Was für eine nette Insel, diese Prince Edward Island oder P.E.I., wie hier jeder sagt und schreibt. Sanfte grüne Hügel, rote Klippen, schöne Naturstrände, kleine Häfen und immer und überall Hummer. Dazu zwar sehr überschaubar, aber trotzdem abwechslungsreich: ein netter Ort für eine schöne Woche. Unser erstes Häuschen an der Südküste hat einen Traumblick auf das wilde Meer, an dem wir uns kaum sattsehen können –
auch wenn wir zwischendrin für 90 Minuten mal in den Fernseher starren müssen, um ein mageres Unentschieden gegen Polen mitzukriegen. In dieser Gemächlichkeit soll es weitergehen, deswegen suchen wir nach einem weiteren Häuschen im Norden, möglichst nah am Nationalpark. Übers Internet wird man da ja eigentlich immer fündig und dank entsprechender Bewertungsportale wird auch selten enttäuscht – wenn das Internet tut. Und das ist auf unserer Insel leider nicht überall der Fall. Also diesmal keine aufwändige Recherche, ich finde ein Cottage mitten im Nationalpark, die Bilder sehen ganz nett aus, also schreibe ich den Vermieter an. Dies Konversation gestaltet sich etwas umständlich, da hätte ich schon stutzig werden sollen.

Als wir nach einer Fahrt durch die Insel an den Del Mar Cottages ankommen, begrüßt uns Dave in der muffigen Rezeption und fängt an zu erzählen. Und zu erzählen. Und noch mehr. Anfänglich noch höflich lächelnd (Dave hat die 70 sicherlich überschritten und wir wollen ja freundlich sein) fangen wir nach einer Weile an, von einem Bein auf’s andere zu wackeln, Aufbruch zu signalisieren, Luft zu holen, um einzuhaken – aber er lässt uns nicht. Keine Chance. Als er dann berichtet, dass er, wenn man ihn nur ließe, 200 Cottages hier bauen würde, fällt ihm Eric ins Wort: „Lass uns doch erst mal ein Cottage sehen“, schnappt sich den Schlüssel und befördert
uns hinaus in die frische Luft. Dave kommt hinterher, geleitet uns zur Hütte, erzählt weiter, während wir das Auto entladen, leitet eine neue Geschichte ein, aber jetzt ist gut – wir lassen einfach die Tür der Hütte zufallen. Und nu stehen wir drin und ich fühle mich schlagartig an das Ferienhaus meines Großvaters in Rotenburg an der Wümme erinnert – sorry, Opa – aber diesen Geruch von sehr viel Holz gepaart mit alten Möbeln, altem Mann und wenig frischer Luft – den kenne ich. Es mag zwar sauber sein, aber ich fühle mich einfach unwohl. Spitze Finger sind angesagt in den nächsten Tagen. Draußen gibt es eine große Terrasse – aber da gibt es auch Dave und außerdem hunderte von Stechmücken, die sich auf einen stürzen. Und besonders gerne auf mich. Und da ganz besonders gerne auf meinen Kopf und Hals. Nach kürzester Zeit habe ich zwei Riesenbollen, die sich anfühlen wie gigantische juckende Lymphknoten. Also, wenn im Cottage, dann drinnen im Plüsch… Dummerweise haben wir schon für drei Nächte gezahlt, aber wir lassen uns die Laune nur kurz verderben. Die Insel ist dafür viel zu schön und es gibt viel zu viele
tolle Orte zu sehen. Und: quasi um die Ecke liegt ein kleiner Hafen und dort Richard’s Fresh Seafood mit unfassbar leckeren Lobster Rolls. Zarter frischer Hummer in einem leichten zitronigen Sößchen in buttrig getoastetem Weißbrot, alles leicht fastfoodmäßig auf einem Plastiktablett und mit Pommes dargeboten – eigentlich ja eine kulinarische Schande, aber so gut. Beim zweiten Mal sehe ich, dass man gegen Aufpreis auch Salat statt Pommes bekommen kann und beim dritten Mal genehmige ich mir noch einen Chardonnay von der Insel dazu. Dafür, dass er in einem Plastikglas serviert wird, ist er sehr lecker – wirklich trinkbarer kanadischer Wein, hätte ich nicht
gedacht. Und so entdecken wir die Insel, finden tolle Strände und Dünen, an denen wir uns zum Lesen niederlassen, zum Sonnen- oder gar Meeresbaden ist es noch zu kalt. Die Kanadier lassen sich hiervon nicht abschrecken und der Golfstrom soll das Wasser angeblich auch wärmen, aber brr – es ist eisig. Dafür ist es unglaublich blau und eine absolute Pracht. Wir besuchen die Hauptstadt von P.E.I., das sehr hübsche Charlottetown, und fahren nach Cavendish, wo das Kinderbuch „Anne auf Green Gables“ entstand und spielt. Historische Leuchttürme, Muschelfarmen und immer wieder Hummer – hier kommen uns die Provinzen der Canadian Maritimes am maritimsten vor. Und
dann finden wir ganz in der Nähe unserer Retro-Unterkunft das einzige Autokino von P.E.I., das Brackley Drive-In, ganz im Stil der 50er-Jahre, und weil Eric noch nie in einem Autokino war, testen wir es aus. Bewaffnet mit Popcorn und Zuckerwatte sehen wir „Central Intelligence“, der dann doch nicht ganz so schlecht ist, wie wir zunächst befürchtet hatten. Ging ja auch nicht um den Film 🙂
Die Tierwelt kam ja bisher ein bisschen kurz, zwei Elche an der Autobahn in Quebec und – ich darf jetzt wirklich nicht undankbar sein – die Wale vor Tadoussac. Hier begegnen wir sehr hübschen Füchsen, ganz unerschrocken laufen sie auf der Straße und sind sogar recht neugierig. Und sie sind vor allem lebendig, plattgefahrene Wollknäuel haben wir schon recht oft auf den Straßen gesehen.
Und dann verlassen wir P.E.I., diesmal nicht über die Confederation Bridge, sondern mit der Fähre Richtung Nova Scotia. Schön war’s und das trotz muffigem Cottage. Und zum zweiten Mal während unserer Reise heißt es zumindest für mich „Bye P.E.I.“.



















