Von einer europäischen Stadt, einem Chaosverein und einem Happy Ending

20160613-Kanada-Quebec-05Québec ville, in das es uns wegen des Formel 1 Rennens verschlagen hatte, begrüßte uns zunächst mit Regenwetter und so verhielten wir uns sehr nordamerikanisch und fuhren am Abend unserer Ankunft jeden Meter mit dem Auto, alleine um nicht nass zu werden. Denn anders als in Costa Rica, wo es so warm war, dass es keine Rolle spielte nass zu werden, war es in Québec doch kühl und windig.
20160613-Kanada-Quebec-06Der nächste Morgen begrüßte uns aber tatsächlich trocken und so ging es ab in die Stadt -natürlich mit dem Auto, denn dort wo sich unser Motel befand, da gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel. Also parkten wir den Wagen in der Rathausgarage und waren so mitten im historischen Zentrum der Stadt. Und was soll ich sagen, es ist eine schöne und für Nordamerika recht ungewöhnliche Stadt, die recht europäisch wirkt, und wie eine Mischung aus einer französisch-englischen mittelgroßen Stadt wirkt. Das ist nett, aber für einen Europäer eigentlich tatsächlich nicht so spektakulär -abgesehen von 20160613-Kanada-Quebec-23ihrerLage hoch über dem schon für sich genommen gigantischen Sankt-Lorenz-Strom. Und so umrundeten wir die große historische Festungsanlage, indem wir die Promenade des Gouverneurs entlanggingen, den Strom zur Linken. Recht schnell hat man das Zentrum besichtigt und zum Abschluss landeten wir in einem Bistro und mussten feststellen, dass entweder nichts vom kulinarischen Erbe der Franzosen übrig 20160613-Kanada-Quebec-18geblieben war oder aber, dass die vielgelobte französische Küche sich im Mutterland erst ausgebildet hatte, nachdem sich die Auswanderer über den Großen Teich davon gemacht hatten. Das Ergebnis ist Poutine, das Pommes-mit-Bratensauce-und-Käse-Essen, das Julia ja bereits beschrieben hatte. Heute nahmen wir es beide, nämlich Poutine de jour. Es wird mein letztes bleiben…
20160614-Kanada-Tadoussac-41Am Tag später machten wir uns dann auf den Weg noch weiter Richtung Osten, nach Tadoussac. Die Strecke dort hin führt entlang des Sankt-Lorenz-Stom und wieder durch weite Wälder. Kurz vor dem Ziel unterbricht der Saguenay-Fjord die Straße. Es gibt keine Brücke, dafür aber eine kostenlose Fähre, auf der man die zwei Kilometer lange Strecke zurücklegt. Der Blick den Fjord hinauf ist faszinierend und als wir später noch ein wenig am Ufer spazieren, da taucht die abendliche Sonne alles in ein sehr schönes Licht.
20160614-Kanada-Tadoussac-0820160614-Kanada-Tadoussac-07Tadoussac ist auch bekannt dafür, dass sich hier alle möglichen Wale tummeln. Nicht zu jeder Zeit alle zugleich, aber dennoch sollen auch wir die Chance auf Sichtungen haben. Und unsere Chancen wollen wir am Tag darauf mit einer Bootstour erhöhen und so buchen wir über das Internet für 12:00 Uhr bei einem Veranstalter in einem 30 km entfernten Ort. Wichtig war: Es sollte keine Massenveranstaltung sein und so kam nur eine Fahrt auf einem so genanten 20160614-Kanada-Tadoussac-23Zodiac in Frage. etwa zwei Stunden nach der Buchung kam ein eMail des Veranstalters, in der ohne jede Form einfach geschrieben stand: „Hi, is it possible for you to make a 10 am départure instead 12h Thanks“
Nein, war es nicht und das schrieb ich dann auch zurück und hörte nichts mehr von ihnen.
Tags darauf standen wir dann pünktlich bei Les Écumeurs du Saint-Laurent auf der Matte und was erwartete uns dann? Eine Dame, die ganz profan mitteilte, dass wir die einzigen beiden Gäste seien und die Tour darum nicht statt finden würde. Ob für uns statt 12:00 Uhr auch eine Tour in fünfeinhalb Stunden, also um 17:00 Uhr in Ordnung sei.
Wie bitte? Hatte ich bis eben aus Höflichkeit auf französisch geradebrecht, so sagte ich nun 20160614-Kanada-Tadoussac-12auf Englisch, das es vielleicht ganz gut gewesen wäre, das vorab mitgeteilt zu bekommen. Gibt es so was? Da stimmen wir unseren Tag auf dieses Ereignis ab, zahlen über das Internet vorab, fahren eine dreiviertel Stunde und dann sollen wir 330 Minuten in einem Fischerdorf totschlagen?
Die Dame merkte wohl, dass das so nicht ging und telefonierte mit der Konkurrenz. So bekamen wir dann immerhin einen Termin auf einem Boot, das um 14:30 Uhr von einer wiederum 16 km entfernten Bucht ablegen sollte. So hatte es die Dame zumindest auf dem Ticket vermerkt. Wir hatten nun also zweieinhalb Stunden, in denen wir das Fischerdorf abklapperten und uns in einem Supermarkt mit Baguette und Käse 20160615-Kanada-Tadoussac-53versorgten, was wir dann auch gleich zur Stärkung zu uns nahmen. Irgendwann einmal beschlossen wir, dass wir ja schon einmal zum Ziel fahren und uns dort noch ein wenig umsehen könnten . Und so erreichten wir den kleinen Hafen bereits kurz vor 14:00 Uhr. Schon als wir ausstiegen begrüßte uns ein freundlicher Herr und fragte, ob wir sein Büro suchten und als wir bejahten, da winkte er uns auch schon herein. Wir präsentierten unsere von der Dame des anderen Veranstalters ausgestellte 20160615-Kanada-Tadoussac-93Reservierungskarte und zahlten dann auch gleich. Dann sagte ich zu der Dame an der Kasse, dass wir jetzt noch unsere warme Kleidung aus dem Auto holen würde, worauf sie meinte, ob wir nicht Kleidung von ihnen nehmen wollten, denn schließlich würde das Boot ja in zwei Minuten starten.
Bitte??? Aber warum denn? Auf dem Reservierungsticket steht doch 14:30 Uhr drauf und jetzt ist erst 14:00 Uhr! Sie schaute ungläubig auf das Ticket und meinte, dass das falsch sei und das Boot jetzt startet.
20160615-Kanada-Tadoussac-91Unglaublich: Nicht nur, dass die uns bei Les Écumeurs du Saint-Laurent böse versetzt hatten, war nun auch noch die Zeitangabe für die Ersatztour falsch gewesen. Nur weil wir früh dran waren, hatten wir das Boot nun gerade noch rechtzeitig erreicht. Also schnell das Fleece angezogen, rein in die gelbe Öllatzhose und die Rettungsweste an und dann nichts wie runter zum Boot.
Ab da machte es Spaß! Das Zodiac war nur halb gefüllt und sauste über die glatte 20160615-Kanada-Tadoussac-76Wasseroberfläche dahin. Man merkte, wie es dem Kapitän Freude bereitete, die Schnauze des Schlauchboots gen Himmel zu recken und links und rechts in die Kurven zu werfen. Wir waren etwa zweieinhalb Stunden auf dem Wasser unterwegs und sahen mehrere Finnwale und auch Minkwale, dazu noch nette Seehunde. Die hier auch lebenden Belugawale sollten wir aber erst am Tag darauf bei unserer Überfahrt Richtung New Brunswick von der Fähre aus sehen. Es wurde trotz der Widrigkeiten doch noch ein wirklich guter Tag.
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Dans les forêts du Canada

Wir wollten es kühl, jetzt haben wir den Salat: die Temperaturen sind ins Einstellige gesunken und es kommt noch ein fieser Nieselregen dazu, der mich fatal an Hamburg erinnert. Wir haben uns einen schwarzen Flitzer zugelegt (gut, es ist ein Jetta…) 20160610-Kanada-Johnstown-04und Toronto Richtung Osten verlassen. Bis Kingston, und das sind immerhin über 250 Kilometer, fahren wir am Ufer des Ontario-Sees, dahinter beginnt der Sankt-Lorenz-Strom, der hier die Grenze zu den USA bildet. In Johnstown, einem Örtchen etwa eine Stunde vor Ottawa, beziehen wir ein freundliches Motel mit Blick auf eine imposante Brücke in die USA und eine noch imposantere Angeltechnik: in Kanada fischt man offensichtlich mit Pfeil und Bogen.

