Unser Vanlife-Abenteuer liegt gerade einmal zweieinhalb Wochen zurück – und doch fühlt es sich schon erstaunlich weit weg an. Zeit und Abstand also genug, um Bilanz zu ziehen: Wie kamen wir mit dieser ganz anderen Art des Reisens – und eigentlich auch des Lebens – zurecht? Was hat uns begeistert, was weniger? Und vor allem: Würden wir es empfehlen, auch für Späteinsteiger wie uns?
Der Van
Unser Zuhause auf Rädern war ein ausgebauter Fiat Ducato – mit allem, was man wirklich braucht. Ein richtiges Bett, das weder aufgeklappt werden musste noch über der Fahrerkabine hing. Ein kleiner Wohnbereich mit Klapptisch, dazu ein Sitz, der durch das einfache Umdrehen von Fahrer- und Beifahrersitz zur gemütlichen Sitzgruppe wurde. Außerdem eine Küchenzeile mit Kühlschrank, Gasherd und Spülbecken sowie ein Mini-Bad, in dem man theoretisch hätte duschen können – haben wir aber nie getan. Auch die Toilette war ausschließlich Erics Refugium; ich fand immer ein anderes stilles Örtchen.
Unser Fahrer war Eric – und das hat für uns beide gepasst. Ich hatte großen Respekt vor Linksverkehr und Fahrzeuggröße, er dagegen meisterte beides mit beeindruckender Gelassenheit und hatte Spaß dran. Selbst das Parken war kein Problem. Volle Punktzahl für also von Eric für diesen Van – und von mir für Eric als Fahrer 🙂
Ausstattung und Komfort
Für uns war die Ausstattung perfekt: funktional, durchdacht, nichts Überflüssiges. Das Fahrzeug ließ sich rundum mit Jalousien verdunkeln – nicht alle mehr ganz taufrisch, aber durchaus in Ordnung. Für die Windschutzscheibe gab es einen maßgefertigten Vorhang zum Anknöpfen: hat super funktioniert. Einzig die fehlende Möglichkeit, sich im Bett anzulehnen, war etwas unbequem – aber das kleine Fenster, das das verhinderte, entschädigte jeden Morgen mit wunderbaren Ausblicken. Die Fahrerkabine war nicht vom Rest des Fahrzeugs abgetrennt, was einerseits praktisch war, andererseits die Lautstärke während der Fahrt im großen Gefährt manchmal nervig machte. Insgesamt aber waren wir superzufrieden mit Funktionalität und Komfort.
Überraschend unkompliziert war das Ankommen auf den Campingplätzen: Strom anschließen, Wasser verbinden, Tisch und Stühle raus – fertig in fünf Minuten. Der Aufbruch am nächsten Morgen ging ähnlich schnell, und das Verstauen aller Dinge – damit nichts klappert oder zu Bruch geht – wurde bald Routine.

Aber – wenn der Van einmal steht, haben wir ihn nicht mehr bewegt. Kurz mal in die Stadt zum Essen oder eine kleine Abendrundfahrt? Für uns zu umständlich – alles abdocken und einpacken. Vielleicht einer der wenigen Nachteile gegenüber einem PKW.
Campingplätze
Die Welt der australischen Campingplätze ist eine besondere. Vom riesigen Platz mit halbem Freizeitparkcharakter über die naturnahen mitten im Wald bis zu kleinen unspektakulären Anlagen, die aber engagiert geführt werden. Und zwischendrin die „Roadhouses“, irgendwo am Highway, eine Kombination aus Tankstelle, Minimarkt und Übernachtungsmöglichkeit, mit ganz besonderem Flair.
Auf genau 30 Plätzen haben wir übernachtet. Unsere Favoriten waren:
- Bimbi Park: Natur und Koalas in den Otways, toll trotz schlecht gelaunter Rezeptionisitin
- Fraser Range: Ein Traum nach dem Nullarbor
- RAC Karri Valley: Kängurus satt im Karri Wald
- Tathams Caravan Park: Der letzte Platz unserer Reise, mit Vintage-Charme und so viel Atmosphäre.
Weniger überzeugend waren die engen (z.B. der Discovery Park in Coffin Bay) und die überfüllten Plätze (z.B. Kennett River Park, zu voll, zu laut oder der Tasman Holiday Park in Albany, zu voll und auch noch mit Baustelle).

Und die Spontanität? Ja – aber mit Einschränkungen. Viele Campingplätze sind gerade an Wochenenden lange im Voraus ausgebucht. Mit Apps wie Wikicamps und Campermate fanden wir aber fast immer noch kurzfristig einen Platz. Aber – Planen ist erforderlich.
Erstaunlich jedenfalls, dass in einem so großen Land das Bedürfnis, auf Campingplätzen kuschlig nebeneinander zu leben, so ausgeprägt zu sein scheint. Aber trotz aller Nähe: Um spätestens 22 Uhr wurde es überall ruhig – darauf konnte man sich verlassen.
Die Ausrüstung australischer Campingfreunde ist beeindruckend: Boote, Outdoorküchen, Angelgeräte und Vans von gigantischen Ausmaßen. Für viele, meist Ruheständler, ist Camping längst zu einer Lebensform geworden. Seit zwei Jahren seien sie jetzt unterwegs, berichtet der entspannte ältere Nachbar in Salmon Gums, bisschen rumfahren, Angel ins Wasser, was will man mehr, sagt er und grinst. Richtig so.

