Mingalabar!

20161119-myanmar-inle-see-195Wir hatten uns drei Wochen Zeit für Myanmar genommen, viel mehr lässt die Visumsregelung auch nicht zu, und wollten eigentlich in touristisch wenig erschlossene Regionen vorstoßen. Letztendlich haben wir „nur“ die Touristenattraktionen in Yangon, Mandalay, Bagan und am Inle-See besucht und sind so froh, dass wir uns die Zeit genommen haben.

In Yangon unterhalten wir uns am Frühstückstisch mit einer Spanierin, sie kommt tatsächlich aus Mallorca und arbeitet ganz untouristisch als Sozialarbeiterin. Sie war vier Wochen in 20161123-myanmar-yangon-13Myanmar unterwegs und als wir sie fragen, wo sie überall war, zählt sie eine Batterie von Orten auf, deren Namen wir noch nie gehört haben. Toll, sie hat sicherlich viel erlebt und unvergessliche Eindrücke bekommen, aber wir sind trotzdem zufrieden mit 20161123-myanmar-yangon-18unserer Gemächlichkeit. Erst mal wird Eric seine Kräfte für den Jobbeginn am Donnerstag noch brauchen und außerdem wollten wir die Zeit haben, die Atmosphäre aufzusaugen, in Restaurants oder auf unserem Balkon zu sitzen, durch die Straßen zu schlendern und einfach die Leute zu beobachten. Und die sind in Myanmar eigentlich die Hauptattraktion – so freundlich, so ursprünglich, so eins mit ihren Traditionen. Die traditionelle Kleidung wird selbst von der Großstadtjugend noch getragen, die helle Thanaka-Paste schmückt die Gesichter der Frauen, bis auf die obligatorischen Taxifahrer ist kaum jemand auf p1010673Beschiss aus, die Leute wollen sich mit uns Ausländern unterhalten und vor den Tempeln musste ich das ein oder andere Mal für die Photoalben der Einheimischen posieren. Wo wir hinkamen, wir wurden mit einem herzlichen „Mingalabar“, – möge Segen über Dich kommen – gegrüßt. Myanmar ist nicht nur ein sehr freundliches, sondern auch ein sehr sicheres Land. Die tiefe Gläubigkeit der buddhistischen Bevölkerung ist sicherlich eine Ursache dafür.

Wäre es während unseres Aufenthaltes nicht zu massiven Übergriffen auf das Volk der Rohingya im Westen Myanmar gekommen, wir würden wahrscheinlich auch von der Toleranz und dem guten Funktionieren des Vielvölkerstaates schwärmen. Nur aus dem Fernsehen erfuhren wir, dass es an der Grenze zu Bangladesh zu Gewalttätigkeiten kam, die hunderte von Mitgliedern einer muslimischen Minderheit das Leben kostete und zu Massenvertreibungen führte. Da das Militär ausländischen Organisationen und der Presse den Zutritt zu dem Gebiet verweigert, gibt es lediglich Luftbilder von zerstörten Dörfern und Zeugenberichte. Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi äußert sich dazu nicht und wir hoffen, dass internationaler Druck etwas bewirken kann. Die Rolle des Militärs in Myanmar können wir nicht beurteilen, wir waren erstaunt, wie wenig Soldaten auf den Straßen zu sehen waren, aber das Militär hat eine Machtposition und die ist in diesem Konflikt nicht zu unterschätzen.

Myanmar ist eine Gesellschaft im Umbruch, das ist überall deutlich zu spüren. In Yangon wachsen die ersten Shopping Malls in den Himmel, auf den Straßen fahren deutsche Nobelkarossen und die neue Mittelschicht gibt sich selbstbewusst. Andererseits erzählt uns die nette Restaurantbesitzerin in Bagan, die uns nach dem Essen noch durch ihr Dorf führt, dass die Schulpflicht fünf Jahre beträgt. Die Lehrer sind so schlecht bezahlt, dass die Stellen in manchen Schulen über Jahre hinweg nicht besetzt werden können. In den Straßenrestaurants Yangons sehen wir Jungen, die nicht älter als 11 sein dürften, die bis in die Nacht unter dem Kommando eines rüden Chefs schuften.

„She is our biggest hope“ sagte der Taxifahrer in Yangon über Aung San Suu Kyi. Ich hoffe sehr, dass sie sich nicht nur auf den wirtschaftlichen Aufschwung Myanmars beschränkt, sondern das tut, wofür sie den Friedensnobelpreis bekommen hat, nämlich für den Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Diesem schönen Land und seinen herzlichen Menschen ist es sehr zu gönnen!

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See-Zeit

Wir wollten die gemeinsamen Tage in Myanmar geruhsam gestalten, da waren wir uns einig. Für Eric das letzte Luftholen vor dem Wiedereinstieg ins Berufsleben, für mich, weil ich’s gar nicht mehr anders gewohnt bin 🙂 Yangon, Bagan, Mandalay, vielleicht noch ein Strand, das war der Plan, aber wer braucht schon einen See, auf dem die Fischer mit einem Bein rudern? Dachten wir. Dann war aber das Angebot an Weiterflügen von Bagan doch etwas eingeschränkt und so entschieden wir uns für den Flughafen Heho, einen kleinen Ort in der Nähe des Inle-See, und Nyaung Shwe als Ausgangsbasis für die Seeerkundungen. Nach sechs Tagen hier können wir mal wieder sagen: alles richtig gemacht. Nyaung Shwe ist ein überschaubarer, freundlicher Ort mit gutem Essen und hervorragenden Massagen, es liegt zwar nicht direkt am See, aber an einem Zubringerfluss und hat genau die Gemächlichkeit, die wir gesucht haben.

