Wir waren schlecht vorbereitet. Eigentlich gar nicht vorbereitet, weil wir bis zuletzt zweifelten, ob wir überhaupt starten können. Als dann 48 Stunden vor Abflug das Okay kam, waren plötzlich tausend andere Dinge wichtiger als Reiseplanung. Aber – so mögen wir es eigentlich. Für Dubai fand sich schnell ein Hotel und was braucht man mehr? Dachten wir.
Nach der Landung in Maskat läuft zunächst alles wie am Schnürchen. So gut organisiert, so gelassen, so freundlich, „Gelle, wir fliegen am 25. weiter“, sagt Eric der netten Frau am Einreiseschalter. Sie lächelt, drückt uns das Visum in den Pass – das war’s.
Unser Guesthouse hat uns bereits eine WhatsApp-Nachricht geschickt: Welcome to Oman. Fünf Minuten später werden wir abgeholt. Das Zimmer ist blitzesauber, auf uns wartet omanischer Karak-Tee mit Cardamom. Unser erstes Abendessen ist köstlich, aber viel zu viel. Diesen Mengen werden wir uns in den nächsten Tagen immer wieder geschlagen geben müssen. Aber obwohl wir nie aufessen, bleibt das Wetter gut: leichte Meeresbrise und sehr angenehme Temperaturen.
Unseren Mietwagen bekommen wir erst in zwei Tagen, und Maskat ist eine sehr ausgedehnte Stadt. Mit sehr wenig öffentlichem Nahverkehr. Und in erster Linie gemacht fürs Autofahren. Also fahren wir Taxi und das ist dank App einfach und günstig.
Aber – noch fehlt uns die Orientierung in dieser weitläufigen Stadt, in der Fußgänger nicht vorgesehen sind. Also lassen wir uns zunächst 25 Kilometer in den Osten fahren, dorthin, wo sich der Sultanspalast und Ministerien befinden. Der Palast selber kommt mit seiner blau-goldenen Fassade wenig märchenhaft daher, aber die ihn umgebenden Regierungsgebäude in sandigen Tönen, mit traditionellen Formen und dem Spiel von Licht und Schatten geben uns einen ersten Eindruck vom Zauber moderner omanischer Architektur.
So alt Maskat ist, so wenig historische Viertel finden sich heute noch. Für das durchaus beeindruckende Regierungsviertel wurde die Altstadt abgerissen. An der Uferpromenade von Muttrah findet sich noch das ein oder andere alte Kaufmannshaus, die meisten Gebäude sind jedoch neu. Auch der Souk von Muttrah, der größte im ganzen Oman, wirkt architektonisch eher modern.
Ein gelungenes Beispiel für dieses moderne Bauen ist die neue Oper von Maskat – monumental, elegant und geschmackvoll.
Als wir dann endlich ein eigenes Auto haben und nun selbst über die breite Stadtautobahn donnern können, wissen wir mit unserer neu gewonnenen mobilen Freiheit erstaunlich wenig anzufangen. Die große Moschee ist für Nichtmuslime nur bis 11 Uhr geöffnet – das haben wir verpasst. Das Naturreservat am Meer scheint seit Monaten geschlossen zu sein. Und irgendwann landen wir dann doch wieder in einem der großen Shoppingcenter – was durchaus Spaß macht: Ikea auf arabisch, ein kleiner Schnuppertest bei Amouage, einem der teuersten Parfums der Welt, und ein riesiges Dosa im Foodcourt.
Aber unser Start in Maskat holpert ein wenig.
Und dann entdecken wir in unseren Pässen das eingestempelte Ausreisedatum: 23.01. Nicht der 25.01., an dem wir fliegen. Eigentlich kein Wunder, 14 Tage gewährt der Oman bei Einreise, alles darüber hinaus erfordert ein Visum, das man vor der Reise beantragen muss. Wenn man sich denn mit solchen Dingen beschäftigt und nicht mit Arztbesuchen und der Frage, ob man überhaupt reisen kann.
Die Webseite des Auswärtigen Amts, sonst eher Weltmeister der Panikmache, gibt sich erstaunlich gelassen: Bei Überschreitungen der Aufenthaltsdauer müsse man dann halt zahlen. Die Webseite der Royal Oman Police sagt: ja, aber nur bis zu 24 Stunden Überschreitung. Wir werden unsicher. Fragen die KI. Surfen durch verschiedene Seiten und Foren. Und kriegen leichte Befürchtungen – nicht wegen möglicher Strafzahlungen, sondern wegen künftiger Einreisen in andere Länder. Als „Visumsverletzer“ könnten uns Staaten wie die USA Probleme machen. Wobei: da wollen wir derzeit sicher nicht hin.
Trotzdem beschließen wir, die Sache direkt zu klären und statten der Royal Oman Police einen Besuch ab. Wir finden uns in einem von Weihrauch erfüllten Verwaltungsgebäude wieder und werden in einen großen Raum mit sehr vielen Menschen geschickt. Hier muss man bereits für den Erhalt einer Wartemarke lange anstehen – sehr lange. Die nächsten zwei Stunden folgen dann erstaunlich exakt den Regeln deutscher Bürokratie – warten – Rücksprache halten – „wir sind nicht zuständig“. Die Omanis um uns herum nehmen all das mit der landestypischen Gelassenheit und Freundlichkeit. Wir hingegen überlegen zwischendurch bereits, unseren Flug umzubuchen. Schließlich werden wir noch mal drei Kilometer weiter in eine andere Dienststelle geschickt – und bekommen dort die Auskunft, dass alles in Ordnung sei und wir halt das bissle Strafe zahlen sollen. Ob das stimmt, das wird sich noch rausstellen. Jedenfalls beschließen wir, der gelassenen Auskunft zu vertrauen. Und dass es jetzt endlich losgeht mit unserem omanischen Abenteuer.
Also rauf auf die Autobahn Richtung Süden. Vorbei an steinigen Wüsten, hoch hinauf in die Berge und wieder hinunter. Bis der tiefblaue Golf von Oman am ansonsten staubigen Horizont aufblitzt.
Für Sur, das Städtchen am Meer, in dem wir eigentlich einen ganzen Nachmittag verbringen wollten, bleibt nur wenig Zeit. Aber wir erleben einen schönen Sonnenuntergang und fahren dann weiter nach Ras al-Hadd.
Als wir am Guesthouse von Mohammed ankommen, von seinem Sohn mit Tee und Kaffee begrüßt werden, der Papa uns eine Bootsfahrt zu Delfinen und Meeresschildkröten für den nächsten Tag organisiert und ein köstliches Frühstück in Aussicht gestellt hat, ist dann aufeinmal alles gut.
Der Anfang war holprig.
Aber jetzt wird es gut werden!