Ottawa muss am nächsten Tag dann ausfallen, denn es ist noch kälter geworden und unsere tropentaugliche Kleidung muss dringend ergänzt werden. Ein Outlet-Center ist schnell gefunden und so verbringen wir einen Vormittag beim Shoppen.

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Aufwärmen am Kamin beim kanadischen McDonalds „Tim Hortons“

Montreal soll sowieso viel netter sein. Die Hotels dort sind aber ungewöhnlich teuer und sowieso ist fast alles ausgebucht, also entscheiden wir uns für ein reizendes Bed and Breakfast in den Wäldern Kanadas. Das „Pantoufle et Confiture“ ist nur über unbefestigte Straßen zu 11150930_611881522282229_7733720557170180286_nerreichen und so gemütlich, das wir fast nicht mehr weg wollen. Wir sind jetzt eindeutig im französischen Teil Kanadas angekommen, Suzanne, unsere Vermieterin, spricht noch leidlich Englisch, ihr Mann Philippe gar nicht. Die beiden sind sehr herzlich und wir haben uns sehr wohl gefühlt. Suzanne löst dann das Rätsel um Montreal: der Formel 1-Grand Prix findet heute dort statt. Uh,  das ist ja so gar nix für uns. Vor vielen Jahren, als wir Borneo besuchten, begrüßte uns ein jaulendes Rennauto in Kuching, das anlässlich eines Rennens in Sepang extra vom Festland eingeflogen wurde, um uns zu nerven. Wir beschließen also, Montreal zu umfahren und gleich Quebec anzusteuern, auch wenn Suzanne in Montreal extra eine deutsche Kneipe für uns rausgesucht hat, in der wir das Deutschland-Spiel gucken können.
P1080563Die Fahrt zieht sich, ewig lang geht es durch Wälder und in Quebec verfahren wir uns auch noch. So ist die erste Halbzeit fast vorbei als wir endlich unser Hotelzimmer stürmen und einen Kanal finden, der das Spiel überträgt. Der Portier schaut etwas irritiert als ich um halb vier nachmittags zwei Bierflaschen aus dem Automaten in der Lobby ziehe, aber es ist EM. 2:0 ist doch ein guter Start!

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Look at my new Canada t-shirt! Regarder mon nouveau Canada t-shirt!

Beim Abendessen im Restaurant um die Ecke stoßen wir wieder mal an unsere Sprachgrenzen. Was mit unserem McSpanish in Costa Rica gut funktionierte, klappt hier überhaupt nicht. Gut, ich war nie eine Leuchte in Französisch, aber bisher kam ich eigentlich meistens durch. P1080567Und Eric erst recht. Aber was hier gesprochen wird, hat nur sehr wenig mit dem Französisch zu tun, das wir kennen. Die Aussprache ist eine vollkommen andere, sie verstehen uns schlecht und wir sie gar nicht. Na, das kann ja spaßig werden. Englisch ist hier nichts mehr, noch nicht einmal die Schnellimbisse. Na, was mag wohl PFK sein? Pommes und Fleisch aus Kanada? Ne: Poulet Frit du Kentucky! Oh, ca va être amusant…

 

 

Multikulti in Toronto

20160608-Kanada-Toronto-32Wir wollten die Kälte, jetzt haben wir sie. Neun Grad, sagt unsere Wetter-App für heute morgen, und da kochen wir uns doch lieber einen warmen Kaffee und bleiben noch etwas im Bett.

Zu Kanada kamen wir eigentlich nur, weil wir mal wieder bei der Einreise in Costa Rica ein Weiterreiseticket vorzeigen mussten und bei der Suche im Internet einen Billigflug nach Toronto fanden. Unsere Kanadaerfahrungen beschränkten sich bisher bei mir auf eine Nacht an den Niagarafällen Anfang und bei Eric auf ein Wochenende am Eriesee Ende der Achtziger. Aber langsam entwickeln wir eine Vorstellung, was wir hier so erleben können.

20160608-Kanada-Toronto-25Unsere erste Quelle war Mathieu, der im Flugzeug neben uns saß und mit seiner insgesamt siebenköpfigen Familie auf dem Rückweg von Costa Rica in die Heimat war. So ein echter Kanadafan ist er wohl nicht, ja, der Westen sei schön, aber wenn wir im Osten bleiben wollen (wollen wir), dann auf Richtung Montreal! Aber wenn wir die irische Küste gesehen haben, dann wäre die kanadische nicht so spektakulär und wenn wir die europäischen Städte kennen, dann seien die kanadischen auch nicht so interessant. Und vier Tage Toronto (wo er seit 16 Jahren lebt), oh je, da gäbe es überhaupt nichts zu sehen. Wir entlocken ihm dann aber doch einige Tipps, Wale soll es an der Küste geben und nein, wir glauben ihm einfach nicht, dass Kanada nur bereits Bekanntes bereit hält. Zumal er selber in Europa nur Bosnien gesehen hat 🙂

Toronto ist tatsächlich nicht gerade gepflastert 20160608-Kanada-Toronto-26mit Sehenswürdigkeiten, dafür aber mit einer recht einmaligen Atmosphäre: Multikulti! Der Taxifahrer, der uns abends um 10 an der einsamen S-Bahn-Station aufliest, ist ein älterer, sehr feiner Herr aus Eritrea, unser Vermieter Alejandro spricht Englisch mit spanischem Akzent, unser erstes Frühstück nehmen wir in einer portugiesischen Bäckerei um die Ecke ein und das Straßenbild prägen Asiaten. Weiße sind hier eher die Minderheit, insgesamt dominiert ein fröhlicher Kulturmix. In der Mädelsclique, die gemeinsam shoppen geht, scheinen alle Ethnien vertreten zu sein, alles mischt sich bunt und gemeinsam sind sie stolze Kanadierinnen und Kanadier. Für uns Außenstehende sieht es nach perfekt gelungener Integration aus, der Wohlstand scheint sich auf alle Rassen zu verteilen und unter den wenigen Obdachlosen, die wir sehen, dominieren 20160608-Kanada-Toronto-20eher die Weißen. Wir lesen dann später, dass Toronto die multikulturellste Großstadt der Welt sei und das ist für uns eigentlich fast spannender als Sehenswürdigkeiten aus Stein und Beton. Allzu schön sind die Gebäude in Downtown nicht unbedingt, in den Sechzigern wurde reichlich Beton verbaut und auch das Wahrzeichen Torontos, der Fernsehturm CN Tower, haut uns nicht um.