20161119-myanmar-inle-see-199Wir mieten uns Fahrräder und radeln durch kleine Dörfer ans nordwestliche Seeufer. Viel Wasser sieht man zunächst nicht, es scheint, als ob rund um den See viel Schilf wächst. Unsere Wirtin hat uns empfohlen, irgendwann ein Boot anzuheuern, das uns und die Fahrräder auf die andere Uferseite bringt und das machen wir dann auch gegen Mittag. Das schmale Holzboot knattert zunächst durch eine Art von Kanäle, links und rechts viel Grün und uns wird langsam klar, dass es sich hier nicht um Schilf oder grüne Inselchen handelt, sondern schwimmende 20161119-myanmar-inle-see-202Gärten. Manchmal ist es doch ganz sinnvoll, ein wenig im Reiseführer zu lesen und so erfahren wir, dass der See berühmt für diese Anbauform ist. Auf einem Gemisch aus Wasserhyazinthen und Erde sehen wir vor allem, wo die leckeren Tomaten wachsen. Plötzlich öffnet sich der Kanal dann auf den offenen See. Und wir sehen, dass die berühmte Rudertechnik kein touristisches Spektakel, sondern die normale Fortbewegungsart der 20161119-myanmar-inle-see-152Fischer darstellt. Was für ein Anblick, der glitzernde See, die Fischerkähne, in der Entfernung ganze Dörfer auf Pfahlbauten, drumherum die grünen Gärten und in der Entfernung die Shan-Berge. Unser Bootsmann lässt uns an einem langen Holzsteg raus, wir schwingen uns wieder aufs Radl und fahren auf der Ostseite Richtung Nyaung Shwe zurück. Mittlerweile ist es Nachmittag und unsere Wirtin erwähnte ein Weingut, das sich wunderbar für den Sonnenuntergang eignen würde. Wein in Myanmar? Nach etwa zehn Kilometern sehen wir ein Schild, das nach rechts weist „Red Mountain Winery“. Wir folgen dem Pfad und stehen plötzlich mitten in den Weinbergen. Bei mir entsteht ein Bild vor meinem inneren Auge: ein eiskalter Riesling und dazu eine Käseplatte. Ach, ein bisschen vermisse ich Europa schon… Der Weg steigt an, wir sehen ein Haus, zu dem eine Treppe führt. Das muss sie sein, die Winery. Oben angekommen fühle ich mich kurz wie im Schwärzloch in Tübingen: auf Holzbänken und an Holztischen sitzen vorwiegend westliche Touristen, alle mit einem Glas Wein in der Hand, die Sonne produziert mittlerweile ein goldenes Spätnachmittagslicht, das die Weinreben p1010514-1und den See in der Ferne in Orangetöne taucht. Wir ergattern eine Bank ganz vorne, der Kellner bringt die Karte, wir bestellen Sauvignon Blanc und – ich kann es nicht fassen – sie haben eine Käseplatte! Die wird gleich zu einer der besten werden, die ich je gegessen habe, nach langem Käseentzug lasse ich den sicherlich objektiv nur mittelmäßigen Cheddar und Blauschimmelkäse im Mund zergehen als sei es feinster Roquefort und Gruyere. Der Wein hat eine ziemlich schwefelige Note, aber hier ist alles perfekt. Die Sonne versinkt hinter den Shan-Bergen, wir genehmigen uns noch einen Shiraz und treten äußerst beschwingt den Rückweg an.

Nach diesem ersten Vorgeschmack auf den See mieten wir uns einen Kapitän für einen p1010656ganzen Tag und starten früh am Morgen. Wir tuckern begleitet von Möwen über den Fluss, es ist ganz schön frisch und wir frösteln im Fahrtwind. Als wir an einer Werkstatt für Silberschmuck ausgeladen werden, sind wir zunächst etwas skeptisch: haben wir eine Kaffeefahrt gebucht? Aber dieser Besuch und die folgenden in einer Weberei, bei Zigarrendrehern und einem Schmied lassen uns staunen über die Ursprünglichkeit des Kunsthandwerks, für das
20161119-myanmar-inle-see-125die Seeregion berühmt ist. Unglaublich die Herstellung von Stoffen aus Lotus – die Stengel werden auseinander gebrochen, im Inneren befinden sich feinste Faser, die unendlich aufwändig zu einem Faden verdreht werden. Keiner drängt uns, etwas zu kaufen, die Menschen präsentieren stolz die alten Techniken, die hoffentlich noch lange erhalten bleiben.

20161119-myanmar-inle-see-167Im See gibt es mehrere Dörfer, Holzbauten auf Pfählen, eigentlich wunderbar idyllische Orte, wenn da nicht die knatternden Boote wären. Gut, wir sitzen selber in einem, aber der größte Teil scheint noch dem Transport von Waren und Passagieren zu dienen. Wir sind kurz froh, dass wir uns nicht in einem der recht exklusiven Hotels im See eingemietet haben – der Lärmpegel ist extrem hoch. Zwei leckere Seefische wandern am Mittag in unsere Bäuche und weiter geht die Fahrt vorbei an Häusern und Gärten, winkenden Kindern und freundlichen Fischern. Eine große Pagode mitten im See zieht die Gläubigen an und obwohl durchaus einige Touristen unterwegs sind, scheint alles noch fest in der Hand der Intha, der „Leute des Sees“, zu sein.

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Nach fast einer Woche in Nyaung Shwe haben wir uns fast schön häuslich eingerichtet. In unserem absoluten Lieblingsrestaurant Sin Yaw werden wir wie alte Stammgäste begrüßt, gleiches gilt für die Damen vom Massagesalon. Heute müssen wir Abschied nehmen. So gut, dass wir hier waren. So ein See kann schon etwas ganz besonderes sein.

