PLASTIK!

Jetzt bin ich ja eigentlich der amerikanischen Lebenskultur nicht ganz abgeneigt und belächele das in Deutschland durchaus verbreitete teilweise reflexartige Verdammen von allem, was aus den USA kommt. Auch sind wir bestimmt keine Umweltengelchen mit unserer Fliegerei und den vielen gefahrenen Meilen gerade hier in Amerika. Aber dieser unfassbare Verpackungswahn geht mir doch langsam ziemlich auf den Geist. Das geht schon mit der morgendlichen Tasse Kaffee im Hotelzimmer los, den aufgeschäumten Plastikbecher von der Plastikfolie befreien, Tüte aufreißen und Plastikeinmalfilter entnehmen, Tüte aufreißen und Kaffeepad entnehmen, Tüte aufreißen und Creamertüte entnehmen, Rest (Zucker, Süßstoff, Serviette, Plastikumrührer) wegschmeißen und dann schmeckt der Kaffee grad nicht, weil das Wasser eine heftige Chlornote hat. In Motels wird häufig ein „Continental Breakfast“ angeboten, das heißt, man kann sich neben der Rezeption in Plastikschüsseln zuckrige Cereals und Milch holen und vielleicht noch ein eingeschweißtes süßes Stückchen. Na ja, gut, um nicht ganz hungrig nach einem weiteren Frühstück Ausschau zu halten. Heute – dachten wir – wird alles anderes, haben wir doch in einem Best Western übernachtet und die Rezeptionslady gestern noch geschwärmt, sie hätten ein „Super Breakfast“. Also, extra den Wecker gestellt und voller Vorfreude den Frühstücksraum betreten. Und dann eine Plastikorgie, die einem fast den Appetit verdirbt. Die Rühreier und der Bacon sind alles, was unverhüllt dargeboten wird, aber der ganze Rest ruht unter Lagen von Kunststoff begraben. Marmeladen, Peanutbutter, Sirup, Joghurt, die Cereals in aufreißbaren Plastikschälchen, das „Obst“ als eingelegte Früchte in Plastikbechern, der Fruchtsaft genauso und als Krönung ist jede Toastscheibe einzeln in Frischhaltefolie eingepackt. Die „Butter“ ist irgendein Öl-Soja-Produkt mit „real Butter taste“ und als wir fragen, wie das denn mit dem Waffeleisen auf dem Buffet funktioniert, kommt die freundliche Dame mit einem Plastikbecher voller Teig und einer Sprühflasche aus der Küche zurück, nebelt den Waffelbäcker mit Sprühfett ein, gießt den Teig hinein (Becher in den Müll) und liefert uns danach eine Waffel nebst mehrerer Plastikportionen Sirup und Pseudobutter. Wir essen rasch und verschwinden schnell. Ich will jetzt nur noch in einen Supermarkt und einen großen Sack Äpfel kaufen. Der natürlich aus Plastik ist. Und an der Kasse werde ich großes Unverständnis ernten, wenn ich die Plastiktüte für die Plastiktüte Äpfel verweigere….

Ouachita

Was sich anhört wie der Name einer mexikanischen Schönheit ist tatsächlich der Name des Parks, den wir uns als unser nächstes Naturerlebnis ausgesucht haben. Wir wollten endlich einmal unser eigens mitgeschlepptes Zelt zum Einsatz bringen, das wir Jahre zuvor immerhin aus Australien mit zurück nach Deutschland gebracht hatten.Eureka Springs-18
Was uns hier in den USA noch fehlte, das war eine Matratze. Wir hatten früher schon einsmal die Erfahrung gemacht, dass diese großen aufblasbaren Matratzen, die man auch zuhause als Gästebetten einsetzen kann, sich wunderbar dafür eignen, auch im Zelt bequem zu schlafen. Und weil wir hier in den USA sind, machen wir es uns auch besonders leicht und nehmen eine, die schon eine kleine Elektropumpe mitbringt -mal sehen, ob das was taugt.

Eureka Springs-16Aber zunächst einmal führt uns der Weg von Little Rock über plötzlich doch sehr gewundene Straßen in immer höhere und entlegenere Gegenden, bis wir endlich und kurz bevor das Forestry Office schließt, am Ziel ankommen.
Wir werden schnell versorgt und da das Wochenende gerade vorüber ist, können wir uns den Platz für das Zelt praktisch frei aussuchen. Das ist gar nicht so einfach, denn alle liegen auf einer kleinen Landzunge direkt am Wasser und scheinen optimal zu sein. Als wir endlich so weit sind, zahlen wir dafür gerade einmal etwas mehr als 13 Dollar und fahren dann mit dem Auto vor.