20160608-Kanada-Toronto-34Kulinarisch hätten wir hier bestimmt die Möglichkeit, mehrfach um die Welt zu reisen, aber ich will „Poutine“ probieren, das mir Mathieu im Flugzeug als die kanadische Spezialität angepriesen hatte: Pommes mit quietischigen Käsestücken und Bratensoße. So populär, dass es selbst bei McDonalds im Angebot ist. Ein wenig Angst hab ich ja schon, aber am zweiten Tag sehe ich einen Stand, der mehrere Varianten im Angebot hat. Als überzeugte Vegetarierin entscheide ich mich für Poutine mit Pulled Pork, fasrig gekochtem Schweinefleisch, und es ist (etwas) besser als gedacht. Aber, allzu häufig muss ich es nicht haben und geschmacklich ist es keine große Überraschung: Pommes, Käse und Soße bleiben Pommes, Käse und Soße.
Das 20160608-Kanada-Toronto-13kühle Wetter führt auch dazu, dass wir die Kuschligkeit unseres kleinen Souterrain-Appartments genießen und lange Abende auf dem Sofa verbringen – das hatten wir schon sehr lange nicht mehr. Aber morgen werden wir uns auf die Straße werfen und Toronto Richtung Osten verlassen. Mal sehen, was das ländliche Kanada für uns bereit hält. Mathieu hat uns seinen Mailadresse gegeben, er sei gespannt, ob wir hier wirklich fünf Wochen verbringen. Es gäbe günstige Flüge in die Karibik, das sollten wir in Betracht ziehen. Nein, ich glaube, das wird spannend hier. Und in Bosnien war ich noch nie, also kann hier eigentlich nur Neues auf mich warten.

 

Sonntagnachmittags in Alajuela

Beine_hochBye-bye schöne Karibik. Ein letzter schweißtreibender Gang durch Puerto Viejo, diesmal mit schwerem Gepäck, und dann trug uns der Bus entlang der Küste und hinein ins Landesinnere. Auf den bequemsten Sitzen ganz hinten und direkt vor dem Ausgang konnten wir uns lang strecken und die Füße auf dem Geländer ablegen, fast wie in einem Liegesitz. Die viereinhalb Stunden bis San Jose gingen in Windeseile vorüber (warum hatten wir auf dem Hinweg mit unserem Auto eigentlich so viel länger gebraucht?). Weil aber der Flughafen und das weltbeste Tex-Mex-Restaurant in Alajuela liegen und wir San Jose sowieso nicht mögen, haben wir uns für eine Unterkunft in der viertgrößten Stadt Costa Ricas, die gerade mal 20 km von der Hauptstadt entfernt liegt, entschieden. Eine weitere Busfahrt später haben wir unser Ziel erreicht und sind ganz überrascht, dass wir noch den ganzen Nachmittag haben – es ging alles deutlich schneller als geplant. Und so schlendern wir durch die Stadt, die keine Attraktionen aufzuweisen hat, genießen die regnerische Kühle und einen typischen Sonntagnachmittag.
Mittelpunkt der Sonntagsaktivitäten scheint der P1080547Park im Stadtzentrum zu sein, der von den wenigen historischen Gebäuden der Stadt umgeben ist. Vor der Kathedrale parkt ein Leichenwagen mit Blumenschmuck, ein paar Treppenstufen darüber im Kircheneingang steht der geöffnete Sarg, an dem die Trauergemeinde P1080548vorüberzieht. Später, nachdem die Trauerfeier vorbei ist, schauen wir uns die Kathedrale genauer an, ein recht ungewöhnlicher roter Kuppelbau macht sie besonders reizvoll. Die Deckenmalerei im Inneren ist kitschig bunt, wie in vielen katholischen Kirchen in tropischen Gefilden findet sich ein kleiner Wasserfall als Hintergrund einer Jesus-Darstellung.

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Draußen bevölkern Papageien die riesigen Mangobäume und machen einen Wahnsinnslärm. Die Musik in einer Ecke des Parks wird davon fast übertönt. Eine Band spielt lateinamerikanische Rhythmen und ältere Paare tanzen dazu, sie haben sich schön gemacht und sind sehr
ernsthaft bei der Sache. Als das Lied vorüber ist, setzen sich die Frauen auf eine Bank und die _DSC0031Männer stehen in Gruppen zusammen. Keine Paare – das ist ein Ball der einsamen Herzen! Als die Musik wieder beginnt, fordern die Herren die Damen ihrer Wahl auf und es wird eifrig weitergetanzt.

IMG_0472Der Hunger treibt uns zu Jalapenos Central, dem zumindest mal allerbesten Mexikaner Costa Ricas. Wir haben hier schon mit Jonathan geschlemmt und werden auch diesmal nicht enttäuscht. Satt und glücklich laufen wir noch ein wenig durch die gänzlich unspektakulären Straßen, freuen uns am Alltagsleben und landen schließlich noch da, wo jeder gute Sonntagnachmittag enden sollte: in einem Café bei Cheesecake und Milchkaffee. Ein netter Ausklang eines ganz normalen Wochenendes in Costa Rica.
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Rumtrödeln in der Karibik

Es ist heiß. So heiß, dass sogar ich mir langsam vorstellen kann, den kühlen Wind an Kanadas Ostküste zu genießen. Zudem nähert sich die Regenzeit mit Riesenschritten und beschert uns, dankenswerterweise meistens nur nachts, einen ordentlichen Guss. Der sorgt allerdings für eine ständige Luftfeuchtigkeit, die nichts mehr richtig trocknen lässt. Der leicht modrige Geruch hängt in der Bettwäsche und den Handtüchern fest, unsere Klamotten und Schuhe sind nach 10 Monaten Dauerbelastung und meist nur halbstündigen Kaltwaschgängen sowieso nicht mehr zu retten. Also, gut, dass Ihr uns nicht riechen müsst 🙂

Puerto Viejo hat uns mit seiner Gelassenheit und dem leicht verfallenen Karibikcharme so entschleunigt, dass wir beschlossen haben, gar kein anderes Ziel in Costa Rica mehr anzusteuern. P1080544Unser Bungalow hat alles was wir brauchen (Ventilator, Kaffeemaschine, Hängematte, Kühlschrank) und manchmal auch ganz anständiges Internet. Von unserer Terrasse beobachten wir andere Touristen kommen und gehen, sie bleiben im Schnitt etwa drei Tage, werden morgens von Tourbussen abgeholt und abends wieder gebracht. Hier kann man tolle Sachen erleben, es gibt Delfin- und Schnorcheltouren, Ausflüge nach Panama und Dschungelwanderungen, aber wir sind glücklich und zufrieden mit einem Kaffee in der Hängematte, einem karibischen Reisgericht im P1080526Restaurant um die Ecke und ab und an mit einem winzigen Ausflug in die Umgebung. Genau zwei mal haben wir die Strände im Süden besucht, einmal mit Fahrrädern, die genauso relaxt wie der Ort sind: schwere stabile Beachcruiser ohne Gangschaltung und Licht, dafür aber mit bequemem Sattel und Lenker. Die Strände sind schön, doch mit denen an der Pazifikküste können sie nicht ganz mithalten. Aber egal, für ein Planschen in den Wellen reicht es trotzdem und unser Lieblingsplatz ist sowieso die Hängematte.

P1080514So ganz langsam gehen uns nur die Viecher hier etwas auf die Nerven. Natürlich nicht die Brüllaffen, die wir abends aus dem Dschungel grunzen hören und auch nicht die wunderschönen Vögel, die durch den Garten schwirren. Aber wir werden gestochen und es juckt furchtbar. Das Moskitonetz beschert uns einigermaßen ruhige Nächte, aber so viel Insektenspray gibt es gar nicht, um sich die Plagegeister vom Leib zu halten. Winzige rote Ameisen haben heute Nacht unser Müsli überfallen und hinterlistig darauf gewartet, dass Eric leckere Bananen schneidet. Kaum hatte er die Flocken übers Obst geschüttet, kamen sie heraus und wir mussten uns geschlagen geben. Schweren Schwabenherzens überließen wir ihnen alles und fanden dafür einen viel besseren Platz für’s Frühstück. Bätsch!

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Gute Miene zum bösen Spiel
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Böse Miene zum guten Spiel

 P1080541Die Karibikseite Costa Ricas besticht vor allem durch ihr – wer hätte es gedacht – Karibikflair. Bunte Häuschen, Strand und Meer, Reggae und Cocktails und alles geht ein bisschen langsamer. Die dunklen Wolken, die spätestens am Nachmittag aufziehen, und das abendliche Dauer-Donnern schaffen eine fast schon gemütliche Atmosphäre. Und so lassen wir uns einlullen von dem „laid back feeling“, das über dem Ort liegt, freuen uns, wenn uns die Frau im Supermarkt um P1080543die Ecke schon wie Stammkunden begrüßt, testen immer mal wieder das Essen in anderen Restaurants, um reumütig in „unser“ Soda (so heißen die kleinen, einfachen Restaurants mit costa-ricanischer Hausmannskost) zurückzukehren. Morgen hat die Idylle dann aber ihr Ende, um 9 geht der Bus nach San Jose und übermorgen fliegen wir nach Toronto.