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Druckpunkt

20161116-myanmar-iphone-38Am 16.11. sind wir von Bagan nach Heho gereist. Wir entschieden uns dazu, die Strecke mit dem Flugzeug zurückzulegen, da die Fahrt mit dem Bus unverhältnismäßig lange gedauert hätte. Eigentlich lieben wir es ja so zu reisen, wie es die meisten Menschen eines Landes tun. Aber die Tage sind nun doch schon knapp und vor allem ich möchte den Abschluss der großen Reise doch eher gemächlich ausklingen lassen. Also landeten wir nach gerade einmal vierzigminütigem Flug mit einer kleinen Propellermaschine in Heho. Der Flugplatz ist so klein, dass man über die Treppe aus dem Flieger steigt und einfach über das 20161116-myanmar-iphone-39Rollfeld zum Flughafengebäude läuft. Dort wartet man dann, bis nach kurzer Zeit einige Männer die zwei Wagen mit dem Gepäck heranrollen und die Koffer in das Gebäude stellen. Da braucht es kein Laufband. Es braucht beim Check-In auch keine Computer. Eine ausgedruckte Liste der Passagiere wird einfach nach und nach abgehakt und die Tickets von Hand ausgefüllt. Sitzplatz wird keiner eingetragen -jeder sucht sich den aus, der ihm gefällt -allerdings gab es auch mehrPlätze als Passagiere. Immer bekommt man einen Sticker ans Rever geklebt, anhand dessen die Flughafenmitarbeiter dann jederzeit wissen, wohin sie einen schicken müssen oder 20161119-myanmar-iphone-57wann sie einen dazu auffordern sollen, zu boarden. Das funktioniert in diesen beschaulichen Dimensionen alles wunderbar und so ist es ein recht entspanntes Fliegen.

Grundsätzlich sind die Burmesen sehr ehrlich und die Preise noch moderat. Aber wie überall sitzen mit die schamlosesten Menschen eines Landes hinter dem Steuer eines Taxis (ok, China und Japan sind hiervon ausgenommen). Jedenfalls haben die Fahrer schnell die Abhängigkeit der Touristen erkannt und fordern einfach einmal unerbittlich 2/3 mehr für die Fahrt vom Flughafen. Als der Fahrer dann noch wissen wollte, wann wir denn wieder zurückfliegen würden, um uns seine Dienste erneut anzubieten, da antworte ich ihm, dass wir dann ein günstigeres Taxi suchen würden. Ganz unschuldig reagierte er und eröffnete uns, dass das kein Problem sei. Für die Fahrt zurück zum Flughafen würde er ja auch den regulären Preis, also 15.000 Kyat statt 25.000 nehmen. Sehr pragmatisch 😃.

20161112-myanmar-iphone-20Arg viel haben wir dann nicht mehr unternommen. Wir liefen in den Ort hinein und nahmen noch eine Kleinigkeit zu uns. Was wir uns aber noch gönnten, das war am
Abend eine burmesische Druckpunktmassage. Und das ist teilweise so schmerzhaft wie es sich anhört. Mein Masseur widmete sich besonders meinen Beinen und zwickte und knetete an vielen Stellen. Leider hatte ich ausgerechnet da eine lange Hose an. Sie ist nun die am besten massierte Hose weit und breit… Aber nichtsdestotrotz kam genug der Massage auch bei mir an. Höhepunkt war, als der Junge einfach auf mir herumspazierte und so noch einmal jeden Muskel mit dem vollen Körpergewicht platt machen konnte. Ultimativ war dann allerdings der gezielte Stand in die Hauptblutzufuhr zunächst der Oberschenkel und dann der Oberarme. Das Blut gelangte für jeweils vierzig Sekunden nicht mehr an die Extremitäten, bis es dann mit einem Mal in sie hineinschoss!
Es tat gut, so sehr es nach Folter klingen mag.
Das müssen wir unbedingt wiederholen!!

Burmese delights

p1010424Wir müssen dann natürlich auch übers Essen in Myanmar sprechen.  Sonst wären wir ja nicht die Globonauten. So richtig hohe Erwartungen hatten wir nicht, in fast jedem Reiseführer findet sich die Aussage, das Essen sei nicht mit Thailand zu vergleichen, eher fettig, wenig scharf und so weiter. Tja, wenn man thailändisches Essen möchte, ist man – wen wundert’s – wohl am besten in Thailand aufgehoben. Aber kulinarisch darben muss man in Myanmar auf keinen Fall. Zunächst mal sollte man Hunger mitbringen, wenn man sich für ein burmesisches Curry p1010520entscheidet. Denn kaum hat man Huhn, Fisch oder Rind gewählt, wird der Tisch vollgestellt: sehr viel Reis, mehrere Schälchen mit Gemüse, scharfen Soßen, salzigen Pasten, was dem Koch sonst noch so einfiel und eben dem ursprünglich bestellten Curry. Dies ist meistens tatsächlich eher fettig, aber sehr aromatisch und selten auf Gemüsebasis: we need the vegetable for the side dishes, sagte mir die Bedienung in einem Straßenrestaurant. Aber er könne mir einen Tomatensalat machen. Gut, warum nicht. Und dann kam sie, meine kulinarische Entdeckung in Myanmar: eher grünliche Tomaten mit viel Zwiebeln, Knoblauch, ein paar grünen Chillies und einem wunderbaren Dressing aus zerstoßenen Erdnüssen und Limette. Wow!

Die Märkte quellen über vor leckerem Gemüse, die schwimmenden Gärten hier auf dem Inle-See sind eine Pracht, vor allem Tomaten scheint die Schunkelei auf dem Wasser zu gefallen und an den Hängen der Berge rund um den See gedeiht sogar Wein, der gar nicht mal so schlecht ist.