Eureka Springs-7Das Zelt nach vielen Jahren wieder aufzubauen dauerte dann doch erst einmal etwas länger als gedacht und eigentlich erst im zweiten Anlauf und mit freundlicher Unterstützung durch einen Hammer aus der Nachbarschaft, gelingt es uns dann schließlich doch. Und auch die sich praktisch selbst aufblasende Luftmatratze erweist sich als gelungene Investition und schon bald können wir unser Zelt beziehen. Vor allem reicht es aber, noch vor Einbruch der Dunkelheit in das Nass zu springen, das eine wunderbare Temperatur hat und angenehm weich ist. Den großen See haben wir für uns ganz alleine.

Eureka Springs-9Nach dem Schwimmen kam natürlich der Hunger und die Zeitnot. Die Amerikaner, komplett anders als die Iren, gehen offenbar zeitig zu Tisch, denn außerhalb der Städte bekommt man in vielen Restaurants ab 20:30 Uhr nichts mehr serviert. Also starten wir schnell in den nächstgelegenen Ort und als wir dort zwei, drei Supermärkte sehen, wollen wir schnell noch für Bier im Zelt sorgen. Also schnell rein in den ersten und hin zum Bierregal. Doch irgend ein Spaßvogel hat einen riesigen Ventilator direkt vor der entsprechende Türe des Tiefkühlschranks gestellt. Mist, also erst mal so hinter dem Ventilator durchquetschen, dass ein Spalt der Türe zu öffnen ist und dann so ein Sixpack herauspfriemeln. Als wir es endlich geschafft haben, da eilt eine Verkäuferin herbei und mahnt uns:
We don’t sell beer on sundays!
Aha? Da macht sich die starke religiöse Seite des Mittleren Westens dann doch auch für uns bemerkbar… Dann stellen wir es halt wieder zurück.
Um auszuschließen, dass es sich hier nur um die Regeln dieses einen Supermarktes handelt, unternehmen wir nicht einen zweiten Versuch. Doch auch hier der selbe Hinweis…

Also besuchen wir ein mexikanisches Restaurant, in dem wir recht gut essen und, das ist dann doch auch erstaunlich, kennen lernen, wie es als selbstverständlich gilt, dass man den einmal bestellten Softdrink immer wieder gratis nachgefüllt bekommt. Als der Kellner nach dem Essen dann auch nicht zu uns kommt und wissen möchte, ob wir die Getränke noch einmal nachgefüllt haben wollten, dieses Mal, um sie mit uns zu nehmen, da waren wir dann doch baff. Die Softdrinks kosten gerade mal $2,50 pro Kopf.

Eureka Springs-12Gesättigt und sitt fahren wir zurück zum Zelt.
Der Mond spiegelt sich im Wasser des Sees, der absolut ruhig vor uns liegt. Wir haben eine wunderbar ruhige und angenehm bequeme Nacht -dank der Queen-Size-Matratze.

Am nächsten Morgen geht es dann noch einmal in das Wasser und wieder ist kein anderer im See. P1060539Eigentlich schade, dass wir schon weiterreisen, aber wir müssen zurück auf unsere Route, von der wir doch erheblich abgekommen sind.

Ask Dr. Ric

Beware! This is not for the faint-hearted!

While you are driving through the hot asphalt jungle of mid-west USA you might right away got smashed by a terrifying COLD!!!

It makes you suffer and feel like crazy! Augh!

It may go right into your NASENNEBENHÖHLEN! Iiiiiiih!!!

And then? What are you going to do then, hum?

YOU BETTER ASK ME!!!

Ask Dr. RIC!!

(Mr Apotheker: don’t read any further!)
For the rest of you out there:
Just go straight ahead into the next supermarket and buy a bottle of water. But not just any kind of bottle!
Take care, you get one for those people, who are not used to drink like a real man does. You know -take one that reminds you on the feeding bottle of your childhood.
And don’t forget to  take some salt with you.

Go back into your hotel room, close the door of the bathroom tightly not to disturb anyone and then the magic begins…

Go -get the bottle!
Go -get the bottle!