Wir hätten beide nicht gedacht, dass wirP1080518
so lange in Costa Rica bleiben. Liebe auf den allerersten Blick war es ja nicht und wir können nur davon abraten, einen Urlaub hier mit San Jose zu beginnen. Aber die Natur und Tierwelt sind absolut begeisternd, die Fahrten durchs Land abenteuerlich, das Essen und vor allem die tropischen Säfte lecker, die Unterkünfte sauber und alles viel stressfreier, als wir es von Mittelamerika je erwartet hätten. Also, insgesamt eine gute Entscheidung. Natürlich hätten wir
auch noch Panama besuchen können, aber dahinter liegt dann Kolumbien und das soll auch so schön sein, und dann ist man eigentlich schon in Südamerika und Peru wollten wir immer mal und und und. Es gibt noch so viel zu sehen und zu bereisen, damit könnten wir die nächsten fünf Jahre locker füllen. Also: wir sind megazufrieden mit dem Land, freuen uns aber auch schon auf Kanada. Maximal 23 Grad hat’s da am Montag und die Woche bleibt wohl so. Bin mal gespannt, wann ich mich in die Hitze Puerto Viejos zurückwünsche.

Der Frosch über dem Bett

20160524-Costa-Rica-La-Fortuna-20Das Bett ist überspannt mit einem großen Moskitonetz. Darauf liegen bereits etliche tote Insekten. Ich kann nur vermuten, dass sie im Wasserdampf umkommen, den wir in der Nacht herausschwitzen -anders kann ich es mir nicht erklären. Vermutlich ist es für sie so, als würden sie über einen brodelnden Wasserkocher fliegen und -zack!- ist das Leben ausgehaucht. Wie dem auch sei, heute schien am Abend ein doch sehr großes Exemplar auf dem Netz seine vorläufig letzte Ruhestätte gefunden zu haben. Doch bei genauerer Betrachtung schien das Tier doch etwas ungewöhnlich: Es hatte zwei große Augen und einen breiten Körper. Ein Frosch (nicht der von den Fotos) hatte offenbar den Insektenfriedhof erspäht, sich auf das Moskitonetz gesetzt und sich sicher im Paradies gewähnt. Wir haben versucht, ihn zum Gehen, ähm, Hüpfen zu bewegen -vergeblich. Also durfte er bleiben wo er war, nämlich außerhalb des Bettes und auf dem Netz. Mal sehen, ob er seine Arbeit gut erledigt und uns die Plagegeister vom Leibe hält -wenn ja, dann hat er einen Job. Immerhin schon mal einer von uns Dreien 😁.

20160524-Costa-Rica-La-Fortuna-25Die Fahrt vom Flughafen in San Jose dauerte sechs Stunden und darin ist eine halbe Stunde Pause enthalten. In dieser Zeit haben wir sagenhafte 250 km zurückgelegt. Sehr weit im Südosten Costa Ricas sind wir nun. Der Ort nennt sich Puerto Viejo de Talamanca und wie schon bei unserem ersten Abstecher an die Karibikküste des Landes fällt auch hier auf, dass die Bevölkerung sich sehr von der des restlichen Landes unterscheidet. Die Menschen haben hier vermehrt afrikanische Wurzeln und man sieht schon die eine oder andere Rastafarifrisur und die Damen sind durchweg knapp und sehr körperbetont bekleidet, Reggae-Musik schallt aus den Bars und es duftet nach Gras -einfach alles so, wie ich mir klischeehaft zum Beispiel Jamaika vorstelle.
Auch die Küche bietet etwas Abwechslung zum sonstigen Casado. Hier kann man den Reis in Kokosmilch gekocht bestellen und zu den Gerichten werden jeweils verschiedene karibische Saucen gereicht. Es ist sehr lecker. Haben wir eigentlich schon einmal die genialen Fruchtsäfte erwähnt?
Unsere Tage gestalten wir hier extrem entspannt, das bedeutet, wir gönnen uns den Luxus und tun nichts. Na ja, nicht ganz nichts, aber fast. Julia war heute immerhin beim Yoga und gemeinsam waren wir nachmittags beim Essen und abends beim Abholen unserer gereinigten Wäsche. Also ein voll ausgelasteter Tag. Aber Julia juckt es schon wieder in den Beinen -oder sind es die Füße?- und so droht sie mit einer Fahrradtour für den morgigen Tag. Ich erinnere mich an unsere letzte Fahrradtour. Das war auf holprigen Pfaden und schließlich auf 20160524-Costa-Rica-La-Fortuna-31staubigen und vielbefahrenen Straßen in Nepal. Die Räder waren Schrottreif und meine Kette sprang mehrfach aus dem Radkranz. Die Sitzhöhe war nicht verstellbar und so kam ich nicht nur mit total schwarzen und verölten Händen endlich am Ziel an, sondern hatte danach auch nicht mehrere Tage Probleme im Gesäß. -Nicht nur ich… Na ja, dann schaumermal, was der morgige Tag so bringt. Bin ja schließlich allem aufgeschlossen und in der Not würde mich Superjulia sicher retten. Würde eh mal wieder Zeit für einen Einsatz.
Wir sind nun schon seit siebeneinhalb Wochen in Mittelamerika unterwegs. Spanisch ist die Sprache der Region und wir können nicht anders als zu sagen: Jawohl, wir sind wirklich Meister geworden! Was auch immer zu regeln ist, wir haben kein Problem damit uns mit unserem perfekten McSpanish verständlich zu machen. McSpanish, das ist unsere Bezeichnung dafür, sich ein Wort aus irgendeiner uns bekannten Sprache auszusuchen, von dem man glaubt dass es in den Kontext passt und es dann möglichst spanisch klingend auszusprechen. Erinnert Ihr Euch noch an Los Wochos?? Genau so funktioniert das . Und das erstaunliche: Es funktioniert genau so! Wir bekommen was wir wollen und wir können sogar auf Fragen an der Supermarktkasse antworten, von denen wir nicht ein Wort verstanden haben.
Somos grandes! Y hasta la próxima. (Lo confieso: que era Google-Translate)

Verwaist

20160525-Costa-Rica-La-Fortuna-47Gestern hat der dritte Globonaut seine Karriere vorerst beendet. Jonathan ist nach Hause geflogen und wir fühlen uns ein bisschen verwaist. Aber: wir sind wieder Herr und Herrin (uh, er hat uns gegendert…) des Autoradios und die Zeit von Finnish Folk Metal und Alligatoah (an dem Eric durchaus Gefallen gefunden hat) ist vorbei 🙂

20160525-Costa-Rica-La-Fortuna-68Leicht wurde ihm der Abflug nicht gemacht. Gemütlich wird alles, hatten wir gedacht, spät aufstehen, frühstücken und dann irgendwann zum Flughafen, so früh, dass dort noch viel Zeit für einen letzten gemeinsamen Smoothie bleibt. Am Morgen werden wir aus dem Bett geklopft: wenn wir unser Auto heute noch bewegen möchten, dann bitte jetzt. In ein paar Minuten würden sie nämlich anfangen, die einzige Zufahrt zu unserer „residential area“ aufzubaggern, um neue Rohre zu verlegen. Eric parkt den Wagen also draußen in der echten Welt. Schon übel hier, aus Angst vor Kriminalität und wohl auch, um die Realität ein wenig auszublenden, entstehen immer mehr dieser Wohngebiete. Versteckt hinter hohen Mauern tuen sich kleine Oasen im Großstadtdschungel auf, mit saftigem Grün, schicken Häusern und Gemeinschaftspool. Die ärmere Bevölkerung muss draußen bleiben. Gruselig…

