Ab jetzt sind wir zu dritt. Unser Zuhause auf Rädern für die nächsten fünf Wochen ist ein ziemlich pfiffig ausgebauter Fiat Ducato. Sechs Meter lang, hinten ein überraschend großes Bett, überall Fächer, in denen fast unser kompletter Kofferinhalt verschwindet, dazu eine Küchenzeile und sogar ein kleines Bad. Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich komplett drehen und plötzlich haben wir ein Wohnzimmer. Acht Quadratmeter zu zweit reichen erstaunlicherweise vollkommen.
Dazu gibts zwei Aussie-Outdoorstühle mit Bierdosenhalter und einen Klapptisch – wir sind bereit!
Bei Aldi füllen wir die Vorräte auf – Lebensmittel können in Australien kräftig zu Buche schlagen, hier stimmen Preis und Auswahl, also bleiben wir in diesem Punkt ganz deutsch.

Unser erster Stopp liegt nur etwa 50 km von Melbourne entfernt in Breamlea, ein kleiner, etwas altmodischer Campingplatz am Meer, genau richtig zum Eingewöhnen. Und zum Glück nah genug an der Zivilisation, denn beim Blick auf einen unserer Reifen kommt mir unsere Tour durch Namibia in den Sinn – damals war Reifenkontrolle tägliche Pflicht, zweimal mussten wir zum Flicken. Und sieht unser Hinterrad nicht auch diesmal etwas schlaff aus? Wir telefonieren mit der Mietwagenfirma, schicken Bilder, und ja – den sollte man tauschen. Geht ja gut los, aber besser hier als irgendwo im Nichts.
Der Service unserer Mietwagenfirma überzeugt – am nächsten Morgen rollt pünktlich der Reifenmann an, schraubt, prüft, überlegt kurz und zaubert dann einfach einen neuen Reifen aus seinem Wagen hervor. Problem gelöst, ohne Werkstatt, ohne Warten. Wir drücken ihm dankbar ein paar Dollar in die Hand. „Are you sure?“ fragt er, Trinkgeld ist in Australien unüblich. Uns egal, wir sind einfach erleichtert, sofort weiterdüsen zu können.

Hinter Torquay beginnt die Straße, wegen der wir hier sind. 243 Kilometer lang windet sie sich entlang der Südküste des Bundesstaats Victoria. Menschenleere Traumstrände, wilde Brandung, das Meer in strahlenden Türkistönen, wasserumtoste Kalksteinfelsen vor der senkrecht abfallenden Steilküste – uns wird klar, warum jährlich über sieben Millionen Menschen diese Straße befahren wollen in einem Land, das insgesamt gerade einmal 25 Millionen Einwohner hat.
Was sich auf der Straße selbst an Besuchern noch verteilt hat, drängt sich auf dem Kennet River Campingplatz Wohnwagen an Campervan. Und wir mittendrin. Hinter uns eine Gruppe ziemlich rücksichtsloser Chinesen, die den Abend deutlich lauter genießt als wir. Am frühen Morgen gehört der Ort uns allein. Wir laufen zum Fluss, Kaffeebecher in der Hand, zwitschernde Vögel um uns herum und dann hoppeln Kängurus an uns vorbei.

Die Great Ocean Road wird hier kurviger und enger. Die Straße windet sich in Serpentinen den Berg hinauf, links das Meer, rechts der Fels. Für den uns ansonsten souverän steuernden Eric eine ziemliche Herausforderung – ein noch ungewohntes Auto, ordentlich Gegenverkehr und eine schreckhafte Julia auf dem Beifahrersitz. Die Blicke sind dafür einmalig, gerade von weit oben.
Hinter dem sehr entspannten Apollo Bay biegen wir ins Inland ab – die Küste ist toll, keine Frage, aber wir wollen Koalas! In Bimbi Park geht es so viel einsamer zu als am Kennet River und kaum stellen wir unsere Campingstühle hinter dem Van auf, sehen wir schon das erste Wollknäuel im Eukalyptus-Baum hängen. Weit oben, wenig Bewegung, aber sie sind da! Im Laufe des Tages bekommen wir sie aus immer kürzerer Distanz zu sehen.
Am nächsten Tag kehren wir zurück auf die Küstenstraße – und zu den berühmtesten Felsen der Strecke. Die Twelve Apostles waren noch nie zu zwölft und nachdem einer der Felsen 2005 im Meer versank sind es heute nur noch acht, die der Brandung trotzen, aber wen interessieren hier schon Zahlen.
Wir befürchten Menschenmassen, Parkplatzmangel, Anstehen für eine kurze Aussicht, aber die Nebensaison und die kluge Planung der Australier macht den Blick auf die Twelve Apostles zu einem perfekten Erlebnis.
Die hohen Felsen ragen wie Wächter der dahinter liegenden Steilküste aus dem türkisfarbenen Wasser. Die tosende Brandung, die die Felsen umspült, die weiße Gischt, die auf den Strand trifft, die Weite der Küste und des Ozeans – wir sind einfach nur beeindruckt und können uns kaum sattsehen. Mehrere Aussichtsplattformen verteilen die staunenden Touristen so geschickt, dass jeder ein Plätzchen findet, um die Schönheit der Natur auf sich wirken zu lassen.
An der Bay of Islands noch ein letzter Blick auf den grandiosen Ozean und seine Felsen – dann biegt die Great Ocean Road ins Inland ab und kehrt nicht mehr zurück ans Meer. Vier Tage auf dieser Traumstraße, dazu Kängurus und Koalas – ein grandioser Einstieg in unseren Roadtrip!