Open the bottle and pour some salt into it. Shake it up!
Put the teat right into your nose and then have all the fun by simply squeezing the bottle.
Success is guaranteed!!!

and don't forget something for the taste
and don’t forget something for the taste

Walking in Memphis – update

Das hat man davon, wenn man von seinen Plänen abweicht. Die Route 66 sollte es ja eigentlich sein, aber die erste Etappe nach St Louis klang im Reiseführer nicht so spannend. Also einfach mal selber drauf los.

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Es ließ sich zuerst gut an, etwa drei Stunden südöstlich von Chicago ist „Amish-Country“ und verzückt vom Film „Der einzige Zeuge“ fuhren wir nach Arthur, Illinois. Schon kurz hinter der Ausfahrt von der Interstate begegneten uns die ersten schwarzen Pferdekutschen. Unglaublich, dass diese Menschen es geschafft haben, ihren Lebensstil über die Jahrhunderte zu retten. Arthur ist eine typisch amerikanische ländlicheP1060487 Kleinstadt rechts und links einer Durchgangsstraße, nichts auffälliges, wären da nicht die Pferdemisthaufen auf den Seitenstreifen. Und man muss nicht lange warten, bis Pferdegetrappel zu hören ist und sich Kutschen nähern. Schwarz und so verschlossen, dass man zunächst keine Menschen darin entdecken kann, aber bei näherem Hinsehen erkennt man Männer mit langen Kinnbärten oder Frauen mit weißen Hauben darin, die einem freundlich, aber etwas verschämt zuwinken.

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Wir unternehmen eine kleine Fahrt durch die Maisfelder und kommen an Amish-Häusern vorbei, strahlend weiße Holzhäuser und -scheunen, auf dem grünen Rasen davor spielen Kinder, kleine Mädchen in langen Kleidern, Jungs mit Hosenträgern, es ist eine absolute Idylle. Wir trauen uns nicht, Bilder zu machen, sondern winken nur freundlich zurück. Alles wirkt wie die perfekte heile Welt, ein bisschen wie eine Kreuzung von „Unsere kleine Farm“ und den Waltons. Später lesen wir aber, dass die Gemeinschaft nur auf Grund strenger Regeln die Jahrhunderte überdauert hat, die die Idylle etwas trüben. Trotzdem ein wirklich tolles Erlebnis!

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Memphis. Jetzt sind wir endgültig von unserer Route abgewichen. Auf den Straßenschildern stand irgendwas mit 300 km, das dürfte ja nicht so weit sein und wenn man schon mal in der Nähe ist… Meilen standen da, und offensichtlich eher 390, das macht uns unser neues Navi rasch klar. Über 600 km, hätten wir nicht schon ein Motel gebucht, hätten wir uns vielleicht noch umentschieden. Aber egal, durch Mais- und Baumwollfelder geht es Richtung Süden, irgendwann überqueren wir den Mississippi, der auch die Grenze zwischen Arkansas und Tennessee darstellt und sind in Memphis. Das Hotel ist dank Navi schnell gefunden und nach kurzem Ankommen beschließen wir, in die Stadt zu laufen (was hier niemand, wirklich niemand macht). Menschenleere Straßen, auch wenig Autos, sind wir so weit außerhalb? Und wo ist die Innenstadt? Wir kommen an einem kleinen Häuschen vorbei, Sun Studio steht drauf, erst vermuten wir ein Sonnenstudio, aber das muss was wichtiges sein. Später erst lesen wir, dass es ein ganz berühmtes Aufnahmestudio war, in dem Elvis und viele anderen ihre Platten eingespielt haben. Erics Handy weist uns den Weg, wir müssen eigentlich so gut wie da sein. Immer noch nur wir die leere Stadt. Aber dann sehen wir Menschen, Lichter, hören Musik. Die Beale Street, wir sind ja keine Blues-Kenner, aber hier muss es wohl alles passiert sein, B.B. King und viele andere. Die Straße gleicht einem leeren Rummelplatz, von rechts und links dringt laute Musik aus leeren Kneipen auf den Bürgersteig, fast ein bisschen traurig das Ganze. P1020381Ein paar kitschig illuminierte Pferdekutschen, in den man sich für 25 Dollar durch die leere Stadt fahren lassen kann. Wir laufen die Beale Street hoch, immer noch auf der Suche nach der wahren Innenstadt, geben dann aber auf und setzen uns in eine nette Kneipe (nachdem der Türsteher allen Ernstes unsere Ausweise sehen wollte, um zu prüfen, ob wir über 21 sind). Sie haben über 100 Biersorten und ich entscheide mich für ein Chicagoer Bier, weil ich dort keins hatte. Gerade dieses ist aus und ich bin auf die Schnelle etwas ratlos, was ich nehmen soll. Die Kellnerin ist da pragmatisch: ob ich eins mit wenig, mittelviel oder viel Alkohol wolle, sie würde mir dann eins aussuchen. So bestelle ich ein Bier mit mittelviel Alkohol und bekomme später eines, das nach Zitrus- und tropischen Früchten riecht, aber sehr herb schmeckt. Also kein Mixgetränk und wohl auch nicht aromatisiert, sondern mit irgendeinem fruchtigen Hopfen gebraut. Hm, als alte Brauereienkelin kann man mich davon nicht ganz überzeugen. Dann derselbe einsame Spaziergang zurück und das war’s mit Memphis. Tagesaufgabe heute ist, einen anständigen Reiseführer zu kaufen…