20160519-Costa-Rica-Corcovado-25Gegen halb 11 brechen wir dann zum Flughafen auf, der ist zwar gleich um die Ecke, aber wegen bereits erwähnter Baustelle fahren wir einen Riesenbogen, den unser Chefnavigator Jonathan souverän meistert. Uh, ab jetzt muss ich wieder ran. Wir finden sofort einen Parkplatz direkt vor dem Abflugbereich, jetzt können wir ganz entspannt sein. Haste gedacht. Schon vom Parkplatz aus sehen wir eine Riesenschlange, die sich aus dem Flughafengebäude den ganzen Gehweg davor entlang gebildet hat und immer länger wird. Sind es meine ostdeutschen Gene, die mich sofort hinsprinten lassen, um mich noch vor einer Gruppe von Amerikanern einzureihen? Eric und Jonathan erkunden dann erst mal die Lage und checken ein. Als ich mich schon fast im Flughafengebäude befinde, kommt Eric „Sie haben ihn überzeugt, schon die 12:25 Uhr-Maschine zu nehmen“. Aha, geplant war 20160512-Costa-Rica-Rincon-Vieja-0714:00 Uhr, wie das jetzt? Und überhaupt, es ist viertel vor 12 und vor dem Sicherheitscheck stapeln sich die Menschen. Und unser gemütlicher Abschiedsdrink? Jonathan kommt und kocht. Früher hier los heißt zwar ganz sicher den Anschluss in Panama bekommen, aber auch deutlich mehr Zeit auf dem dortigen Flughafen verbringen, der wohl, vorsichtig formuliert, nicht so der Hit ist. Und eigentlich läuft das Boarding schon und wir stehen immer noch brav an. Die Flughafenmitarbeiter sind costa-ricanisch gelassen, sie holen uns schon aus der Schlange, wenn’s eng wird. Das ist dann fünf Minuten später wohl der Fall, nach einigem Hin und Her und einem überstürzten Abschied verschwindet Jonathan in der Express Line. Wir sehen ihn noch eine ganze Weile anstehen und dann kommt die Nachricht: „Bin im Flugzeug“. Na gut, dann können wir ja los.

Die Karibikküste ist unser Ziel und wie immer in Costa Rica brauchen wir fast doppelt so lang wie gedacht. Wir schlängeln uns ewig über Gebirgsstraßen und kleben hinter dicken Trucks fest. Es wird schon dämmrig, als wir endlich Limon erreichen, dessen großer Hafen wohl vor allem dem Transport von Bananen in die ganze Welt dient. Über viele Kilometer hinweg erstrecken sich die Plantagen von Dole und DelMonte, ganze Siedlungen gehören dazu und riesige Containerlager. Irgendwann kommen wir dann doch an und beziehen einen netten kleinen Bungalow in Puerto Viejo, kurz vor der Grenze zu Panama. Hier machen wir jetzt erst mal Urlaub. Der dritte Globonaut hat uns gefordert….

Schön war’s mit Dir, Jonathan! Wir haben viel gelacht und uns gut unterhalten. Viel Glück für alles, was in nächster Zeit bei Dir ansteht!20160521-Costa-Rica-Drake-Bay-13

Abenteuer und süße Tierbilder

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Süßes Tierbild

Es wird schwierig. Da hat jemand Maßstäbe gesetzt. Unser Gastblogger Jonathan hat dafür gesorgt, dass die Zugriffszahlen heftig in die Höhe geschnellt sind. Das freut mich zwar als stolze Patentante natürlich ungemein, aber den gestiegenen Erwartungen muss ich irgendwie gerecht werden. Dann versuch ich’s doch mal mit süßen Tierbildern und ein bisschen Abenteuer.

Die Halbinsel Osa im Südwesten Costa Ricas ist ziemlich abgelegen. Und ganz besonders abgelegen ist die Drake Bay. Erst nach dem Buchen unseres Hotels lese ich, dass man eigentlich nur mit dem Flugzeug oder Boot anreisen sollte. 20160519-Costa-Rica-Corcovado-61Es gibt eine Straße, aber auch diverse Flüsse und eine nur kleine Zahl von Brücken, die zudem ab und an gerade mal so breit sind wie unser Auto.  Und der letzte dieser Flüsse ist ein besonders breiter, ganz ohne Brücke. „You will be alright“, sagt uns Mark, unser amerikanischer Host in Puerto Jimenez, der Jonathan am Abend zuvor im professionellen Öffnen einer Kokosnuss mittels Machete unterrichtet hat.

20160522-Costa-Rica-Drake-Bay-27Wir haben es im Endeffekt geschafft, aber ich gebe zu, ein paar Mal habe ich dann doch
einfach die Augen zugemacht. Und mir die Brücken erst richtig angeguckt, nachdem wir sie überquert hatten.

Die touristische Infrastruktur, die im Nationalpark Manuel Antonio für Horden von vorwiegend

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Süßes Tierbild

amerikanischen Besuchern sorgt, ist in Drake Bay und dem Nationalpark Corcovado noch in den Anfängen. Das bedeutet auf der einen Seite, dass man häufig das Gefühl hat, den Ort als einer der Ersten zu entdecken, man andererseits aber mit einem kleinen und nicht sonderlich professionellen Angebot auskommen muss. Wir haben einen Bungalow in Traumlage mit Blick auf die idyllische Drake Bay, aber als wir um sieben Minuten nach acht das kleine Hotelrestaurant betreten, teilt man uns mit, dass es Frühstück nur von 6 bis 8 gibt. Und zwar Punkt 8, nicht acht Uhr sieben. Ok… Wir finden eine andere Essensquelle und nachdem ich Tage lang gequengelt habe, bekomme ich endlich meinen Kayak-Ausflug. Wir mieten uns zwei Plastikboote, ein Doppelsitzer für Eric und mich, ein kleineren Flitzer für Jonathan, und paddeln aufs offene Meer. Jonathan entscheidet sich dafür, die Wellen frontal zu nehmen, ein paar Mal sieht es so aus, als würde es ihn verspulen, aber er hat Spaß.

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Kein süßes Tierbild

Wir fahren in einen kleinen Fluss hinein und paddeln plötzlich mitten durch den Dschungel. Ein ziemlich magischer Ort, zwischen kleinen Felsen geht es zickzack immer tiefer in das satte Grün und die Zivilisation scheint ganz weit weg. Irgendwann versperrt ein umgestürzter Baum die Weiterfahrt, wir denken kurz drüber nach, die Kanus darüber zu heben, entschließen uns dann aber für die Rückkehr. Kurz vor der Stelle, an der der Fluss wieder ins Meer mündet, ruft uns ein Amerikaner vom Flussufer aus zu „Did you see the crocodile?“ Eric und ich drehen um und 20160521-Costa-Rica-Drake-Bay-13erwarten ein kleines Tierchen, dass sich gemütlich auf einem Stein sonnt. Nein, es ist doch eher ein ausgewachsenes Exemplar, dass keinen Meter von uns entfernt im Wasser schwimmt und uns offensichtlich näher kommen möchte. Ok, jetzt mal nichts wie weg hier. Später treffen wir das Krokodil auf einer kleinen Wanderung am Flussufer wieder, so aus der Ferne sieht es ja ganz nett aus.

Zwei schöne Sonnenuntergänge später machen wir uns dann auf und verlassen Osa. So ganz langsam müssen wir uns Richtung San Jose aufmachen, denn unsere gemeinsamen Tage sind gezählt. Am Freitag fliegt Jonathan zurück und ein bisschen wehmütig bin ich jetzt schon.

Und auf dem Weg durch die Berge lüften wir dann noch das Geheimnis des Nebelwalds…

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Gastbeitrag 2 – Der Perfekte Tag!