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Fisch gibt es eigentlich immer und meist aus dem regionalen Gewässer, an dem man sich gerade befindet. Der absolut beste wurde uns in Mandalay serviert – knusprig gegrillt, mit p1010317viel Knoblauch, hmmm! Aber auch er war nicht alleine, wir besuchten ein Restaurant mit Shan-Buffet und diese Volksgruppe aus dem nördlichen Myanmar ist dem feinen Essen sehr zugetan. Mindestens dreißig Töpfe mit allerlei Leckerem stehen zur Wahl, man sucht sich drei bis vier Gerichte aus und sie bringen es mit reichlich Reis und einigen Sößchen an den Tisch. Auch hier: unmöglich, alles aufzuessen! Preislich ist man mit Bier zu zweit bei unter zehn Euro, wie bei den meisten Restaurant-Besuchen hier. Ein Feschtle für den Schwabenmagen…

Die verschiedenen Volksgruppen in Myanmar sorgen für unterschiedliche kulinarische 20161119-myanmar-inle-see-130Genüsse. Die Shan haben es gerne mal scharf, am Inle-See ist viel frischer Ingwer im Spiel und wer dann doch nicht ohne Thai-Food auskommt, dem mixt man gerne Kokosmilch ins Curry. Gestern Abend hielt eine nette Familie auf der Straße an, Vater, Mutter, Kind auf dem Mofa, wir zu Fuß am dunklen Wegesrand. Der Mann wollte sich mal unterhalten, er möchte ein Restaurant eröffnen, am besten mit westlichem Essen, was wir denn davon halten. Hm, sagen wir, warum nicht burmesisch? Was wir denn zu indisch sagen würden, seine Eltern wären aus Nepal eingewandert. Oh, unbedingt, das soll er tun! Hoffentlich vertraut der Mann den Ergebnissen seiner Straßenbefragung. Wir hatten hier zwar durchaus auch schon mal Pizza, sie war gar nicht schlecht, aber kein Vergleich zu den einheimischen Köstlichkeiten, auch wenn sie asiatischen Migrationshintergrund haben.

Oh, und noch eine kulinarische Entdeckung darfp1010503 ich nicht unerwähnt lassen: Tamarinden-Flakes. In Bagan wurde uns nach dem Hauptgang ein Tellerchen mit – so dachten wir – Bonbons hingestellt. In dem weißen Papier befanden sich kleine runde Plättchen, die auf der Zunge zergehen. Sehr fruchtig schmecken sie fast ein bisschen wie äußerst feiner Traubenzucker und wir lieben es! Tamarinde und Zucker sind die Hauptbeteiligten, sagte uns der Kellner, und wir sind froh, uns in Bagan damit eingedeckt zu haben, denn es scheint eine dortige Spezialität zu sein, die wir am Inle-See nicht finden.

p1010428Wir haben in vielen Straßenrestaurants gegessen, mit offenen Küchen, ohne fließendes Wasser und mit Eiswürfeln unbekannter Herkunft. Magenprobleme hatten wir nie. Die Leute waren immer freundlich und freuten sich, dass wir ihre Küche mochten. Wir können also nur empfehlen, hier alle kulinarischen Köstlichkeiten mitzunehmen!

Land der tausend Pagoden

20161115-myanmar-bagan-292Bagan! Pagoden, so weit das Auge reicht. Ein sehr mystischer Ort und das absolute Highlight unserer bisherigen Reise. Aber der Reihe nach.

Wir verlassen Mandalay am frühen Morgen mit dem Boot – der Irrawaddy verbindet die 20161110-myanmar-bagan-39beiden Orte und scheint uns deutlich reizvoller als die holprigen burmesischen Straßen. An Bord bleiben die Touristen unter sich – de nervigen wie die netten. Eine kleine deutsche Reisegruppe hat sich sofort die besten Plätze draußen unter dem Sonnensegel, das zu dieser frühen Stunde auch als Regenschutz dient, gesichert. Eine Dame belegt gleich drei Plätze – auf einem sitzt sie, auf dem anderen ihr Rucksack und auf dem dritten ihr Fuß. Nein, hier sei nichts mehr frei und im übrigen gehörten ihr auch drinnen mehrere Sitze. Wenigstens sorgt sie damit dann gleich für Gesprächsstoff mit den anderen, ebenfalls deutschen Mitreisenden. Und bei acht Stunden Fahrtzeit freuen wir uns über die Gespräche mit netten Menschen aus Freiburg und Düsseldorf. Die Landschaft zieht vorbei und ein ganz klein wenig enttäuscht sind wir – der Fluss schlängelt sich unspektakulär durch die fast langweilige Ebene, aber Unterhaltung gibt es ja und unsere Kapitäne versorgen uns hervorragend erst mit Kaffee und Toast, später dann mit einem scharfen Curry. Wir kommen gut voran und gehen fast eine Stunde früher als gedacht von Bord. Immer noch kein Wow-Erlebnis, lange Verhandlungen mit der Taxifahrer-Mafia, wir teilen uns zu viert ein Auto und kommen im Dunkeln im Hotel an. Noch ist der Funke nicht ganz übergesprungen.

