig, wir zahlen ein Drittel mehr als in Tokio, aber Kyoto ist insgesamt hochpreisiger.

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Our house
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Ganz wichtig: Schuhe aus!

 

 

 

 

 

Unser Zimmer ist für japanische VerhältnisseGH9 groß und für deutsche Verhältnisse minimalistisch: zwei Futons ein niedriges Tischchen, das war’s. Die sanitären Anlagen werden geteilt: drei Toiletten, die Dusche und eine kleine Küche im Erdgeschoss, zwei Waschbecken hier oben bei uns auf dem Flur im ersten Stock. War erst mal eine komische Vorstellung, aber alles ist so blitzesauber, dass wir keinerlei Probleme damit haben.

 

GH8Vielleicht bis auf die steile Treppe, die hinunterführt und unseren steifen Gelenken nach einem Tag langer Stadtwanderungen und nächtlicher harter Unterlagen einiges abverlangt.

 

 

 

Die Wände sind dünn und vom kleinen BalkonGH2 trennt uns nur ein Fliegengitter und ein Bambusrollo.

Wir schlafen eigentlich gut auf dem ungewohnt harten Untergrund. Aber irgendwann am Morgen, wenn unsere emsigen Mitbewohner schon auf Städtetour sind, ist die Nacht endgültig zu Ende. Denn dann wird geputzt!

 

Da sitzt er eifrig vor seinem LaptopGH10

und draußen wirbelt und schrubbt es!

GH11Sechs Zimmer hat es hier, die erwähnten Sanitäranlagen und jeden Morgen eine Grundreinigung, die unserem Frühjahrsputz in nichts nachsteht.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

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Die Schuhe gehören zur Standardausstattung
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Ich hab mich noch nicht getraut….

Arigato

Arigato ist so ziemlich das einzige japanische Wort, das ich mir merken kann und ich verwende es häufig und am allermeisten, wenn ich glücklich aus einem japanischen Restaurant komme. Und das passiert zur Zeit jeden Tag.

Mein Vorsatz war, viel zu probieren, auch wenn ich beim Bestellen nicht genau weiß,, was es ist. Vom Tier oder vegetarisch, das muss jetzt erst mal zurückstehen. Wenn ich verstehe, was sie mir bringen werden, versuche ich auf Tofu auszuweichen, aber ich will eigentlich alles probieren.

Reis oder Nudeln, das ist erst mal die Hauptfrage. Und wird wohl auch dafür sorgen, dass wir die japanische Küche nicht so schnell über kriegen werden. Nudeln gibt es in vielen Variationen, dicke Udonnudeln, Ramen oder Soba, kalt oder warm, in der Brühe oder nicht, mit Fisch, Fleisch, Tofu oder Gemüse, unzählige Variationen.

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Kalte Soba-Nudeln für Eric
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Warme Udon-Nudeln für Julia

 

 

 

 

 

 

Auch nicht zu verachten: Ramen in Essen14Brühe mit gebratenen Maultäschle (Gyoza)

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Und ganz häufig als Baukasten, mit vielen kleinen
Würzzutaten zum Dazutun oder Weglassen.

 

 

Wir bestellen meistens nach Bildern, selten gibt es mal eine englische Speisekarte, aber bisher lagen wir immer richtig. Gerne stellen die Restaurants ja bereits im Schaufenster Nachbildungen ihrer Speisen aus. Ohne sich den Bauch voll zu schlagen, kann man so eine kleine kulinarische Reise unternehmen.

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Riesenschnitzel und Bier?
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Oder doch lieber Wurstplatte?

 

 

 

 

 

Das Essen ist nicht nur unfassbar lecker, sondern auch ein Genuss für die Augen und nach der Zucker-Fett-Kartoffel-Weißbrotorgie in den USA insgesamt eine Wohltat.

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Am Straßenrand gibt es kleine Schweinereien,

wie hier gebratene Bällchen mit Tintenfischfüllung,

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in den Supermärkten gibt es merkwürdig

anmutende Kombinationen, die allerdings sehr lecker sind: Kitkat mit Grüntee!

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Sushi hatten wir natürlich auch schon,20151005-Tokyo-Nikon-86
am frischesten auf dem Fischmarkt von Tokio

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Und noch viiiiiele weitere kulinarische Entdeckungen warten auf uns!