Update 02.09.: Liest der Spiegel unseren Blog? Das fruchtige Bier gibt’s auch in Hamburg!

Stuttgart!

Und dann ist es passiert. Ein Stück Heimat leuchtet uns in der Hitze Arkansas‘ entgegen. 28 Meilen nach Stuttgart! Es wäre ja fast eine Sünde, den kleinen Umweg nicht zu machen.

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Also hin da. Zwischendrin ein bisschen was gelesen über diesen Schwabenableger, Rice and Duck Capital of the world, ja Wahnsinn.

Was uns dann erwartet, ist ziemlich leer:Stuttgart-3

Trotzdem gut für ein paar Schnappschüsse:

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Aber noch nicht mal ein gescheites Restaurant haben sie, also vertilgen wir zwei Burger und verlassen das Stuttgärtle wieder.

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Mississippi burning

Blues

Clarksdale-34Hatte ich geschrieben, wir seien keine Fans des Blues?
Gut, das war zu vorschnell.
Nach wie vor würde ich wohl normalerweise den Sender wechseln, wenn zwei Stücke in Folge gespielt würden.

Er hat den Blues
Er hat den Blues

Aber jetzt hier, in Clarksdale, Mississippi, so auf dem Land und in unserer auf vergammelt gestalteten Unterkunft (Shack Up Inn Google Maps), also hier, wo dann im Restaurant jeden Abend ein fertiger Typ nach dem anderen an seiner Gitarre zupft, da passt es doch wunderbar. Vielleicht trägt auch die Hitze bei, die wir hier endlich erleben. Jetzt haben auch wir beinahe 100 Grad, also tatsächlich so etwa 38 in Celcius.
Wir wohnen hier in einem Getreidespeicher aus silbern leuchtendem Wellblech, also eigentlich in der Tonne. Clarksdale-22Das Häuschen hat von lädierten Steckdosen, über Spinnweben, bis hin zu Urinflecken in der Toilette – alles, was man so von zuhause kennt 😁, nur selbstverständlich alles unecht 😃. Bei der Spüle musste ich tatsächlich mal an den gelblichen Stellen kratzen um zu sehen, ob sie nicht doch echt sind.
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Den guten Teil des heutigen Tages haben wir damit zugebracht zu versuchen, irgendwie an den nahebei fließenden Mississippi heran zu gelangen. Unser Einsatz war erheblich und auch Julias Entschlossenheit. Mit einer Karte auf meinem Handy, versuchten wir uns abseits der größeren Straßen heranzutasten und landeten dabei regelmäßig auf Schotter- oder Lehmpisten, wovon letztere wohl eher für Traktoren gedacht sind. Wir fuhren meilenweise an Baumwollfelder entlang und auch durch sie hindurch, und zum Schluss blieb der Mississippi doch unerreichbar.
Als wir dann endlich wieder festen, wenn auch flimmernden Asphalt unter den Reifen hatten, nahmen wir einen neuen Anlauf. Auf der Karte gab es einen Fleck am Ufer des großen Stroms, der wie ein kleiner Ort aussah. Und als sogar unser Navi einen Weg nach Friars Point ausspuckte, da wagten wir es doch noch einmal und wurden nicht enttäuscht.

