Den Oman mit seinen orientalischen Köstlichkeiten haben wir hinter uns gelassen. Unser eigentliches Ziel ist der Süden Australiens, aber wir wollen uns Zeit nehmen. Statt direkt weiterzufliegen, entscheiden wir uns für einen genussvollen Abstecher nach Südostasien. Und tun das, was wir am besten können: schlemmen!
Bangkok
Bangkok ist unser erstes Ziel – eine Stadt, die wir vor über dreißig Jahren zum ersten Mal besucht haben und in die wir seither immer wieder zurückkehren. Natürlich hat sich vieles verändert: Es ist voller geworden, riesige Shoppingtempel sind aus dem Boden geschossen, auf der früheren Backpackermeile Khao San Road tummeln sich westlich anmutende Kneipen und schicke Hotels. Und doch fühlt sich überraschend viel noch genauso an wie in den 90ern. Das Chaos auf den Hauptstraßen, die friedlichen Gassen der Wohnviertel nur wenige Schritte abseits des tosenden Verkehrs, die Obst-, Gemüse- und Fischmärkte – da ist es noch, das Bangkok von damals.
Wir wohnen etwas abseits der klassischen Touristengegenden, aber dennoch zentral, nahe der Bootsanlegestelle Thewes Pier. Ein idealer Ausgangspunkt: Für die nächsten Tage können wir dem Verkehrschaos auf den Straßen entgehen und stattdessen auf die Boote des Chao-Phraya-Flusses umsteigen.

Nach unserer müden Ankunft nach dem Nachtflug aus Maskat nehmen wir zunächst noch die Metro in die Stadt. Für die letzten vier Kilometer bis zum Hotel müssen wir jedoch eine geschlagene Stunde auf ein Grab warten – das südostasiatische Pendant zu Uber. Kaum ein Fahrer möchte die Strecke im morgendlichen Berufsverkehr übernehmen. Irgendwann klappt es dann doch, und wir landen im freundlichen SSIP Boutique Dhevej Bangkok, wo uns eines der herzlichsten Frühstücke erwartet, die wir je erlebt haben. Spätestens jetzt ist klar: Die Schlemmertour kann beginnen.

Bangkok kennen wir gut. Die Sehenswürdigkeiten – allen voran der Königspalast – sind phantastisch, inzwischen aber so überlaufen, dass wir lieber in Erinnerungen schwelgen: an eine Zeit, als chinesische Reisegruppen noch Seltenheitswert hatten und Europäer lieber in Strandresorts blieben. Also fahren wir viel Boot, streifen durch die Straßen und essen, was das Zeug hält.
Auch nicht mehr ganz neu, aber mittlerweile prägend für die südostasiatische Gastroszene, sind die Streetfood-Empfehlungen des Michelin. Seit Jay Fai mit ihrem Krabbenomelett sogar zum Netflix-Star wurde, sind viele dieser Garküchen umlagert. Wir versuchen es trotzdem mit einer der Empfehlungen – und ja: Der Mango Sticky Rice von K. Panich ist schlicht phantastisch.
Wir schlemmen uns durch das Gassengewirr des Wang-Lang-Marktes, wo die Curry-Nudeln genial sind, genießen Wantans im Hagow Yaowarat in Chinatown und machen zum Abschluss dann doch noch einen Abstecher in eines der großen Shoppingcenter. Im Icon Siam landen wir schließlich im beeindruckendsten Food Court, den wir bisher in Asien gesehen haben: ganz Thailand auf einer riesigen Fläche, liebevoll inszeniert mit Marktständen und künstlichen Kanäle, auf denen Boote voller Essen schaukeln.
Nach drei Tagen lassen wir Bangkok glücklich zurück. Klar ist: Wir kommen wieder. Irgendwann.

George Town
Ab nach Malaysia – und ja, ich lege mich fest: in das Land mit dem besten Essen der Welt. Und zwar gleich in dessen kulinarische Hauptstadt. Malaysia ist ein Paradies, das gleich mehrere der großartigsten Küchen vereint und daraus noch etwas ganz Eigenes geschaffen hat: indisch, chinesisch, malaiisch – und die Verschmelzung der letzten beiden, unser persönlicher Favorit: Nyonya.
Der beste Ort dafür ist George Town auf der Insel Penang. Auch hier sind wir nicht zum ersten Mal. Als wir vor über dreißig Jahren erstmals durch die Stadt liefen, bröckelte der koloniale Charme so sehr vor sich hin, dass wir ihn für unrettbar hielten. Wehmütig blickten wir damals auf das halb verfallene Eastern & Oriental Hotel, einst eine Perle Südostasiens. Die halbe Nacht verbrachten wir mit der Kakerlakenjagd in unserem Billighotel.
Dass sich George Town verändert hat, wurde mir bereits bei einem Besuch 2016 klar. Jetzt kommen wir erneut an – es ist bereits dunkel, als wir im Cititel Penang einchecken. Vom Fenster unseres Zimmers im 11. Stock sehen wir zunächst nicht viel. Erst am Morgen offenbart sich der grandiose Blick: direkt auf das in neuem Glanz erstrahlte Eastern & Oriental Hotel und die dahinterliegende Bucht der Straße von Malakka. Rechts unter uns leuchtet das ikonische Blau der Cheong Fatt Tze Blue Mansion. Und dort vorne – ist das nicht tatsächlich das Hotel, in dem wir vor vielen Jahren Kakerlaken gejagt haben?