20161114-myanmar-bagan-221Den nächsten Tag gehen wir gemütlich an, laufen durch das staubige New Bagan mal in die eine Richtung zu einer Pagode am Fluss, mal in die andere zu einem schönen Restaurant, aber hm, so richtig faszinierend ist es immer noch nicht. New Bagan ist, wie es der Name vermuten lässt, eine Neugründung, und zwar eine zwangsweise – 1990 beschloss die Regierung, dass Old Bagan mit seinen archäologischen Haupttempeln geräumt werden sollte, um exklusiven Hotels Platz zu machen. Burma hat eine raue Vergangenheit…

Aber dann! Am 20161111-myanmar-bagan-64nächsten Tag schwingen wir uns auf eine chinesische Elektro-Vespa und düsen zu den Tempeln, die nicht fußläufig zu erreichen sind. Wir besteigen die Shwesandaw-Pagode und sehen zum ersten Mal, wie viele Tempel aus der Landschaft ragen – über 2000 sind es insgesamt. 20161111-myanmar-bagan-81Staunend stehen wir in der Hitze und können uns kaum losreißen von dem wunderbaren Blick. Kleine Pagoden, die eine 20161113-myanmar-bagan-173geheimnisvoll lächelnde Buddhafigur beherbergen, verfallene Klosteranlagen mit uralten Wandmalereien, goldene Stupas und große Tempelkomplexe, die meisten in goldbraunem Ziegelstein und die ältesten an die tausend Jahre alt. Bagan ist einerseits ein sehr historischer Ort, eine alte Königstadt des 11- bis 13. Jahrhunderts, aber andererseits eine sehr lebendige Stätte religiöser Verehrung. Dieser Eindruck entsteht nicht nur die vielen burmesischen Pilger, die sich nach den Gebeten neben den Tempeln zum Picknick niederlassen, sondern auch durch die Menschen, die neben und teilweise sogar in den Ruinen leben.
20161113-myanmar-bagan-185Stupas werden laufend neu erbaut, den bestehenden historischen Gebäuden ganz unhistorische Elemente, wie goldene Tempelspitzen, aufgesetzt, mehrere Erdbeben, zuletzt im August 2016, verändern das Gesicht der Anlage laufend. Bagan ist kein Weltkulturerbe, es gibt diverse politische Gründe dafür, aber uns wird klar, dass dieser Ort kein museumsgleiches Areal sein kann, sondern auch durch den steten Wandel lebt.

20161113-myanmar-bagan-189Am schönsten ist Bagan in den späten Nachmittagsstunden, das Licht lässt die Tempel und die Landschaft besonders golden leuchten und die Sonnenuntergänge sind absolut spektakulär. Das wissen aber nicht nur wir, sondern viele andere Touristen auch, weswegen auf den großen Tempeln schon ab halb fünf ein großes Gedränge herrscht, kurz vor fünf dann die letzten Reisebusse ankommen, wild in der Landschaft parken, keuchende Touristen die oberen Plattformen erreichen und hektisch nach 20161112-myanmar-bagan-170dem besten Platz für den Sonnenuntergang suchen. Klar, allen wäre es am liebsten, sie könnten die magische Abendstimmung einsam erleben, wir wissen es: wir stehen nicht im Stau, wir sind der Stau und 20161114-myanmar-bagan-213nur weil wir ohne Gruppe reisen, sind wir nicht die besseren Touris. Aber trotzdem brauchen wir einen anderen Ort und finden den eher zufällig auch auf dem Dach eines verfallenen Klosters neben einem winzigen Dorf freundlicher Menschen. Hier sind wir zwei Abende ganz allein, strecken uns ein Stündchen auf den warmen Steinen des 20161115-myanmar-bagan-258Daches aus und bekommen dann auch noch einen Supermond zu sehen, der uns fast den Atem raubt. Wir nehmen uns Zeit für Bagan und sind froh, diese auch zu haben – die hektischen Reisegruppen, die die Tempel im Schnelldurchlauf absolvieren, sehen zwar sicherlich etwas mehr, aber uns ist es egal, ob wir jetzt 2 oder 5 % der 2000 Gebäude besichtigt haben.

Und wie überall in Myanmar stellen wir fest, dass der Tourismus zwar bereits voll und ganz angekommen ist, die Atmosphäre aber trotzdem noch freundlich und gelassen bleibt. So viel Lächeln, Menschen, die uns so neugierig bestaunen wie wir sie: wir genießen Myanmar!

 

Barfuß in Mandalay

Globonauten reunited! 2007 hatten wir es fast nach Myanmar geschafft. In unseren Pässen prangte ein Visum, der Flug war gebucht und das Hotel ausgesucht – dann begannen die Unruhen, drei Tage vor Abflug entschieden wir uns gegen die Reise und landeten stattdessen last-minute-mäßig in Florida. Eine gute Entscheidung, lasen wir doch in der Zeitung, dass just im Traders Hotel , das wir buchen wollten, bewaffnetes Militär von Zimmer zu Zimmer gegangen war und nach Ausländern gesucht hatte. Myanmar 2016 scheint meilenweit von den damaligen Verhältnissen entfernt zu sein. Zwar ist immer noch ein Visum notwendig, das gibt’s aber komfortabel und schnell über’s Internet, Yangon ist auf dem Weg zu einer modernen asiatischen Metropole und der Tourismus boomt. Also, allerletzte Chance, noch ein klein wenig Ursprünglichkeit zu erleben und ein idealer Ort für eine Globonauten-Reunion!
Von Penang gibt es mittlerweile Direktflüge nach Yangon und nach kaum drei Stunden sitze ich schon im Taxi zum Hotel. Hm, aber irgendwas stimmt doch nicht. Wir fahren auf der rechten Straßenseite, müsste der Fahrer dann nicht links sitzen? Oder bin ich nach zwei 20161104-myanmar-yangon-06Monaten in Linksfahrländern schon so verwirrt? Ne, zu Hause schalte ich doch mit rechts, also sitze ich links. Und tatsächlich: in Myanmar wird immerhin schon seit 1970 rechts gefahren, die meisten haben das Steuer aber immer noch auf der rechten Seite. Die Straßen sind breit, die Autos modern, die Gebäude nicht sonderlich schön – ich habe mir Yangon viel traditioneller vorgestellt. Aber die Menschen: selbst hier in der größten Stadt des Landes tragen viele noch den traditionellen Lunghi, ein langer Wickelrock sowohl für Frauen als auch Männer. Dazu reiben sich viele Frauen und fast alle Kinder das Gesicht mit Thanaka-Paste ein,  die meist runden Muster zieren vor allem die Wangen.