Und was nie fehlen darf auf einem australischen Campingplatz – reichlich Barbecue-Gelegenheit. Wir haben uns auch das ein oder andere Mal daran versucht und auch wenn wir wohl nie das perfekte Steak hinbekommen werden, war alles lecker!

Was wir nicht nutzten, war die Möglichkeit des „Self Contained“-Campens, also außerhalb offizieller Plätze zu übernachten. Uns fehlte schlicht die Sicherheit: Reicht das Wasser, was tun ohne Strom? Vielleicht das nächste Mal.
Denn auch in Australien ist das freie Stehen am Strand Wunschdenken – viele Nationalparks erlauben es nur mit Allradfahrzeugen und auf ausgewiesenen Flächen. Trotzdem: Das nächste Abenteuer kommt bestimmt!
Anbieter und Kosten
Den Camper fanden wir nach einer langen Recherchenacht schließlich bei einer schwäbischen Firma – der Camperoase im Remstal. Von dort fühlten wir uns bestens betreut und mit praktischen Tipps versorgt. Der australische Anbieter Cruisin’ Motorhomes, bei dem wir den Van tatsächlich mieteten, erwies sich als echtes Service-Wunder: Sowohl eine Reifenpanne als auch ein kleiner Steinschlag wurden professionell und kostenlos im Rahmen unserer Rundum-Sorglos-Versicherung behoben. Würden wir jederzeit wieder nehmen!
Rechnet man alles zusammen – günstigerer Mietwagen plus teure Hotels und Restaurantbesuche versus Van plus moderate Campinggebühren und Selbstversorgung –, war das Vanlife für uns nicht teurer als ein normaler PKW. Zumal die Spritpreise zu Beginn unserer Reise noch erfreulich niedrig waren.
Van contra Zelt
Es gab nur einen Roadtrip, den wir fast noch ein bisschen abenteuerlicher fanden, und das war unsere Reise durch Namibia 2023. Auch in Australien haben wir schon gezeltet, auf unserer Reise 2016 von Perth hoch in den Norden. Also, Vergleichsmöglichkeiten haben wir.
Zelten fühlt sich direkter an, näher an der Natur. In Namibia war das klasse, denn oft hatten wir den riesigen Zeltplatz ganz für uns allein, Natur pur und echtes Wildnisgefühl. Aber eben auch dem Wetter ausgeliefert. Im Van macht man einfach nur die Tür zu, wenn es anfängt zu regnen.
In Australien kommt man sich mit seinem Zelt zwischen den vielen Wohnmobilen eher verloren vor. Es gibt sie, die einsamen Spots in Nationalparks, aber die hätte man auch mit dem Van anfahren können.
Der Van bringt zudem die Ausrüstung komplett mit, kein Kaufen und später wieder Loswerden von Zelt, Matratze und Kochgeschirr. Dafür bleibt man meist stationär: Für einen Ausflug in die Stadt alles abdocken? Für uns dann doch zu umständlich. Beim Auto plus Zelt geht das deutlich leichter.
Deswegen – für Australien würden wir uns immer wieder für den Van entscheiden, in Namibia liegt für uns das Zelt vorne.

Unsere Bilanz
Am Anfang hätten wir nicht geglaubt, wirklich jede Nacht im Van zu verbringen. Mal in ein Hotel mit eigenem Bad, diese Idee kam uns nicht ein einziges mal in den Sinn. Zu gemütlich war das Bett, zu schön das Gefühl, morgens die Tür zu öffnen und direkt in der frischen Luft zu stehen. Und selbst die Gemeinschafts-Duschen und -Toiletten gingen uns nicht auf den Geist. Gut, ab und an wären wir abends gerne noch mit dem Auto losgefahren, waren dann aber zu faul, alles einzupacken. Aber – dann eben zu Fuß.
Daher hier unsere Hitliste der Vorteile von Vanlife
- Die private, gemütliche Welt im Inneren des Vans,
- die unmittelbare Nähe zur Natur
- fünf Wochen in kurzen Hosen und barfuß,
- dieses freundliche Gefühl von Freiheit und Abenteuer
- und für mich ganz oben: die wohltuende Erkenntnis, auf kleinstem Raum sehr zufrieden sein zu können. Ein paar Klamotten, etwas Geschirr, ein Kulturbeutel und ein bisschen Elektronik – mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.
Nachteile? Hm… fallen uns da wirklich welche ein?
Deswegen – eine Riesenempfehlung!




