Ich muss es mir eingestehen – ich bin alt geworden. Und nicht nur ich. Allerdings wehrt sich mein Reisepartner hartnäckig gegen diese Erkenntnis. Doch ganz der Wahrheit entziehen kann sich auch Eric nicht. Denn dieses Älterwerden fängt an, sich sogar auf unsere Reisen auszuwirken.
Nicht nur, dass unsere Medikamentenvorräte inzwischen spürbar Platz im Reisegepäck beanspruchen und wir uns angesichts der erklecklichen Mengen vorsorglich von unseren Ärzten einen Freibrief haben ausstellen lassen, um nicht in den Verdacht des Drogenschmuggels zu geraten. Nicht nur, dass wir angesichts zunehmend morscherer Knochen bis kurz vor der Abreise bangen mussten, ob uns der Doc überhaupt die Lizenz zum Reisen erteilt. Und nicht nur, dass wir die für nächstes Wochenende bereits gebuchte stundenlange Busfahrt durch die arabische Wüste kurzerhand gegen einen angenehm kurzen Flug eingetauscht haben.
Nein, am erschreckendsten ist für mich etwas anderes: Ich habe spürbar an Coolness verloren. Nicht, was das Reisen an sich betrifft. Sondern die noch schlecht zu stoppenden Gedanken an das, was ich zurücklasse. Die Sorge um die Wohnung, die bei winterlichen Temperaturen einsam vor sich hinfriert, raubt mir doch tatsächlich die letzte deutsche Nachtruhe. Am Morgen sieht alles deutlich rosiger aus – ich weiß um hilfsbereite Freunde und aufmerksame Nachbarinnen, die sich kümmern werden. Doch noch fällt es mir schwer, gedanklich wirklich loszulassen. Und die Irritation über diese plötzlich aufgetauchten Ängste macht es nicht gerade leichter.
Übernächtigt und noch nicht ganz unbeschwert starten wir in den verschneiten Stuttgarter Morgen.
Die S-Bahn lässt uns auch heute nicht im Stich – bereits eine Stunde nach Betriebsbeginn hat sie ihre Standardverspätung von zehn Minuten erreicht. Aber egal, wir haben gut geplant und sind zudem quasi Business-Class Passagiere mit Priority wo es nur geht. Allerdings bei Eurowings – BizClass heißt das erstaunlich günstige Angebot mit angenehmer Beinfreiheit, Essen und Trinken satt, während in den Reihen hinter uns die Kreditkartenmaschine rattert, und einem riesigen Entertainment-Programm – bestehend aus einem Rätselheft. Doch der Rotwein aus der Plastikflasche, serviert im Kaffeepappbecher, trägt später dann durchaus zur Hebung meiner Laune bei.
Vor dem Start rollt die Maschine noch zur Enteisung – ganz faszinierend, bis der Sprühstrahl unser Kabinenfenster trifft und rostrote Streifen auf der Scheibe hinterlässt als würde uns ein Schaummonster einspinnen. Fangen so nicht Horrorfilme an?
Der Schaum verzieht sich, der Start glückt, die winterliche Kälte lässt sich von hier oben nur noch ahnen und wird uns die nächsten Monate hoffentlich gestohlen bleiben.
Mangels irgendwelcher Bildschirme in der Kabine können wir nur ahnen, über welche verschneiten Berge wir gerade schweben, aber egal. Mit jedem zurückgelegten Kilometer schwinden die Sorgen ein bisschen und so ganz langsam steigt die Freude – auf ein arabisches Abenteuer!







