Melbourne – es geht los!

Seit fünf Wochen touren wir durch Australien – und das in einer Intensität, dass mir doch tatsächlich die Schreibe ausgegangen ist. So ein riesiges Land, so viel zu sehen, hinter jeder Ecke ein neues Erlebnis – da kommt man kaum zum Nachdenken, geschweige denn zum Aufschreiben. Aber jetzt – der Anfang muss unbedingt gemacht werden, bevor sich die vielen unglaublichen Eindrücke verflüchtigen.

Da war zunächst – und überaus beeindruckend – Melbourne. An vielen Ecken sehr europäisch, recht historisch, fast wie im britischen Mutterland. Die Menschen hingegen zeigen deutlich – hier sind wir auf der anderen Seite der Erdkugel. Wir dachten, wir hätten Asien hinter uns gelassen und finden fast die gleiche Mischung von Ethnien wie in Singapur  – über 40% der Melburnians, die im Stadtzentrum leben, haben asiatische Wurzeln.

Melbourne – alt und neu

Melbourne hat eine sehr coole Atmosphäre – historische Fassaden aus klassisch britischer Zeit treffen auf moderne Neubauten –  mal mehr, mal weniger gelungen. Dazu kommen sehr viele junge Menschen, Restaurants, Bars, Cafes, laute Straßenmusik und das, was man hier Street Art nennt – die Graffitits in manch spelunkiger Nebenstraße würden bei uns schlichtweg als Schmiererei gelten. Interessant werden die Gassen dadurch, dass sich hier trotz der mittelmäßig einladenden Umgebung kleine Restaurants und Bars befinden, in denen zur Mittagszeit anzug- und kostümtragende Angestellte einen spannenden Kontrast zur Umgebung schaffen.

Die Innenstadt ist relativ kompakt und gut zu Fuß zu erkunden. Die kostenlose Tram – welch  grandiose Idee – nehmen wir gar nicht in Anspruch, trotz immer wieder einsetzenden Regens und recht frischer Temperaturen, sobald sich die Sonne hinter Wolken versteckt. Haben wir uns mit dem australischen Spätsommer doch die falsche Jahreszeit ausgesucht? Aber wie uns unser Taxifahrer erklärt hat, hier gilt „four seasons in a day“ und damit hat er absolut recht. Trotzdem kaufe ich mir bei erster Gelegenheit ein warmes Sweatshirt und bin jetzt australientauglich.

Australia here I come!

Wir schlendern durch wunderbare Passagen aus viktorianischer Zeit, mindestens ebenso beeindruckend wie die Leipziger Höfe. In einer der art-déco-verzierten Arkaden treffen wir auf eine Britin, die zweifelnd vor den Aufzügen steht. Ob man da wohl man hoch darf, nur mal kurz gucken? „Probieren wir’s aus“, sage ich und drücke den Knopf. Wir nehmen uns mehrere Stockwerke vor, überall erwarten uns ähnlich opulent dekorierte Gänge. Wir wünschen uns gegenseitig eine gute Reise und erobern die Stadt weiter.

Der Bahnhof Flinders Street, der verkehrsreichste der Stadt, das Melbourne Museum in den Carlton Gardens, die State Library Victoria mit ihrem grandiosen Lesesaal, Kirchen wie im britischen Mutterland, Essen aus allen Ecken Asiens und viel Tempo – dieses Stadt brodelt.

Bahnhof Flinders Street
Der Lesesaal der State Library Victoria

Bei Aldi – den durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen – sprechen uns zwei junge Mädels aus Deutschland an. Sie sind erst gestern angekommen, noch etwas verloren in dieser pulsierenden Stadt und froh, Deutsch zu hören. Fünf Monate wollen sie hier studieren, und der Neid packt mich. Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums – bei mir hatte es nur für einen Ausflug nach Niedersachsen gereicht. Mit ihrer Kommunikationslust sind die beiden in jedem Fall im richtigen Land gelandet. 

Zwei Tage haben wir in Melbourne, wahrscheinlich zu wenig, aber wir sind auf ein anderes Abenteuer aus: einen Roadtrip von epischer Länge, Melbourne bis Perth, 6000 Kilometer vorwiegend entlang der südaustralischen Küste, durch drei Bundesstaaten und vier Zeitzonen. Und erstmals nicht nur mit dem PKW, sondern mit einem Campervan. Geplant war das nicht, Eric kam plötzlich im Oman auf die Idee, informierte sich und schwupps, hatten wir gebucht. Absolute Premiere für uns, ob es uns gefällt, wird sich zeigen. 

Also atmen wir ein letztes Mal Großstadtluft und machen uns auf in die Weiten Australiens.

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