Vorwort

Mittlerweile sind seit meiner durchwachsenen Flugerfahrung schon einige Tage vergangen und ich habe mich gut in Costa Rica eingelebt.
Aufmerksame Leser werden nun beanstanden, dass ich ja in Nicaragua gelandet bin und nicht etwa in Costa Rica – aber ich kann mich teleportieren, deshalb bin ich jetzt hier.
Costa Rica ist ein fantastisches Land, die Flora ist außergewöhnlich und es gibt sehr viele Tiere, die man sonst nur aus diesem Internet kennt. Ich verzichte an dieser Stelle auf das Einfügen von knapp 200 Tierfotos und verweise stattdessen auf das die Costa Rica Fotoalben hier auf Globnauten.de – Eric hat sowieso die bessere Kamera und im Fotografieren bin ich in etwa so gut wie in Spanisch.
Das einzige was mir an Costa Rica etwas stinkt, ist die Toilettenpapiersituation. Ein Schild, welches in einem unserer Hotels an der Toilette hing, fasst es sehr gut zusammen: „Please don’t put anything into the toilet, unless you have eaten it first!“ – oder mit anderen Worten: Es gibt kleine Mülleimer neben den Toiletten, in die man das benutzte Papier werfen kann. Eigentlich ist dies kein Problem, da die Mülleimer immer perfekt schließen und es deshalb zu keiner Geruchsbildung kommt – leider ist der erste Teil dieses Satzes gelogen, gerade in öffentlichen Toiletten haben die Eimer meist keinen Deckel, geschweige denn Menschen, die sie regelmäßig ausleeren oder irgendeinen Fliegenschutz. Aber daran gewöhnt man sich – in etwa so gut wie an Fußpilz.
Nun aber zu dem im Titel angepriesenen Tag, Donnerstag, den 19. Mai!

Der 19. Mai

Der Tag begann für uns gegen halb 6 (Ich hätte auch niemals gedacht, dass ich freiwillig zu so einer Zeit aufwachen würde – die einzig logische Erklärung sind übernatürliche Kräfte) im wunderschönen Zimmer unseres Hotels in Puerto Jeminez.
Langsam und gemächlich machten wir uns fertig, nahmen ein ausgewogenes Frühstück ein (in meinem Fall bedeutet das ungetoasteten Toast mit Erdbeermarmelade aus der Plastiktube) und schmiedeten einen Tagesplan.
Wir wollten den Nationalpark Corcovado besuchen, der etwa 1 ½ Autostunden von unserem Hotel entfernt lag – für uns bedeutet dies im Normalfall nur ca. 1 Stunde Fahrt da nicht mit einberechnet wird, dass unser Mietwagen über einen four-wheel-drive verfügt und von Eric gefahren wird.
Frohen Mutes brachen wir also gegen 10:00 Uhr auf, wir hatten uns die Route vom Hotelbetreiber erklären lassen und außerdem zwei Landkarten dabei – eine offline-app sowie eine echte Analogkarte aus dem Jahr 1800 (eventuell auch 1995, Jugendliche meiner Generation haben keinerlei Vorstellung von einer Zeit vor den Smartphones).
Nach ca. 20 Minuten Fahrt befanden wir uns bereits in Gefilden ohne Handyempfang, aber echte Abenteurer wie die „Globonauten“ + „das nicht ganz so globale Patenkind“ (In diesem Fall bin ich gemeint, auch wenn wir über den Titel noch streiten) lassen sich davon natürlich nicht abschrecken.
Die Straße wurde zunehmend schlechter, selbst für die hierzulande herrschenden Verhältnisse.

Für alle die noch nie das Glück hatten, eine Straße in Costa Rica befahren zu haben, hier ein kleiner Vergleich: Stellt euch vor ihr fahrt mit eurem SUV durch ein Feld – allerdings ist das Feld voller Steine, zwischen 30 und 90 Zentimeter tiefen Löchern und Wildtieren – Das ist die durchschnittliche Straße hier in Costa Rica(Captain Obvious merkt an: Felder sind NICHT geteert, in diesem Beispiel bestehen sie viel mehr aus einer Sand-Gesteinmischung). Wie bereits erwähnt, war unsere Straße jedoch besonders schlecht – deshalb gibt es in dem Feld auch noch Flüsse, umgefallene Bäume und tief fliegende Vögel.

Für Eric und den four-wheel-drive bedeuten all diese Umstände allerdings in etwa so viel wie für den durchschnittlichen Mercedesfahrer ein „Vorfahrt gewähren“ Schild – absolut gar nichts – weswegen wir tatsächlich gut vorankamen.

Von Kühen und Stränden

Irgendwann sahen wir auf einer Weide am Straßenrand eine Herde Kühe, woraufhin Julia und ich lautstark zu quengeln begannen, dass diese unbedingt gestreichelt werden müssten.
Gesagt getan, wir hielten an und gingen zu dem Zaun.
Leider mochten die Kühe uns nicht halb so gerne wie wir sie und entfernten sich im Galopp vom Zaun als wir ihnen zu nahe kamen – ein herber Rückschlag. Wir fuhren also weiter und Julia verlangte als Entschädigung für die Kuhlosigkeit einen Strandbesuch, an dem Strand der nur ca. 200 Meter Luftlinie von unserer Straße entfernt war. Leider wurden diese 200 Meter durch eine knapp 20 Meter hohe Wand aus Felsen und Bäumen gestärkt, weswegen wir den Traum vom kühlen Nass zeitweise schon beinahe aufgaben – doch das Warten sollte sich lohnen.
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Nach einiger Zeit lichteten sich die Bäume am Straßenrand und gaben den Blick auf diese Perle der Natur frei. Nicht nur, dass wir kilometerweit die einzigen Menschen an diesem Strand waren, umherfliegende Papageien und von den Bäumen gefallene Kokosnüsse bekräftigten das Gefühl, die ersten Menschen an diesem Ort der Welt zu sein, noch weiter. Zwar waren wir uns zu diesem Zeitpunkt schon einig, dass die lange Fahrt sich gelohnt habe, doch das beste sollte noch folgen!

Der steinerne Weg zum Paradies

Schweren Herzens trennten wir uns von dem Strand und fuhren weiter Richtung Corcovado – langsam zeigten sich erste Vorläufer der Zivilisation und es tauchte sogar ein kleiner Flughafen am Wegrand auf. Flughafen ist vielleicht ein wenig euphemistisch, handelte es sich doch vielmehr nur um eine Landebahn – aber es gab dort offensichtlich Flugverkehr. Der Fairness halber muss man erwähnen, dass diese Art von „Flughäfen“ in Costa Rica etwa so verbreitet ist wie in Deutschland Tankstellen, trotzdem deuten sie meistens auf Bewohner in näherer Umgebung hin – dieser sollte jedoch eine Ausnahme bleiben.
Nach der Landebahn wurde die Straße erneut schlechter. Blieben wir bei unserem Feldbeispiel, müsste man sich nun auch noch Steigungen von etwa 40° mitten auf dem Feld vorstellen – da dieses Feld aber langsam unrealistisch wird, werde ich ein paar Randdaten auflisten:

1. Wir fuhren durch einen Fluss, in dem ein paar Meter stromaufwärts Leute nach Gold suchten.
2. Am Rande des Flusses begann ein Berg, der so steil war, dass selbst unser four-wheel-drive Probleme bekam.
3. Während der Auffahrt gab es Schlaglöcher die so tief waren, dass man ganze Kleinstädte darin hätte verschwinden lassen können.
4. Die Straße war so schmal, dass neben unserem Auto höchstens noch ein halber Fußgänger auf ihr hätte gehen können.
5. Das Auto hat so sehr gewackelt, dass mein Handyladekabel regelmäßig von selbst aus dem Anschluss fiel, woraufhin mein Handy fast unter 99% Strom gefallen wäre.

