Mohammed hat Delfine versprochen – und wir bekommen Delfine. Auch wenn wir zunächst daran zweifeln, ob wir überhaupt in See stechen werden.
Nach einem Frühstück, das locker für fünf gereicht hätte, und mehreren Tassen köstlichen Kaffees mit Rosenwasser werden wir mit Verspätung abgeholt. Am Traumstrand zeigt sich der Grund: Der Jeep, der unser Boot ins Meer ziehen soll, springt nicht an. Irgendwann gibt es Starthilfe vom Nachbarn, das Boot wird hinten angebunden und gleitet über den hellen Sand Richtung tiefblaues Meer. Wir springen hinein, die Fahrt geht los – hinaus in eine einsame Bucht.
„Turtle!“, ruft unser Kapitän irgendwann. In der Ferne sehen wir einen kleinen Kopf aus dem Wasser ragen, der bald wieder abtaucht. Kurz denken wir an frühere Schildkröten-Schnorchelerlebnisse in Australien, an Delfine bei Pamilacan auf den Philippinen. Eine der Gefahren des Reisens: Vieles war schon einmal ultimativ. Kann ein Nashornerlebnis je wieder so gut werden wie im Chitwan-Nationalpark in Nepal? Wird uns eine Wüste je wieder so begeistern wie Sossusvlei in Namibia?
Aber dann lassen wir das alles los und genießen den Moment.

Wir fahren weiter hinaus aufs offene Meer – und plötzlich sind sie da. Delfine. Ihre Körper wölben sich elegant aus dem Wasser, sie überholen unser Boot, tauchen ab, verschwinden und tauchen weiter vorne wieder auf. Unser Kapitän stellt den Motor ab. Wir hören sie atmen. Und ja, Pamilacan war großartig – aber das hier ist es auch!
Nach zwei Stunden kehrt ein Boot voller glücklich grinsender Globonauten ans Ufer zurück. Auf omanische Art: mit Anlauf und frontal Richtung Strand. Kurz erschrocken halten wir uns fest, gleiten dann jedoch sanft über den Sand und steigen trockenen Fußes aus. Ein Bad lassen wir uns trotzdem nicht entgehen: Kurz darauf treiben wir im kristallklaren Wasser des Golfs von Oman.
Am Abend zeigt uns Mohammed eine weitere Attraktion von Ras al-Hadd: leuchtendes Plankton. Das Meer ist spiegelglatt. Das Plankton leuchtet nur bei Bewegung, und so funkelt das auflaufende Wasser nur dezent als würden Glühwürmchen darin baden. Magisch ist es trotzdem. Ein Fischerboot zieht vorbei und zieht unter sich eine leuchtende Spuren – fast wie ein Geisterschiff.
Am nächsten Tag brechen wir auf ins Landesinnere. Viele fahren von der Küste aus in die Wüste, wir verzichten darauf. Sossusvlei… Aber einen Wadi, für die der Oman bekannt ist, wollen wir uns anschauen. Behinderungsgemäß wählen wir einen, in den man nicht kilometerlang hineinlaufen muss. Der Wadi Bani Khalid ist gut mit dem Auto erreichbar. Allein sind wir hier nicht, doch es sind vor allem fröhliche einheimische Touristen, die die Pools bevölkern. Wir bekommen einen Eindruck von der Grandiosität dieser Landschaft, planschen im klaren Wasser und widmen uns anschließend einem sehr guten Essen.



Unser nächstes Ziel: Nizwa. Eine Oasenstadt nahe der Berge, mit Burg, Fort und großem Souk – eines der wichtigsten Touristenziele des Landes, für omanische wie ausländische Gäste. Die meisten alten Lehmgebäude sind restauriert, Hotels und Cafés säumen die engen Gassen. Sehr orientalisch, sehr stimmungsvoll, sehr geschmackvoll – und manchmal schon nah an einem Disneyland aus Tausendundeiner Nacht.

Freitags findet hier der berühmte Ziegenmarkt statt, lesen wir. Alles ausgebucht an diesen Tagen. Als wir am Samstagabend die Menschenmassen sehen, die sich durch die Gassen schieben, sind wir fast froh, ihn verpasst zu haben.
Unser Hotel ist komfortabel und zugleich authentisch – Orientträume mit modernen Annehmlichkeiten. Und trotz der vielen Besucher macht es Freude, durch den Souk zu bummeln: durch Weihrauchschwaden hindurch, Halwa in verschiedenen Variationen zu probieren, Datteln und Dattelsirup zu kosten. Fort und Palast sind vor allem eines: ein Spiel aus Licht und Schatten, aus kreuzenden Treppen, verschachtelten Räumen und warmem Sandstein.


Wir lassen es ruhig angehen. Sitzen stundenlang auf der Dachterrasse des freundlichen Niz Cafés, bummeln täglich durch den Souk, entspannen im luftigen Zimmer und essen hervorragend in einem kleinen jemenitischen Restaurant hinter dem inzwischen leeren Ziegenmarkt.

Doch es gibt noch so viel zu sehen. Die Forts und Festungen Omans sind spektakulär – eine gehört sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Jabrin hätten wir beinahe übersehen, dabei beeindruckt dieses Fort vor allem von innen. Die luftigen Wohnräume sind so gemütlich, dass man am liebsten bleiben möchte.

Bahla fasziniert durch seine schiere Größe. Wir kommen am späten Nachmittag, die untergehende Sonne taucht die Mauern in warmes Licht. Nur noch wenige Menschen sind unterwegs – und da wir gleich nebenan wohnen, können wir das Weltkulturerbe später sogar beim Abendessen von außen bewundern.


Misfah Al Abriyeen ist wunderschön, doch der Tourismus hat hier bereits deutliche Spuren hinterlassen. Das Bergdorf mit seinen terrassierten Gärten ist ein beliebtes Ziel von Reisebussen geworden. Am Ortseingang bittet die Bevölkerung fast schon flehend um zurückhaltendes Verhalten und entsprechende Kleidung – nicht alle nehmen das ernst. Wir klettern durch die steilen Gärten, bewundern die ausgeklügelten Bewässerungskanäle und genießen Zitronen-Minz-Saft mit spektakulärem Blick in einen kleinen Canyon.

Unsere letzten Tage im Landesinneren verbringen wir in Al Hamra. Die Altstadt aus Lehm ist weitgehend verfallen; man bewegt sich durch ihre Gassen wie Entdecker in den Überresten einer lang vergangenen Zivilisation. Das liebevoll restaurierte und mit historischer Inneneinrichtung versehene Bait al Safah lässt diese Vergangenheit wiederauferstehen.
Am Rand der Altstadt spazieren wir durch Palmengärten, lassen den Nachmittag in einem der schönen Cafés ausklingen und gönnen uns baskischen San-Sebastian-Cheesecake: ein Käsekuchenwunder mit gefühlt tausend Kalorien, Pistaziensoße und – ganz nebenbei – Erics Geburtstagskuchen.
Viel haben wir gesehen in den letzten Tagen. Morgen geht es zurück nach Maskat, noch eine Nacht dort – und dann beginnt unser Abenteuer Ausreise. Der Oman darf noch ein wenig nachwirken. Dann folgt unser Fazit.
Und danach: Good morning, Bangkok!








Bin gespannt auf die weiteren Reiseberichte.
Ich fühle mich direkt in den Orient versetzt, durch Eure tollen Bilder und die eindrücklich Beschreibung eurer Erlebnisse.
Alles Gute!