Not so easy

Tja, dass das Nachhausekommen so seine Tücken hat, das hat Eric ja schon beschrieben. Dabei fing alles mit zwei wunderschönen Überraschungen an. Schon am Stuttgarter P1080680Flughafen konnten wir den neuesten und bestimmt am besten gelaunten Moarefi-Spross kennenlernen. Dürfen wir vorstellen: Aaron Moarefi mit Onkel Eric! Seine Eltern Dominik und Sabrina überraschten uns am Flughafen und es war so schön, von bekannten Gesichtern in Empfang genommen zu werden. Während ich dies in vollen Zügen genießen und viel Duzi-Duz machen konnte, bekam Eric den ersten Einblick in die deutsche Dienstleistungskultur: sein Rucksack hatte den Flug verpasst. Das erste und einzige Mal während unserer Reise mit so vielen Flügen und Fluglinien, aber bei einem simplen Direktflug von Lissabon nach Stuttgart mit Germanwings, da klappt es nicht. Kann passieren, aber was nicht passieren sollte, ist eine gelangweilte und in hohem Maße unfreundliche Dame an dem Schalter zu platzieren, wo Kunden eigentlich geholfen werden sollte. Um es vorweg zu nehmen: der Rucksack wurde mit zweitägiger Verspätung dann angeliefert – ohne vorherige Ankündigung und ohne ein Wort des Bedauerns. Na ja, jetzt ist er wenigstens da.

20160802-Stuttgart-Rückkehr-03Und die nächste Überraschung wartete dann an der Wohnungstür auf uns: ein Willkommensplakat, über das wir uns so gefreut haben. Danke Armin, Tine, Emil und Anton! Natürlich ist es toll, die ganzen lieben Menschen wieder zu sehen.

Nur irgendwie sind sie da, die Melancholie und das große Fremdeln. War Stuttgart eigentlich schon immer so grau? Waren die Leute auf der Straße auch früher schon so schlecht gelaunt? Und ging man immer schon so unfreundlich miteinander um?

Es sind ein paar Szenen, die ich ganz bezeichnend finde. Am ersten Morgen gehe ich in den Supermarkt um die Ecke, um für’s Frühstück einzukaufen. Vor mir an der Kasse eine von diesen hippen Heusteigviertel-Ladys, ganz cool und auf dem Band lauter Bioprodukte. Die Kassiererin tippt in ihre Kasse und sagt „9 Euro 20“. Madame zückt ihr Handy, teilt mit, dass sie bald da sei und nestelt nebenher einen zusammengefalteten Schein aus ihrer Jeans. Sie flötet weiter ins Telefon und wirft den Schein auf das Band, er landet zwischen Bioeiern und Direktsaft. Mein Mitleid mit der Verkäuferin ist grenzenlos.

Und ganz schön war heute der Kontakt mit der Autovermietung Buchbinder. Auto mieten war ja fast schon ein Standardvorgang während des letzten Jahres und ich schwärmte bereits von Alamo, die uns mit ihrer Freundlichkeit und Kompetenz wirklich verblüfft haben. Und dann also Buchbinder. Noch gut gelaunt trete ich an den Tresen am Flughafen heran, hinter dem vier Personen sitzen, einer davon im Kundenkontakt. Ich wähle die mittlere Dame, sie guckt kurz auf und sagt, ich solle doch zu ihrer Kollegin nebendran gehen. Gut, mache ich. Diese Dame ist allerdings ins Gespräch vertieft mit – wie ich mithören kann – einer weiteren Kollegin, die gerade Feierabend machen will. Als diese sich dann verabschiedet, wendet sich die Dame endlich grußlos mir zu. Ich schildere ihr mein Anliegen, allerdings klingelt plötzlich das Telefon. Sie macht eine Handbewegung in meine Richtung und vertieft sich in ein längeres Telefonat. Als dieses beendet ist, tritt sie in die Diskussion mit ihrer Kollegin über das Telefonat ein. Ich bin kurz davor, sie zu fragen, ob ich vielleicht später wiederkommen soll, da fängt sie an, in meinen Unterlagen zu blättern, stöhnt und ruft ihrer Kollegin zu „Hast Du noch nen Kleinwagen?“. „Maximal nen Panda“ antwortet diese und meine Ansprechpartnerin sagt streng zu mir „Abholzeit war 12 Uhr“. So ganz langsam vergeht mir die gute Laune, ich werde hier behandelt wie eine lästige Fliege und abgekanzelt wie ein Schulmädchen. „Sie haben also mein bereits bezahltes Auto weitergegeben?“ frage ich und erhalte als Antwort „Das steht so in unseren Bedingungen, können sie nachlesen.“. Offensichtlich findet sich aber noch was. „Telefonnummer?“ fragt sie, weiter ganz Oberlehrerin. „Ich habe derzeit keine Telefonnummer.“ sage ich ihr „Sie erreichen mich am besten per E-Mail.“ „Ich brauche aber eine Telefonnummer.“ „Wofür denn?“ „Damit wir sie erreichen können.“ „Das können Sie per E-Mail.“ „Aber wohnen tun sie hier, oder?“. Vielleicht sollte sie sich mal auf dem Ordnungsamt bewerben. Dann fragt sie nach meiner Kreditkarte, bucht die Kaution darauf, lässt es mich unterschreiben und ich sage „Den unterschriebenen Kreditkartenbeleg geben sie mir aber wieder, wenn ich das Auto zurückgebe.“ „Ne, der bleibt bei uns.“ Bitte? Ich habe im letzten Jahr dutzende solcher Kautionsbuchungen durchgeführt, das machen ja gerne auch die größeren Hotels, und es war jedes mal eine Selbstverständlichkeit, dass der Beleg mir entweder beim Aus-Checken ausgehändigt oder in meiner Anwesenheit zerrissen wurde. Geht’s noch? Jetzt reicht es langsam, pampig kann ich auch. Wir gehen nicht freundlich auseinander und ich frage mich mal wieder, warum ausgerechnet die Personen, die ungern mit Menschen umgehen, einen Beruf mit Kundenkontakt wählen. Wehmütig denke ich an Kanada zurück, eine herzliche Begrüßung, eine freundliche Erklärung, warum man Dinge so oder so handhabt. Willkommen in Deutschland. Wie peinlich, dass dies für einen Ausländer der erste Eindruck sein könnte, den er von unserem Land bekommt.

So, genug lamentiert. Das Auto trägt mich am Wochenende ins Umland, ich werde endlich mal wieder Tübingen besuchen und freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Tanja. Und am Sonntag soll das Wetter besser werden. Wahrscheinlich ist Stuttgart gar nicht grau, sondern gerade einfach nur falsch belichtet.

 

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