20161105-myanmar-yangon-87Das Hotel liegt mitten in einem Wohngebiet, das ich kurz erkunde, nicht schön, aber original. In Ermangelung eines Cafés oder netten Restaurants zum draußen sitzen kaufe ich eine Flasche Wasser und stelle mir einen Plastikstuhl vors Hotel. Ein Stündchen später rollt ein Taxi heran, dem ein sehr müder Eric entsteigt: Globonauten reunited! Drei Wochen lang werden wir noch mal zusammen reisen, bevor er seinen neuen Job antritt.

20161104-myanmar-yangon-23Den nächsten Tag starten wir gemächlich mit einem Rundgang durch das koloniale Yangon. Teilweise sehr schön restaurierte, häufig aber stark verfallene Gebäude aus der britischen Kolonialzeit prägen die Innenstadt. In der Sule-Pagode, einem Zentrum der Proteste von 2007, bekommen wir einen ersten Eindruck von der Pracht der birmanischen Tempel. Aber das wahre Highlight folgt am nächsten Tag: die Shwedagon-Pagode. 20161105-myanmar-yangon-32Eine riesige Anlage rund um die zentrale goldene Stupa mit unzähligen Tempeln, Hallen und weiteren Stupas, gold- und edelsteinverziert von unglaublicher Pracht. Die Menschen verbringen den ganzen Tag hier, es wird gegessen, geschlafen und gebetet, gern auch telefoniert, die Anlage hat eigenes Wifi, eine sehr lebendige und 20161105-myanmar-yangon-35doch so spirituelle Atmosphäre. Wir umrunden staunend die große Stupa, was einige Zeit in Anspruch nimmt, flüchten vor der Mittagshitze in ein Restaurant gegenüber und kehren am späteren Nachmittag zurück, um den Sonnenuntergang hier zu erleben. Die Menschen strömen herbei, mittlerweile sind auch viele Touristen darunter, Pilgergruppen beten vor der großen Stupa und in der „Wunscherfüllungshalle“ konzentriert sich jeder auf seine persönlichen Anliegen. Nicht nur Scheinwerfer, sondern auch viele Kerzen erleuchten die goldenen Gebäude und wir können uns kaum trennen von diesem sehr besonderen Ort.

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Am nächsten Tag verlassen wir Yangon und fliegen in den Norden. Neue Fluglinien gedeihen gerade prächtig in Myanmar, unsere mit Namen Mann Yandarporn verfügt über gerade mal zwei Flugzeuge, aber einen außergewöhnlichen Service. Alle paar Minuten kommt die freundliche Stewardess mit 20161107-myanmar-mandalay-66Zeitungen, Getränken, einem kleinen Snack oder Erfrischungstüchern und nach anderthalb Stunden landen wir glücklich in Myanmar zweitgrößter Stadt. Als ich den Namen Mandalay das erste Mal vor vielen Jahren hörte, während wir im thailändischen Mae Hong Song auf unseren Flug nach Chiang Mai warteten, war für mich klar, dass ich hier unbedingt mal hinwollte. So ein hübscher Name kann doch eigentlich nur einer besonderen Stadt gebühren und dann sang Robbie Williams später auch 20161106-myanmar-mandalay-18noch von der Road to Mandalay. Leider ist es keine sonderlich hübsche Stadt, dieses Mandalay, eine recht neu, staubig und ohne echte Attraktionen, aber egal, ich war endlich da. Jedenfalls haben sie einen pagodenübersäten Berg, den wir in großer Hitze erklimmen, breite Straßen, auf denen es sich ganz passabel radeln lässt und ein überfordertes Abwassersystem. Als am Abend ein Wolkenbruch über die Stadt hinwegzieht, steht das Wasser 20 cm hoch in den Straßen. Da hilft nur Schuhe aus und durchwaten – zur Freude der Einheimischen, aber was macht ein hungriger Globonaut nicht alles, um zum leckeren Fisch zu kommen.

Und gar nicht weit entfernt, vor den Toren der Stadt gibt es einen ganz wunderhübschen Ort mit dem ep1010361her profanen Namen U Bein-Brücke, von der ich nicht wusste, dass sie wirklich existiert. Dass das Cover von „Der Glaspalast“ von Amitav Ghosh eine reale Brücke zeigt, die heute noch gut erhalten und zudem die längste Teakbrücke der Welt ist, war mir neu. Ganz ergriffen genieße ich den Sonnenuntergang und beobachte im Gegenlicht das Treiben auf der Brücke. Immer mal wieder gelingt es mir, die Horden von Touristen, die es mir gleich tun, auszublenden. Myanmar ist eindeutig kein Geheimtipp mehr. Aber doch so faszinierend und mit so vielen Eindrücken, dass das hier wirklich nur mal ein allererster und ganz unvollständiger Bericht sein kann.