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Nachdem wir durch den Ort, der wie verlassen und teilweise wie die Kulisse eines 50er Jahre Kleinstadtfilms wirkte, stellten wir unseren Jetta ab und gingen über einen kleinen Damm hin zum Wasser. Breit isser ja, der Mississippi. Viel war zwar nicht zu sehen, aber wir haben es geschafft. Julia streckte sogar eine Zehe hinein.Clarksdate-7 Clarksdate-8
Dann ging es zurück nach Clarksdale, wo wir uns erst einmal stärken mussten. Beim Gang durch die Stadt fallen die vielen verlassenen Geschäftshäuser auf. In einem Souvenirladen spreche ich den sehr redseligen, deutschstämmigen Eigentümer darauf an und er erklärt uns, dass bereits in den siebziger und achtziger Jahren viele jüdische Ladenbetreiber feststellen mussten, dass ihre Kinder, denen sie eine gute Ausbildung an fernen Unis Clarksdate-17ermöglicht hatten, gar nicht daran dachten zurückzukehren, um das elterliche Geschäft zu übernehmen, sondern 180 Grad anders dachten und handelten, nämlich die Läden schlossen und die alten Eltern zu sich holten.
Den Rest erledigte dann Wall Mart, der irgendwo außerhalb seine Pforten öffnete.
So ist die Stadt an einem Samstag Nachmittag wie ausgestorben und erwacht nur am Abend, wenn einige Bluesbars und Clubs ihre Tore öffnen.

Hello Chicago!

Tja, wir sind ja schon fast wieder weg aus dieser wirklich schönen Stadt.
Und weil wir noch mit der Zeitumstellung zu kämpfen hatten, die Differenz zu Deutschland beträgt übrigens sieben Stunden, und sowieso den ganzen Tag über immer draußen unterwegs waren -gestern und heute jeweils 15 Kilometer- sind wir tatsächlich so sehr geschafft am Abend, dass wir nicht mehr zu viel kommen.

Wir sind beide sehr positiv von Chicago überrascht. Die Stadt liegt am Michigansee, der annähernd doppelt so groß ist wie Belgien oder aber mehr als die 115 fache Fläche des Bodensees einnimmt.
Natürlich haben die hier eine Hochhausskyline die es in sich hat. Besonders hat uns aber der Chicago River beeindruckt, der mit seiner tiefdunklen, blau-grünen Farbe durch die Stadt fließt.

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Günstig ist es in den USA zurzeit ja nicht unbedingt, wenn man aus Euroland kommt. Auch wenn der Börsencrash der vergangenen Tage den Wechselkurs ein klein wenig für uns korrigierte, so sind manche Preise doch etwas überraschend.
Hier ein paar wenige Beispiele:
-Eintritt in das Art Institute für zwei Personen: $ 50,-
-Besuch einer Hochhausplattform für zwei Personen: so um die $ 46,-
-Eine Sightseeing-Tour mit dem Boot für zwei Personen: zwischen $ 44,- und $ 64,-
Es gibt dann zwar einen Pass. der drei Attraktionen im Paket zu reduzierten Preisen bietet, doch dafür waren wir dann doch zu kurz hier.

Aber hier ein paar Gratisfotos für Euch

Good bye Europe

So, das war’s.

Wir haben Irland verlassen und es hat unseren Abschied beweint.
Tatsächlich regnete es und wir wurden sogar von einigen Tropfen getroffen als wir auf den Shuttel-Bus warteten, der uns von der Mietwagenstation zum Terminal 2 bringen sollte.

Am Morgen hatten wir unser B&B im Ort Swords in der Nähe des Flughafens verlassen, nicht ohne noch ein letztes Mal ein reichhaltiges Frühstück zu uns genommen zu haben. Sharon, unsere Wirtin, war bei der Zubereitung doch kurz in Stress geraten und flutsch, geriet die zuvor so sehr freundliche Fassade durcheinander und ihre Genervtheit blitzte durch…

B&B in Swords
B&B in Swords

Exakt zwei Stunden vor Abflug standen wir dann an der Schlange für die Schalter von Aer Lingus an und schoben uns langsam, sozusagen rückwärts durch deren Verdauungstrakt, bis wir endlich am Kopf angelangt waren.