Und zu guter letzt, Erics Lösung für all diese Probleme: „Wir brauchen einfach mehr Schwung, dann kommen wir da auch hoch!“
Gesagt getan, wir flogen also praktisch den Berg hinauf und erreichten irgendwann dieses Schild: IMG_7048
Neugierig geworden konnten wir es kaum erwarten, den Ort namens Luna Lodge zu erreichen – und tatsächlich wurde die Straße zunehmend besser, irgendwer hatte sogar dafür gesorgt, einige kopfsteingepflasterte Passagen zu erzeugen – wir fühlten uns wie im Traum. Am Ende des Weges erwartete uns ein Parkplatz, auf dem einige Jeeps standen. Wir stiegen aus um uns zu erkundigen, wo es denn zu dem Nationalpark ginge – die Straße endete nämlich in dem Parkplatz und die letzte Abzweigung lag gute 5 Kilometer hinter uns.

Luna Lodge – der Himmel auf Erden
Empfangen wurden wir von einem Herrn samt Tablett mit 3 Gläsern voller eisgekühlten Wassers und einer freundlichen Amerikanerin, die uns erklärte, dass wir bei dem Flughafen hätten links abbiegen müssen – Dies hier sei aber ihr Hotel und zufällig ist das Mittagessen gerade fertig. Wir folgten ihr in das Hotelrestaurant, welches sich vor allem durch den Blick auszeichnete: Kilometerweit konnte man ins Tal sehen, in dem sich der Regenwald bis an die Küste fortsetzte. Das folgende Foto ist trotz des begabten Fotokünstlers Eric leider nicht einmal ansatzweise in der Lage, die Aussicht wiederzugeben:
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Das Mittagessen bestand aus einem Salat aus den „own organic gardens“ die sich hinter dem Restaurant befanden – eigentlich kann man mich mit Salat jagen, diese außergewöhnliche Kreation aus frischsten Zutaten jedoch würde ich Tag und Nacht jedem anderen Essen vorziehen. Dazu gab es frisch gepresste Smoothies aus allen Früchten, die das Herz begehrt und die Wassergläser wurden stets nachgefüllt, ließ man sie auch nur eine Sekunde aus den Augen. Während des Essens berichtete uns die Hotelbetreiberin, dass der Corcovado Park ohnehin nur mit vorheriger Reservierung sowie einem nicht ganz billigen Guide betretbar sei und wir es deshalb für heute gleich bleiben lassen könnten. Stattdessen bot sie uns an, den etwa einstündigen Wanderpfad um das Gelände einzuschlagen, der direkt durch den primary Rainforest führte und einige tolle Ausblicke bot.
Der Pfad war mühsam, für jeden der etwas mit Natur anfangen kann, jedoch absolut einzigartig. Umgeben von riesigen Bäumen, exotischen Pflanzen und Rufen der Brüllaffen erklommen wir die steilen Wege bis wir uns auf der Höhe der Baumkronen befanden. Das absolute Highlight des Pfades war allerdings die Yogaplattform der Hotelanlage, an der der Wanderpfad endete.
Hier einige fotografische Eindrücke der einzigartigen Plattform, an der sich auch Leute, die absolut nichts für Yoga übrig haben, erfreuen können.
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Es war zwar sehr schwierig, sich von dem fantastischen Ausblick zu lösen, wir wollten aber noch den Waterfall trail entlanglaufen, obwohl wir uns aufgrund der eher mageren Regenzeit nicht allzu viel von den Wasserfällen erhofften. Drei Wasserfälle bot der Weg, wir steuerten nur den größten an, der trotz des wenigen Wassers durchaus beeindruckend war.
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Zurück an der Hotelanlage wurden wir erneut mit eiskaltem Wasser und freundlichen Worten empfangen, Julia konnte nur knapp dem Angebot widerstehen sich der anstehenden Yogastunde anzuschließen – gut für uns, mittlerweile war es schon beinahe 16 Uhr und wir wollten noch im Hellen zurückfahren.

Rückfahrt und Abend

Auf der Rückfahrt nahmen wir einen Schweizer mit, der uns gefragt hatte ob wir nach Puerto Jeminez fahren würden und tauschten uns über das Reisen aus. Mein Fazit des Ganzen war, dass Schweizer offensichtlich zu viel Geld verdienen – er war immerhin schon der dritte Schweizer, den wir innerhalb einer Woche trafen, der es sich erlauben konnte für ein Jahr auf Reisen zu gehen – und das mit Anfang 30!
Wieder in Puerto Jeminez angekommen waren wir uns einig, dass das Falschfahren an diesem Tag das beste war was wir in den vergangen 2 Wochen zustande gebracht hatten.
Wir ließen den Abend gemütlich in der örtlichen Pizzeria ausklingen und in mir festigte sich der Plan, in diesem Leben noch ein paar Nächte in dem wunderbaren Hotel Luna Lodge zu verbringen – wenn dies irgendwie möglich ist.

Gastbeitrag: Mein Reisebericht, Hamburg – Managua

 

1. Reiseabschnitt: Hamburg – Paris (HAM-CDG)

Da stand ich nun, vor etwa einer Woche, kurz nach 8 am wunderschönen Hamburger Flughafen – über Paris nach Panama und schließlich gen Managua, sollte mich mein Weg führen. Ich hatte mich auf elendig lange Wartezeiten an der Gepäckaufnahme sowie den Sicherheitskontrollen vorbereitet – stattdessen durchlief ich die Selben in nicht ganz 30 Minuten – Luxusprobleme, besser zu früh als zu spät! Nachdem ich den legendären Duty-Free-Bereich betreten hatte, musste ich schnell feststellen, dass mein Plan mir noch eine große Flasche Trinkbares zu kaufen eher nich aufgehen würde -stattdessen gab es für wenige Euro (3,95) beinahe einen halben Liter Wasser – ein Schnäppchen, an dem ich nicht vorbei gehen konnte! 5 Minuten und 500 Milliliter Wasser später saß ich also am Terminal 1, Gate 18 und wartete sehnsüchtigst auf das Boarding – nur um wenige zeit (etwa 60 Minuten) später zu hören, dass ja die knapp 400 (eventuell waren es auch 1-2 weniger, die Erinnerungen verschwimmen) ViP-Passagiere noch vor mir einsteigen dürften. Da mir Zweiklassensysteme sowieso am besten gefallenen, ließ ich mich auch davon nicht stören und wartete (darin war ich mittlerweile ja geübt) noch einmal eine halbe Stunde darauf, dass die erhabenen ViP’s die Maschine bestiegen. Im Anschluss ging dann auch alles ganz schnell, plötzlich saß ich auf meinem Sitz (innen am Gang, neben einem verliebten französischen Pärchen) und wurde von einer Stewardess in schnellem Französisch berieselt. Für mich war dies ein schönes Erlebnis, liebe ich doch die Finessen der Sprache unserer Nachbarsleute beinahe so sehr, wie ich nicht in der Lage bin sie zu verstehen. Das Ende vom Lied war dann, dass sie mein Handgepäck (welches selbstverständlich ordnungsgemäß zu meinen Füßen, unter dem Sitz vor mir verstaut war) an sich nahm, und es in der obigen Gepäckklappe versiegelte. Ich reimte mir dann später zusammen, dass Handgepäck an meinem Platz wohl nicht im Fußraum gestattet war – denn NATÜRLICH saß ich direkt vor dem Notausgang. Diese Erkenntnis kam leider nicht früh genug, um mein Buch aus dem Handgepäck zu nehmen, da der Flug allerdings keine 60 Minuten dauerte, ließ sich das verschmerzen – wurde ich doch mit einem Karamellkeks (Na ob der Vegan war?) über die sich anbahnende Langeweile hinweggetröstet!