Das Frühstück entpuppt sich als Reise durch Asien: alle Küchen Malaysias, dazu japanisch und europäisch. Wo fängt man da bloß an? Bei diesem Blick und diesem Frühstück verzeihen wir dem Hotel sogar die scheppernde Klimaanlage und den leicht muffigen Geruch im Zimmer. Doch jetzt: raus in die Stadt!

Zu den ohnehin tausenden asiatischen Touristen gesellt sich heute noch eine große Ladung deutscher Kreuzfahrer – ein TUI-Schiff hat sie für den Tag ausgespuckt. Entdeckt haben wir das natürlich schon frühmorgens von unserem Zimmer mit Premiumblick. Wir wandeln durch das Eastern & Oriental Hotel, lassen uns von seinem kolonialen Charme einfangen, bummeln durch den Vintage-Zauber der chinesischen Shophouses, lassen uns von indischen Tempeln und chinesischen Clanhäusern in vergangene Zeiten beamen – und essen. Viel.

Kuala Lumpur
Doch satt sind wir noch lange nicht. Also weiter nach Kuala Lumpur.
Bei unserem ersten Besuch in den 90ern fanden wir die Stadt schrecklich. Wir wohnten in einem fertigen Wohnblock außerhalb des Zentrums, Malaysia war damals im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern teuer, wir noch im studentischen Sparmodus – und landeten folglich in einer wenig einladenden Gegend. Die rasante Entwicklung von „KL“ haben wir bei späteren Besuchen verfolgt, wirklich überraschen kann sie uns also nicht mehr.
Und trotzdem: Wir können uns nicht sattsehen am Blick aus unserer Wohnung im 26. Stock auf die Häuserschluchten. Auf die Türme der Petronas Towers, für uns immer noch die schönsten Hochhäuser der Welt, auf den Merdeka Tower in Chinatown.

Die Shoppingcenter brummen Tag und Nacht, in den Food Courts tobt zu jeder Uhrzeit das Leben, die Straße muss man nicht mehr betreten, denn zwischen den Einkaufstempeln und den Häusern bewegt man sich auf klimatisierten Fußgängerbrücken. Am Abend trifft man sich im Park des KLCC, sieht sich die Watershow an, wandelt über die Spazierwege im Grünen und das alles vor der grandiosen Kulisse der Petronas-Zwillingstürme. Malaysia ist eindeutig im 21. Jahrhundert angekommen.

Das bevorstehende chinesische Neujahrsfest macht aus der Innenstadt einen gigantischen roten Karneval. Obacht: Es wird das Jahr des Feuerpferds – da sollen spannende Kräfte am Werk sein.

Wir geben uns Beef und Chicken Rendang hin, genießen Rotis an Straßenständen, süße gedämpfte Custard Buns im Hainan Kafei Dian, zwischendurch auch aromatische Ramen und krönen das Ganze mit einem Besuch im 1919 mit Nonya Red Curry und frittierter Aubergine. Spätestens jetzt ist klar: Wir sind im absoluten Foodie-Heaven angekommen. Wäre da nicht eine weitere Stadt ganz im Süden der malaiischen Halbinsel.
Singapur
Und dann kommt Singapur. Und setzt noch mal einen drauf.
Nach der schnellsten Einreise unseres Reiselebens – vollelektronisch und ohne Schlange – sind wir in zwei Minuten drin. Direkt vor uns wartet schon die erste Attraktion: Jewel, der gigantische Wasserfall mitten im Flughafen. Wassermassen stürzen aus der Kuppel hinab in das von tropischen Terrassen gesäumte Rund, dazu erklingt Indiana-Jones-Musik. Am Rand des großen Beckens absolvieren fitte Singapurianerinnen ein Fitnessprogramm, über allem gleitet der Skytrain durch die Szenerie – so ein ganz klein wenig fühlt sich das an wie eine Szene aus Star Trek.


Unser Hotel liegt nur eine Viertelstunde entfernt im Stadtteil Katong. Schnell wird klar, dass es sich hier um das In-Viertel von Singapur handelt mit bunten Shophouses, kleinen Läden und unglaublich vielen Restaurants. Sind wir also richtig! Bei 328 Katong Laksa hat schon Gordon Ramsay gegessen und auch wir schlagen begeistert zu.

In den nächsten zwei Tagen tritt Essen – kaum zu glauben – zeitweise etwas in den Hintergrund. Singapur überwältigt mit seinen futuristischen Aussichten: die Ausblicke rund um die Marina Bay mit dem ikonischen dreibeinigen Marina Bay Sands Hotel, die Skyline entlang der Bucht, der wohl coolste Apple-Shop der Welt, das lotusförmige ArtScience Museum, die riesigen künstlichen Blütenkelche der Gardens by the Bay, glitzernde Metrostationen und mondäne Shoppingcenter – die vielen Möglichkeiten dieser Stadt erschlagen uns fast.
So toll es hier ist – ein bisschen Natur und Einsamkeit könnten wir jetzt gut gebrauchen. Vier Städte, zwei volle Bäuche und unzählige Aromen später lassen wir Südostasien satt und glücklich hinter uns.
Tschüß Asien.
G’day Australia!