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Nachschlag

20161104-myanmar-yangon-17Was soll ich sagen?
Aber nein -diese Frage ist natürlich dumm. Denn die Antwort kenne ich.
Die Antwort lautet: Alles richtig gemacht.
Richtig gemacht, die Reise zu unternehmen. Das Jahr unterwegs zu sein, so viel zu erleben und Neues kennenzulernen.
Richtig auch, meine alte Stelle gekündigt zu haben.
Denn das Glück ist mir hold.
Na gut, ein. bisschen was habe ich schon auch dazu beitragen, dass ich nun im Dezember wieder ins Berufsleben einsteigen werde und das mit einer Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Es tat sehr gut, die Resonanz auf meine Bewerbungsbemühungen zu erleben.
Als ich vorletzten Sommer aufbrach, da ging ich zwar davon aus, dass ich wieder einen Job finden würde, aber hätte mir jemand gesagt, was dann auf mich warten würde, hätte ich ihm einfach nicht geglaubt.
Genug geschwärmt -die neue Stelle muss sich ja noch als das bewähren, was sie verspricht zu sein. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Eigentlich weiß ich sogar, dass sie eine tolle Weiterentwicklung für mich darstellt.
Immer wieder gibt es Zeiten, da denke ich, das Leben gestaltet sich wie in einem extra für mich geschriebenem Drehbuch.
Dazu gehört auch, dass ich nun noch einen Monat Zeit habe, bevor ich wieder einsteige. Und was macht ein Globonaut mit solch einem geschenkten Monat? Na klar: er geht auf Reisen!
Und so sitze ich gerade im Flieger, der mich zunächst nach Bangkok bring, um zwei Stunden später noch einen kurzen Hüpfer nach Yangon in Myanmar hinzulegen und da dann Julia zu treffen. Für drei Wochen wird die Reise fortgesetzt. Juhuuu!
Alles richtig gemacht 😃.
Ich schwebe auf Wolke 7.
Ach ne – wohl eher 777.
Ist ja ’ne Boeing ✈️ in der ich sitze 😁.

Ich möchte ein Nyonya sein

Penang übt nicht nur auf mich einen p1010078besonderen Reiz aus, sondern zieht schon seit Jahrhunderten die unterschiedlichsten Menschen an. Die East India Company machte es 1786 zum wichtigen Handelsposten, aber schon vorher gab es Zuwanderer aus China, Indien, Burma, Thailand, Sri Lanka und anderen Teilen der Welt. Sie alle wurden hier heimisch, pflegten und pflegen aber ihre Kultur bis zum heutigen Tag. Das bunte und Bollywood-beschallte Little India ist ein Beweis dafür. Aber es gibt auch thailändische und burmesische Tempel, die älteste anglikanische Kirche Südostasiens und eine Vielzahl chinesischer Klanhäuser, von denen das Khoo Kongsi sicherlich das beeindruckendste ist. Die p1010114Angehörigen des Khoo Klans aus Südchina schafften sich hier ihre eigene kleine Welt, mit Wohnhäusern rund um einen Platz, einer Bühne für die chinesische Oper und eben dem Klanhaus als Kernstück, das aus einem prächtigen Tempel und den Versammlungsräumen besteht. Oppulent und stilvoll erfüllt der Bau alle Vorstellungen, die man vom alten China hat und obwohl ich noch nie dort war, behaupte ich jetzt einfach mal, dass er fast prächtiger und authentischer daherkommt als entsprechende Gebäude in China.

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Nicht alle Zuwanderer blieben allerdings unter sich. So mischten sich Chinesen und Malaien und es kam zu einer ganz wunderbaren Kultur, die noch heute in Penang eine große Rolle spielt – den Baba Nyonya. Sie scheinen das Beste von beiden Welten zu vereinen und das zeigt sich besonders in zwei Bereichen: dem Essen und den oppulent ausgestatteten Wohnhäusern.
Für mich ist die Nyonya Küche eine der leckersten der Welt. Wunderbar cremige Currys mit allem, was die malayische Gewürzküche hergibt, sind ganz typisch Nyonya. Bei uns kennt man vielleicht gerade noch Laksa, eine Suppe, die weiter im Süden auf Kokosmilchbasis und hier in Penang p1010019in einer leicht säuerlichen, eher klaren Variante serviert wird, aber Kari Kapitan, Huhn in einem zitronigen Kokossößchen oder meine ganz neue Eroberung Sambal Goreng mit Garnelen sind mindestens genauso lecker. Zum Glück ist mein Vermieter ein absoluter Foodie, er überreicht mir einen um seine Lieblingsrestaurants handschriftlich ergänzten Stadtplan, schreibt mir dazu zwei Zettel mit seinen Lieblingsgerichten und wenn ich dann abends satt und glücklich zurück ins Hotel komme, steht er ein paar Minuten später mit einer warmen Mandelmilch und Keksen als Betthupferl vor der Tür. Und manchmal, wenn er in Backlaune ist, gibt’s gen später dann noch ein Tablett mit Tee und Törtchen. „If you haven’t gained weight you haven’t been to Penang“ sagt der Hänfling grinsend und was ich in Sri Lanka gelassen habe, schleicht sich langsam wieder an.

Die Häuser der Baba Nyonya sind mindestens so p1010036überwältigend wie ihre Küche. Die Cheong Fatt Tze Mansion oder auch Blue Mansion hat es in fast jedes Einrichtungsmagazin der Welt geschafft und auch ich laufe staunend durch das wunderbar restaurierte Gebäude mit p1010029seinen knallblauen Wänden. Heute ist hier ein luxuriöses Hotel untergebracht, aber dreimal am Tag dürfen auch Normalsterbliche im Rahmen einer Führung eine Blick hineinwerfen.