2. Steckenabschnitt: Paris – Panama (CDG – PTY)

Paris sollte die stressigste Station meiner Reise werden, hatte ich doch lediglich 70 Minuten zum umsteigen und keinerlei Orientierung an diesem Flughafen. Wer schon einmal am Pariser Flughafen Charles de Gaulle war, wird jetzt erwidern, dass dieser doch höchstens die Größe eines kleinen Landes hat und weswegen ich mich denn so anstelle – ich kann jedoch versichern, dass ich gesprintet bin wie zuletzt in der 10. Klasse beim 100 Meterlauf! Ich kam am Terminal 2E/21G an, mein Folgeflug nach Panama sollte an 2E/21F starten wenn ich mich recht entsinne – klang zwar sehr vielversprechend, jedoch lagen diese Orte ca. 15 Minuten voneinander entfernt (selbstverständlich nicht zu fuß, sondern mit der Flughafeneigenen BUSLINIE, die einen über die Hektar von Land transportiert die es zurückzulegen galt). Überraschenderweise hat alles irgendwie geklappt, ich kam lediglich 15 Minuten nach beginn der Boarding-time an meinem Gate an – natürlich hatte das Boarding noch nicht begonnen, wozu sollte man sich auch hetzen. Auf den etwa 10 Stunden langen Flug von Paris nach Panama freute ich mich besonders, hatte ich doch im Vorfeld schon herausgefunden, dass es sich bei meinem Platz um einen Fensterplatz handelte – Hans im Glück der ich bin, war es natürlich der über dem Flügel – hier der fantastische Blick aus meinem Fenster:Version 2 10 Stunden lang den Bremsklappen beim auf-und-ab-klappen zuzuschauen hätte zwar sicherlich seinen eigenen hypnotischen Reiz gehabt, jedoch geriet ich stattdessen mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Dieser war ein ausgesprochen freundlicher, 26-Jähriger streng orthodoxer Jude aus Israel, der sehr begeistert von Deutschland war! Zuerst redeten wir darüber, dass seiner Meinung nach der HSV schlechten Fußball spiele, dann über die Vor- und Nachteile von Berlins Grünflächen – bis er einen akuten Themenwechsel zum Holocaust vollzog, und mich darüber ausfragte ob mir dieses Kapitel der deutschen Geschichte bekannt sei. Die Temperatur im Flugzeug nahm ca. 20 Grad ab, ich wusste absolut nicht was ich sagen sollte und versicherte ihm, dass jedem Deutschen bewusst wäre, was damals passiert ist. Ihm schien das Thema sichtlich zu gefallen, ich kämpfte Schweißausbrüche nieder und musste mir einen erleichterten Seufzer verkneifen als das Essen kam und wir unser Gespräch abbrechen mussten.
Das Essen war im übrigen erstaunlich gut, ich fühlte mich fast wie in der Mensa:
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Die meiste Zeit des Fluges vertrödelte ich mit Serien und Filmen, das Angebot war sehr gut und wann immer irgendeine Flugbegleitung vorbeikam wurde man förmlich mit essen beworfen – offensichtlich musste alles raus, ich will mich nicht beschweren! Mit einem kleinen Schläfchen im Rücken, kam Panama schneller als erwartet – und mit Panama kamen gleichzeitig Einblicke, in eine Welt ohne Ordnung und Regeln.

3. Abschnitt: Panama – Managua (PTY-MGA)

In Panama angekommen, war das erste was mir auffiel der Temperaturanstieg. War ich morgens trotz Pullover und Jacke unter leichtem frösteln in das Flugzeug gestiegen, so lief mir beim Öffnen der Flugzeugtüren bereits der Schweiß über die Stirn – es dämmerte zwar bereits, aber das Thermometer zeigte erbarmungslose 37 Grad. Während man in Paris vor einem riesigen Bildschirm landete, der alle Flüge und Verbindungen beleuchtete und erklärte, Spukte einen das Flugzeug in Panama mehr oder minder ins nichts. Es gab überall verteilt kleinere Fernseher, auf denen in unregelmäßigen Abständen verschiedene Informationen zu verschiedenen Flügen aufgezeigt wurden – diese Erinnerten mich Stark an die Fernseher auf denen Früher der Vertretungsplan in unserer Schule ablief. Ich ging das ganze zwar entspannt an, hatte ich doch mehr als 4 Stunden zeit um an dem winzigen Flughafen meine Maschine zu finden – die Fernseher zeigten aber sowieso MAXIMAL 2 Stunden im Voraus an, was meine Bemühungen relativ schnell erstickte.

Ich beschloss mir zunächst etwas zu trinken zu kaufen, hatte ich doch 90% meines Flüssigkeitshaushaltes zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschwitzt: Stellte sich nur noch die Frage, was für Geld man in Panama wohl verwendet? In dem ersten kleinen Laden den ich fand, gab es direkt riesige Wasserflaschen (800 ml aus einem Marmeladenglas, zumindest würde ich es damit am ehesten vergleichen) auf denen dummerweise kein Preis stand. Frohen Mutes sprach ich die Kassiererin mit „Excuse me, do you accept Us-Dollars around here?“ an. Ihrer perplexen Miene nach zu Urteilen, war ihr Englisch ungefähr so gut wie mein Französisch, aber sie antwortete „Us Dollar“ und zeigte auf das Wasser. Siegestrunken reichte ich ihr einen 10 Dollar Schein, sollte doch mein erster Kontakt mit den Einheimischen gleich ein voller Erfolg gewesen sein – sie gab mir 5 Us-Dollar zurück und fing an den nächsten Kunden zu bedienen. Gemessen am Preis meines Hamburger Flughafenwassers erschien mir das durchaus Fair, trotzdem konnte ich das Wasser nicht so richtig genießen – für den Preis hätte es wenigstens Eistee sein können! Die Stunden verstrichen und schließlich wurde auf einem der Fernseher mein Flug angezeigt: PTY-MGA, Gate 21a. Sofort machte ich mich zu besagtem Gate auf, dort saßen auch schon einige Leute und warteten (wie ich annahm) auf das Flugzeug – Selbiges war leider noch nicht auf dem Anzeiger des Gates, aber das konnte ja noch kommen! Als etwa eine Stunde Später, damit ca. eine Stunde vor Abflug immernoch kein Flug angeschrieben war, sprach ich eine Mitarbeitern am Gate an, ob dies denn (dem Bildschirm entsprechend) das Richtige Gate für meinen Flug sei. Sie begann nur zu lachen, fragte „Did you really trust those TV Screens around?“ und schickte mich zum gate 23a, wo mein Flug tatsächlich angeschrieben war. Julia hatte mich zwar bereits im Vorfeld gewarnt, dass ich mich nicht darauf verlassen sollte alles so geregelt vorzufinden wie in Deutschland, der Flughafen in Panama war jedoch eine harte Probe für meine Nerven. Am neuen Gate bestiegen wir nach einiger Wartezeit dann die Maschine Richtung Managua – ganze 30 Leute + Crew dürften sich meiner Zählung nach an Bord befunden haben (Auf der Pro Seite: Ich konnte mir alle Fensterplätze dieser Welt aussuchen, so weit von den Flügeln weg wie ich nur wollte). Der Kurze Flug nach Managua war soweit unspektakulär, auf ca. 3 Mitreisende kam eine Begleitung die nichts anderes zu tun hatte als uns mit Softdrinks zu füttern – ich fühlte mich wie im Himmel! (Hihi, weil Flugzeuge… Und Himmel… Nunja!) In Managua angekommen, wollten viele Leute meine Dollar, ich wusste zwar nicht warum aber dafür hatte ich sie ja – Später sollte ich erfahren, dass es sich um dubiose Einreisegebühren und ähnliches handelte! Ich bekam meinen ersten Stempel in den Nagelneuen Reisepass und einen kleinen Hitzeschock gratis dazu – In meiner Einfalt hatte ich doch tatsächlich angenommen, dass es angebracht wäre um 23:00 Uhr den Pullover wieder anzuziehen, weit gefehlt! Nach ca. 22 Stunden Reisezeit stapfte ich mit meinem Gepäck aus der Gepäckausgabe und wurde freudig von Julia und Eric empfangen – ein spannender Tag ging zu Ende, doch die größten Abenteuer sollten noch Folgen!