Zwischen Tradition und Moderne – unser Fazit zum Oman

Zeit, Bilanz zu ziehen: Wie ist er so, der Oman als Reiseland?

Nicht mehr unentdeckt, aber nach wie vor exotisch. Die Zeiten des Geheimtipps sind allerdings vorbei. Zu den zahlreichen internationalen Touristen kommen viele Omanis, die ihr eigenes Land bereisen. An touristischen Hotspots wie Nizwa ist an manchen Stellen kaum ein Durchkommen, Deutsch, Französisch und Italienisch hört man überall. Das bringt allerdings auch Vorteile mit sich – tolle Hotels oder auch mal eine kleine Kulturüberraschung.

Am Fort von Nizwa

Der große Unterschied zu vielen anderen Reisezielen liegt in der Gelassenheit, mit der die Omanis diesem Andrang begegnen. Ein Bummel durch einen orientalischen Souk ohne aufdringliche Händler? Willkommen im Oman. Taxifahrertricks, überteuerte Restaurants an beliebten Orten? Fehlanzeige. Qualität, Freundlichkeit und Fairness scheinen hier erstaunlich selbstverständlich zu sein.

Weihrauch-Händler in Maskat

Reisen im Oman ist unkompliziert. Mit Englisch kommt man überall durch, und fast alle Aufschriften sind zweisprachig, in Arabisch und Englisch. Mit ganz reizenden Übersetzungen – am liebsten mochten wir „Sale of Foodstuff“, als Hinweis auf kleine Lebensmittel-Lädchen.

Die Straßeninfrastruktur ist hervorragend und zumindest außerhalb von Maskat auf deutlich mehr Verkehr ausgelegt als tatsächlich vorhanden. Ein dichtes Netz an Radarkontrollen und empfindliche Strafen halten Raserei in Grenzen, Parken ist selten ein Problem. Mit Kamelen auf der Straße muss man in ländlichen Gegenden rechnen – die größere Gefahr besteht aber darin, an einer der zahlreichen Temposchwellen aufzusetzen. Die ein oder andere haben wir übersehen, aber es ging gut. Benzin ist günstig, das Tankstellennetz dicht. Aber Obacht: Schmutzige Autos sind verboten, und allzu wüstenverstaubte Fahrzeuge können tatsächlich von der Polizei eingezogen werden.

Es sind vor allem die Menschen, die den Oman so besonders machen. Ihre Freundlichkeit ist zurückhaltend, herzlich und stilvoll. Selbst das Arabische klingt hier weich und elegant. Männer in blütenweißen Dishdashas, dazu bestickte Kappen oder Turbane, Frauen meist in schwarze Umhänge gehüllt – mal mit, mal ohne Verschleierung. Wir hören, dass das vor zwanzig Jahren noch anders war, Frauen bunte, elegante Kleider trugen, doch durch den Einfluss Saudi-Arabiens sei das in den privaten Raum verdrängt worden. Trotzdem sind Frauen im Alltag ganz selbstverständlich präsent. Väter kümmern sich auffällig oft und liebevoll um die Kinder, mehr als wir es in anderen arabischen Ländern beobachtet haben. Und Anmache oder blöde Sprüche gegenüber Ausländerinnen haben wir nicht erlebt.

Zurückhaltung und Stilsicherheit finden sich auch in Architektur und Design wieder. Gedeckte Farben, klare Linien, traditionelle Formen – kaum Kitsch, viel Geschmack.

Und der Oman duftet. Wirklich überall. Vor Geschäften und auf der Straße, selbst in Behörden brennt Weihrauch. Die Quaste an der Kleidung der Männer hat nur einen Zweck – in Parfüm getaucht zu werden. Duftstände sind allgegenwärtig und bei Amouage, dem omanischen Parfümklassiker, testen wir uns durch eine ganze Welt orientalischer Wohlgerüche.

Im Souk

Der Oman ist ein wohlhabendes Land: Erdöl und Gas als Grundlage, erneuerbare Energien als Zukunftsstrategie. Politisch ist er eine absolute Monarchie ohne Parteien, doch vieles deutet darauf hin, dass der Sultan es gut meint mit seinen Untertanen. Der Staat investiert in Infrastruktur und Lebensqualität: Bibliotheken, Oper, Schulen, Universitäten, Sportzentren, gepflegte Wohnviertel. Platzmangel kennt man hier nicht – großzügige Grundstücke, wenig Hochhäuser, saubere Städte, zuverlässige Strom-, Wasser- und Internetversorgung.

Anders als Dubai, das mit futuristischen Superlativen beeindrucken will, verbindet der Oman Moderne mit Tradition. Architektur, das Festhalten an traditioneller Kleidung oder auch die Weihrauchkultur schaffen einen ganz eigenen Stil.

Entdeckungen in Al Hamra

Und dann das Essen. Der Oman scheint sich aus vielen Küchen das Beste herausgepickt zu haben. Brot in allen Varianten – knusprig, fluffig, frisch aus dem Ofen – gehört immer dazu. Datteln sind Grundnahrungsmittel und Symbol der Gastfreundschaft. Sie sind so wichtig, dass jedes Fort über große Dattellager verfügte, zum Verzehr oder auch mal flüssig als kochendheiße Waffe gegen eindringende Feinde. Fleisch spielt eine große Rolle: Hähnchen, Lamm, Ziege oder Rind, meist gegrillt und hervorragend zubereitet. Alles kann sorglos verspeist werden – die Kontrolle in den Restaurants ist streng, es geht sehr hygienisch zu und wir hatten keinerlei Magenprobleme. Beeindruckt haben uns auch die großen Supermärkte: ein Überfluss an frischem Fisch, Brot, Obst – nicht eine Mangosorte, sondern sechs –, dazu ein riesiges Sortiment an omanischen und internationalen Produkten.

Auch preislich bleibt der Oman moderat. Kein Billigreiseland, aber gut erschwinglich: Schöne Hotelzimmer für etwa 80 Euro, ausgezeichnetes Essen für 8–10 Euro, Mietwagen ohne Allrad ab rund 40 Euro pro Tag, Benzin kostet etwa 55 Cent pro Liter. Wir haben den fehlenden Allradantrieb nicht vermisst. Bräuchte man ihn in den Bergen oder in der Wüste, wird ein Abholdienst organisiert. Westlicher Kaffee und Eintrittspreise bewegen sich auf westlichem Niveau. Auf ein kühles Bier zum stimmungsvollen Sonnenuntergang muss man fast überall verzichten – wir haben kein einziges Hotel oder Restaurant entdeckt, in dem Alkohol ausgeschenkt wurde. Wozu auch – die überall angebotenen frisch gepressten Fruchtsäfte sind hervorragend.

Unser Fazit nach zwei Wochen und rund 1.000 Kilometern: Der Oman verbindet Tradition mit hohem Lebensstandard, orientalisches Flair mit erstaunlicher Zugänglichkeit. Ohne Abzocke, ohne Aufdringlichkeit, mit sehr viel echter Freundlichkeit. Hinter die gesellschaftlichen Kulissen konnten wir in dieser kurzen Zeit nicht blicken – etwa auf die Situation vieler ausländischer Arbeitskräfte besonders aus Pakistan oder die politischen Strukturen ohne Parteien. Als Reiseland jedoch können wir den Oman uneingeschränkt empfehlen.

Blick auf die Altstadt von Al Hamra

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