Bis wir dann endlich unsere Boardingpässe erhielten, dauerte es dann noch einmal etwa zehn Minuten. Man muss sogar eine Adresse in den USA angeben, unter der man gedenkt zu wohnen. Dann bekamen wir noch eine Zollerklärung für die Einreise in die USA in die Hand gedrückt und wurden losgeschickt.

Nächste Schlange, nun vor der Gepäckkontrolle. Mal wieder alles mögliche ablegen, Notebook, Handy und E-Reader separieren und dann werde ich „zufällig“ für eine Spezial-Sprengstoffuntersuchung ausgewählt. Also Hände vorstrecken, einmal mit Rücken nach oben und einmal mit Rücken nach unten, dann erst rechten Fuß auf einen Schemel stellen, dann linken Fuß und immer mit einem elektronischen Schnüffelgerät abscannen. Dabei war ich doch eben breitbeinig und mit erhobenen Armen in einem Ganzkörperscanner gestanden…

Hoffnungsvoll nach der ersten Schlange...
Hoffnungsvoll nach der ersten Schlange…

Ich bin clean und darf meine Sachen wieder einlesen, das heiß, kurz warten mussten wir dann doch noch. Unser als Handgepäck mitgeschlepptes Zelt erregte Aufmerksamkeit und wurde doppelt untersucht. „Where Do you guys come from?“, werden wir gefragt.
„Germany“.
Komisch -sofort erhalten wir das Zelt und können weiter gehen. Reisen Deutsche immer mit Zelt?

Aber mein Schrittzähler braucht erst gar nicht anzuspringen, denn schon kommt die nächste Schlange.
Am Dubliner Flughafen ist es offenbar so, dass man bereits hier die sonst immer erst bei der Landung in den USA stattfindende Einreiseüberprüfung samt Fingerabdrücke nehmen und Stempel in den Reisepass Drücken  durchläuft.
Hätte ja immerhin den Vorteil, dass man sich bei einer Zurückweisung durch die Beamten 16 Stunden überflüssige Flugzeit sparen würde.
Hat aber im Moment den Nachteil, dass die Schlange sich kaum bewegt und wir eigentlich in 45 Minuten abheben sollen.
Sowieso lassen es sich die Amerikaner nicht nehmen, die Gründlichkeit der Iren noch einmal auf die Probe zu stellen und eine eigene Gepäckkontrolle durchzuführen. Also erneut alle Bildschirmgeräte hervorholen, Gürtel und Schuhe ablegen, Geldbeutel verstauen und die Uhr abnehmen.

Weiter geht’s.
Die nächste Schlange: Die eigentliche Einreisekontrolle.
Erneut vergehen zehn Minuten und  als es dann doch knapp zu werden beginnt, kommt ein US-Boy und sucht die Passagiere nach Chicago heraus. Wir dürfen an der Schlange vorbei zum nächsten freien Schalter. Man muss nur knapp genug dran sein…
Also her mit den Fingerchen, Foto schießen für die Akten, zwei Fragen beantwortet, unser Gepäck  auf Monitoren identifiziert und siehe da -wir haben die Stempel im Pass.

Schnell noch einmal auf die Toilette. Dann Boardingpässe am Gate vorzeigen und:
„Jean, Sie wurden über Zufallsgenerator für eine Spezialbefragung ausgewählt.“
Wie bitte? Julia hat recht -ich sollte heute Lotto spielen!
Also kurz in die Ecke zu einem weiteren US-Boy, der mir eine Frage stellt, die ich nur halb verstehe. Ich stelle mein heutiges Glück auf die Probe und wähle die 50:50 Chance. Ich sage einfach: „Yes“. Er bricht die Spezialbefragung abrupt ab und winkt mich durch. Was war das denn?

Schließlich kommen wir als zwei der letzten Passagiere an Bord. Und das gänzlich ohne dass wir irgendwo getrödelt hätten, ehrlich!

Also, liebe Leser: Solltet Ihr je einen Flug von Dublin in die USA vor Euch haben -zwei Stunden Vorlaufzeit sind verdammt knapp! Und nicht vergessen: Der elektronische Einreiseantrag für die USA muss nichtsdestotrotz allerspätestens 72 Stunden vor Reiseantritt im Internet ausgefüllt werden.

Müssen das die Amerikaner, die Europa besuchen wollen eigentlich auch alles so durchlaufen?
OK, die Frage ist rhetorischer Natur.
Also Amiland, strenge Dich an und beweise uns, dass Du es wert bist!