New Brunswick, einer der drei Seeprovinzen Kanadas. Benannt nach dem Königshaus Braunschweig geht es hier sehr britisch zu – obwohl diese Provinz die einzige offiziell zweisprachige Kanadas ist. Die Landschaft ist fast lieblich – Hügel, Wald, Wiesen, Seen und reizende bunte Holzhäuser prägen das Bild. Und: sie jagen einen nicht mehr unerbittlich über die Straßen, sondern halten britisch-höflichen Abstand. Uff… Fast schon amerikanisch ist die stolze Freude der Kleinstädte an Superlativen: wir passieren 

Am Ufer vor der Axt legen wir einen Picknick-Stopp ein, der Fluss ist hier besonders breit, es weht ein leichter Wind und die Sonne scheint auf uns herab – perfekt für einen entspannten Nachmittag. Im Supermarkt gegenüber werden wir freundlich begrüßt und verabschiedet – es ist so deutlich anders hier.




















Und Eric erst recht. Aber was hier gesprochen wird, hat nur sehr wenig mit dem Französisch zu tun, das wir kennen. Die Aussprache ist eine vollkommen andere, sie verstehen uns schlecht und wir sie gar nicht. Na, das kann ja spaßig werden. Englisch ist hier nichts mehr, noch nicht einmal die Schnellimbisse. Na, was mag wohl PFK sein? Pommes und Fleisch aus Kanada? Ne: Poulet Frit du Kentucky! Oh, c



