Ganz anders das Konzept der Penang Peranakan Mansion. p1010182Hier hat man ein Nyonya-Wohnhaus so wiederauferstehen lassen, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben muss. Das Haus ist liebevoll restauriert und mit der ganzen Pracht ausgestattet, mit der sich die Bewohner damals umgeben haben. Es mischen sich traditionelle chinesische Elemente p1010144mit den modernen Errungenschaften der 20er-Jahre: eine Musiktruhe hier, ein Röhrenfernseher da, eine reichgedeckte Tafel im Erdgeschoss, ein schummriger Raum mit Opiumbetten weiter oben. Zwei Stunden wandele ich in der Pracht, kehre immer wieder in Räume zurück, in denen ich bereits war und staune auf’s Neue. Meist hat p1010168
der Handel die Baba Nyonya reich gemacht, aber sie wussten auch, ihren Reichtum für ein schönes Leben zu nutzen. Nach den von der Regierung forcierten Zerstörungen der 80er-Jahre, in denen Penang zu einem zweiten Hongkong oder Singapur werden sollte, hat sich Georgetown auf sein kulturelles Erbe besonnen. Der Weltkulturerbestatus aber auch das Engagement von Privatpersonen haben zum Glück dafür gesorgt, das einige der prachtvollen Gebäude im alten Glanz wieder erstrahlen. Die früheren Nyonya-Residenzen sind ein gutes Beispiel, aber auch die kleinen Häuser, wie die reizende Betel Nut Lodge, in der ich wohne, vermitteln einen wunderbaren Eindruck vom alten Penang. Und so kann ich mich noch ein paar Tage wie ein echter Nyonya fühlen.

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Penang Street Art

Ein kurzer Flug, gerade mal dreieinhalb Stunden, und schon liegt das schöne Sri Lanka hinter und das aufregende Malaysia vor mir. Kurz nach der Landung in Kuala Lumpur am frühen Morgen ist es dann endlich so weit: mein erster Kaffee seit drei Wochen! 14721528_10211032978400017_8970621289117998607_nJetzt nichts gegen die Kräutertees der letzten Tage und ayurvedisch gesehen ist Kaffee ja eher Teufelszeug, aber das ist schon ein ganz besonderer Genuss, auf den ich nicht verzichten will. Auf diese Weise gestärkt trete ich den zweiten Teil der Reise an und lande nach kaum einer Stunde auf dem Flughafen von Penang, einer Insel im Nordwesten Malaysias. Penang heißt zwar die ganze Insel, aber auch die Hauptstadt Georgetown wird meist so genannt und die ist mein Ziel. Die Betel Nut Lodge in der historischen Altstadt ist genau die richtige Wahl – nicht nur, dass sie mich um halb elf morgens schon ins Zimmer lassen, nach ein paar Minuten klopft es und ich bekomme eine Tasse Tee und ein wunderbares Kokostörtchen. Aber besser keine allzu lange p1000987Pause machen, sonst schlafe nur ein und kriege das mit der Zeitverschiebung nicht hin. Beim ersten Gang durch die Straßen bin ich vollkommen überfordert – diese Stadt ist so voller Atmosphäre, man weiß gar nicht, worauf man sich als erstes konzentrieren soll. Die wunderbaren chinesischen Tempel? Die restaurierten historischen Shophouses? Die Garküchen und Märkte? Der bunte Mix aus Chinesen, Indern, Malaien und Europäern? Die Straßenkunst? Ich beschließe, mir jeden Tag ein Thema vorzunehmen, sobald ich mich ein wenig orientiert habe.

Es ist heiß in den Straßen von Penang, obwohl das Meer so nah ist. Aber keine laue Brise wie in Sri Lanka sorgt für Abkühlung, sondern die Sonne brennt herunter und nach anderthalb Stunden habe ich erst mal genug – übernächtigt und durchgeschwitzt frage ich an einer Bushaltestelle, welcher Bus zur großen Shopping Mall fährt und fünf Minuten später werde ich klimaanlagengekühlt Richtung Einkaufszentrum chauffiert. Ich brauche dringend einen Schuhladen, nachdem sich Hannahs Hund in Sri Lanka über meine Sandale hergemacht hat als wir beim Tee saßen. Und so erstehe ich in Malaysia die ersten Birkenstocks meines Lebens und kann nach drei Tagen sagen, dass sie der erste richtige Durchbruch in Sachen Achillessehnen und Plantar Fasciitis zu sein scheinen. Damit würde sich dann einer der Wünsche, die ich in Sri Lanka gelassen habe, der Erfüllung nähern, aber ich will mich nicht zu früh freuen.

p1000932Nach einer langen erholsamen Nacht finde ich aber auch an Tag 2 in Penang noch kein echtes System, mit all den Attraktionen der Stadt umzugehen. Ich besuche das altehrwürdige Eastern and Oriental Hotel, weil ich ja so ein Fan von Kolonialhotels bin, schaue mich auf dem Friedhof von Penang um, dessen Gräber von dem harten und meist kurzen Leben der europäischen Siedler zeugen, laufe vorbei an Art Deco-Gebäuden, genieße leckere Curry-Nudeln an einem der vielen Straßenstände, fühle mich in Little India p1000951wie in Delhi, stehe fasziniert vor einer chinesischen Apotheke und bummle an der großen Moschee vorbei. Die Altstadt von Georgetown ist seit 2008 Weltkulturerbe und an kaum einem anderen Ort passt es so gut wie hier: so viele Weltkulturen sind hier vertreten oder haben ihre Spuren hinterlassen.

Relativ neu hinzugekommen ist die Street Art, für die Penang aber mittlerweile recht berühmt ist. Lebensechte Malereien an den alten Hauswänden, in die häufig ein realer Gegenstand eingebunden ist, sei es ein Fahrrad, ein Hausdach oder eine Schaukel. Die Stadt fördert diese Art der Kunst und vor allem die asiatischen Touristen sind ganz wild darauf, sich hier zu photographieren. Also lege ich heute das Augenmerk auf diese Wandgemälde. Oder vielleicht doch auf die chinesischen Tempel? Oder diesen schönen indischen? Oder wie wär’s mit dem gemütlichen Café dort an der Ecke? Das Hawkercenter gegenüber? Aah, so much to do in Penang…

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