Land der tausend Pagoden

20161115-myanmar-bagan-292Bagan! Pagoden, so weit das Auge reicht. Ein sehr mystischer Ort und das absolute Highlight unserer bisherigen Reise. Aber der Reihe nach.

Wir verlassen Mandalay am frühen Morgen mit dem Boot – der Irrawaddy verbindet die 20161110-myanmar-bagan-39beiden Orte und scheint uns deutlich reizvoller als die holprigen burmesischen Straßen. An Bord bleiben die Touristen unter sich – de nervigen wie die netten. Eine kleine deutsche Reisegruppe hat sich sofort die besten Plätze draußen unter dem Sonnensegel, das zu dieser frühen Stunde auch als Regenschutz dient, gesichert. Eine Dame belegt gleich drei Plätze – auf einem sitzt sie, auf dem anderen ihr Rucksack und auf dem dritten ihr Fuß. Nein, hier sei nichts mehr frei und im übrigen gehörten ihr auch drinnen mehrere Sitze. Wenigstens sorgt sie damit dann gleich für Gesprächsstoff mit den anderen, ebenfalls deutschen Mitreisenden. Und bei acht Stunden Fahrtzeit freuen wir uns über die Gespräche mit netten Menschen aus Freiburg und Düsseldorf. Die Landschaft zieht vorbei und ein ganz klein wenig enttäuscht sind wir – der Fluss schlängelt sich unspektakulär durch die fast langweilige Ebene, aber Unterhaltung gibt es ja und unsere Kapitäne versorgen uns hervorragend erst mit Kaffee und Toast, später dann mit einem scharfen Curry. Wir kommen gut voran und gehen fast eine Stunde früher als gedacht von Bord. Immer noch kein Wow-Erlebnis, lange Verhandlungen mit der Taxifahrer-Mafia, wir teilen uns zu viert ein Auto und kommen im Dunkeln im Hotel an. Noch ist der Funke nicht ganz übergesprungen.

20161114-myanmar-bagan-221Den nächsten Tag gehen wir gemütlich an, laufen durch das staubige New Bagan mal in die eine Richtung zu einer Pagode am Fluss, mal in die andere zu einem schönen Restaurant, aber hm, so richtig faszinierend ist es immer noch nicht. New Bagan ist, wie es der Name vermuten lässt, eine Neugründung, und zwar eine zwangsweise – 1990 beschloss die Regierung, dass Old Bagan mit seinen archäologischen Haupttempeln geräumt werden sollte, um exklusiven Hotels Platz zu machen. Burma hat eine raue Vergangenheit…

Aber dann! Am 20161111-myanmar-bagan-64nächsten Tag schwingen wir uns auf eine chinesische Elektro-Vespa und düsen zu den Tempeln, die nicht fußläufig zu erreichen sind. Wir besteigen die Shwesandaw-Pagode und sehen zum ersten Mal, wie viele Tempel aus der Landschaft ragen – über 2000 sind es insgesamt. 20161111-myanmar-bagan-81Staunend stehen wir in der Hitze und können uns kaum losreißen von dem wunderbaren Blick. Kleine Pagoden, die eine 20161113-myanmar-bagan-173geheimnisvoll lächelnde Buddhafigur beherbergen, verfallene Klosteranlagen mit uralten Wandmalereien, goldene Stupas und große Tempelkomplexe, die meisten in goldbraunem Ziegelstein und die ältesten an die tausend Jahre alt. Bagan ist einerseits ein sehr historischer Ort, eine alte Königstadt des 11- bis 13. Jahrhunderts, aber andererseits eine sehr lebendige Stätte religiöser Verehrung. Dieser Eindruck entsteht nicht nur die vielen burmesischen Pilger, die sich nach den Gebeten neben den Tempeln zum Picknick niederlassen, sondern auch durch die Menschen, die neben und teilweise sogar in den Ruinen leben.
20161113-myanmar-bagan-185Stupas werden laufend neu erbaut, den bestehenden historischen Gebäuden ganz unhistorische Elemente, wie goldene Tempelspitzen, aufgesetzt, mehrere Erdbeben, zuletzt im August 2016, verändern das Gesicht der Anlage laufend. Bagan ist kein Weltkulturerbe, es gibt diverse politische Gründe dafür, aber uns wird klar, dass dieser Ort kein museumsgleiches Areal sein kann, sondern auch durch den steten Wandel lebt.

20161113-myanmar-bagan-189Am schönsten ist Bagan in den späten Nachmittagsstunden, das Licht lässt die Tempel und die Landschaft besonders golden leuchten und die Sonnenuntergänge sind absolut spektakulär. Das wissen aber nicht nur wir, sondern viele andere Touristen auch, weswegen auf den großen Tempeln schon ab halb fünf ein großes Gedränge herrscht, kurz vor fünf dann die letzten Reisebusse ankommen, wild in der Landschaft parken, keuchende Touristen die oberen Plattformen erreichen und hektisch nach 20161112-myanmar-bagan-170dem besten Platz für den Sonnenuntergang suchen. Klar, allen wäre es am liebsten, sie könnten die magische Abendstimmung einsam erleben, wir wissen es: wir stehen nicht im Stau, wir sind der Stau und 20161114-myanmar-bagan-213nur weil wir ohne Gruppe reisen, sind wir nicht die besseren Touris. Aber trotzdem brauchen wir einen anderen Ort und finden den eher zufällig auch auf dem Dach eines verfallenen Klosters neben einem winzigen Dorf freundlicher Menschen. Hier sind wir zwei Abende ganz allein, strecken uns ein Stündchen auf den warmen Steinen des 20161115-myanmar-bagan-258Daches aus und bekommen dann auch noch einen Supermond zu sehen, der uns fast den Atem raubt. Wir nehmen uns Zeit für Bagan und sind froh, diese auch zu haben – die hektischen Reisegruppen, die die Tempel im Schnelldurchlauf absolvieren, sehen zwar sicherlich etwas mehr, aber uns ist es egal, ob wir jetzt 2 oder 5 % der 2000 Gebäude besichtigt haben.

Und wie überall in Myanmar stellen wir fest, dass der Tourismus zwar bereits voll und ganz angekommen ist, die Atmosphäre aber trotzdem noch freundlich und gelassen bleibt. So viel Lächeln, Menschen, die uns so neugierig bestaunen wie wir sie: wir genießen Myanmar!

 

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